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Herssel-t? IrtisHitt

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Ur. 39.

Donnerstug den 9. März

1893.

Amtliches.

Hersfeld, den 8. März 1893.

Die Herren Bürgermeister der Landgemeinden werden auf die allgemeine Verfügung, betreffend die durch das Gewerbesteuergesetz vom 24. Juni 1891 (G. S. S. 205) verursachten Aenderungen der Vorschriften über die Bestimmung des Wander- lagerbetriebes (Amtsbl. Nr. 9) aufmerksam ge­macht.

I III Nr. 4t 3. Der Königliche Landrath:

Freiherr von S ch l e i n i tz.

Nichtamtliches.

f Die Rheingrenzr.

Ein ac.tiver französischer Generalstabsoffizier, Molard mit Namen, hat kürzlich ein Buch über die militärische Leistungsfähigkeit der europäischen Staaten veröffentlicht, das trotz seines Titel eine Reihe merkwürdiger politischer Betrachtungen enthält. In dem einleitenden Kapitel sagt der Verfasser, die Wiederherstellung des Deutschen Kaiserreichs zu Gunsten Preußens habe das europäische Gleichgewicht vollständig zerstört, da­her sei auch Frankreich der unermüdliche Gegner Deutschlands. Wörtlich fährt er dann fort:

Die französische Politik hat stets nur einen Zweck gehabt, die Zurückeroberung dervon der Deutschen Rasse usurpirten Ge- bjiet st heile des linken Rhein-Ufers. Der Rhein ist nicht ein Deutscher Fluß mögen es auch die Deutschen Geschichtschreiber noch so oft sagen, sondern er bildet eine Grenzbarriere. Er theilt in Wirklichkeit das westliche Europa in

zwei große Gebiete, in das Französische Gebiet, 1 das vom Atlantischen Ocean bis zum Rhein reicht, ! und in das Deutsche Gebiet vom Rhein bis zur Elbe. Auf jeder Seite dieser Grenzbarriere waren seit 2 000 Jahren Gallier und Germanen Feinde, wie es Deutsche und Franzosen heutzutage noch sind. Wir waren, wir sind es und wir werben es bleiben bis zum Tage der endgültigen Entscheidung Erbfeinde! Das ist nicht eine Phrase, sondern die einfache Feststellung einer historischen Wahrheit."

Diese Ausführungen schlagen der historischen Wahrheit ins Gesicht. Große Kriege zwischen Galliern und Germanen gab es vor 2 000 Jahren nicht. Die Gallier waren römische Unterthanen. Zur Zeit der Völkerwanderungen nahmen salische Franken also Germanen von den Ländern an der Maas Besitz und gründeten das Franken­reich. Seit 141500 Jahren haben ununter­brochen zu beiden Ufern des Rheins Deutsche gewohnt. Von dem Rhein als einer historisch überkommenen politischen Grenzscheide kann also nicht die Rede sein, und was Elsaß-Lothringen betrifft, so ist es bekanntlich vor zwei Jahr­hunderten von Frankreich geraubt worden. Seit dieser Zeit war die französische Politik erst recht und unausgesetzt von der fixen Idee beherrscht, daß das ganze linke Rheinufer, also auch die Pfalz, Trier rc. zu Frankreich geschlagen werden müsse, was am bündigsten in einem kleinen Werke des bekannten katholischen Historikers Johannes JanssenFrankreichs Rheingelüste" aus den Quellen vor ungefähr drei Jahrzehnten nachge­wiesen worden ist.

Allein ob Monsieur Molard mit der Geschichte gut oder schlecht vertraut ist, darauf kommt schließlich wenig an. Was uns zur ernstesten Beachtung des Buches zwingt, das ist der Um-

stand, daß darin ein höherer aktiver Offizier mit geradezu verblüffender Offenheit Zeugniß dafür ablegt, welche Gedanken die politischen Geister in Frankreich fort und fort beherrschen. Ueber die Art, wie sie zu verwirklichen seien, sagt er:

Unser nächstes und unmittelbares Ziel im nächsten Kriege wird, wir sagen nicht dieEr­oberung", wohl aber dieBefreiung", Elsaß- Lothringens sein. Dieses Ziel können wir aber via Belgien nicht erreichen. Auf der anderen Seite hat man schon vor langer Zeit alle Sentimentalität außer Acht lassend gesagt: das wahre Ziel für eine Französische Offensive ist das Bassin des Mains. Hierdurch theilt man Deutschland in zwei Hälften, und von hier aus ist auch das Eindringen in das Herz jeder dieser Hälften am leichtesten. Der Schlüssel des Main-Bassins ist aber Mainz, und um dorthin zu kommen, muß man zwischen Mosel und Rhein operiren, nicht aber auf dem linken Ufer der Maas."

Man will uns also vorschreiben, wo unsere nationale und militärische Grenze sei, man er­örtert schon den Schauplatz, auf dem der Ein­bruch in deutsches Land vorgenommen werden soll. Danach werden die Franzosen handeln, sobald sie die Uebermacht zu haben glauben. Ob sie sie erlangen können, das liegt an uns. Noch immer besteht der Ausspruch Moltke's: Die beste Art, eine Grenze zu schützen, ist, energisch die Offensive zu ergreifen, und dazu gehört ein nicht blos an Tüchtigkeit sondern auch an Zahl über­legenes Heer. Sorge die Nation dafür, daß das Reich jeder Zeit im Stande sei, das 1870/71 Errungene zu bewahren!

Die Tochter des Meeres.

Roman von U. Mcolo.

(Fortsetzung.)

Jene müssen sehr einfältig gewesen sein^ die das Räthsel nicht rathen können," sagte Susy. Ich würde gern die Hälfte meines Lohnes darauf wetten, daß ich sagen könnte, wer es war, und ob sie lebt und wo."

Sie! '. . . So glauben Sie, daß es eine Tochter ist?" entgegnete der Diener.

Vielleicht bin ich dessen gewiß. Jedenfalls sönnen Sie sich darauf verlassen, daß ich Sie nicht irre führe," sprach sie.

Ich will Ihnen vertrauen wie Sie mir ver­traut haben, Susy," erwiderte der Diener.Es ist ja auch noch sehr ungewiß, ob es besser ist, die Wahrheit zu sagen oder das Geheimniß zu bewahren. Aber nicht wahr, unter allen Um­ständen halten wir zusammen?"

Vielleicht!" erwiderte sie . . .Nun, ich darf wohl sagen: ja, wenn Alles klar zwischen uns ist. Ich gestehe, ich wünschte Miß Netta, daß sie zu ihrem natürlichen Recht gelange, und ich muß sagen, es wäre sehr hart, wenn es ihr genommen würde."

Sie haben ganz Recht, wenn auch Mylord die Sache von einer andern Seite betrachtet, und gern die Hälfte feines Vermögens hergeben würde, wenn ihm damit sein Sohn ober seine

Tochter zurückgegeben werden könnte. Außerdem hat er Miß Netta auch nie aufrichtig lieb ge­wonnen, was mich allerdings meinestheils nun gerade nicht so sehr wundert."

Und warum?" fragte Susy.

Weil sie für die Erbin einer alten vornehmen Familie etwas leichtfertig ist," lautete die Ant­wort.

Und wenn die Erbin nun ein anderes Mäd­chen wäre? Was würden Sie dann sagen, Ponsford?" fragte sie.

Es thäte mir leid, aber vielleicht besäße die Andere etivas mehr Verstand und Ernst als diese," entgegnete der Diener kühl.

Jedenfalls ist sie sehr klug," bemerkte die Jungfer,und hat bereits sehr viel Unheil an- gestiftet, wenn es nämlich Jene ist, die ich meine, denn sie war schuld am Tode ihres eigenen Onkels und war der Grund, daß ihre Cousine ihren Verlobten verlor . . . vorausgesetzt, daß ich Recht habe, woran ich jedoch nach dem Ge­hörten kaum noch zweifle."

Erzählen Sie mir, was Sie wissen . . . dann kann ich leicht urtheilen," sprach Ponsford ent­schlossen, und Susy berichtete von Cora's An­kunft und Aufnahme in der Villa Faro und von den darauf folgenden Ereignissen.

Ponsford erwog das eben Gehörte mit ernster Miene.

Und dieses Mädchen halten Sie für Graf

Treville's Tochter?" fragte er dann mit erstauntem Gesicht.

Ich weiß es nicht, doch scheint es fast so," antwortete sie.Sie kam von Bremen, und wenn ich mich nicht sehr irre, hieß die Frau, von der sie erzogen morden, auch Falkner."

Sie haben Recht, Susy!" sprach Ponsford nach kurzem Bedenkeu.Es wäre unvorsichtig, dieses Mädchen, außer unter ganz besonderen Umständen, in Miß Netta's Nähe zu bringen. Wissen Sie, wo sie jetzt ist?"

Ich hörte, sie sei mit dem jungen Lord Bel- ford entflohen, der Miß Netta heirathen sollte, wenn er ihren Vater nicht erschossen hätte. Da sehen Sie, daß sie die rechte junge Dame für eine Grafentochter ist!"

Ponsford nickte.

Sie wäre nicht die erste, die so etwas thut," sagte er ruhig.Doch wir wollen uns nicht übereilen, und vor Allem wollen wir bei der Sache an unsere eigenen Interessen denken."

Sie wechselten noch einige Worte, dann trennte sich das Paar, vielleicht fest überzeugt, daß Cora eine Lady Cora Treville sei, und doch entschlossen, tiefes Schweigen über dieses Geheimniß zu be­obachten.

XLV.

Cora war wie ein scheues Reh aus dem Zimmer geflohen, als das Rollen des ankommen-