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Itrsftlütt Kreisbllltt.

Mit wöchentlicher Gratis-BeilageJllustrirtes Sonntagsblatt".

Mr. 40. Donnerstag den 6. April

1893.

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aus das

mit der wöchentlichen Gratis-Beilage Jllustrirtes Sonntagsblatt" pro II. Quartal werden noch fortwährend von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbrief­trägern und von der Expedition angenommen.

Politische Nachrichten.

Berlin, 4. April.

S e. M a j e st ä t der Kaiser erledigte am ersten Osterfeiertage in den Morgenstunden Negie- rungsangelegenheiten und wohnte darauf mit der Kaiserin dem Gottesdienste in der Dom-Juterims- kirche bei. Am Nachmittage, nach der Frühstücks- tasel begaben sich Ihre Majestäten nach dem Schlosse Bellevue, woselbst alsbald darauf auch die kaiserlichen Kinder, sowie auch die Kinder des Prinzen Albert von Sachsen-Altenburg und einiger anderer dem Hofe nahestehender Personen zur Feier des Osterfestes eintrafen, um, wie all­jährlich, bei schönem Wetter in den Gartenan­lagen ein Ostereiersuchen für 'die Kinderwelt zu veranstalten. Am zweiten Osterfeiertage hatten der Kaiser und die K a i s e r i n am Vormit­tage gegen 10 Uhr eine gemeinsame Spazierfahrt unternommen, von welcher Allerhöchstdieselben gleich nach 12 Uhr zurückkehrten. Hierauf er­ledigte Se. Majestät der Kaiser Regierungsange­legenheiten und nahm am Nachmittag den Ent­wurf des Hofbauraths Jhne für die Umgebungen

Die Tochter des Meeres.

Roman von A. Nieolo.

(Fortsetzung)

Du hast nichts weiter zu thun," unterbrach sie der Graf, als zwischen einer Heirath und dem Kloster zu wählen, wenn Du mir über Dich selbst keine vernünftigere Erklärung geben kannst als bisher. Wenn Du Dich einige Stunden be- denken willst, so habe ich nichts dagegen," setzte er mit strengem Blick hinzu.

Aber, Onkel, weißt Du denn, wer er ist?" rief Netta.Weißt 'Du deun sogar,_ daß er eine passende Partie für Deine Nichte ist?"

Wenn er gut zum Liebhaber ist, dann ist er auch gut zum Heirathen, nach dem Urtheil jeder ehrbaren Frau und jedes ehrenwerthen Mannes," antwortete der Graf in barschem Ton.Du wirst sehen, daß ich nicht mit mir scherzen lasse. Wünschest Du Bedenkzeit, oder willst Du Dich gleich entscheiden?"

Netta überlegte einige Zeit.

Onkel, ich bin bereit, Dir zu gehorchen," sagte sie zögernd.Ich hatte mir wirklich nichts Unrechtes dabei gedacht. Nur mochte ich wissen, ob er nicht meinen Namen annehmen, und Dein Erbe werden kann, Onkel, da Du ja keine Kinder hast?'

Der Graf lachte spöttisch.

Zügle Deine Zunge, wenn Du Dir nicht

zu dem Denkmal weiland Kaiser Wilhelm I. in Augenschein. Nachmittags unternahmen beide Majestäten eine gemeinsame Spazierfahrt, statteten gelegentlich derselben der Prinzessin Friedrich Karl in deren Palais einen Besuch ab und kehrten hierauf um 5 Uhr wieder zum Schlosse zurück. Dort fand um 6 Uhr die Abendtafel statt. Nach Aufhebung der Tafel befugten beide Majestäten um 7 Uhr die OperDer Freischütz" im kgl. Opernhause und wohnten derselben bis zum Schlüsse bei. Während der heutigen Vor­mittagsstunden arbeitete der Kaiser zunächst allein und unternahm darauf mit der Kaiserin eine ge­meinsame Spazierfahrt. Nach dem königlichen Schlosse zurückgekehrt, arbeitete Se. Majestät von 10 Uhr ab mit den Chefs des Militär- und des Marinekabinets und nahm am Nachmittage um 12^/4 Uhr militärische Meldungen entgegen.

In Berlin sieht man nächstens dem Ein­treffen des. neuen amerikanischen Ge­sandten, M r. Theodor R u n y 0 n , ent­gegen. Derselbe bekleidete bislang eine Advocatur in New Jersey und ist als Politiker im Partei­leben der Union eigentlich niemals sonderlich hervorgetreten. Wenn ihm nun trotzdem vom Präsidenten Cleveland der wichtige Gesandtschafts­posten in Berlin übertragen worden ist, so ver­dankt er diese Auszeichnung seinen hervorragenden persönlichen Eigenschaften, wie seiner angesehenen Ehrenstellung als Kanzler des Staates New Jersey.

Dem F ü r st e n B i s m a r ck sind auch an seinem jüngsten Geburtsseste am 1. April, an welchem Tage der Altreichskanzler sein 78. Lebensjahr vollendete, aus weiten Kreisen des deutschen Volkes zahlreiche Kundgebungen herz­lichster Verehrung und Theilnahme zugegangen. Dieselben beweisen erneut, daß auch heute noch die Liebe und Dankbarkeit zu dem Schöpfer des

jedes Interesse verscherzen willst, das ich an dem Kinde meines Bruders nehme. Also Du willigst in die Heirath?"

Netta nickte stumm mit dem Kopfe.

Gut!" sagte er.Hoffentlich wirst Du in Kurzem sehen, daß Du klug gehandelt hast. Nun bleibt mir nur noch übrig, mich von den Ge­fühlen und ehrbaren Gesinnungen des jungen Mannes zu überzeugen, um alsdann die nöthigen Vorbereitungen zu treffen."

Der Graf wurde durch ein Klopfen an der Thür unterbrochen.

Auf den Rufherein!" öffnete sie sich rasch, und Lady Marian Biddulph erschien auf der Schwelle.

Ich müßte eigentlich wegen meines unange­meldeten Eindringens um Entschuldigung bitten, doch, Mylord, Sie ließen mich rufen," sagte sie, indem sie sich halb wieder zurückzog.Ich fürchtete, Sie wären krank," setzte sie zu Netta gewendet, hinzu.

Nicht körperlich, Lady Marian," bemerkte der Graf spöttisch,doch ist Ihre freundliche Gegen­wart deshalb vielleicht nicht minder nöthig. Netta, ich rathe Dir, Lady Marian zu vertrauen. Ich verlasse Dich, bamit Du ihr erzählen kannst, was geschehen ist. Lady Marian, Sie werden biefem unglücklichen Mädchen ihrer Jugend und ihrer elternlosen Lage halber verzeihen," setzte er mit ehrerbietigem Gruße hinzu, als er das

deutschen Einheitsbaues in der Volkesseele mächtig fortlebt, daß in ihr die Ruhmesthaten des ersten Paladins weiland Kaiser Wilhelm I. ein treues und unauslöschliches Gedenken finden!

Man schreibt derNordd. Allg. Ztg." aus dem Reichslande: Nicht bloß in den Elementarschulen, sondern auch in sämmtlichen Arten der höheren Schulen Frankreichs wird der Gedanke einer Rache an Deutschland mit einer solchen Sorgfalt gehegt und gepflegt, als ob es sich um ein Gott wohlgefälliges, ja geradezu um ein von Gott gewalltes Werk handle. Ich habe die Sache ganz genau verfolgt und muß sagen, daß in dem Maße, wie die republikanische Regierung in Frankreich sich befestigte, namentlich aber wie die Heeresmacht sich verstärkte, auch der Chauvinis­mus in den Schulbüchern an Inbrunst immer mehr zunahm. Eine solche Höhe aber, wie er augenblicklich erreicht hat, ist selbst in den sieb­ziger Jahren, als die von den Deutschen ge­schlagenen Wunden noch frisch brannten, niemals erreicht worden. Und sogar ernsthafte Männer, die überdies Land und Leute in Deutschland so gründlich kennen, wie nur wenige Franzosen, verschmähen es nicht, jenem Moloch freudig zu opfern. Wir denken hierbei namentlich an Ernest Lavisse, einen der jüngsten Unsterblichen der französischen Akademie. Die von diesem nach dem Programm von 1887 verfaßten geschichtlichen Lehrbücher haben in der kurzen Zeit ihres Be­stehens über ganz Frankreich die großartigste Verbreitung gefunden, wie die unglaubliche Zahl der Auflagen unwidersprechlich beweist. In der mir gerade vorliegenden 67. Auflage von Lannee preparatoire dhistoire de France heißt es aus Seite 106:

Frankreich ist groß, stark und friedliebend, es vergißt aber nicht und wird niemals

Zimmer verließ.

Und im nächsten Augenblick waren die beiden Mädchen allein und sahen einander verwundert an.

Ich verstehe nicht, was Ihr Onkel meint . . . Sie klären mich wohl darüber auf," sagte Lady Marian, indem sie sich mit ruhiger Ent­schlossenheit niedersetzte.

Netta's Gesicht bedeckte sich mit einer tiefen Nöthe; sie fühlte, daß etwas Beschämendes in dem Geständniß lag, das sie abzulegen hatte.

Nun, es ist sonderbar ... es kommt so plötzlich," sagte sie,Onkel Treville wünscht mich zu verheirathen und . . . und . . ."

Mit wem?" fragte Lady Marian hastig. Sie sind noch so jung ... so sehr jung, und ich wüßte nicht wer . . ."

Sie werden es auch nicht rathen können, wen ich heirathen soll," unterbrach sie Netta,aber, wenn Sie ihn auch nicht kennen, muß ich doch sagen, daß er sehr hübsch ist und ich . . . ich kann wohl sagen, daß ich ihn im Grunde sehr gern habe."

Aber wen . . . wollen Sie heirathen?" drängte Lady Marian.

Einen gewissen Herrn Falkner, den ich be­reits in England kennen lernte," erwiderte das Mädchen.

Herrn Falkner?" wiederholte Lady Marian erstauntHerrn Falkner?"

Ich kann wirklich nicht einsehen, was es so