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Mit wöchentlicher Gratis-Beilage „Jllustrirtes Sonntagsblatt".
Ur. 41. Sonnabend den 8. April
1893.
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auf das LersWer M*^
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Amtliches.
Ministerium des Innern.
Berlin, den 15. März 1893.
Die hiesige Schweizerische Gesandschaft hat die Vermittelung des Auswärtigen Amtes in Anspruch genommen, damit auf den seit dem 23. v. Mts. flüchtigen Schweizerischen Staatsangehörigen I. I. Züst, früheren Gemeindeschreiber in Heiden, gegen den von dem Untersuchungsrichter in Trogen am 24. v. Mts. wegen Unterschlagung und Betruges ein Haftbefehl erlassen worden ist, in Deutschland gefahndet und er im Betretungsfalle zum Zwecke seiner Auslieferung an die Schweiz festgenommen werde.
J. I- Züst ist 1851 geboren, ungefähr 180 cm groß, beleibt, hat dunkle, etwas aufrecht stehende Haare, braunes Schnurrbärtchen, braune Augen, mittlere Nase und Mund, volles Gesicht, gesundes Aussehen, trägt mitunter goldene Brille, führt wahrscheinlich falsche Legitimationspapiere mit sich.
Ew. Hochwohlgeboren ersuchen wir ergebenst, gefälligst im dortigen Bezirke Nachforschungen nach dem Verfolgten anstellen und ihn im Betretungsfalle unter Beschlagnahmung seiner Effekten vorläufig festnehmen zu lassen.
Für den Fall, daß der Gesuchte ermittelt werden sollte, wollen Ew Hochwohlgeboren sofort bem Herrn Minister der Auswärtigen Angelegenheiten und mir, dem Minister des Innern, telegraphisch Anzeige erstatten.
Der Minister des Innern. Der Justizminister.
Im Auftrage: Im Auftrage:
gez. Haase. gez. Horstmann.
An den Königlichen Regierungs-Präsidenten Herrn Rothe Hochwohlgeboren zu Caffel. M. d. I. II 3436. I. M. IV 3971.
Cassel, den 25. März 1893.
Abschrift lasse ich Ew.
Hochgeboren Hochwohlgeboren ^ ^
fälligen weiteren Veranlassung ergebenst zugehen.
Der Negicrungs-Präsident.
In Vertretung: von Pawel.
An die Königlichen Landräthe des Bezirks und den Königl. Polizei-Präsidenten hier. A II 2689.
Hersfeld, den 6. April 1893.
Wird den Ortspolizeibehörden und der Königlichen Gendarmerie behufs Fahndung nach dem Flüchtigen mitgetheilt.
L 2095. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Caffel, den 14. März 1893.
Die Kurse zur Ausbildung im Obstban für
Baumwärter rc. im pomologischen Institute zu Cassel beginnen in diesem Jahre Mittwoch den 5. April und empfehlen wir Interessenten deren Besuch auf das Angelegentlichste. Ferner machen wir darauf aufmerksam, daß aus dem pomologifchen Institut kräftige Obstbäume und Obststrüucher in den einpfehlenswerthesten Sorten zu mäßigen Preisen abgegeben werben. Nähere Auskunft, Abgabe von Statuten und Anmeldungen, sowie Anfragen und Bestellungen sind zu richten I an den Jnstitutsgärtner Carl Huber in Cassel, । Frankfurter Landstraße Nr. 50
Das Direktorium des landwirthschaftlichen Central-Vereins für den Regierungsbezirk Cassel.
I. V. gez. G e r l a n d.
Bekanntmachung.
3°/0 konsolidirte Preußische Staatsanleihe und 3°/.- Deutsche Reichsanleihe betreffend.
Die Zeichnung findet am 11. b. M. von 9 Uhr Vormittags bis 1 Uhr und von 3 bis 5 Uhr Nachmittags dahier statt. Der Zeichnungspreis beträgt 86 Mk. 80 Pf. für je 100 Mk. Nenn- werth. —
Alle Einzahlungen erfolgen bei der unterzeichneten Kasse. Formulare zu Zeichnungsscheinen sind unentgeltlich dahier zu haben.
Friedewald, am 6. April 1893.
Königliche Steuerkasse. W e st e.
Gefunden: Eine Peitsche, eine Kette und eine Pflugschar. Meldung der Eigenthümer bei dem Orisvorstand zu Mecklar.
Politische Nachrichten.
Berlin, 6. April.
Während der heutigen Vormittagsstunden arbeitete Se. Majestät der K a i s e r zunächst allein und dann später von 101/4 Uhr ab mit dem Chef des Militairkabinets und dem Kriegsminister. Am Nachmittage, vor der Frühstückstafel, nahm Se. Majestät dann noch die persönlichen Meldungen des Wirklichen Geheimen Raths Hoering und des Geheimen Finanzraths von Mühlenfels entgegen.
Nach einer Meldung des „W. T. B." aus Neapel, hat die damit beauftragte Kommission des Munizipalraths nunmehr das Programm für die F e st l i ch k e i t e n während des Aufenthaltes Ihrer Majestäten des Kaisers Wilhelm und der Kaiserin A u g u st e Victoria entworfen. Die Ankunft der Majestäten erfolgt am 27. d., Nachmittags 1 Uhr. Am Abend findet eine große Serenade statt, an welcher sämmtliche hier anwesenden Musikkorps theilnehmen. Für den 28. b. ist eine Fahrt aus dem Meere in Aussicht genommen, Abends Gala-Oper im Theater San-Carlo. Am 29. Besuch von Pompeji; Abends Ball im Casino llnione. Am 30. b. soll die Abreise aus dem Landwege erfolgen. An allen drei Abenden werden die Museumstraße, die Toledostraße, die „Piazza bei Plebiscits", die San - Carls-Straße und der Bahnhofsplatz mit elektrischem Licht erleuchtet sein.
Der Prospekt für die Begebung der neuen R e i ch ü - und Staatsanleihe ist zur
Veröffentlichung gelangt. Demselben entnehmen wir, daß es sich um einen Gesammtbetrag von 300 Millionen Mark handelt, welche Summe sich gegen die vorjährige Emission um 40 Mill. geringer stellt. Von diesem Gesammtbetrage entfallen 160 Millionen für das Reich und 140 Millionen für den Staat. Der Subskriptionspreis ist auf 86,80 pCt. normirt, weist also gegen den derzeitigen Tageskurs, der ca. 87,30 beträgt, eine Marge von ^ pCt. auf. Bei der ziemlich günstigen Börsenströmung und im Hinblick auf die erfolgreiche finanzielle Operation in unserem Nachbarreiche Oesterreich - Ungarn, wie endlich auf die vortreffliche Qualität unserer heimischen Anleihen, unterliegt es keinem Zweifel, daß die neue Emission die bereitwilligste Aufnahme finden wird, zumal auch diesmal wieder durch die zahlreichen Zeichnungsstellen Vorsorge getroffen ist, die Zeichnungen zu erleichtern. Die Subskription findet, wie mitgetheilt, am nächsten Dienstag, den 11. b. M. von 9 Uhr Vormittags bis 1 Uhr Mittags und von 3 bis 5 Uhr Nachmittags bei den zahlreichen, in dem betr. Prospekt näher bezeichneten Stellen statt. Der zu be- gebende Anleihebetrag wird bei der Reichsanleihe ausgefertigt in Stücken zu 200, 500, 1000 und 5000 Mk. und bei der Staatsanleihe in solchen von 200, 300, 500, 1000 und 5000 Mk., beide mit vom 1. April er. ab laufenden Zinsscheinen. Die Abnahme kann vom 27. b. M. ab erfolgen, jedoch sind die Zeichner, die bei der Zeichnung eine 5proz. Sicherheit zu hinterlegen haben, verpflichtet, je ein Viertel des zugetheilten Betrags spätestens am 3. Mai resp. 2. Juni, 5. Juli und 13. September er. abzunehmen.
Dem Reichstage wird alsbald nach dem Wiederbeginn seiner Arbeiten der Kommissionsbericht über das Militärgesetz vorliegen. Die Feststellung des Berichts ist für die ersten Tage der zweiten Hälfte dieses Monats in Aussicht genommen. Daran wird sich dann alsbald die zweite Lesung im Plenum anschließen. Würde diese dasselbe Ergebniß wie die Kommissionsverhandlungen haben, daß weder der Entwurf noch ein AbänderungS- antrag eine Mehrheit erhielte, so könnte es überhaupt geschäftsordnungsmäßig nicht zur dritten Lesung kommen. Aber auch wenn sich etwa eine Mehrheit auf einen für die Regierung unannehmbaren Vorschlag festlegen sollte, würde es keinen Zweck haben, noch die dritte Lesung abzu- warten, und hätten die verbündeten Regierungen ihre Entscheidung sofort zu treffen. Daß es nicht dahin kommen möge, ist der lebhafte Wunsch nicht nur aller, die die volle Ausnutzung unserer nationalen Wehrkraft, wie sie die Vorlage bezweckt, für erforderlich erachten, sondern auch vieler Parteimänner, die vor den unvermeidlichen finanziellen Lasten zurückschrecken, aber doch einen Wahlkampf um die Militärreform, sei es aus Parteirücksichten, sei es aus Furcht von inneren Wirren oder aus Sorge für die Stellung des Reichs nach außen, vermieden sehen möchten. Gerade in der letzten Zeit haben sich in der Steigerung des Bahnverkehrs, in Berichten aus industrieellen Bezirken Zeichen einer Besserung der wirthschaftlichen Verhältnisse bemerkbar gemacht, und das wieder erstarkende Vertrauen in die Gesundung der allgemeinen wirthschaftlichen Lage würde ohne Zweifel durch eine alsbaldige