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HttsselSkl Kreisdliltt
Mit wöchentlicher Gratis-Beilage „Jllustrirtes Sountagsblatt".
Dr. 42.
Dienstag den 11. April
1893.
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aus das KersWer MIN
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Amtliches.
Hersfeld, den 5. April 1893.
Die Nummerliste der verloosten und zum 1. Juli 1893 gekündigten 3’Z^ °/otigen Staatsschuldscheine von 1842 liegt in dem hiesigen Geschäfts- lokale und in denjenigen der Königlichen Steuerkassen des Kreises während der Dienststunden zur Einsicht der Interessenten offen.
Zugleich wird auf die diese Nummerliste betreffende Bekanntmachung der Königlichen Hauptverwaltung der Staatsschulden vom 3. März d. Js., abgedruckt im Regierungs-Amtsblatte für 1893 Seite 109, und auf die Einlösung der bereits früher gekündigten Staatsschuldscheine von 1842, der Neumärkischen Schuldverschreibungen und einer Stammaktie der Münster-Hammer-Eisenbahn besonders aufmerksam gemacht.
I. I. Nr. 2056. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n ich.
Hersfeld, den 8. April 1893.
Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 7. März 1885 Nr. 307 7, im Kreisblatt' Nr. 34, betreffend
Die Tochter des Meeres.
Roman von A. Nieolo.
(Fortsetzung.)
„Und das bringen Sie hier zur Sprache, um Ihren Sohn höher zu stellen, den Sie durch eine Heirath mit meiner Tochter zu verbinden hofften?" rief der Graf mit erstickter Stimme.
„Die meisten Eltern sind bemüht,.das möglichst Beste für ihre Kinder zu thun," lautete die gelassene Antwort der Frau.
„Auf Kosten der Wahrheit und Gerechtigkeit," entgegnete Graf Treville bitter. „Doch glücklicherweise ist Das jetzt vorüber, wenn Sie es wirklich ehrlich damit meinen, daß Sie mir dieses junge Mädchen als die Tochter meiner unglücklichen Bianca bringen."
Tiefe, athemlose Stille folgte diesen Worten. Hier wenigstens bewährte sich die Lehre von der Stimme der Blutsverwandtschaft sicherlich nicht. Es herrschte keine Sympathie zwischen Vater und $inb, obgleich Adele's Auge mit ernstem Blick auf dem stolzen Aristokraten ruhte. Aber der Graf konnte keine Aehnlichkeit in- ihren schönen Zügen mit dem Gegenstand feiner Jugendliebe und seines großen Kummers entdecken. Und Cora blickte sie mit einer gewissen neugierigen Ueberraschung an, über welche sie für den Augenblick ihren eigenen Kummer vergaß.
die Revision der Gemeindekassen, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 15. d. Mts. bei Meidung von 3 Mk. Strafe erinnert.
I. I. Nr. 571. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 8. April 1893.
Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche mit der Einreichung des gemäß meiner Verfügung vom 24. September 1886 A. Nr. 134, im Kreisblatt Nr. 114, aufzustellenden Verzeichnisses über die in ihren Gemeinden vorhandenen Hand- und Spanndienstpflichtigen noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 15. b. Mts bei Meidung von 3 M. Strafe erinnert.
I. I. Nr. 572. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.
Politische Nachrichten.
Berlin, 8. April.
Ihre Majestäten der K a i s e r und die K a i s e r i n begaben sich gestern Abend gegen 7 Uhr nach dem Cirkus Renz und wohnten daselbst mit ihrer Umgebung der Vorstellung zum Besten des unter dem Protektorat der Kaiserin stehenden „Berliner Lokal-Vereins zur Pflege im Felde verwundeter und ertränkter Krieger" bis zum Schluß bei. — Die heutigen Morgenstunden brächte Se. Majestät der Kaiser mit Erledigung von Regierungsangelegenheiten in seinem Arbeitszimmer zu und unternahm darauf gegen 9 Uhr mit Ihrer Majestät der Kaiserin eine Spazierfahrt, von welcher Allerhöchstdieselben um 10 i Uhr nach dem Schlosse zurückkehrten. Alsbald I darauf hörte Se. Majestät der Kaiser den Vor-
Frau Falkner war die Erste, die wieder sprach.
„Sie sind doch wohl bereit, Ihre Tochter in ■ Empfang zu nehmen, Mylord?" fragte sie.
„Ich? . . . Ja . . . Sobald ich befriedigt und ; überzeugt bin, erwiderte der Graf langsam.
„Das kann sofort geschehen, Mylord," sprach ! Frau Falkner. „Hier ist der Geburtsschein meines Sohnes, und wegen Adele's Geburtszeugniß müssen Sie sich damit begnügen, daß man bei ihr aus sehr begreiflichen Gründen solche Vorsicht nicht brauchte.
Mit diesen Worten reichte sie dem Grafen ein Papier.
Das Zeugniß, daß Alexander Falkner von seiner Frau Margarethe ein Sohn geboren sei, war in der gewöhnlichen gesetzlichen Weise ab- gefaßt.
Rupert mußte unbedingt ihr Sohn sein, und Graf von Treville mußte seine Hoffnung auf einen Erben seines Hauses und seiner Besitzungen aufgeben; statt dessen war ihm nur eine schöne, aber unbekannte und ungeliebte Tochter geblieben.
„Fran Falkner, das muß genau untersucht werden," sprach er ruhig. „Sie haben die Sache zu lange in zu unverzeihlicher Weise geheim gehalten, als daß ich Ihrer Aussage sofort Glauben schenken könnte. Sie können inzwischen mit diesem jungen Mädchen, das Sie mir als
trag des Chefs des Generalstabes der Armee und arbeitete im Anschluß hieran längere Zeit mit dem Chef des Militairkabinets. Mittags um 12 Uhr gewährte Se. Majestät dem Maler Professor Keller im Schlosse eine Sitzung. Am Nachmittage um 1 Uhr nahm 'Se. Majestät militairische Meldungen entgegen, und hatte anschließend hieran der neuernannte königlich sächsische Militairbevollmächtigte Major Gras Vitzthum, sodann der neuernannte Militairattachs bei der hiesigen königlich schwedisch-norwegischen Gesandtschaft, Hauptmann Rustad, und hierauf der Lieutenant im 3. Garde-Grenadierregiment Königin Elisabeth v. Marcard, welcher die Orden seines verstorbenen Vaters in die Hände Sr. Majestät zurücklegte, die Ehre des Empfanges.
DiePrinzessin Friedrich Leopold ist am 6. April Abends von einem Prinzen glücklich entbunden worden. Es ist dies der zweite Prinz, der dem Prinzen Friedrich Leopold geboren ist. Aus Anlaß dieses Ereignisses wurden im Lustgarten 72 Salutschüsse durch die Leibbatterie 1. Garde-Feld-Artillerie-Regiments abgefeuert.
An der Unklarheit der parlamentarischen Lage in Bezug auf das Wehrgesetz konnte die Osterpause nichts ändern. Völlig klar ist die Haltung der verbündeten Regierungen; sie sind fest entschlossen, von den vollen Kompensationen für die abgekürzte Dienstzeit, die reichlich fünf Siebentel der Forderungen der Vorlage ausmachen, nicht abzugehen. Von den Forderungen, die darüber hinaus liegen, könnte ein Theil Gegenstand eines Kompromisses sein. So wurde in einem Artikel der Schlesischen Zeitung ausgeführt, daß sich die geforderte Vermehrung der Präsenzzahl (72 000 Gemeine) durch Einschränkung in den Neuformationen für die Specialwaffen, außer
meine Tochter zuführen, in meinem Hause bleiben."
„Ich kann warten, Mylord," antwortete Frau Falkner ruhig. „Was soll inzwischen mit diesem jungen Mädchen geschehen? Soll sie auch Ihr Gast bleiben?"
„Sie werden Beide Platz in meinem Hause finden," entgegnete Graf Treville.
Mit entschlossener Miene zog er bei diesen Worten au der Klingel und Ponsford erschien.
„Ponsford, halten Sie in dem neuen Flügel Zimmer für Frau Falkner und ihre Tochter bereit," befahl der Graf. Und dann flüsterte er leise: „Möge der Himmel mir Klugheit und Scharfsinn geben, die Wahrheit von der Lüge, das Gute vom Bösen zu unterscheiden.
Wieder war Cora mit dem Grafen allein, und rasch wandte er sich dem schweigsamen Mädchen zu.
„Glauben Sie die Geschichte?" fragte er. „Glauben Sie, daß Frau Falkner die Wahrheit spricht?"
„Ich mäße mir nicht au, die Wahrheit von Lüge zu unterscheiden, Mylord," erwiderte Cora bitter lächelnd. „Nur soviel weiß und fühle ich, daß ich keine verwandtschaftlichen Anrechte an Sie habe. Ich bin überzeugt, daß jeder Vorfall, jeder Zug meines Lebens dagegen spricht, aber, Graf Treville, ich beschwöre Sie, jeden Beweis