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Strsfelütr Kreislililtt.

Mit wöchentlicher Gratis-BeilageJllustrirtes Sonntagsblatt".

Nr. 43. Dienstag den 18. April 1893.

Amtliches.

Bekanntmachung.

Der Königliche Rentmeister Wilkening zu Hersfeld hat unter feiner vollen persönlichen Verantwortlichkeit mit unserer Genehmigung seinen Privatgehülfen D o h m e zur Ertheilung von Quittungen über Zahlungen an die Steuer- und Forstkasse dortselbst bevollmächtigt.

Cassel, den 8. April 1893.

Königliche Regierung, Abtheilung für direkte Steuern, Domainen und Forsten.

S ch ö n i a n.

C. I. 3542.

Der Herr Öber-Präsident hat zu der von dem Pferdemarkt-Comitv zu Fritzlar in Verbindung mit dem am 12. und 13. Juli d. I. in Fritzlar stattfindenden Pferdemarkt beabsichtigten Ver- loosung von Pferden, Wagen, Fahr- und Reit- utensilien rc. im Gesammtwerthe von 14900 Mark die Genehmigung ertheilt.

Der Vertrieb der Loose, deren nicht mehr als 7000 Stück zu 3 Mark ausgegeben werden dürfen, ist für den Umfang der Provinz Hessen-Nassau gestattet.

Cassel am 23. März 1893.

Der Negierungs-Präsident. I. V.: v. Pawel.

Politische Nachrichten.

Ihre Majestäten der Kaiser Wilhelm und die Kaiserin Auguste Victoria werden am Dienstag den 18. d. M. gegen 10 Uhr Abends die Reise nach Rom antreten. Im Gefolge Ihrer Majestät der Kaiserin werden sich befinden: Die Kammerfrau v. Hake, die Ober-Hofmeisterin Gräfin v. Brockdorff, die Hof­damen Gräfin v. Keller und Frl. v. Gersdorff, der Ober-Hofmeister Frhr. v. Mirbach und der Kammerherr von dem Knesebeck; im Gefolge Sr. Majestät des Kaisers: der Kommandant des Hauptquartiers General v. Pleffen, die Flügel­adjutanten v. Scholl, v. Arnim, v. Moltke und v. Hülsen, der Staatssekretair des Auswärtigen Amts Frhr. Marschall v. Bieberstein und der Geheime Legationsrath v. Kiderlen-Wächter, der Ober-Hofmarschall Graf zu Eulenburg, Hofrath Schwerin, der Leibarzt Generalarzt Dr. Leuthold, der Chef des Militairkabinets, General der Infanterie v. Hahnke, der Flügeladjutant Oberst v. Lippe, Geh. Hofrath Schulz und der Chef des Marinekabinets Kontre-Admiral Frhr. von Senden-Bibran. Die Hinreise Ihrer Majestäten wird über den Brenner erfolgen, die Rückreise durch die Schweiz. Ob auf der Rückreise ein Besuch bei der Königin Victoria von England in Florenz stattfindet, ist noch nicht endgültig be­stimmt, da nicht feststeht, ob die Königin Victoria Florenz nicht bereits vor jenem Zeitpunkte verläßt.

Unter dem Vorsitz Ihrer Majestät d e r Kaiserin fand am Freitag in der Singacademie die General - Versammlung des vaterländischen Frauenvereins statt. Minister Hofmann leitete die Sitzung. Geheimer Ober - Regieruugürath

Roux erstattete dem Jahresbericht. Consistorial- rath Ehlert-Frankfurt am Main sprach über die Bedeutung der Arbeit unter dem Rothen Kreuz für die Lösung der socialen Aufgaben der Gegen­wart. Die Versammlung wurde mit Gesang eröffnet und beschlossen.

Die Novelle zum Unterstützungs­wohnsitzgesetz ist von der betreffenden Reichs­tagskommission am Freitag in Angriff genommen worden.

Der Bundesrath genehmigte in seiner am 13. d. M. abgehaltenen Plenarsitzung u. A. einen Gesetzentwurf, betr. die Abänderung des Reichs­gesetzes vom 23. Juni 1880 über die Abwehr und Unterdrückung von Vieseuchen.

t ® i e französische Rekrutenquote d. h. die Zahl der Mannschaften, die jährlich in Frankreich zum Dienst bei den Fahnen aus­gehoben wird, beträgt nach Angabe der mili­tärischen Sachverständigen 230 000. Wie der Abg. Richter, so haben auch freisinnige Blätter und selbst die nationalliberale Schrift über die Militärvorlage behauptet, diese Zahl stehe nur auf dem Papier, Frankreich bringe jährlich nur ungefähr 214000 Rekruten auf. In dem fran­zösischen Wehrgesetz ist das Rekrutenkontingent nicht festgelegt, vielmehr wird überhaupt jeder Wehrfähige ausgehoben, d. h. Frankreich hat wirklich die allgemeine Wehrpflicht, die bei uns bisher nur aufbeni Papiere" stand. Nun haben allerdings die in den letzten Jahren ausgehobenen Jahrgänge 1870/71 weniger Rekruten als 230 000 geliefert; aber das ist kein Maßstab, weil diese Jahrgänge in Folge der geringeren Zahl der Geburten während des großen Krieges auch nur ein geringeres Rekrutenkontingent liefern konnten. Dagegen wird der Jahrgang 1872 nach sicheren Ermittelungen um '/* stärker sein, als die nächsiälteren und also unzweifelhaft min- destens 230 000 Rekruten liefern, während unsere Rekrutenquote bisher unter 200 000 blieb trotz der 11 Millionen Köpfe, um die Deutschland stärker bevölkert ist als Frankreich. Auch bei uns war der Jahrgang 1871 aus demselben Grunde schwächer, als die folgenden; im Jahre 1892 sind aber nicht weniger als 9 2 000 junge Leute mehr als 1891 in das erste Militärpflichtjahr getreten. Das sind Thatsachen und nichtbloße Behauptungen," wie sich die Natio- nalzeitung zu sagen erlaubt. Mit dem Antrag Bennigsen würde unsere Rekrutenquote auf un­gefähr 233 000 Mann steigen, also ungefähr die französische Zahl erreichen. Aber es kommt nicht sowohl darauf an, den französischen Vorsprung einzuholen, als vielmehr uns mit der weit über­legenen Bevölkerungszahl auch militärisch dauernd überlegen zu machen im Interesse unserer Sicherheit, im Interesse des Friedens!

In Berlin tagt augenblicklich der zwanzigste Deutsche Chirurgenkongreß. Aus der großen Menge interessanter Vorträge sei nur auf diejenigen über Hirnchirurgie hingewiesen. Die Heilerfolge, die nach den Vorträgen ver­schiedener Professoren durch operative Eingriffe in das Innere des Gehirns erzielt sind, sind er­staunlich. Gleichzeitig tagt in Wiesbaden der zwölfte Kongreß für innere Medizin.

In der Sitzung des R e i ch s t a g s am Freitag wurde die vor Eintritt in die Tagesordnung

erwartete Erklärung des Abg. A h l w a r d t nicht abgegeben. Derselbe hatte vor Eröffnung der Sitzung eine Unterredung ^äräfibenten gehabt, dem er eine längere schriftliche Erklärung zur Prüfung zu unterbreiten schien. Auf der Tagesordnung stand die zweite Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend Ergänzungen über den Wucher.

Einer Depesche derTimes" aus Zanzibar zufolge trafen Briefe des Sohnes Tippo Tip's ein, welche den im Kampfe erfolgten Tod Emin Pascha's und seiner Leute bestätigen.

Im Vordergründe des europäischen Tagesinteresses stehen die überraschenden Ereignisse in Serbien, wie sie sich durch die Verhaftung der Regenten und Minister, die eigenmächtige Großjährigkeitserklärung des jugend­lichen Königs Alexander und die Einsetzung eines neuen Ministeriums unter dem Vorsitze von Dokics darstellen. Es hat sich demnach ein förmlicher Staatsstreich in Serbien vollzogen, über dessen eigentlichen Urheber indessen noch Ungewißheit herrscht. Welche weiteren Folgen sich an den Staatsstreich vielleicht noch knüpfen werden, das läßt sich allerdings noch nicht be­urtheilen. Die eine gute Seite hat aber die gesammte Action wenigstens, daß durch sie die von der liberalen Regentschaft und dem liberalen Cabinet Avakumowitsch beliebte Vergewaltigungs­politik gegen die anderen Parteien ein jähes Ende genommen hat, worüber in Serbien allge­meine Befriedigung herrscht. Die Ruhe ist durch diese Vorgänge nirgends gestört worden, in Belgrad treffen aus allen Landestheilen fort­während Glückwunschtelegramme bei der neuen Regierung ein. Dieselbe ist entschlossen, allen Ausschreitungen gegen die Liberalen in Belgrad wie in der Provinz entgegenzutreten. Nachträg­lich verlautet, die Regenten Ristic und Belimarkovic erhoben, als der König am Donnerstag nach dem Diner seine Großjährigkeit erklärte, Einspruch. Darauf öffneten sich die Thüren und das im an­grenzenden Saale unter Koka Milowanowic ver­sammelte Offiziercorps begrüßte den König mit Beifallskundgebungen. Nunmehr gaben sich die Regenten gefangen und wurden sie nach dem neuen Palais abgeführt. Man erwartet einen umfassenden politischen Gnadenact des Königs. Die Skupschtina ist aufgelöst 'worden; die Neu­wahlen sind zum 15. Mai a. Styls ausgeschrieben, der Zusammentritt der neuen Skupschtina findet am 1. Juni statt. Nach der Bildung des definitiven Ministeriums und Erledigung der unaufschiebbaren Staatsgeschäfte will König Alexander eine Rundreise durch Serbien antreten. Die Eidesleistung der Beamten und Truppen vollzog sich im ganzen Lande ohne Zwischenfall. Uebrigens wurden die gefangenen Regenten und Minister bereits am Freitag Vormittags wieder freigelassen. Wie neuere Gerüchte wissen wollen, wäre Milan der Urheber des Staatsstreiches, der durch den neuen Cabinetschef Dokics, den früheren Erzieher des Königs Alexander, dann durchgeführt worden sei. In Petersburg soll man durch die Belgrader Ereignisse völlig über­rascht worden sein.

Das amerikanische P r o t e c t o r a t über die H a w a i i - I n s e ln ist wieder zurück­gezogen worden. Doch erklärte der Kommissar