Erscheint wöckkntlick brei M.U Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
AbonnenientSpreiS vierteljährlich 1 Mark 40 Psg. excl. Postausschlag.
Die JusertionSgebühren betragen für den Raum einer Svaltzcile 10 Psg., im amtlichen Theile 15 Psg. Reklamen die Zeile 20 Pfg.
Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
Htrsstl-er Kttisblitt
Mit wöchentlicher Gratis-Beilage „Jllustrirtes Sonntagsblatt".
Donnerstag den 4. Mai
1893.
Bestellungen auf das inÄr KmM
mit der wöchentlichen Gratis-Beilage „Jllustrirtes Sonntagsblatt" pro Mai und Juni werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 2. Mai 1893.
Für den am 4. Dezember 1877 geborenen Georg Funk dahier ist um Entlassung aus dem preußischen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.
I. I. Nr. 2768. Der Königliche Landrath.
J. V: Heeg.
Hessische-BrandversicherungS-
Anstalt. Cassel, am 26. April 1893.
Ew. Hochwohlgeboren theile ich unter Bezugnahme auf § 502 des Reglements für die Hessische Brandversicherungs-Anstalt vom 19. März 1880 ergebenst mit, daß die Gebühren der Brandschadenstaxatoren für Ausstellung von sog. Ver- mendungsbescheinigungen über verbaute Brandentschädigungsgelder in den Fällen von den Brandbeschädigten zu tragen sind, wo es sich um Abschlagszahlungen handelt, welche von den Interessenten dergestalt beeilt werden, daß der Baubeamte die erforderliche örtliche Prüfung nicht gelegentlich, sondern nur mittelst besonderer Reise vornehmen kann.
Die Tochter des Meeres.
Roman von A. Nieolo. (Fortsetzung.)
„Wie Du willst, Vater," entgegnete Rupert ungeduldig. „Es ist vielleicht ebenso gut, wenn Du die Führung der Frau übernimmst, die Du für mich gewählt hast. Du bist mehr daran gewöhnt, mit den Faro's zu verkehren, als ich."
Rupert bereute diesen Vorwurf, sobald er ihn ausgesprochen hatte; es war nur der Ausbruch seines ungestümen Temperaments darüber, daß ihm die schönsten Hoffnungen durch seine eigene Verblendung zerstört worden waren. Cora und Marian Biddulph waren in der That mehr als gerächt durch die bittere Rene, die sein Glück vergiftete.
Auf Netta's Antlitz flammte die Zornesröthe auf, und ihre nächsten Worte würden wohl bewiesen haben, daß sie nicht so ganz als eigensinniges Kind zu betrachten sei, sondern daß sie auch etwas von dem eifersüchtigen Stolz einer Frau an sich trug; aber in demselben Augenblicke wurde die Thür des Frühstückzimmers geöffnet und der Diener meldete:
„Der Graf und die Gräfin von Belfort und der Herzog von Dunbar sind im Bibliothekzimmer, Mylord, und wünschen Sie in wichtigen Angelegenheiten zn sprechen."
Ew. Hochwohlgeboren ersuche ich ergebenst, dies durch das Kreisblatt gefälligst zur Kenntniß der Interessenten bringen zu wollen.
Der Landes-Direktor. I. A.: Dr. Knorz.
An die sämmtlichen Königlichen Herren Landräthe des Regierungsbezirks.
* * *
Hersfeld, den 1. Mai 1893.
Wird veröffentlicht.
I. 2732. Der Königliche Landrath
J. V.: Heeg.
t Arzt und Politiker.
Bis in den Sommer vorigen Jahres herrschte allgemein die Ansicht, daß unser Heer, wenn auch andere Armeen es in der Zahl überflügeln möchten, doch die vollkommenste Organisation besitze. Bei den früheren Militärvorlagen handelte es sich stets nur um eine Vermehrung der Zahl, jetzt sollten auch Schwächen der Organisation beseitigt werden, Schwächen, die sich in langen sorgsamen Beobachtungen der ersten militärischen Sachverständigen herausgestellt hatten. Der größte Feind der Durchführung der geplanten Reform war aber der übertriebene Glaube an die Vortrefflichkeit unserer Einrichtungen. Jedermann hielt Alles an unserem gewiß ausgezeichnet geschulten Peere für kerngesund, und doch waren kranke Stellen da. Heute weiß man ja ziemlich allgemein, daß die verstümmelte dreijährige Dienstzeit, die Uebungen der Ersatzreserve unvollkommene Einrichtungen sind, daß uns für den Mobilmachungs- fall Friedensstämme fehlen, daß es ungerecht und fehlerhaft ist, ältere, wirthschaftlich werthvolle, an Strapazen mehr oder weniger entwöhnte Leute sofort vor den Feind zu führen, so lange noch junge aber leider unausgebildete Mannschaften vorhanden sind. Aber die Verbreitung dieser
„Gräfin Belfort!" rief Netta erregt. „Gerechter Gott! Rupert . . . Ernst ist doch nicht schon verheirathet? Wer in aller Welt könnte es sonst sein? Soll ich gehen und nachsehen?"
Und hastig sprang sie auf, um ihre Absicht auszuführen, aber Graf Treville mischte sich ernst dazwischen.
„Nein, Netta, es ist vielleicht ein Irrthum . . . aber jedenfalls ist es nicht Deine Sache, zu sehen, wer Lord Belsort'S Gemahlin ist und was sie von mir wünscht."
Und sie von der Thür wegschiebend, die sie inzwischen erreicht hatte, öffnete er dieselbe und schloß sie mit festem Griffe wieder hinter sich, während Rupert und seine Gemahlin auf's Höchste neugierig und überrascht zurückblieben.
Als Graf Treville die Thür zum Bibliothekzimmer öffnete und sein Auge auf das vornehme und interessante, doch entschieden nicht mehr junge Gesicht der Dame, die neben dem Herzog von Dunbar stand, fiel, da war ihm Alles noch unerklärlicher wie bisher.
„Verstand ich recht? Ist diese Dame die Gräfin von Belfort?" fragte er bei der Begrüßung den Grafen etwas erstaunt.
„Ganz recht, Graf Treville," erwiderte Ernst Belfort, „nur mit dem kleinen Zusatz, daß sie die Mutter und nicht die Gemahlin des jungen Mannes ist, über dem so lange eine Gewitter
Einsicht durfte aus bestimmten Gründen nicht überstürzt, die bessere Einsicht konnte also auch nur langsam reifen.
Die in vielen Beziehungen auf dem Boden der freisinnigen Partei stehende „Weserzeitung" vergleicht die Lage des Reichskanzlers bei der Einbringung und Vertheidigung der Militärvorlage mit der Aufgabe eines Arztes, der einem Patienten, um ihn zu einer lästigen und kostspieligen Kur zu überreden, die^ Hölle heiß machen muß und doch seinen Lebensmuth nicht zerstören und seinen Credit bei Concurrenten und Geschäftsfreunden nicht erschüttern darf. „Wenn der Arzt die Gefahr nicht stark genug betont, so entschließt sich der Patient nicht, die Beschwerden und Kosten der anempfohlenen Heilmethode auf sich zu nehmen; wenn er sie allzuschrecklich ausmalt, verursacht er vielleicht Uebel, die schlimmer sind als das zu bekämpfende. Vollends schwierig wird die Lage eines solchen Arztes, wenn er nicht einmal eine sichere und vollstäüRge Heilung in Aussicht stellen, sondern nur sagen kann: ohne meine Mittel an- zuwendeu, geräthst Du in tödtliche Gefahr; nach Anwendung meiner Mittel wird zwar die Gefahr geringer, aber verschwinden wird sie nicht." Gerade so habe auch Graf Caprivi an dem übertriebenen Vertrauen zu der Stärke und Schlagfertigkeit des Heeres rütteln müssen und doch das Sicherheitsgefühl und das Selbstvertrauen nicht untergraben, die Gegner des Reichs nicht ermuthigen dürfen. Kriegsrummel und Säbelgerassel waren als Hülfsmittel ausgeschlossen, es galt, behutsam über die Schwächen unserer Organisation aufzuklären, es galt, gegen den Thurm gerade so viel Sprengstoff anzuwenden, daß das, was an Irrthum und Ueberschützung fallen sollte, fiel, ohne das Selbstvertrauen zu gefährden und ohne die Trümmer ^um Schaden werthvoller Nachbargrundstücke umherfliegen zu lasten.
wolke geschwebt hat. Das ist ohne Einfluß auf die Angelegenheit, die uns hierhergeführt hat, da der. unglückliche Streit zwischen mir und Ihrem Bruder nicht nur längst beigelegt ist, sondern auch ernste Zweifel über die wahre Ursache von Lord Faro's Tod aufsteigen. Und erlauben Sie mir zu sagen, daß die Natur dieser Verhältnisse derart ist, daß sie wohl kaum die Oeffentlichkeit vertragen," setzte er mit einem Blick auf Lady Belfort bedeutungsvoll hinzu.
„Nun, das beruht auf Ansichten. Jedenfalls habe ich mich bisher jeder Maßregel, meines Bruders Tod zu rächen, enthalten," lautete die Antwort des Grafen. Darf ich Sie bitten, zur Sache zu kommen? Ist diese Dame, die so lange für todt gehalten wurde, wieder erschienen, um. sich von ihres Sohnes Sicherheit zu überzeugen ?
„Doch nicht so ganz," sagte jetzt die Gräfin. „Eine weniger selbstsüchtige Angelegenheit war es, die mich herführte, Mylord. Und doch steht sie in naher Beziehung zu Ihrem verstorbenen Bruder und der vermeintlichen Ursache seines Todes. Ich spreche von der namenlosen Waise, die er in sein Haus nahm, von Cora vom Meere. Es sind sehr bemerkenswerthe Ereignisse an's Licht gekommen. Es ist sehr viel Grund zu der ! Vermuthung vorhanden, daß die in Frage stehende I junge Dame die Erbin eines alten Namens und