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Ur. 33.Sonnabend den 6. Mai 1893.
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Amtliches.
Hersfeld, den 5. Mai 1893.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises haben die ihnen in den nächsten Tagen zugehenden Loosungsscheine für die in ihren Gemeinden befindlichen Mililairpflichtigen denselben alsbald auszuhändigen und das beigefügte Verzeichniß, nachdem der Empfang der Loosungsscheine auf demselben bescheinigt ist, ungesäumt an mich zurückzusenden.
II. Nr. 1592. Der Königliche Landrath. _____I. V.: Heeg.
In der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai b. I. wurde von dem Personale eines hiesigen Hotels ein Unbekannter, welcher sich des Tags zuvor in demselben als Reisender einlogirte, dabei betroffen, als derselbe einen Geldpult gewaltsam mit einem Stahlmeisel aufzubrechen versuchte. Um die förmliche Festnahme des Betreffenden herbeiführen zu können, wurde derselbe vorläufig in das von ihm bewohnte, im ersten Stocke belegene Zimmer zurückgebracht und daselbst eingeschlossen. Noch ehe die Verhaftung durch einen Polizeibeamten erfolgen konnte, war derselbe durch das Zimmerfenster auf die Straße gesprungen und flüchtig geworden. Am Thatorte wurde der vorbezeichnete Meisel, 1 grauer weicher Filzhut mit weißem Futter und der Firma Jules Blum 14 et 16 Rue Vauban Golmar, 1 blauer Shlips mit roth-, weiß- und gelbdurchwirkten Streifen, 1 weißer Umlegkragen, 1 brauner Rohrstock mit Metallknopf und 1 Exemplar Quentins Taschen-Fahrplan für Hessen-Nassau, Darmstadt, Rhein-Pfalz für den Sommerdienst 1893, vorgefunden.
Der Unbekannte ist ungefähr 24 bis 26 Jahre alt, 1,60 m groß, hat blonde Haare und ebensolches Schnurrbärtchen, war mit grauem Anzug bekleidet und legte gewandtes, einschmeichelndes Benehmen an den Tag, trug Trauring und gab sich als verheirathet aus; er soll auf einem Auge etwas schielen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß derselbe mit dem von der Königlichen Polizei- Direktion zu Wiesbaden unterm 28. v. Mts. I. Nr. 7656 wegen Betheiligung an einem Ein- bruchsdiebstahle ausgeschriebenen Schriftsetzer, Schreiber, Kellner und Hausbursche Adam Nau- heim von Wiesbaden identisch ist.
ES wird ergebenst ersucht, nach dem Flüchtigen die eingehendsten Nachforschungen anznstellen, denselben im Betretungsfalle festzunehmen und telegraphische Nachricht hierher gelangen lassen zu wollen. Hanau, am 2. Mai 1893.
J. Nr. P. 4338. Königliche Polizei-Direktion.
Hersfeld, den 4. Mai 1893.
Wird den Ortspolizeibehörden und der Königlicheil Gendarmerie des Kreises zur Recherchirung nach dem Flüchtigen mitgetheilt.
I. 2808. Der Königliche Landrath.
____________________3- V.: Heeg. ___
Zu der amtlichen Conferenz, welche Dienstag den 16. Mai d. J. zu Asbach stattfinden soll, werden die Herrn Orlüschulinspektoren und die Herrn Lehrer ergebenst eingeladen.
Die Kreisschulinspektion Hersfeld I.
Auetions-Anzeige.
Dienstag, den 9. Mai d. Js. von 9 Uhr Vormittags ab, sollen hierselbst ungefähr 100 Gestütpferde, bestehend aus Mutterstuten (meistens bedeckt), Fohlen und 4jährigen Hengsten, Wallachen und Stuten meistbietend gegen Baarzahlung verkauft werden
Sämmtliche 4jährigen und älteren Pferde sind mehr oder weniger geritten. Die zum Verkauf kommenden gerittenen Pferde werden am 8. Mai von 7 bis 10 Uhr Vormittags unter dem Reiter, sowie sämmtliche am 7. und 8. Mai von 4 bis 6 Uhr Nachmittags auf Wunsch an der Hand gezeigt.
Listen über die zur Auction gelangenden Pferde werden am 25. April zum Versand zc. fertig gestellt sein und auf Ansuchen zugeschickt werden.
Für Personenbeförderung zu den bezüglichen Zügen von und zum Bahnhof Trakehnen wird am 7., 8. und 9. Mai gesorgt sein.
Trakehnen, den 22. März 1893.
Der Landstallmeister gez. von Franken berg.
Nichtamtliches.
Aus den» Reichstag.
Berlin, 3. Mai. In der heutigen (88.) Plenarsitzung des Reichstages trat derselbe vor dichtbesetzten Bänken in die zweite Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend d i e Friedenspräsenzstärke des deutschen Heeres ein. Nachdem Referent Abg. Gröber kurz die Debatte ein- geleitet, legte Reichskanzler Geaf Caprivi die wesentlichen Gesichtspunkte dar, von welchen die verbündeten Regierungen bei der Vorlage geleitet worden seien, erwähnte den Widerstand, welchen die Parteien der Vorlage entgegengebracht, die bisher stets die zweijährige Dienstzeit gefordert, während die Konservativen in patriotischer Hingabe ihre alte Forderung auf Aufrechterhaltung der dreijährigen Dienstzeit aufgegeben hätten. Darüber, daß unser Heer eine qualitative und quantitative Verstärkung erfordere, seien alle sachverständigen Männer einig. ES handle sich um eine Lebensfrage für das Deutsche Reich, und die verbündeten Regierungen würden deshalb alle verfassungsmäßigen Mittel anwenden, um ihre Ansicht zur Geltung zu bringen. Die Nichtannahme der Vorlage werde nothwendig unsere politische Lage verschlechtern, die Vorlage sei vor Allem bestimmt, den Frieden zu erhalten. Aber erfahrungSmäßig sei es selbst der geschicktesten Diplomatie nicht möglich, unter allen Umständen den Frieden zu erhalten. Für den Fall deS KriegcS aber müßte unsere Armee, zu der man gewiß das vollste Vertrauen habe, aufS Vollständigste gerüstet sein, um unseren Gegnern gegenüber, deren militärische Ausrüstung sich in neuester Zeit mächtig verstärkt habe, gewachsen zu sein. Die Lage sei sehr ernst. DaS Schicksal der Grenzlande im Westen wie im Osten dürfte unS im Hinblick auf die geschichtlichen Erfahrungen nicht gleichgültig lassen. Auch Elsaß Lothringen erfordere den Schutz Deutschlands. Die Gründe, welche die verbündeten Regierungen vor- gebracht, seien in der Kommission nicht widerlegt. man habe zugegeben, daß die Militärvorlage ein durchgedachtes Werk sei, aber hinzugefügt: mehr geben wir nicht, seht Ihr zu, wie Ihr fertig werdet. WaS die Deckungsfrage betreffe, so glaube Niemand im Ernste daran, daß das deutsche Volk die Mehr
belastung nicht tragen könne. Was die Form der Deckung anlangk, so hielten die verbündeten Regierungen ihre Vorschläge auch jetzt noch für die besten; sie seien aber anderen Vorschlägen nicht unzugänglich. Der Herr Reichskanzler ging auf andere Einwendungen ein, welche der Vorlage gemacht wurden, und betonte dann besonders, daß die Volksströmung gegen dieselbe nicht in Betracht kommen dürfe; viel wichtiger sei die Stimmung am ersten Tage der nächsten Mobilmachung, wo es sich eben nicht mehr blos um Geldopfer handeln werde. Die Armee müsse so gestaltet werden, daß sie niemals daS Gefühl ihrer Stärke verliere. Die Ablehnung der Vorlage würde aber nicht nur das Selbstgefühl der Armee und des Volkes vermindern; auch im innern Leben des Volkes würde die Ablehnung schwere Nachtheile haben. Und wie würde erst die auswärtige Presse über unsern Patriotismus urtheilen, wenn die Militärvorlage, scheitere. Der Herr Reichskanzler ging dann auf die Berathung in der Kommission und die verschiedenen Anträge ein. Für den Versuch des Abg. Frhrn. v. Huene, eine Verständigung herbeizuführen, sprach der Herr Reichskanzler dem Antragsteller seinen Dank aus. Für Preußen und die ReichSregierung könnne er auch bereits die Zustimmung zu dem Anträge erklären. Mitbestimmend sei dabei allerdings die Rücksicht auf die evenr. nothwendig werdenden Neuwahlen. Er bitte also dem Antrag deS Freiherrn v. Huene zuzustimmen und damit die verbetn, deren Regierungen in dem Streben zu unterstützen, den Frieden zu erhalten und die Sicherheit des Vaterlandes zu stärken. (Lebhafte Zustimmung.) Kriegsminister General der Infanterie v. Kaltenborn-Stachau weist daraus hin, daß in der Kommission die Heeresverwaltung jede gewünschte Auskunft nach Möglichkeit ertheilt habe und daß die Vorlage dort sachlich in keiner Weise widerlegt worden sei. Es sei ein Irrthum, daß in der Kommission die Vorlage betrachtet worden sei als hauptsächlich zur Herbeiführung der zweijährigen Dienstzeit bestimmt; die Militärverwaltung betrachte die zweijährige Dienstzeit nur als Mittel zum Zweck, um den finanziellen Erwägungen gegenüber den mili« tärischen Nothwendigkeiten gerecht zu werden. Redner geht alsdann darauf ein, statistisch aus den Ergebnissen deS neuesten Musteriiugsgeschästs nachzuweisen, daß ein Mangel an Tauglichen nicht vorhanden sei, und daß auch bei der Reorganisation von 1862/66 der Mehrbedarf an Offizieren und Unteroffizieren so rasch gedeckt worden ist, um auch jetzt die deshalb vorgebrachten Bedenken als hinfällig betrachten zu dürfen. Die Heeresverwaltung hoffe, daß das Haus der wohlüberlegten und von allen Sachverständigen als nothwendig anerkannten Vorlage zustimmen werde. Abg. Frhr. v. Huene betonte darauf bei Begründung seines Antrages, daß es ihm keineswegs leicht geworden sei, denselben einzubringen; daß er es aber für seine Pflicht gehalten habe, denselben zu stellen, nachdem er sich überzeugt habe, daß die Kompnsationen, welche die Einführung der zweijährigen Dienstzeit ermöglichen sollen, geringere, als die von ihm vorgeschlagenen, nicht sein dürften. Der Antragsteller erläuterte seinen Antrag in seinen einzelnen Bestimmungen und empfahl schließlich dessen Annahme. — Abg. Frhr. v Manteuffel beantragte mit Rücksicht daraus, daß der wichtige Antrag deS Frhrn. v. Huene erst heute Vormittag vertheilt, auch der Herr Reichskanzler, wenigstens für Preußen, bereits die Zustimmung zu demselben Anträge erklärt habe, die Verhandlungen jetzt zu vertagen, um den Frakiioncn Zeit zur Berathung des Antrages zu geben. Abg. Richter glaubte zwar, zu einer solchen Berathung kein Bedürfniß erkennen zu können, stimmte aber doch dem Anträge zu. Um 2 Uhr wurde darauf die Berathung bis morgen Mittag 1 Uhr vertagt.
Berlin, 4. Mai. In der heutigen (89.) Plenarsitzung deS Reichstages wurde die zweite Berathung der Militärvorlage fortgesetzt Das Wort erhielt zunächst Abg. Richter. Er betonte, daß nach der Rede des Herrn Reichskanzlers, dir sich namens Preußen» und der ReichS- regierung für den Antrag v. Huene erklärt habe, eö sich nur noch um Annahme oder Ablehnung des letzteren Antrages handeln könne, und hob dann die Unterschiede hervor, welche zwischen dem Anträge der Freisinnigen und dem Huene'schen bestehen. Bezüglich der Präsenzstärke gehe der Antrag von Huene weit über den auS der Kommission bekannten Antrag v. Bennigsen hinaus. Alles DaS, was im Anträge Huene enthalten sei, hätten übrigens die Offiziösen schon vor Ostern als Kompromiß angeboten. Der Redner protestirte dann gegen die Darstellung, welche der Herr Reichskanzler von den Kommissionsverhandlungen gestern gegeben habe. Die KliegS- bilder, welche der Reichskanzler gestern vorgeführt, wären auch wohl weniger für den Reichstag, als zur Einleitung der Wahlagitation bestimmt gewesen. Seit 1870 wäre die Armee um das Dreifache und die Marine um daS Vierfache verstärkt worden. Wenn die jetzt geforderte Verstärkung wirklich allein