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ersHüft Kreisblatt.
Mit wöchentlicher Gratis-Beilage „Jllnstrirtes Sonntagsblatt".
W. 61.
Sonnabend den 2?. Mai
1893.
Erstes Blatt.
Amtliches.
Hersfeld, den 24. Mai 1893.
Die zweite Schulstelle in Schenklengsfeld, mit welcher ein jährliches competenzmäßiges Einkommen von 1044 M. 40 Pf. einschließlich einer Feuerungsvergütung von 90 Mk. neben freier Wohnung verbunden ist, wird in Folge Pensio- nirung des seitherigen Inhabers vom 1. Juli d. Js. ab vakant.
Bewerber um dieselbe, welche die Befähigung zum Kantor- und Organistendienst besitzen müssen, j wollen ihre Meldungsgesuche nebst den nöthigen Zeugnissen innerhalb 14 Tagen bei dem Unterzeichneten einreichen.
Der Königliche Schulvorstand von Schenklengsfeld:
Freiherr von Schleinitz,
I. I. Nr. 3166. Landrath.
Hersfeld, den 24. Mai 1893.
In Betreff der Untersuchung des Schweinefleisches auf Trichinen ist die Gemeinde Heringen anderweit in 3 Schaubezirke eingetheilt worden.
Für den I. Schaubezirk, umfassend die Gebäude von Haus Nr. 1 bis einschließlich 67 sowie Hof Füllerode, wozu noch das Forsthaus Heringen und die Gemeinde Leimbach kommen, ist Friedrich Carl Mansius,
für den II. Schaubezirk, umfassend die Gebäude von Haus Nr. 68 bis einschließlich 134 ist Johann Georg Eugelhardt,
für den III. Schaubezirk, umfassend die Gebäude von Haus Nr. 135 bis einschließlich 200 ist Frau Kantor W e h n e s
zur mikroskopischen Untersuchung des Schweine- fleisches bestellt worden. Dieselben Personen haben für diese Bezirke auch das Schlacht- v i e h s ch a u a m t zu versehen.
In Verhinderungsfällen haben Friedrich Carl Mansius und Johann Georg Eugelhardt sich gegenseitig ju vertreten und außerdem die Vertretung der Frau Kantor Wehnes zu übernehmen.
I. I. Nr. 3206. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.
Cassel, den 7. April 1893.
Königliches Landrathsamt beehre ich mich unter Danksagung für die bisherigen Bemühungen er- gebenst zu benachrichtigen, daß der Zwangszögling Christian Christoph Waldmann aus Aue inzwischen aufgegriffen ist, weshalb ich mein Ersuchen vom 7. März d. J. II. Nr. 1220 als erledigt hierdurch zurückziehe.
Der Landes-Direktor. An Königliches Landrathsamt zu Hersfeld.
I. II. Nr. 1724.
* * *
Hersfeld, den 23. Mai 1893.
Wird den Herren Ortsvorständen und der Königlichen Gendarmerie mit Bezng auf meine Vekaunt- machung vom i I. März d. Js. I. 1698, im Kreisblatt Nr. 31, zur Keuntnißuahme mitgetheilt. I. 3151. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersseld, den 24. Mai 1893.
Der seitherige Bürgermeister Conrad Malk- mes zu Lautenhausen ist als solcher auf 8 weitere Jahre gewählt, bestätigt und heute verpflichtet worden.
I. I. Nr. 3220. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Nichtamtliches.
f Eine Mahnung des Kaisers*
In Gegenwart unseres Kaisers wurde am 18. Mai in Görlitz das dort für den unvergeßlichen Kaiser Wilhelm I. errichtete Denkmal enthüllt. Bei dem Festmahl hielt der Kaiser an die Versammelten eine tief ergreifende Ansprache, die ihren Eindruck auf Niemandem verfehlen kann.
„In eine ernste Zeit ist unser Fest gefallen, sagte der Kaiser. Daher sei das Denkmal eine Mahnung an uns Alle! Festzuhalten gilt es, was Kaiser Wilhelm einst geschaffen und gewollt, sicher zu stellen gilt es die Zukunft unseres ge- sammten deutschen Vaterlands. Dazu bedarf unsere Wehrkraft einer erheblichen Verstärkung. Die Nation habe Ich aufgefordert, uns dazu die Mittel zu bewilligen. Hinter dieser Frage stehen alle anderen Fragen und Rücksichten für den Augenblick zurück. Zur Lösung dieser die Lebensexistenz Deutschlands bedingenden Frage bedarf es der vollkommenen Einheit. Was uns Deutsche privatim auch trennen und auf verschiedene Bahnen lenken möge, das sei für jetzt bei Seite gefetzt, bis die Aufgabe vollbracht ist. Wie die Lausitz und die anderen Theile der Monarchie treu zur Dynastie und Krone stehen, so mögen die deutschen Stämme in Erinnerung au die große Zeit vor 22 Jahren, fest um ihre Fürsten geschaart, durch das Band gemeinsam vergossenen Blutes zusammengekittet, dem Vaterlande seine Freiheit und seine Zukunft erhalten."
Kaiser Wilhelm wendet sich mit diesen Worten an das ganze deutsche Volk! In dem Kampfe um die Militärfrage gehen nur allzu leicht die großen Ziele und Gesichtspunkte in der Fluth militärisch-technischer Erörterungen unter. Das ist in den Reichstagsverhandlungen der Fall gewesen, und man wird auch bei den Wahlen auf gegnerischer Seite versuchen, nach demselben Rezept zu verfahren, um im Volke dieselbe Wirkung zu erzielen. Nur aus dem mangelnden Verständniß des Zwecks und der Bedeutung der Vorlage ist der bisherige Mißerfolg zu erklären. Kaiser Wilhelm stellt nun Zweck und Bedeutung mit einfachen, zu Herzen sprechenden Worten hin: „F e st z u h a l t e n gilt es, was Kaiser Wilhelm I. einst geschaffen und g e - wollt, sicher zu stellen gilt es die Zukunft unseres g e s a m in t e n d e u t - s ch e n Vaterlands." Nachdem der Kaiser selbst dies ausgesprochen, wird Niemand im Volke mehr im Unklaren bleiben können über die Bedeutung der nunmehr dem Volke selbst zur Entscheidung vorgelegten Frage. Will das deutsche Volk, daß das Werk des großen Kaisers zerstört; werde oder erhalten bleibe, — will das deutsche ■ Volk die Zukunft des Vaterlandes sicherstellen '
oder nicht, — das ist die Frage, über die es bei den Wahlen feine Stimme abgeben soll.
Aber nicht nur durch militärisch-technische Einzelheiten, über die £er Laie ein Urtheil abzugeben schwer im Stande ist, und die dazu noch stets in ein falsches Licht gestellt und verschoben werden, sucht man die große zur Entscheidung stehende Frage zu verdunkeln, sondern in ihrer Noth glaubt die Opposition auch von dem Aufwerfen fernliegender politischer Fragen sich für ihre Ziele bei den Wahlen Hoffnung machen zu können. Möchte die Nation sich hierdurch nicht beirren lassen: denn hinter der Frage der Nothwendigkeit der Verstärkung der Wehrkraft stehen doch alle anderen Fragen, wie unser Kaiser selbst sagt, für den Augenblick zurück. Haben wir erst für die Sicherheit Deutschlands gesorgt, dann mögen sie wieder hervortreten; sicherlich werden sie dann auch zu ihrem Rechte kommen. So lange jene die Lebensexistenz Deutschlands berührende Frage nicht gelöst ist, bedarf es der vollkommenen Einigkeit, um das zu erreichen, was uns vor Allem Noth thut. Die Frage der militärischen Sicherheit Deutschlands darf keine Parteifrage sein. Das ist es, was der Kaiser allen Deutschen mahnend zuruft. In den Zeiten der Gefahr, in dem letzten großen Kriege waren wir einig, und kein Deutscher zweifelt daran, daß wir auch in einem neuen Kriege einig fein und Schulter an Schulter zusammenstehen werden. Aber es giebt auch Gefahren, denen man schon in Friedenszeiten vorbeugen kann: und wir stehen jetzt vor einer solchen Gefahr! Deshalb ruft uns unser Kaiser zu, daß wir, wie vor 22 Jahren um unsere Fürsten geschaart und durch das Band gemeinsam vergossenen Blutes zusammengekittet, zusammenstehen sollen, um dem Vaterlande seine Freiheit und Zukunft zu erhalten. Diese Mahnung — so hoffen wir — wird einen mächtigen Widerhall im Volke finden und bewirken, daß wir auch jetzt in der Wahlschlacht uns als ein einzig Volk von Brüdern bewähren und in keiner Noth uns trennen und Gefahr!
Der Wahlaufruf des Centrums
ist endlich am 3. Pfingstfeiertage erschienen. Es ist ein sehr langathmiges Schriftstück, das in Bezug auf die Wehrfrage demokratisch gefärbt ist. Die Herren Graf Hompesch, Graf Preysing, Gröber, Dr. Lieber, Dr. Bruel rc. stellen fest, daß sie gegen die Militärvorlage der Regierung und gegen den Antrag Huene „Widerspruch" erheben und daß dieser Widerspruch ihr „Feldzeichen" sein werde. Das steht im Gegensatz zu dein Ergebniß des schlesischen Parteitags der Centrumspartei, auf dem sich die überwiegende Mehrheit der Delegirten dafür erklärte, daß den Kandidaten in der Wehrfrage „freie Hand" gelassen werben solle. Es scheint als ob der Vorstand der Fraktion den bayerischen Centrums- leuten zu Liebe den Widerspruch gegen den Antrag Huene zum Feldzeichen gemacht habe.
Die Begründung dieser Stellung ist sehr dürftig. Es heißt nämlich: „Die Umwandlung des Reiches in einen Militärstaat, ein stehendes Heerlager bereits in Friedenszeiten; die dauernde Heranziehung des letzten halbwegs waffenfähigen