Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend. Abonnementspreis vierteljährlich 1 Mark 40 Psg. excl. Postaufschlag.
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Bei größeren Auftragen entsprechender Rabatt.
Mit wöchentlicher Gratrs-Veilage „Jllustrirtes Sonntagsblatt".
Ur. 73.
Sonnabend den 34. Auni
1893.
Don
Vtit dem 1. Juli beginnt ein neues Abonne- ment auf das wöchentlich 3 Mal erscheinende Hersfelder Areisblatt
mit der wöchentlichen Gratis-Beilage „Jllustrirtes Sonntagsblatt".
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Die Expedition.
Amtliches.
Hersfeld, den 22. Juni 1893.
Die nachstehend abgedruckte Bekanntmachung betreffend S ch a u e n ü b e r Z u ch t st u t e n m i t Prämienvertheilung haben die Herren! Ortsvorstände des Kreises in ihrem ganzen Um- fange zur Kenntniß der Pferdezüchter ihrer Gemeinde zu bringen.
L 4092. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n i tz.
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Bekanntmachung.
In diesem Jahre werden an nachstehend genannten Orten, Tagen und Stunden Schauen über Z u ch 1 st u t e n mit Prämien- vertHeilung abgehalten werden:
In Kirchhain Mittwoch den 5. Juli Morgens 9 Uhr, „ Kersfeld Montag den 10. Juli Morgens S1/^ Ilyr,
„ Ziegenhain Dienstag den 11. Juli Morgens 9’/i Uhr,
„ Homberg Mittwoch den 12. Juli Morgens 91/, Uhr,
„ Melsungen Donnerstag den 13. Juli Morgens 9 Uhr,
Auf der Knallhüte Freitag den 14. Juli Nachmittags 4 Uhr,
In FritzlarSonnabend den 15.JuliMorgens9Uhr, „ Kloster Haina Montag den 17. Juli Nachmittags 2 Uhr,
„ Marburg Dienstag den 18. Juli Morgens 9 Uhr. werden nur bedeckteStuten prämiirt, und beschränken sich die Prämien auf die Rückerstattung des bezahlten D e ck g e l d e s und auf die Befreiung von dem eventl. i m nächsten Jahre zu entrichtenden Füllengelde.
Bedingungen der tzoucurrenz sind folgende:
1) die zu prämiirenden Stuten müssen einer den örtlichen Verhältnissen entsprechenden Paarung entstammt sein, und müssen nach
ihrer ganzen Erscheinung und in ihrem Gange eine gewisse Garantie für gute Vererbung bieten.
2) Nur solche Stuten, für die der Nachweis geführt ist, daß sie von passenden Beschälern bedeckt sind, können concurriren.
3) Der Nachweis der Bedeckung ist durch Vorzeigen des Deckscheines, aus dem die entsprechende Paarung ersichtlich wird, zu führen. Bevorzugt werden Stuten, deren gute Abstammung nachgewiesen wird (wenn möglich durch mehrere Generationen) und namentlich solche, aus deren mit v o r z u f ü h r e n d e n Nachzucht die gute Vererbung bewiesen wird. Cassel und Dillenburg, den 20. Juni 1893.
Der Vorsitzende des landwirthschaftlichen Centralvereins. gez. von der Malsburg. Der Landstallmeister, gez. von der Marwitz. An den Königlichen Landrath, Herrn Freiherr» von Schleinitz, Hochwob^geboren zu Hersfeld. J. Nr. 251.
Der Herr Minister des Innern hat durch Erlaß vom 2ten d. M. — II. 6487 — dem Vorstände der Evangelischen Missionsgesellschaft für Deutsch- Ostafrika die Erlaubniß ertheilt, zum Besten des Deutschen Krankenhauses in Dar-es-Salaam eine öffentliche Ausspielung von Kunstgegenständen zu verunstalten und die Loose — 20 000 Stück zu je 50 Pf. — im ganzen Bereiche der Monarchie zu vertreiben. Die Zahl der Gewinne beträgt 2870 im Gesammtwerthe von 10 000 Mark. Indem ich dies hiermit zur öffentlichen Kenntniß bringe, ersuche ich die Polizeibehörden, deu Vertrieb der Loose im diesseitigen Regierungsbezirk nicht zu beanstanden.
Cassel am 14. Juni 1893.
Der Regierungs-Präsident. J. V.: v. P a w e l.
Gefunden: auf dem Wege von Niederaula nach Hattenbach eine lange Bindekette. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Hattenbach.
am 24. 5um }895»
Es ist ein Wort ins deutsche Land gegangen, Wie kaum ein andres tief verhängnisschwer: Dein Reichstag schied, in Streit und Wahn befangen, Weil er versagt des Reiches Waffenwehr.
Und wieder klang vom Fels gum Meere nieder Der Ruf zur Wahl iu jedes deutsche Haus, Und jeden Mann und Bürger rief er wieder Zu dem entscheidungsvollen Kampf hinaus.
So sollte uns aus aller Deutschen Munde Das Wort ertönen, das die Brust befreit. Verstunden sie den hohen Ernst der Stunde, Zu Schutz und Trutz dem Vaterland bereit?
Wohl ging ein Ahnen durch des Volkes Reihen, Doch tausendfach ward es zum Wissen nicht, Zu oft bezwäng das Toben der Parteien Der Stimme Ruf, die tief im Innern spricht.
Was alle Einsichtsvollen längst ermessen Nothwendig zu des Reiches treuer Hut,
Entstellten laut parteiische Jnt'ressen Zum Kriegsgelüst und zur Erob'rungswuth.
Nicht Deutschland hegt das heißergrimmte Lauern Auf Stund' und Ort zu bösem Ueberfall, Des schlimmen Nachbars Feindeslüste dauern, Drum schütze Klugheit mannhaft Wehr und Wall!
Wenn fchlichte Zahlen nicht beweisend nennen, Daß uns der Feinde Uebermacht bedräut, Das schlecht verhalt'ne Freuen sollt' es können, Das sich nur mäßigt, weil's zu warnen scheut,
Das ungestüme, heimliche Frohlocken, Das an der Seine alle Herzen schwellt — Sie riefen gern mit Sturm- und Freudenglocken: „Deutschland ward schwach gesehn vor aller Welt.
Denn, merkt es wohl: nicht nur den Kriegerscharen, Die dieser Reichstag seinem Land verwehrt, Nickst künft'ger Kämpfe wachsenden Gefahren Gilt ihre Lust, von tiefem Hohn genährt:
In unsres Volkes Herzen sucht der Späher Den Feind, der ihm zuM Bunde sich erhebt, Er glaubt die heißersehnte Stunde näher, Da unsres Reiches starke Feste bebt.
Den einigen, geschlossenen Nationen Gehört der Zukunft unerforschtes Meer. Vor allem deutsch auf deutscher Erde wohnen, Jst's denn allein für uns zu hoch und schwer?!
Ist nicht genug der Väter Blut geronnen Um jene Schranke „nord und süd des Mains"? Nicht hehr genug der Preis, den sie gewonnen, Das deutsche Land am linken Strand des Rheins?
Ist schon so schnell die Schmach vergessen worden, Da deutsche Kraft zersplittert machtlos war, Ein Spott der Welt, verlacht in Süd und Norden, Die deutsche Flagge deutschen Schutzes bar?
Uns ward der hohe Siegespreis errungen, Der Nord und Süd zum Deutschen Reich verband, Doch nur von Scheu vor unsrer Kraft bezwungen, Schaut haßerfüllt der Feind auf unser Land.
Den Preis der Siege gilt es zu erhalten! Sind wir so bald der hohen Ehren matt? Wo ist des freien Opfermuthes Walten, Der vor Paris und Metz geblutet hat?
Noch ist es Zeit! noch wehen deutsche Fahnen Aus deutschen Hö'hn am linken Rheinesstrand! Mein deutsches Volk, laß nicht umsonst dich mahnen, Dein Schicksal liegt in Deiner eignen Hand! Ein Hort des Friedens, bleibe stark vor allen! Solang' der Bürger dumpfe Sorge lebt, Daß heut und morgen schon die Schranken fallen, Im Kriegsgewühl der blut'ge Boden bebt, So laug' wird nicht die Ruhe wiederkehren, Die Schutz und Segen rechter Arbeit schafft, llnb nutzlos wird in banger Sorge zehren Sich Deiner Söhne beste Lebenskraft.
Sei stark und groß, den Frieden zu erhalten, Sei stark und groß, im Kriege zu bestehu.
Wenn noch einmal die Fahnen sich entfalten, So wird's ein Krieg, wie nie die Welt gesehn. Es wird ein Kampf um Leben oder Sterben, Um die Vernichtung deutscher Volkeskraft, Und auf Jahrzehnte dräut uns das Verderben, Bis neuer Geist uns neue Zeiten schafft.