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Hersstl-kl Kleisblatt
Mit wöchentlicher Gratis-Beilage „Jttustrirtes Sonntagsblatt".
Ur. 77. Dienstag den 4. Juli 1893.
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Amtliches.
Hersfeld, den l. Juli 1893. j
Um den Landwirthen des Kreifes bei der herrschenden Streu- und Futternoth die Möglich-? keit zu bieten, sich auf die billigste Weise Futter- , und Streumittel zu verschaffen, haben wir beschlossen, dem Kreistage dahin Vorlage zu machen, i daß eine größere Summe zur Beschaffung größerer i Mengen dieser Stoffe zur Verfügung gestellt und ' letztere zum Selbstkostenpreise an Landwirthe ab- ' gegeben werden, und zwar im Falle des Bedürfnisses gegen Stundung des Kaufgeldes auf längere oder kürzere Zeit, wenn die Gemeinde dem Kreise gegenüber die Bürgschaft übernimmt. Auch haben wir bereits Verfügung getroffen, daß um die Mitte dieses Monats ein größerer Posten Mais zur Vertheilung gelangen kann.
Um das Bedürfniß genau kennen zu lernen, haben die Herren Bürgermeister diese Verfügung in ihren Gemeinden bekannt zu machen und die Wünfche der Gemeindeeingesessenen auf Bezug von Futter- oder Streumittel, als Torfstreu,
Kleie, Mais, Oelkuchen entgegenzunehmen. Diese Anmeldungen sind uns zugleich mit der Erklärung, ob für diejenigen, welche eine Stundung des Kanfgeldes beanspruchen, die Gemeinde die Bürgschaft übernimmt, bis zum 10. b. Mts. vor- zulegen.
I. A. 1116. Der Kreisausschuß:
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 30. Juni 1893.
Die Herren Standesbeamten des diesseitigen Kreises benachrichtige ich hierdurch davon, daß die seitens des Königlichen statistischen Büreaus festgestellten Copialienentschädigungeu für die im Etatsjahr 1892/93 ausgestellten und eingereichten Zählkarten über Geburten, Eheschließungen und Sterbefälle zur Zahlung angewiesen sind, wobei ich bemerfe, daß, wenn die Abholung bei den Königlichen Steuerkassen nicht b i u n e n 4 W o ch e n erfolgt, die Zustellung durch die Post portofrei stattfinden wird.
A. 1152. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 1. Juli 1893.
Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 5.November 1892 I. I. Nr. 7380, im Kreisblatt Nr. 133, betreffend die Herabminderung von Strafen, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 10. d. Mts. bei Meldung von 3 Mk. Strafe erinnert.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den L Juli 1893.
Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 29. Juni 1880 Nr. 7650, im Kreisblatt Nr. 52, betreffend
die von Privathengsten abstammenden Füllen, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 10. d. Mts. bei Meldung von 3 Mk. Strafe erinnert.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 1. Juli 1893.
Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 15. April 1879 Nr. 4433, im Kreisblatt Nr. 31, betreffend die Versicherung der Feldfrüchte gegen Hagelschaden, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 10. d. Mts. bei Meidung von 3 Mk. Strafe erinnert.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz. poltjetsDerof^mmg.
Auf Grund des §. 5 der Verordnung vom 20. September 1867 und des § 143 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 wird mit Zustimmung der Gemeindebehörde nachstehende Polizeiverordnung erlassen.
§• 1.
Der Feldweg im sogenannten Holmersgraben wird als Fahrweg ;u allen Fahrten aus oberhalb des Buchwaldes hiesiger Gemarkung verboten.
§• 2.
Uebertretungen dieser Verordnung werden, sofern nicht höhere Strafen verwirkt sind, mit Geldstrafe bis zu 9 Mark oder mit entsprechender Haft geahndet.
Willingshain, den 3. Juli 1893.
Die Polizeibehörde.
S ch e i d e m a n t e l.
(Nachdruck verboten.)
Der Fluch des Mammons.
Novelle von Leo Werner.
(Fortsetzung.)
Inzwischen brächte der Postbote mehrere Zeitungen, sowie einige Briefe von Pensions- freundinnen für das Geburtstagskind und auch einen großen Brief für den Herrn Rittergntsbe- sitzer Bernhard Berlitz auf Gundersdorf. Neu- betrachtete Tante Susanne das große Schriftstück, welches aus der Residenz kam und schüttelte dabei ihr mit grauen Haaren spärlich bedecktes Haupt.
„Was Bernhard nur für geheimnißvolle Unter- Handlungen mit einer Person in der Residenz führt/ murmelte sie dann, ich habe doch noch mit keiner Silbe von ihm erfahren können, um was es sich dabei handelt."
Hufschläge erschollen aber jetzt laut im Gutshofe mm fast erschrocken legte Tante Susanne den großen Brief auf den Tisch, wo ihr Bruder die Postsachen zu suchen pflegte, denn Berlitz selbst war eben in sein schloßartiges Haus zurückgekehrt. ~ Das Hausmädchen säuberte die Kleider unb Stiefel des eintretenden Herrn vom Staube, denn es war ein heißer Julitag und Berlitz trat in das Zimmer. Bald griff er nach den Postsachen und fand den großen Brief, den er eiligst öffnete und las. Dann wurde Berlitz von einem
plötzlichen Freudentaumel erfaßt und rief in ausgelassener Lustigkeit: „Er hat angebissen, der Herr Baron! Meine schönen Wälder und Felder haben ihn beraubest. Gundersdorf ist für 800,000 Mark verkauft. Das ist eine schwere Kaufsumme, die ich nie zu erhalten gehofft hätte. 800,000 Mark, hahaha! Das macht mit meinen Ersparnissen zusammen mehr als eine Million Mk. Nun bin ich Millionär und brauche mich hier auf Gundersdorf nicht mehr zu plagen und mit Knechten und Tagelöhnern herumzuärgern. Emma! Susanne! Wo steckt ihr denn?"
Und als dieselben eiligst herbeikamen, verkündete Berlitz ihnen mit lauter Freude, daß er sein Rittergut Gundersdorf für 800,000 Mark an den Baron von Blankenfeld verkauft habe, und las ihnen den Brief vor, welcher sich auf den Kaufabschluß bezog.
Erstaunt, fast bestürzt nahmen Emma und die Tante die Nachricht von dem Verkäufe des Rittergutes auf, und als letztere schüchtern fragte, warum der Verkauf so plötzlich gekommen sei, fuhr er sie barsch an unb sagte:
„Du mußt doch begreifen, Susanne, daß ich Gundersdorf zu einem enorm hohen Preise ver kauft habe und daß ich an diesem Verkaufspreise mehr verdiene, als wenn ich das Gut noch zehn Jahre selbst bewirthschaften würde. Der Baron von Blankenfeld ist ein schwer reicher Herr unb hatte es hauptsächlich auf die großen und gutge-
pflegten Wälder Gundersdorf abgesehen. Aber I die Wälder waren mir nicht ohne das Rittergut i feil und ich habe die günstige Gelegenheit benutzt, um meine ganzen Besitzungen zu verkaufen."
„Wir müssen also Alles, was wir hier in Gundersdorf besitzen, an den Herrn Baron ab= treten?" frug Emma kleinlaut,
„Natürlich Alles, Haus, Hof, Vieh, Wagen, Maschinen, Geräthe, Gärten, Felder, Wiesen, Teiche und Wälder Dafür empfange ich aber auch von dem Käufer die große Summe von 800,300 Mark. Weißt Du, was eine solche hohe Summe zu bedeuten hat, Kind? Dieselbe bedeutet nicht nur Reichthum, sondern auch Unabhängigkeit von vielen Sorgen und Verdrießlichkeiten, welche ich hier als Rittergutsbesitzer hatte."
„Und was wollen wir nach dem Verkauf an- fangen?" frug Emma weiter.
„O, Du kleine Närrin, daß Du das nicht errathen willst! Nach der Residenz ziehen mir, wo Du viel besser hinpaßt, als in dieses einsame Dorf. Dort werden wir täglich mit vornehmen Leuten verkehren, denn ich werde zeigen, daß ich Geld habe, lind jeden Tag haben wir Gelegenheit Theater und Conzerte zu besuchen und Sehenswürdigkeiten zu bewundern. O, das wird Dir schon gefallen."
„Und Tante Susanne zieht doch mit uns?"
„Nun, ich bin eigentlich der Meinung, daß die Tante, welctje immer auf dem Lande gelebt