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Heissel-er Kmsdliitt
Mit wöchentlicher Gratis-Beilage „Jllustrirtrs Sonntagsblatt".
Donnerstag den 20. Juli
1893.
Amtliches.
Hersfeld, den 17. Juli 1893.
Der Herr Wegebau-Aufseher und Baumschul- Verwalter Walter dahier beabsichtigt, gleich wie in früheren Jahren, auch im laufenden Jahre und zwar in der Zeit vom 10. bis 12. August d. I. einen unentgeltlichen Cursus über Erziehung, Pflege, Veredeln rc. von Obstbäumen in der hiesigen Laudes-Baumschule abzuhalten.
Die Herren Bürgermeister des hiesigen Kreises haben dies in Ihren Gemeinden zur öffentlichen Kenntniß zu bringen und dahin zu wirken, daß von diesem Anerbieten seitens derjenigen Einwohner, welche für die Hebung der Baumzucht rc. ein hervorragendes Interesse bethätigen und eventl. als Gemeinde-Baumwärter ausgebildet werden sollen oder können, möglichst Gebrauch gemacht wird.
Die Theilnehmer, welche mit einem scharfen Baum- und einem Oculirmefser versehen sein müssen, würden sich am 10. August d. Js. Vormittags 9 Uhr bei dem Herrn Walter, welcher dahier — Neustadt Nr. 527 — wohnt, zu melden haben.
Diejenigen Herren Bürgermeister, in deren Gemeinden zur Theilnahme an dem fraglichen Cursus bereite Personen vorhanden sind, haben mir solche bis zum 5. August d. Js. namhaft zu machen. I. 4481. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Nichtamtliches.
Der Reichstag ist, mit dem kaiserlichen Dank auf den Weg, am Sonnabend heimgegangen; die Gegner derHeeres-
vorlage aber haben nichts Eiligeres zu thun, als : die in der Dankeserklärung kundgegebene Befriedigung Sr. Majestät des Kaisers und Seiner hohen Verbündeten zu mindern. Sie behaupten, es handle sich um einen nur kleinen Sieg der verbündeten Regierungen. Wir sind im Gegentheil der Meinung, der Sieg sei ein sehr großer. Denn nicht darauf kam es bei der endgültigen Abstimmung an, das Verhältniß der Regierung zu irgend einer der bestehenden Parteigruppen oder einer Koalition derselben festzustellen, und die Frage zu entscheiden, nach welchen Parteiprinzipien in Zukunft im Reiche regiert werden möchte — in einem monarchisch gefügten Staatswesen, wie dem Deutschen Reiche, liegen die Dinge in dieser Beziehung anders, als in parlamentarisch regierten Staaten —, sondern es handelte sich um Deutschland, seine Machtstellung inmitten der Welt und die Zukunft des Vaterlandes.
Mit der Annahme der auf die Verstärkung der Wehrkraft Deutschlands abzielenden Gesetzesvorlage ist das Bestreben der verbündeten Regierungen gekrönt worden, unserem öffentlichen Leben die Voraussetzung neu zu verbürgen, auf der es ruht: die Sicherheit und Selbstständigkeit Deutschlands.
Das aber will immerhin etwas besagen, wenn man bedenkt, wie deutsche Eigenart es zuläßt, daß über eine Frage, von der die Existenz Deutschlands abhängt, Welsen, elsässische Protestler und Sozialdemokraten mitentscheiden, Gruppen also, die ausgesprochenermaßen das Reich negiren. Ganz besonders tritt das Mißliche und der Widersinn dieses Verhältnisses in den auch jetzt wieder offen zur Schau getragenen internationalen Tendenzen der Sozialdemokratie hervor. Freuen sich die Gegner der zur Annahme gelangten Heeresvorlage, auch die Sozialdemokraten bei der Abstimmung auf ihrer Seite gehabt zu haben, so verzichten sie anscheinend darauf, sich die Frage
' zu beantworten, ob denn nicht in konsequenter Verfolgung ihrer Bestrebungen die Annahme berechtigt erscheint, die Sozialdemokratie möchte im Interesse der Verwirklichung ihrer Träume einen von Deutschland unglücklich geführten Krieg einem glücklich verlaufenden vorziehen.
Kommt also für die Beurtheilung der Größe des Sieges erheblich in Betracht, daß zu den Gegnern Gruppen gehörten, welche die zur Entscheidung gestandene Hauptfrage, ob die Grundlage der Sicherheit und des Schutzes Deutschlands möglichst stark zu erhalten sei, eo ipso verneinen, so ist des Weiteren in Rechnung zu ziehen, daß die verbündeten Regierungen, als sie den Antrag auf Verstärkung der Wehrmacht stellten, von vornherein so gut wie gar keine Unterstützung fanden. Nur ganz wenige Zeitungen standen zunächst mit uns auf ihrer Seite, und in der Reichstagskommission war es in der ersten Zeit nur der Abgeordnete Freiherr v. Stumm, der die Berechtigung ''nd den logischen Zusammenhang der Forderungen anerkannte, die jetzt als billig und nothwendig zugestanden worden sind. Welchen Antheil immer der Kaiser und die verbündeten Fürsten, der Reichskanzler und die Vertreter der Heeresverwaltungen daran gehabt haben, daß der einmal beschrittene Weg sincere et constanter verfolgt wurde, nach und nach, wenn auch Vielen zu langsam, drang die Wahrheit der Gedanken, von denen sich die verbündeten Regierungen leiten ließen, doch durch. Die verantwortlichen Vertheidiger der Heeresvorlage hatten sich mit zwei Fronten zu schlagen und gleichzeitig gegen die bewußten und unbewußten Anhänger des Milizsystems zu kämpfen — Bebel, Richter, Lieber —, wie gegen Die, welche die Verstärkung der Wehrmacht nur unter Voraussetzungen zubilligen wollten, für die das Geld aufzubringen sie selbst keine Mittel wußten
(Nachdruck verboten.)
Der Fluch br$ Mammons.
Novelle von Leo Werner.
(Fortsetzung.)
„Ich wollte Dir auch nicht gerade rathen, Deinen Abschied zu nehmen, Alfred," antwortete der Baron Blankenfeld, „sondern mein aufrichtiger Rath geht dahin, daß Du Dich sobald als möglich mit einer reichen Dame verheirathen mußt. Du bist erst siebenunddreißig Jahre alt, also im besten Mannesalter, wo man noch heirathen kann."
„Das ist leichter gesagt, als gethan," bemerkte der Rittmeister. „Meine Freiheit als Junggeselle habe ich bisher immer sehr hoch geschätzt, und habe auch oft gedacht, daß ich mit meiner ausgeprägten Passion für den wagehalsigen Renn- sport auch gar nicht recht zum soliden Ehemann passe."
„Ich glaube, daß Du in dieser Hinsicht ein einseitiges Urtheil hast," erklärte der Baron. „An der Seite einer braven Frau und im Kreise lieber Kinder dürften sich vielleicht Deine Passionen für die Pferde und den Nennsport bald auf ein vernünftiges Maß beschränken lassen."
„Aber wo soll ich gleich eine zu meinem Stande passende Frau mit reicher Mitgift hernehmen?
Die meisten adeligen Familien können ihren Töchtern auch nicht mehr als eine Ausstattung und ein Nadelgeld geben, wenn sie dieselben ver- heirathen. Durch eine solche Heirath könnte ich mich und die Meinen dann erst recht in's Unglück stürzen. Aber auch mit einer mäßigen Mitgift wäre mir nicht gedient, denn die Zinsen derselben brauchen die Frau und die Kinder. Und giebt man kostspielige Gesellschaften, so kann man noch in Schulden gerathen. Eine Heirath könnte mir doch nur dann wirklich nützen, wenn ich eine wirklich reiche Partie machen könnte. Aber ich weiß nicht, wie sich dazu gleich Gelegenheit finden soll.
„Du brauchst ja nicht gerade eine adelige Dame zu heirathen," entgegnete der Baron lächelnd. „Es giebt ja auch vornehme und reiche Bürgerstöchter, welche gern Frau Baronin werden wollen."
„Das will ich nicht bestreiten, aber es ist die Frage, ob sich eine solche findet, der sich gefalle und die mir gefällt, denn ohne jede Neigung nur nach dem Geld zu heirathen, dazu kann ich mich doch so leicht nicht entschließen. Auch möchte ich nicht in eine Familie heirathen, die mich später in gesellschaftlicher Hinsicht Quälereien und Fatalitäten aussetzt, wie es dem Baron von Liffow durch seine Verheirathung mit der reichen Brauerstochter ergangen ist."
„Nun in dieser Hinsicht mußt Du auf Deiner Hut sein, Auch giebt es genug nobele bürgerliche Familien, welche einen adeligen Schwiegersohn schwerlich in solche Fatalitäten bringen würden. Ich kenne zum Beispiel mehrere, von denen ich dies mit Sicherheit sagen kann."
„Haben sie aber auch genug Vermögen, um ihren Töchtern eine wirklich große Mitgift mitgeben zu können?" frug der Rittmeister interessirt.
„Ich habe nach dieser Richtung noch keine so genauen Erkundigungen eingezogen", entgegnete der Baron. „Mir fällt aber ein, daß ich unter Umständen eine sehr gute Partie für Dich wüßte, Alfred."
„Ich bitte Dich, mir den Namen der Familie zu nennen und mich mit ihr bekannt zu machen," sagte der Rittmeister mit wachsender Sympathie, denn mehr und mehr schien ihm einzuleuchten, daß nur eine reiche Heirath ihn aus einer mißlichen Vermögenslage retten könne.
„Es ist die einzige Tochter des früheren Besitzers von Gundersdorf, Fräulein Emma Berlitz, welche ich für Dich als Frau im Auge habe, erwiderte Baron Blankenfeld.
„Ist denn Herr Berlitz so reich?" frug der Rittmeister gespannt.
„Herr Bernhard Berlitz ist in der That sehr reich, denn sein großes Rittergut Gundersdorf