Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstaq. Donnerstag und Sonnabend.

Abonnementspreis vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. excl. Postausschlag.

Die JusertionSgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. j Reklamen die Zeile 20 Pfg.

Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

---4

Herssel-el Kreisdtatt.

Mit wöchentlicher Gratis-VeilageJllustrirtes Sonntagsblatt".

Nr. 85.

Sonnadend den 22. Juli

1893.

Erstes Blatt.

Bestellungen

auf das ZmsM MM

mit der wöchentlichen Gratis-Beilage

Jllustrirtes Sonntagsblatt" für die Monate August und September werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Land- briefträgern und von der Expedition ange­nommen.

Amtliches.

Bekanntmachung, betreffend Abänderung der Anweisung über das Verfahren bei der Aus­stellung und dem Umtausch, sowie beider Erneuerung (Ersetzung) von Quittungskarten (§§. 101 ff. des Gesetzes, betreffend die Jnvaliditäts- und Alters­versicherung, vom 22. Juni 1889, R. Ges. Äl. S. 97) vom 17. Oktober 1890.

Der Absatz 2 von den Worten:Bleibt dem­gemäß .....bis.....zu machen" und der Absatz 3 der Ziffer 6 der Anweisung vom 17. Ok­tober 1890 wird aufgehoben und durch folgende Bestimmungen ersetzt:

Bleibt demgemäß die Zulässigkeit der Aus­stellung zweifelhaft und lassen sich die Zweifel nicht alsbald beseitigen, so bleibt es dem Ermessen der Ausgabestelle überlassen, entweder die Aus­stellung der Karte auszusetzen und der für ihren Bezirk zuständigen Versicherungsanstalt unter Mittheilung der die Zweifel begründenden Um­stände Gelegenheit znr Aeußerung binnen einer kurz bemessenen Frist zu geben, oder die Karte auszustellen und der Versicherungsanstalt unter Mittheilung der Bedenken von der Aus­stellung der Karte Kenntniß zu geben.

Ist im ersteren Falle die Versicherungsanstalt niit der Ausstellung der Karte einverstanden oder geht eine Aeußerung von ihr binnen der gesetzten Frist nicht ein, so hat die Ausgabestelle die Karte alsbald auszustellen.

Widerspricht dagegen die Versicherungsanstalt der Ausstellung, so ist die Sache in beiden Fällen als Streitigkeit im Sinne der §§. 122, 123 a. a. O. zu behandeln, kurzer Hand an die zur Entscheidung zuständige Verwaltungsbehörde abzugeben und die endgültige Erledigung dieser Streitigkeit abzu- warten. Je nach dem Ergebniß dieses Verfahrens fft die Ausstellung der Quittungskarte, sofern sie noch nicht erfolgt war, vorzunehmen oder end­gültig abzulehnen. War die Karte aber bereits ausgestellt, so ist nöthigenfalls die Einziehung der Karte und die Vernichtung der verwendeten Marken nach Maßgabe des §. 125 a. a. O. (vergl. Ziffer II. 8. der Bekanntmachung vom Elften Dezember 1891, Reichsges. Bl. S. 399) zu veranlassen.

Wird die Ausstellung der Kgrte aus anderen

Gründen als wegen bestehender Zweifel über die Versicherungspflicht oder über das Recht zur Selbstversicherung abgelehnt, so steht dem Antrag­steller die Beschwerde im Aufsichtswege zu." Berlin am 14. Juni 1893.

Der Minister des Innern. Der Minister für In Vertr.: Handel und Gewerbe.

Braunbehrens. Im Auftr.: Sieffert.

Hersfelh, den 20. Juli 1893.

Für den am 7. August. 1873 geborenen Heinrich Kemmler, sowie für bie am 5. Mai 1875 ge­borene Marie Kemmler, beide von Friedewald, ist um Entlassung aus dem preußischen Staats- verbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.

J. I. Nr. 4530. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 19. Juli 1893.

Für die am 15. März 1877 zu Niederaula ge­borene Regine Jacob ist um Ertheilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.

I. 4576. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Nichtamtliches.

Zur letzten Rede Vebels.

Noch in der dritten Lesung der Militärvorlage, am letzten Tage der Reichstagssession, hielt der Abgeordnete Bebel eine Rede allgemeineren In­halts, die mit den Worten schloß: Nieder mit dem Militarismus. Der Führer der Sozialdemo- kratie begab sich dabei auf das Gebiet der aus­wärtigen Politik und suchte zu beweisen, daß an Krieg gar nicht zu denken sei und Deutschland ruhig zum Milizsystem übergehen könne. Das französische Volk denke nicht an Krieg, es seufze unter einem Defizit von 250 Millionen im letzten Jahr, seine Bevölkerung gehe zurück, es sei militärisch und finanziell am Ende seiner Leistungs­fähigkeit. Noch weniger als Frankreich habe Rußland die Lust und die Möglichkeit einen Krieg hervorzurufen; es habe ein Defizit von 190 Millionen Rubel, der Finanzminister bemühe sich vergeblich um eine neue Anleihe, im Innern sehe es trübe aus 2c. Bebel empfahl dann das Milizsystem unter Berufung auf Scharnhorst, Gneisenau und Boyen, die schon 1807 militärische Jugenderziehung, Anstellung von Exerziermeistern an den höheren Schulen und dergleichen gefordert hätten.

In diesen Ausführungen zeigt sich der grenzen­lose Optimismus, mit dem die Sozialdemokraten die Dinge dieser Welt darzustellen lieben aber nur, wo es ihnen in den Kram paßt. Ihm zur Seite steht ein ebenso grenzenloser Pessimismus, wo es sich darum handelt, die bestehenden wirth- schaftlichen Zustände zu schildern. Da wird Alles schwarz in schwarz gemalt, Alles an der bestehenden socialen Ordnung ist zerfressen und verrottet, die Besitzenden, namentlich alle Arbeit­geber, erscheinen nur als Ausbeuter, die Arbeiter als Lohnsklaven u. s. w. Sofort aber erscheint alles im rosigsten Lichte, sobald die socialdemo­

kratischen Zukunftsideen in's Spiel kommen. Da giebt es nur edle Menschen, reine Engel, alle Selbstsucht, alle Begierden hören auf, und über das Widrige hilft der Trost hinweg: es wird sich Alles von selber zum Besten machen. Und Kriege, nationale Volksleidenschaften gehören zn den Dingen, welche die Träume einer inter­nationalen Verbrüderung, einer Weltrepublik, Lügen strafen könnten, und deshalb sind sie eben nach socialdemokratischer Lehre einfach nicht vor­handen.

Man könnte noch viel mehr und bessere Gründe anführen, die dafür sprechen, daß auch im französischen und im russischen Volke ein starkes Friedensbedürfniß vorhanden ist. Aber über die Geschicke der Völker entscheidet bei weitem nicht immer die kühle Erwägung, das vernünftige Denken. Als Napoleon I. Kriegsbrände in ganz Europa entfesselte, hatte persönliche Leidenschaft, Ruhm- und Eroberungssucht viel größeren Antheil daran als das Glück der Völker. Welche Ver­nunft war darin, daß die Franzosen 1870 den Krieg vom Zaune brachen? Und hingen nicht siebzehn Jahre später, als Soulanger Kriegs­minister war, Krieg und Frieden an einem Haare? Ueber Rußland hat Bebel selbst in der Militär­kommission des vorigen Reichstags ganz anders gesprochen. Damals sagte er, so lange nicht die Socialisten in Frankreich an's Ruder kämen, müßten wir mit einem französisch - russischen Bündniß wider Deutschland rechnen; die Gefahr, daß Rußland seine Herrschaft auf ganz Europa ausdehne, sei näher als je rc. Was endlich die militärische Jugenderziehung Scharnhorst's betrifft, so war sie ein Nothbehelf. Preußen durfte nach dem Machtgebot des korsischen Eroberers nur eine kleine Zahl von Soldaten aufstellen, es mußte sich im Geheimen auf den Tag der Be­freiung von der Fremdherrschaft rüsten.

Die Hauptsache ist, daß die Socialdemokraten kein starkes Heer wollen, weil ihnen an einem starken deutschen Reich blutwenig oder nichts ge­legen ist. Was sie unter Milizen verstehen, hat ihr Hauptorgan unlängst noch in den Worten ausgesprochen, die jungen Leute müßten daran gewöhnt werden, den Vorgesetzten mores zu lehren. Die Socialdemokraten können nur hoffen, einmal auf kurze Zeit ihren Traum die Dictatur des Proletariats verwirklicht zu sehen, wenn ein­mal Alles drunter und drüber geht. Da aber ist ein gutes Heer nach außen wie nach innen das stärkste Hinderniß.

Politische Nachrichten.

Zur Reise des Kaiserpaares meldet Wolff's Bureau:" Stockholm, 19. Juli. Ihre Majestäten der Kaiser Wilhelm und die Kaiserin Auguste Victoria trafen heute Abend 7'/, Uhr in Tullgarn ein, begleitet von dem Kronprinzen und d e r Kron­prinzessin von Schweden, welche der Hohenzollern" entgegengefahren waren und die­selbe gegen 61 /2 Uhr getroffen hatten. Seine Majestät der K a i s e r trug schwedische Admirals- uniform, der Kronprinz von Schweden deutsche Generalsuniform. An der Landungsstelle hatte