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Dr. 87. Donnerstag den 27. AM 1893.
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Amtliches.
Hersfeld, den 25. Juli 1893. .
Im Austrage der Königlichen Intendantur des 16. Armee-Corps soll seitens der Viehankaufs- kommission für Rechnung des Kaiserlichen Proviantamtes zu Metz
am Montag den 31. d. Mts. früh
auf dem hiesigen Biehmarktplahe
gut gemästetes Schlachtvieh (Ochsen, junge Kühe, und Hämmel) angekauft werden.
Der Ankauf geschieht nach Lebendgewicht und wird nur auf Vieh gerücksichtigt werden, welches sich in gutem Futterzustande befindet und nicht über 7 Jahre alt ist. Es wird nur von ländlichen Viehbesitzern und Viehzüchtern, nicht aber von Zwischenhändlern gekauft.
Die Herren Bürgermeister des hiesigen Kreises werden hiermit angewiesen, solches alsbald in ihren Gemeinden auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen und haben die Viehbesitzer das Vieh, welches sie verkaufen wollen, zu der bestimmten Zeit an dem betreffenden Orte aufzu- treiben.
J. I. Nr. 4654. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 25. Juli 1893.
Für den am 31. Dezember 1876 zu Stockhausen Kreis Lauterbach geborenen Adam L o tz zu Bin- gartes-Mühle ist um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.
I. 4644. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Nachstehender Aufsatz des Geheimen NegierungS- raths Professors Dr. Orth aus den Mittheilungen der Ackerbau-Abtheilung der Deutschen Landwirth- schafts-Gesellschaft in Berlin: „Zur Abhülfe der Futternoth und Wirthschaftsnoth", wird zur öffentlichen Kenntniß gebracht.
Cassel, am 12. Juli 1893.
Der Regierungs-Präsident. J. V.: v. Pawel.
In einer Jahreszeit, welche für die Futtererzeugung ausschlaggebend ist, und in welcher unter normalen Verhältnissen die kleeartigen Feld- Futterpflanzen und die Wiesen reichlichen Ertrag zur Ernährung des Viehstandes und zur Füllung der Vorrathsräume für die Winterperiode liefern, ist gegenwärtig durch die anhaltende Dürre in Deutschland und großen Theilen Europas für die Viehhaltung ein Nothstand so bedenklicher Art
eingetreten, daß es für den einzelnen Landwirth | und für den Staat in vielen Gegenden zu den schwerwiegendsten Aufgaben gehört, rechtzeitig die Maßregeln zu treffen, welche nach menschlichem Ermessen und unter Voraussetzung der Wiederkehr günstigerer klimatischer Verhältnisse eine wenn auch nur theilweise Abhülfe zu schaffen im Stande sind. Es ist dabei nicht blos der Viehstand in Gefahr, welcher gegenwärtig zum Theil zu Schleuderpreisen verkauft wird, in einem andern Jahre zu unerschwinglichen Sätzen wieder erstanden werden muß, sondern es muß naturgemäß die gesammte Düngermirthschaft und der nachfolgende Ertrag des Feldbaues durch derartige Mißverhältnisse für die Zukunft aufs Nachtheiligste beeinflußt werden.
Aus den bezeichneten Gründen erscheint es angezeigt, daß der von mehreren Mitgliedern der Gesellschaft gegebenen Anregung entsprechend, nachstehend aus die wichtigsten praktischen Maßregeln kurz aufmerksam gen.acht wird, welche im einzelnen Falle dem Ermessen des denkenden Land- wirths im eigenen Interesse empfohlen werden können. Es wird dabei die größere Sicherheit oder Wahrscheinlichkeit des Erfolges auch bei fortdauerndem wenig günstigem Wetter besonders berücksichtigt werden müssen.
Wenn es überhaupt möglich ist, durch künstliche Wasserzufuhr die Pflanzenentwickelung mehr zu sichern, so ist zu prüfen, wie weit dies ökonomisch ausgeführt werden kann. Aus der Gegend der Fulda wird mitgetheilt, daß durch einmaliges gründliches Unterwassersetzen einer Wiese von 18 ha Fläche durch Dampfpumpe im Frühjahre bei noch nicht 20 Mark Unkosten pro ha eine vollständige Heuernte erzielt ist, wo sonst fast nichts geerntet worden wäre. Beini Verpflanzen der Hackfrüchte wird namentlich in der Kleinwirth- fchaft ein wiederholtes Begießen der Pflänzlinge zur Sicherung derselben in trockener Zeit jedenfalls stattfinden müssen. Durch Ueberdüngen mit Stallmist und organischen Streumaterialien läßt sich dem Austrocknen des Bodens entgegenwirken und das Wachsthum direkt fördern. Die umfangreiche Verwendung von Ersatzstoffen für die Stroh- streu, sowohl von Waldstreu, welche der Wald nicht regelmäßig, wohl aber in Fällen der Noth hergeben muß und kann, wie von der so wichtigen, stark aufsaugenden Torfstreu wird für die Viehhaltung und zur Erhaltung der Jauche um so nothwendiger beachtet werden müssen, je mehr in Verbindung mit wenig Rauhfutter und Wurzel- und Knollengewächsen neben dem erforderlichen eiweißreichen Kraftfutter sämmtliches Stroh für die Viehernährung zurückgelegt, der Verwendung zu Streu entzogen werden muß. Der Schreiber dieser Zeilen hat infolge des futterarmen trockenen Jahres 1865 es selbst in eigener Wirthschaft erfahren, wie unter Verwendung des sämmtlichen Strohes als Futter und mit wenig Heu und Hackfrucht, unter Ersatz des nothwendigen Eiweißes durch Kraftfutter es erreicht wurde, daß der gesammte Viehstand von zwei Gütern wirth- schaftlich erhalten werden konnte, während viele Güter 'Du ihres Viehstandes verschleuderten und in der Düngerwirthschaft sehr zurückkamen. Die jetzt zur Einführung gekommene Torfstreu erleichtert dies, sowie die Erhaltung der Jauche und einer guten Düngerwirthschaft in ganz anderer Weise,
als es früher möglich war. Mit 3 kg guter Torfstreu auf das Haupt Großvieh pro Tag, wie sie von den großen Werken in Hannover, Oldenburg, Ostpreußen, Bayern u. a. O. abgegeben wird, kann das Streustroh vollständig ersetzt oder seine Verwendung auf ein Minimum beschränkt werden. Wenn 100 kg Torfstreu = 3,0 Mk. gerechnet werden, macht dies 9 Pfennig pro Tag, während das Stroh jetzt schon vielfach über das Doppelte kostet. Es kann auch die Konservierung des Stalldungs durch Aufbringen guter humoser lehmiger Erde auf der Dungstätte nicht eindringlich genug empfohlen werden. Viele Landwirthe sind in der Lage, durch Aufpflügen und Trocknen nom eigenen Boden Torfstreu zu gewinnen. Es ist zu erwarten, daß sowohl der Staat wie die Privatbesitzer einem Nothstände gegenüber, wie er gegenwärtig in manchen Gegenden stattfindet, für reichliche Waldstreu-Abgabe zur Unterstützung der schwer heimgesuchten Landwirthschaft mit eintreten werden. Seitens des Staats und der Provinzen wird in manchen Gegenden vielleicht durch billige Kredite und Eisenbahntarise, wie es zum Theil bereits angebahnt ist, eine noch viel weiter gehende Unterstützung stattfinden müßen. Es ist weiter die Verwerthung des Baumwuchses dadurch heran- zuziehen, daß Laubheu gewonnen wird. Es können die Aeste von Eichen, Pappeln, Birken u. s. m. bis auf 1 m abgeschnitten, in Bündel gebracht, getrocknet und im Winter wie Heu verwendet werden. Zunächst wird sich jeder Landwirth, welcher in Futternoth ist, klar machen müssen, in welcher Weise die wahre Oekonomie der Ausnutzung vorhandener Futterquellen in Anwendung zu bringen ist und ob nicht sofort die Sommer- fütterung auf eine ganz andere Grundlage gebracht werden muß, als es sonst der Jahreszeit und den Gewohnheiten entspricht. Namentlich sollte einer gewissen Verschleuderung des Grünfutters, die sich vielfach eingebürgert hat, Einhalt geboten werden. Ich wiederhole, das Schlimmste ist, wenn es dahin kommen sollte, daß der Viehstand, ein so wesentlicher Theil des Nationalwohl- standes, durch diesen Nothstand wesentlich beschränkt werden und später zu den höchsten Preisen wieder gekauft werden müßte. Es sollten überall, wo es erforderlich ist und namentlich auch in den Gebieten des Kleinbesitzes, alle Vertreter des landwirthschaftlichen Gemeinwesens, alle laud- wirthschaftlichen Vereine, Wanderlehrer u. s. w. alsbald in ernsteste Berathung treten und überall möglichst zur Klarstellung beitragen helfen, was in so schwerer Zeit im Interesse des Einzelnen nothwendig zu geschehen hat. Der vorgeschrittene Standpunkt der wissenschaftlichen Landwirthschaft gestattet zur Zeit auch die Abhülfsmittel betreffs der Ernährung des Viehes sowie der Pflanzen bester zu übersetzen, als es in früheren Zeiten möglich war. Es ist dabei nicht zu verkennen, daß der säumige Wirth, welcher die kräftige Düngung seines Bodens und die entsprechende Vertiefung seiner Krume vernachlässigt hat, in der gegenwärtigen Nottzlage am meisten zu leiden hat, während der tüchtige Wirth, welcher seine Zeit und Aufgabe versteht, schon wegen der Stroh- vorräthe, welche ihm die bessere Bewirthschaftung in früheren Jahren eingebracht hat, sowohl Unter der Dürre weniger leidet, als auch leichter Abhülfe zu schaffen in der Lage ist.