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Hersfel-kl Kltisdlatt.
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Nr. 89. Dienstag den 1. August 1893.
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Politische Nachrichten.
Se Majestät der Kaiser ist, wie aus London gemeldet wird, am Sonnabend Mittag unter dem Geschützdonner der deutschen Kriegsschiffe auf der Rhede von Cowes eingetroffen. Der P r i n z von Wales und der Herzog von Connaught waren an Bord der königlichen Aacht „Osborne" der „Hohenzollern" bis einige Meilen von Spithead entgegengefahren. Bei der Ankunft in Cowes wurde der kaiserliche Gast von einer nach Tausenden zählenden Menge enthusiastisch begrüßt. Der Monarch, welcher die englische Admiralsuniform trug, stand bei der Einfahrt auf der Kommandobrücke der „Hohenzollern". Am Nachmittag stattete der Kaiser der Königin von England in Osborne einen Besuch ab.
Die unter dem 14. d. M. Allerhöchst vollzogenen preußischen Steuerreform-Gesetze, betr. die Aufhebung direkter Staatssteuern und die Ergänzungssteuer, sind am Freitag amtlich publizirt worden.
(Nachdruck verboten.) Der Fluch des Mammons.
Novelle von Leo Werner.
(Fortsetzung.)
Auf^ dem von Berlitz erworbenem Terrain in ber -rorshaide wurde unter der Leitung des Ingenieurs Gumbrecht mit mehr als hundert Arbeitern und zwei Bohrmaschinen und vier Locomobilen wacker gearbeitet, um Petroleumquellen zu entdecken, aber trotzdem nun bereits vier 'JJionate gesucht und gebohrt worden war, fo hatte man doch noch keine einzige sichere Spur einer Petroleumquelle entdeckt, und Berlitz, welcher jede Woche einige Male hinaus nach der Torf- haide fuhr, um die Fortschritte der Bohrarbeiten zu fehen, wurde mit jedem Tage unmuthiger.
Der Ingenieur Gumbrecht blieb aber fest in seiner Hoffnung, daß doch schließlich eine er- grebige Petroleumquelle in der Torfhaide gesunden werden müsse, und Gumbrecht stützte dabei seine Zuversicht hauptsächlich auf die Erfahrungen, welche er in Süddeutschland bei der Entdeckung von Petroleumquellen gemacht haben wollte. Da nun Berlitz bereits ein Kapital von mehr als 150 000 Mark in das Unternehmen gesteckt hatte und diese Versuche, Petroleumquellen zu entdecken, auch Berlitzens Namen in der Residenz und auch im ganzen Lande berühmt zu machen versprachen, und weil ferner auch der Banquier Zacharus
Verschiedene russische Blätter suchen im Gegensatz zu der offiziellen Motivirung im „Regierungsboten" die Einführung des russischen Maximaltarifs mit der Behauptung zu rechtfertigen, daß die deutsche Regierung die handelspolitischen Verhandlungen hinauszuziehen bestrebt sei und unter anderen die russischerseits vorgeschlagenen kommissarischen Berathungen unter dem Vorwande der Uebermüdung der betheiligten Beamten auf den Herbst verschoben habe. Dieser Vorwurf entbehrt jeder thatsächlichen Begründung. Der Vorschlag, die kommissarischen Verhandlungen nicht im August, sondern erst am 1. Oktober beginnen zu lassen, ist deutscherseits aus dem rein sachlichen Grunde erfolgt, weil die bisherigen schriftlichen Verhandlungen eine Einigung über wesentliche Punkte nicht erzielten, und daher eine unmittelbare Anknüpfung kommissarischer Berathungen an dieselben auf der gleichen Basis nur eine abermalige Koustatirung der bestehenden Differenzen, unmöglich aber ein positives Resultat zur Folge haben konnte.
Nachdem der aus dem Ertrage der Getreide- undViehzölle für das Etatsjahr 1'892/93 auf P r e u ß e n entfallende Antheil auf die Summe von 51770 737 Mk. ermittelt ist, haben nach Abzug des der Staatskasse verbleibenden Betrages von 15 000 000 Mk. die Minister des Innern und der Finanzen den auf Grund des Gesetzes vom 14. Mai 1885 den Kommunal- verbänden zu übermeisenden Betrag auf 36 770 737 Mk. festgesetzt.
Der B u n d e s r a t h ist am Freitag zu einer Plenarsitzung zusammengetreten, um über die Anwendung des § 6 des Zolltarifgesetzes, der die Befugniß zu Zuschlägen auf den deutschen Generaltarif als Repressalien enthält, Beschluß zu fassen. Hiernach werden, sobald der russische Maximal
häufig Berlitz zur Ausdauer bei dem Unternehmen aufforderte, weil durch dasselbe, im Falle des Gelingens Millionen zu verdienen sein würden, so opferte Berlitz immer wieder neue Summen, um die Bohrverfuche forrzusetzen. Aber heute, als er wieder circa 1700 Mark für Arbeitslöhne, Kohlen, Lastfuhren und andere Unkosten zu zahlen hatte, und bei seiner Ankunft in der Torfhaide wiederum keine gute Nachricht in Bezug auf die Entdeckung einer Petroleumquelle hörte, verlor Berlitz die Geduld, und er hatte eine böse Scene mit Gumbrecht. Er warf dem Ingenieur oberflächliche Behandlung der ganzen Angelegenheit, Unwissenheit und die Erwecknng trügerischer Hoffnungen vor, sodaß Gumbrecht auf der Stelle bauen gehen und das Unternehmen im Stiche lassen wollte.
Dadurch entstand aber wieder eine peinliche Verlegenheit für Berlitz, sodaß er seine Vor- würfe zurücknahm und Gumbrecht bat, die Leitung der Bohrverfuche ferner noch zu führen.
Gumbrecht war darüber auch froh, denn er hatte ja für seine ganzen bisherigen Arbeiten keine Entschädigung erhalten und besaß auf solche erst dann den vertragsmäßigen Anspruch, wenn eine Petroleumquelle entdeckt war. Gumbrecht war auch fein Schwindler, sondern er war nur einer von denjenigen Unternehmern und Entdeckern, welche das, was sie zu erstreben wünschen, zu sehr von der rosigen Seite beur-
tarif gegen Deutschland in Kraft gesetzt wird, die Waaren russischer Herkunft, besonders das Getreide, von deutscher Seite mit höheren Zöllen belegt werden. Nachdem uns der Zollkrieg aufgedrängt ist, ist es nothwendig, ihn mit Energie zu führen, damit sich möglichst bald die empfindlichsten Nachtheile für den Gegner herausstellen und ihn zur Umkehr nöthigen. Es wird gut sein, wenn in den Kreisen und Landestheilen, die zunächst unter der Absperrung zu leiden haben, genau ersannt und danach gehandelt wird, daß im allgemeinen Interesse solche Opfer gebracht werden müssen und daß sie um so rascher vorübergehen, je energischer die Haltung unserer Regierung unterstützt wird.
(Deutsch-russischer W a a r e n v e r - k e h r.j Nach der Statistik des Deutschen Reichs betrug im Jahre 1891 der Waarenaustausch des deutschen Zollgebiets mit Rußland im Special- Handel:
in der Einfuhr aus Rußland 578 701000 Mk., in der Ausfuhr nach Rußland 145 336 000 Mk., Von der russischen Einfuhr nach Deutschland waren Werthe von etwa 400 Millionen Mark zollpflichtig, darunter wichtigere Artikel: Getreide und Hülsenfrüchte für rund 275 Millionen Mark, Holz und Holzmaaren für 60 Millionen, Butter, Fleisch, Caviar für 8 Millionen, Petroleum für 4,3 Millionen, Eier für 20,8 Millionen, Pferde für 15,8 Millionen, Kautschuckwaaren u. s. w. Die vorstehenden Zahlen beleuchten das Interesse der russischen Volkswirthschaft an der Offenhaltung des deutschen Marktes. Andererseits haben die Erfahrungen, welche bei den russischen Getreideausfuhrverboten im Jahre 1891/92 gemacht worden sind, gelehrt, daß Deutschland in der Deckung seines Einfuhrbedarfs an Brotfrüchten nicht auf die russische Production angewiesen ist,
theilen. Um den guten Fortgang des Unternehmens zu sichern, erbot sich auch Gumbrecht aus feinen Mitteln noch zwei Wochen die Kosten der weiteren Bohrverfuche zu bestreiten, sodaß Berlitz nicht im Geringsten mehr an der Ehrenhaftigkeit Gumbrechts zweifelte und leidlich befriedigt sich nach Hause begab.
Mit größter Energie wurde nun weiter nach Petroleumquellen gesucht, und am elften Tage nach der erwähnten heftigen Scene zwischen Berlitz und Gumbrecht geschah das ersehnte Ereigniß. An Berlitz lief in die Residenz eine Depesche von Gumbrecht ein, welche die Entdeckung einer Petroleumquelle verkündete.
Berlitz wurde darüber fast närrisch vor Freude und Emma und die Taute Susanne, welche ihn in den letzten Wochen oft traurig und tiefsinnig wegen des scheinbar vernuglückren Unternehmens auf der Torfhaide gesehen, und über seinen Gemüthszustand Sorge gehabt hatten, bangten jetzt förmlich aus entgegengesetztem Grunde dafür. In Wirklichkeit hatte aber auch nidjt nur eine unbändige Freude, sondern auch ein richtiger Größenwahn Berlitz erfaßt, seit die Depesche von der Entdeckung einer Petroleumquelle eingelaufen war.
Bald eilte auch Berlitz zu seinem guten Freunde, dem Banquier Zacharus, um diesem das große Ereigniß zu verkünden.
„Sie ist gefunden, die große Quelle!" rief er