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Dienstag den 22. August

1893.

Amtliches.

Cassel, den 18. August 1893.

Nachdem des Kaisers und Königs Majestät mittelst Allerhöchster Ordre vom 24. v. M. Aller- gnädigst geruht haben, mir das Präsidium der Königlichen Regierung hierselbst zu übertragen, habe ich heut mein neues Amt angetreten.

Mit Freuden übernehme ich die Verwaltung dieses schönen Landes. Ich stelle meine ganze Kraft und mein bestes Können in den Dienst desselben, mit der Hoffnung, daß es mir gelingen möge, die idealen und materiellen Interessen des­selben zu pflegen und zu fördern.

Für meine Amtsführung erbitte ich mir Seitens der Bewohner Vertrauen, Seitens der Behörden und Beamten freundliche Unterstützung entgegen bringen zu wollen.

Graf C l a i r o n d' H a u s s o n v i l l e.

Hersfeld, den 17. August 1893.

Der seitherige Bürgermeister Heinrich Faul- haber ju Gershaufen ist als solcher auf acht weitere Jahre gewählt und verpflichtet worden.

I. Nr. 1467. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 17. August 1893.

Nach einer Mittheilung des Königlichen Land­ratbsamts zu Hünfeld soll am 23. d. Mts. daselbst ein Viehmarkt abgehalten werden.

Die Herren Ortsvorstände haben dieses in den Gemeinden auf ortsübliche Weise bekannt zu machen.

I. I. Nr. 50s8. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.

(Nachdruck verboten.)

Unebenvurtig.

Roman von H. von Z i e g l e r.

(Fortsetzung.)

Liebt sie denn Dich ebenfalls und zwar nur um Deiner selbst willen?"

Rudolf seufzte, dann entgegnete er ernst:

Ich weiß es nicht, Mama, aber ich hoffe es; aus jedem ihrer Blicke spricht ihr Herz."

Oder ihre Koketterie. Rudolf, prüfe das Mädchen, ehe Du Dich bindest. Ich weiß, Du hast das Wort auf den Lippen, welches die Ent­scheidung bringt, aber höre nur dies eine Mal auf Deine Mutter und warte noch, ehe Du Dich verlobst. Wir gehen ja im Winter nach der Residenz; dort mag der Würfel fallen, wenn sie Dir bis dahin treu gewesen ist. Reise jetzt ab, Rudolf, prüfe das Mädchen und Du wirst finden, daß ich nicht unrecht thue, wenn ich sie eine Kokette nenne. Mir ist auch ihr schmeicheln­des Wesen geradezu widerwärtig."

Rudolf blickte noch sinnend vor sich hin, ein schwerer Entschluß rang sich in seinem Innern durch, aber als er aufblickte, war sein Auge klar, die Stimme fest, als er sagte:

Mutter, ich werde Dir gehorchen ich reise mit dem Onkel."

Brav, mein Sohn," antwortete die Dame, und in ihren Augen schimmerte eine Thräne,

Nichtamtliches.

t Die russische Denkschrift über die Zollverhandlungen mit Deutschland.

Der russische Finanzminister hat in Erwiderung auf die Denkschrift des deutschen Reichskanzlers vom 25. Juli, mit welcher die Erhebung eines Zollzuschlags für aus Rußland kommende Waaren begründet wurde, seinerseits soeben eine Denk­schriftüber den bisherigen Gang der russisch- deutschen Zollverhandlungen" veröffentlicht, um die russische Gesellschaft mit deu einschlägigen Verhältnissen bekannt zu machen. Dieses vom 11. August datirende umfangreiche Actenstück enthält nichts Neues, bestätigt vielmehr im Ein­zelnen alle bereits in der deutschen Denkschrift mitgetheilten Thatsachen über das Entstehen und den Gang der Verhandlungen. Insbesondere gilt dies auch von der Darstellung der beider­seitigen Forderungen und den Zeitangaben über die von beiden Seiten in dieser Sache unter­nommenen Schritte.

Gleichwohl und es ist dies begreiflich waltet in der russischen Denkschrift das entschie­dene Bestreben vor, Deutschland die Schuld an der jetzt eingetretenen beiderseitigen Jsolirung beiznmessen und es gegenüber Rußland ins Un­recht zu setzen. Es mag dahin gestellt sein, ob nicht die Darstellung zn diesem Zwecke sich nicht sogar künstlich zurechtgemachter Mittel bedient. Was die Hauptsache ist, die Denkschrift ist der genaue Ausdruck des bisher in Wußlaub fest- gehaltenen Standpunkts, und sie sucht diesen so beredt wie möglich zu vertreten. Auf diese Weise

Mutterliebe ist das einzige im Leben, was keine Wissenschaft unb kein Verstand begreifen wird; es ist schwer für eine Mutter, den Sohn ober eine Tochter an ein anderes Herz abzugeben, nicht mehr die Erste zu sein, an welche die Kinder denken, für die sie existiren, aber die Liebe kann alles, und das Gebet hilft mit über die dunklen Stunden natürlicher Eifersucht hinweg."

Therese, Melanie und der alte Graf kamen nun auch herein; man setzte sich zum Thee; aber nur Melanie plauderte heiter, die anderen waren ziemlich still geworden.

Du hast den Brief Hohenthals wohl in Deinem Zimmer gefunden, Therese?" frug die Gräfin und die Augeredete erwiderte:

Ja, Mama, aber ich konnte ihn jetzt nicht lesen, sondern spare es mir bis nachher auf."

Erst müssen wir unser interessantes Aben­teuer erzählen," lachte Melanie,Du besonders, Therese, hast Dich daran ergötzt, und Dein Bild stört gewiß heute die Nachtruhe jenes Herrn."

Nun so erzählen Sie, Fräulein Melanie," forderte der alte Graf auf,Sie machen uns ganz begierig anf ein romantisches Erlebniß."

Leider spielen ja doch die Herren der Schöpfung eine hervorragende Rolle hier auf Erden, unb das ist auch in unserem Abenteuer der Fall." Mit diesen Worten begann das schöne Mädchen ihre Erzählung und warf Rudolf

und das ist der Nutzen, den Deutschland von der russischen Denkschrift lernen wir diesen Standpunkt genau deutlich kennen, und begreifen auch warum ' einem Zollkrieg hat führen müssen. Vergegenwärtigen wir uns an der Hand der Denkschrift kurz die Thatsachen, wobei wir zum besseren Verständniß nur deu Hauptpunkt berühren.

Rußland verlangt im Interesse seiner Getreide­produktion und anderer landwirthschaftlicher Pro­dukte die Gewährung der den anderen Staaten (Italien, Oesterreich-Ungarn 2c.) Seitens Deutsch­lands zugestandenen Zollermäßigungen. Als Gegen­leistung bietet Rußland die Unveränderlich- k ei t (Bindung) des Tarifs vom 1. Juli 1891 für eine beschränkte Zahl von Artikeln an. Deutsch­land fordert dagegen das Entgelt für die Zoll- ermäßigungen auf landmirthschaftliche Produkte Herabsetzungen der russischen Zolle für die deutschen Jndustrieprodukte. Die Forderungen, die Deutsch­land in dieser Beziehung gestellt hat, sind im Laufe der Verhandlungen beschränkt worden. An Stelle einer umfassenden Revision des russischen Tarifs hat die deutsche Regierung nur die Herab­setzung der Zolle bei 77 von 520 Artikeln des russischen Tarifs verlangt. Rußland hat zwar für einige Artikel mäßige Herabsetzungen zn- gestanden, in wesentlichen Punkten aber die deutschen Vorschläge nicht angenommen.

In der Denkschrift des russischen Finanz- ministers wird nun von der Auffassung ausge­gangen, daß der russische Tarif, dessen Sätze bekanntlich exorbitant sind, durchaus normal sei. Thatsächlich sind die russischen Zollsätze so hoch, daß |ie geradezu eine Einfuhr verhindern. Alle Berichte der Handelskammern bestätigen, daß jene Sätze für die deutsche Ausfuhr nach Rußland

einen herausfordernden Blick zn, den er jedoch gar nicht beachtete, denn ihre Worte berührten ihn jetzt entschieden unangenehm.

Wer mag jener Herr zur Stetten sein," meinte der alte Graf, als Melanie ihre Erzählung beendigt hattees ist natürlich kein Adel, wenig­stens kein deutscher."

Er sah aber sehr nobel aus und hatte tadel­loses Benehmen," meinte Rudolf,ich hätte mich gern noch länger mit ihm unterhalten, Therese, weißt Du schon, daß ich mit Onkel Wildenstein nach Norwegen reise."

Die Schwester blickte überrascht und erfreut aus, doch noch ehe sie zu antworten vermochte, klirrte Melanie's Theelöffel zur Erde, und sie rief beinahe entsetzt aus:O wirklich, Graf, Sie wollen fort und uns allein lassen? Das i|t nicht schön von Ihnen, und ich bin ganz böse darüber."

Graf Rudolf blickte erstaunt Fräulein von Roden an, dann traf er das Auge der Mutter. War das die junge, angebetete Dame, welche er zn seiner Gemahlin machen wollte? Zeigte sie so offen ihr Interesse für ihn ohne jede mädchen­hafte Scheu unb Zurückhaltung? Er antwortete auf Melanie's Worte gar nicht, sondern sagte zur Schwester:

Nun, Therese, hast Du kein Wort .für mich?"

O, doch," sagte diese, ihm zärtlich zuuickend, die Reise wird gut für Dich sein, sehr gut!