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Mit wöchentlicher Gratis-Beilage „Jlluftrirtes Sonntagsblatt".
Nr. 103.
Donnerstag den 31. August
1893.
Amtliches.
Zugelaufen: ein Hund, weiß, mit einem schwarzen Fleck ani Kopse. Der Eigenthümer kann denselben gegen Erstattung der Futlerkosten beim Hülfsbahnwärter Pletsch zu Unterhaun in Empfang nehmen.
Politische Nochrichtell.
Unser Kaiser hat am Montag in Coburg der feierlichen Beisetzung der Leiche des Herzogs Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha beigen wohnt unb ist am Dienstag früh von dort wieder im Neuen Palais bei Potsdam eingetroffen. Am Donnerstag Abend (31. August) fahren beide Majestäten nach Coblenz ab, von wo sie sich am 2. September zur Parade des VIII. Armeecorps nach Trier begeben. Am Nachmittag desselben Tages kehren die Majestäten nach Coblenz zurück, wo im Königlichen Schlosse Paradetafel für die Offiziere des VIII. Armeecorps stattfindet. Sonntag den 3. September, fährt der Kaifer nach Metz und von dort nach seinem Schloß Urville, wo das Hauptquartier während der Manöver in Elsaß- Lothringen aufgeschlagen wird. Montag ist bei Metz große Parade über das XVI. Armeecorps, Dienstag Corpsmanöver.
In Coburg hat am Montag Mittag das Leichenbegängniß des Herzogs E r n st in imposanter und würdigster Weise statt- gefunden. Hinter dem Wagen mit dem Sarge folgte der Zug der hohen Leidtragenden und der fürstlichen Trauergäste; an der Spitze der erlauchten Versammlung schritt Herzog Alfred von Coburg, ihm zur Rechten schritt der Kaiser, zur
(Nachdruck verboten.)
Unebenbürlig.
Roman von H. von Z i e g l e r.
(Fortsetzung.)
Als sie dann zusammen fortgingen, war's so natürlich, daß der stattliche Mann des Mäd- chens Hand schützend ergriff, damit sie keine Stufe verfehle; unten im Haufe aber stauben sie noch eine ganze Weile nebeneinander, Hand in Hand, und konnten keine einzige Silbe hervorbringen."
„Und nun müssen wir scheiden," hauchte endlich Therese befangen, „kommen Sie das nächste Mal wieder hierher, um zu singen?"
„Wenn Sie befehlen, Gräfin."
„O nein, ich befehle nicht, aber ich — ich würde sehr — froh sein — wenn — "
„Dann komme ich, Comteß," murmelte er, ihre Hand küssend, „und zwar mit tausend Freuden. Haben Sie neulich die Rose wiederer- kannt im Tanuhäuser?"
„Ja", stammelte sie erglühend, „es war so — freundlich von Ihnen —"
„Nicht doch, es war sogar sehr anmaßend, denn ich hatte den ganzen Tag vorher mich nur mit dem Blümchen beschäftigt, mit ihm geplaudert und es — aber still davon; Gräfin Therese, sagen sie nur, wie damals in der Bergschänke: Auf Wiedersehen!"
Linken der König von Sachsen. An die Fürstlichkeiten schloffen sich die Minister, die Gesandten, der commandirende General des 11. Armeecorps, das Gefolge der fürstlichen Herrschaften, die Staats- und Ministerialräthe, die Mitglieder des Landtages, Offiziere, Deputationen, Vereine u. s. w. an. Die fürstlichen Damen hatten sich während des Conductes in der Moritzkirche versammelt, wo alsdann der übrige Theil der Trauerfeier vor sich ging; sie endete mit der Beisetzung der hohen Leiche. — An die Beisetzungsfeier schloß sich Galatafel im Coburger Residenzschlosse an, nach deren Beendigung die allermeisten Fürstlichkeiten Coburg wieder verließen.
Herzog Alfred hat seine Regiernngsthätig- keit mit einer P r o c l a m a t i o n an sein Volk eröffnet. In der Proklamation erklärt der neue Landesfürst, die Verfassung der Herzogthümer Coburg und Gotha gewissenhaft beobachten und kräftig schützen zu wollen, anderseits spricht er die Erwartung aus, daß ihm sämmtliche Staatsdiener und alle Angehörigen der Herzogthümer Treue und Gehorsam leisten würden. Der Herzog versichert in seiner Kundgebung weiter, daß die Handhabung von Recht und Gerechtigkeit und die Förderung des Landeswohles die oberste Ausgabe seines Lebens bilden werde. Er schließt mit der Versicherung, dem deutschen Kaiser und dem Reiche die ihnen von seinem Vorgänger erwiesene Treue immerdar bewahren zu wolle».
Zur wirksamen gesundheitspolizeilichen Ueber- w a ch u n g des Schiffsverkehrs a n f d e r E l b e und d e m R h e i n , sowie auf den mit diesen Strömen in Verbindung stehenden Wasserstraßen hat der Reichskanzler auf Grund des Artikels 4 der Reichsverfassung 1. einen Reichskommissar für die Gesundheitspflege im Stromgebiet der Elbe in der Person des königlich
Und sie sagte es mit dem Mund und den Augen, und der starke Mann sümpfte schwer mit sich, daß er die Geliebte nicht in die Arme zog.
Therese lebte wie in einem Rausche, rückhalts- los gab sie sich ihrem Empfinden hin, und nur der Gedanke an Hohenthal, an die Zukunft verursachte ihr heißen Schmerz; noch war das entscheidende Wort nicht gefallen, aber bei jedem erneuten Zusammentreffen konnte Friedrich zur Stetten es aussprechen — und dann begann des Lebens Ernst, der Kampf um ihre Liebe.
Daß es dazu kommen werbe, kommen müsse, verhehlte sich Therese keineswegs, sie kannte den edlen Stolz der Eltern und des Bruders, die keinen Fleck auf dein uralten Wappenschild der Wildenstein dulden würden. Sie wußte, was ihrer harrte, aber dennoch hielt sie fest an ihrer Liebe.
Mit verdoppelter Innigkeit schloß sie sich an die Eltern, den Bruder in dem unbestimmten Gefühl: wer weiß, wie lange du sie noch hast; was sie ihnen nur au den Augen absehen konnte, that sie und doch wars ihr, als sähe sie sich bereits hinausgestoßen, verbammt um des Geliebten willen.
„Therese", lächelte eines Tages die Gräfin, „Du bist in letzter Zeit ganz verändert, bald himmelhochjauchzend, bald zum Tode betrübt; man merkt, daß die kleine Braut die Tage bis 8um Feste zählt, an welchem Hohenthal kommt."
preußischen Ober-Regierungsraths Freiherrn von Richthofen mit dein Amtssitz in Berlin, 2. einen Reichskommissar für die Gesundheitspflege in den innerhalb des Königreichs Preußen und des Groß- Herzogthums Hessen belegenen Theilen des Rhein - stromgebiets in der Person des königlich preußischen Landraths Gescher mit dem Amtssitz in Koblenz bestellt. Die Reichskommissare sind angewiesen, nnverweilt mit den Behörden der durch ihre Amtsthätigkeit berührten Bezirke in Verbindung zu treten. Ueber die Regelung des Dienstes und die Sitze der Kontrollstationen werden die Reichskommissare das Erforderliche bekannt machen.
[3 u m „Zollkriege" mit Rußlan b.] Wie die Blätter berichten, sollen am 1. Oktober in Berlin die Verhandlungen zwischen Deutschland und Rußland wegen Abschlusses eines Handelsvertrags wieder ausgenommen werden. Den deutschen Kommissaren soll alsdann für die Dauer der Verhandlungen ein ständiger Beirath zur Seite gestellt werden, welcher die im Laufe der Verhandlungen eutsteflenden Fragen zu prüfen und die Beschlußfassung vorzubereiten haben wird. Dieser Beirath wird aus Kommissaren der betheiligten Reichs- und königlich preußischen Ressorts sowie der übrigen bei dem Handel mit Rußland vorzugsweise betheiligten Bundesstaaten zusammengesetzt sein. Außerdem ist vorgesehen, daß mehrere dem Handels- und Gewerbestand ungehörige Sachverständige, welche vorzugsweise über unsere Verkehrsbeziehungen zu Rußland praktische Erfahrungen sich erworben haben, an den Verhandlungen des Beiraths theilnehmen. Zu biefem Zweck ist man regierungsseitig mit dem Centralverband deutscher Industrieller und bem deutschen Handelstag in Verbindung getreten. — Der russische Finanzminister Witte hat sich am Sonuabeud in Moskau über die Zollverhand-
Hell auf schluchzte da das arme, gefolterte Mädchen, verzweifelnd sank sie vor der Mutter zu Boden, um ihr zuckendes Antlitz in deren Kleid zu verberge».
„Sprich nicht so, Mama, nenne ihn nicht," murmelte sie außer sich, „er ist zu gut für mid), ich verdiene seine Liebe gar nicht, denn — denn ich werde wohl niemals lernen, ihn auch zu lieben."
„Still davon, Kleine," liebevoll tröstend strich die Gräfin über der Tochter blonde Flechten, „er wird's Dich schon lehren. Seit ich ihn näher kennen lernte, zweifelte ich nicht mehr a» Deinem Glück. —
Und endlich kam der gefürchtete und doch auch wieder herbeigesehnte Tag, da Friedrich zur Stetten jenes Eine so kurze unb doch so inhaltsschwere Wort aussprach, welches sein und Theresen'S Schicksal entschied.
Es war auf der Eisbahn, die junge Gräfin tummelte sich mit ihren Bekannten, aber erröthend und Herzklopfeud bemerkte sie, wie der Sänger in immer kleineren Kreisen um sie her glitt.
Endlich, sie saß einen Augenblick allein auf der Bank, um auszuruhen, hielt er vor ihr an, grüßte ehrerbietig und bat um die Ehre, sie einmal beim Laufen führen zu dürfen.
Es war das erste Mal, daß zur Stetten im Beisein anderer Menschen sich Therese näherte;