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S> jchnM wöchentlich biet Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

NboimeinenldpieiS vierteljährlich 1 Mark 40 Pjg. excl. Postausschlag.

Die Jnscrtiondgebührcn betragen für den Raum einer Spaltkeile 10 Psg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

Hersstliitl Kreislilatt.

Mit wöchentlicher Gratis-BeilageMustrirtes Sonntagsblatt".

Mr. 130. Sonnabend den 4. November 1893.

Bestellungen

auf das KenDer ^M

mit der wöcheiltlichen Gratis-Beilage Mustrirtes Sonutagsblatt" für die Monate November und Dezember werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Land- bneftrügern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Hersfeld, den 1. November 1893.

Im Verfolg meiner Verfügung vom 12. April d. Js. J. III. Nr. 886 (Kreisblatt Nr. 44) über Gewerbeanmeldungen mache ich die Herren Bürger­meister des Kreises darauf aufmerksam, daß nicht nur ständige Betriebe, sondern auch v o r ü b e r g e h e n b e Betriebe, welche geistige Getränke verabfolgen (bei außergewöhnlichen Gelegenheiten, Truppenzu- sammenziehuugen, Volks-, Schützen- und ähnlichen Festen), der Betriebs st euer unterliegen.

Die Anträge auf Ermäßigung der Betriebs­steuer (für die vorübergehenden Betriebe) sind bei der für die Anmeldung zuständigen Gemeindebe- Horde vor oder spätestens gleichzeitig mit bem Beginne des Betriebes in besonderen schriftlichen Eingaben oder Protokollen anznbringen und zu begründen. Die Anträge sind von den Gemeindebehörden in der in der vorgenannten Verfügung näher bezeichneten Weise dem Unter­zeichneten sofort mitzutheilen.

Wer wegen eines st ä n d i g e n B e t r i e b e s , welcher geistigeGetränke nicht ver­abfolgt (Kaffee-, Thee-, Milch-, Molken-, Mineralwasserausschauk), die Betriebssteuer ent­richtet, kann wegen eines vorübergehenden Be­triebes desselben Gewerbes bei außergewöhnlichen Gelegenheiten nicht noch ein m a l zu Be- triebssteuer herangezogen werden.

Der Vorsitzende der Steueransschüsse der Gewerbestenerklassen 111 und IV.

Freiherr von Schleinitz,

_ Hersfeld, den 28. Oktober 1893.

i te Herren Ortsvorstände des Kreises mache ! J hier durch daraus aufmerksam, daß von einem leben ausbrechenden Brande nicht allein, wie durch Verfügung vom 3. August 1882 Nr. 8862, reieblatt Nr. 62, angeordnet, der Königlichen Staatsanwaltschaft, sondern auch zugleich dem zuständigen Königlichen A m tsgericht Anzeige zu erstatten ist. In letzterer muß auch eine An- 'e darüber enthalten sein, auf welche Art und , "Ik vermuthlich das Feuer entstanden ist.

Der Königliche Land rath Freiherr von Schleinitz.

Hersseld, den 1. November 1893.

-tue Anlaß des Umtausches von Quittungs- ^Uni bei dem bevorstehenden Jahreswechsel sind te sämmtlichen QuittungSkarten - Ausgabestellen

mit weiteren Formularen zu Quitlungskarten in Kürze zu versehen. Um dabei jeden Bedarf noch zeitig decken und jede Stockung im Umtauschge­schäft vermeiden zu können, haben mir die Herren Ortsvorstände bis zum 15. d M t s. berichtlich anzuzeigen, wieviel weitere Quittungskarten-For- mulare für das Jahr 1894 voraussichtlich erforder­lich sein werden.

Der Bedarf an weiteren Karten wird dabei so reichlich zu bemessen sein, daß im Laufe des nächsten Jahres Ersatz voraussichtlich nicht nach- zuliefern ist.

1. 6281. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 1. November 1893.

Die Herren Ortsvorstände werden an die Ein- reichung des Notizblattes über die im Jahre 1893 vorgekommenen Hagelwetter (siehe Ver­fügung vom 14. Januar 1893 I. I. Nr. 206 (Kreisblatt Nr. 8) mit Frist bis zum 8. b. Mts. erinnert.

1. 206. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Nichtamtliches.

t Der socialdemskratische Parteitag in Aöln.

Eine Woche lang haben die Delegirten der socialdemokratischen Partei in Köln getagt und über ihre Presse, über die Maifeier, über die Ge­werkschaften, über den Antisemitismus und über eine große Anzahl von Anträgen berathen. Was ist dabei herausgekommen? Zu den Gegenständen der Berathung absolut nichts Neues. In Sachen der Maifeier beharrt die Partei auf ihrem alten Standpunkte: der 1. Mai soll allenthalben feier­lich begangen, jedoch soll die Arbeitsruhe an diesem Tage nicht zu erzwingen versucht werden. Die Partei erkennt au, daß sie noch nicht mächtig genug ist, die allgemeine Arbeitseinstellung an diesem Tage durchzusühreu, weil man überall, wo dieses StückDictatur des Proletariats" früher versucht worden ist, nur ein klägliches Fiasko erlebt hat. Die Debatte über die Gewerkschaften hing eng mit den Streitigkeiten zusammen, die seit Jahren innerhalb der Gewerkschaftsbewegung, über die beste Form der Organisation, namentlich ob Central- ob Localorganisation, geführt werden. Der Parteitag sprach in einer Resolution sein Wohlwollen für das Gedeihen der Gewerkschaften aus und lehnte einen Tadel gegen die Partei­führer, daß sie sich nicht genug für die Gewerk­schaften interessirten, ab. Was endlich den Antise­mitismus betrifft, so hält ihn bekanntlich die Partei für den Socialismus der dummen Leute; nicht das jüdische Kapital fei der Feind, sondern das Kapital überhaupt. Die Erfolge des Antise­mitismus legen sich die Socialdemokraten so zurecht, daß sie meinen, der Antisemitismus ver­spreche den Handwerkern, Kaufleuten. Bauern eine gute Zukunft durch Beseitigung des jüdischen Ein­flusses, während die Socialdemokraten bekennen müßten, daß auf Grund der bestehenden Gesell­schaftsordnung überhaupt keine Hilfe möglich sei. Auf dem Lande verrichte der Antisemitismus die

Vorarbeit für die Socialdemokraten, zumal nach­dem er neben die Juden auch schon die Junker gestellt habe. Erst recht keine neue Erscheinung ist das persönliche Gezänk, in das auch in Köln wieder die sachlichen Debatten über die Presse und die Gewerkschaftsbewegung ausarteten.

So sehr nun auch in Bezug auf die sachlichen Ergebnisse des Parteitages- das Wort:Viel Geschrei und wenig Wolle" zutreffen mag, so darf doch Eines niemals unterschätzt werden: das unablässige Streben nach Macht, und zwar nicht durch die Gewalt der Ideen, sondern durch die Gewalt revolutionärer Massen. Mit den Ideen ist die Socialdemokratie längst fertig, das Erfurter Programm hat die Lehren von Marx am reinsten ausgeprägt, und darüber hinaus giebt es für den richtigen Socialdemokraten nichts zu denken. Daher die geringe Wolle, der Mangel geistiger Leistungen auf dem Parteitage. Aller Scharfsinn erschöpft sich in der Anwendung der geeignetsten Mittel, um immer n-ue Proletarierbataillone zu formiren.

Für den Augenblick ist den Socialdemokraten die Ausbildung der Gewerkschaften alsSpecial- waffe" nicht so wichtig, als das Vordringen unter die ländliche Bevölkerung. Immer wieder kam man in Köln darauf zurück, wie es am besten anzufaugen sei, den Bauern und ländlichen Ar­beitern den Haß gegen diesen Staat und seine Ordnungen beizubringen. Die Socialdemokratie wird auf dem Lande in allen Gestalten erscheinen, nur nicht in ihrer wahren als Feindin des Privateigenthums und der Religion, als Ver­treterin des großstädtischen Proletariats, mit dessen Hilfe die Führer die ganze Gesellschaft beherrschen wollen. Bebel erklärte in der Debatte über die Gewerkschaften rundweg: Nur eins kann helfen, die politische Macht für uns, die Social­demokraten !

Jede andere Partei sucht ihren Ideen Geltung zu verschaffe», jede andere Partei erkennt zugleich an, daß aus dem Wetteifer der Parteien in einsichtigem Patriotismus das Gute entsteht; die socialdemokratische ist, obgleich sie nur eine Klasse von Bürgern vertreten will, die einzige, die nach unumschränkter Herrschaft strebt, einer Herrschaft, die nach aller geschichtlichen Erfahrung nur auf Verwirrung und Schrecken hinauSlaufen könnte.

Politislhc Nachrichten.

Berlin, 2. November.

Se. Majestät d er K a i s e r hatte heule Vormittag im Neuen Palais zunächst eine Kon­ferenz mit dem Kriegsminister und arbeitete so­dann längere Zeit mit dem Chef des Militair- kabinets. Später hatte der aus Stuttgart hier eingetroffene Kommandeur der 26. Division, Generallieutenant und Generaladjutant v. Linde- quist, die Ehre, von dem erlauchten Monarchen empfangen zu werden. Mittags 12 Uhr 23 Mi­nuten trafen Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin mit den Damen und Herren ihrer nächsten Umgebung vom Neuen Palais hier ein, um Ihre Majestät die Kaiserin Friedrich nach deren Rückkehr von Homburg, welche gestern Abend erfolgte, im Palais Unter beu Linden zu be­grüßen und mit Allerhöchstderselben gemeinsam