Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag nnd Sonnabend.

Abonnement-Prei- vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. excl. Postaufschlag.

Die Jnsertion-gebübren betragen für den Raum einer Spaltzcile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg.

Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

Hkrsstldtl Kreisdliltt

Mit wöchentlicher Gratis-BeilageJllnstrirtes Sonntagsblatt".

Ur. 134.

Dienstag den 14. November

1893.

Amtliches.

Hersfeld, den 13. November 1893.

Diejenigen Herren Orts- (Guts-) Vorstände des Kreises, welche nach Verfügung vom 27. Oktober d. Js. I. III. Nr. 2290 mit Einsendung des Geldes für das im Monat Ok­tober übersandte Einkommen steuer- formularpapier noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 18. d. Mt s. erinnert.

Der Vorsitzende der Einkommensteuer- Veranlagungskommission.

Freiherr von Schleinitz, Königlicher Landrath.

I. III. Nr. 2290H.

Hersfeld, den 13. November 1893.

Die Mitglieder des Kreisvereins zur Pflege im Felde verwundeter und ertränkter Krieger werden hierdurch auf Sonnabend den 18. d. Mt s. Nachmittags 4 Uhr in das Sitzungszimmer des Landraths­amtes dahier zu einer General-Versammlung ein­geladen.

Auf der Tagesordnung steht:

1 Rechnungsablage.

2. Beschlußfassung über die Verwendung der Ver­einsmittel und die Thätigkeit des Vereins im Falle einer Mobilmachung.

Etwaige Anträge, die allgemeinen Angelegen­heiten des Vereins betreffend, müssen spätestens Tags zuvor bei dem Vorsitzenden schriftlich ein­gereicht werden.

Der Vorsitzende:

Freiherr von Schleinitz, Königlicher Landrath.

Geläuterte Herzen.

Novelle von Johanna Setter.

(Fortsetzung.)

.Die Quadrille war zu Ende und Annie kehrte niit seltsam verklärtem Gesicht zu ihrer Mutter zurück.

Laß uns nun nach Hause gehen, bitte Mama," bat jetzt Annie mit glühenden Wangen.Ich mag nicht mehr tanzen!"

Ja, ja, Kind, ich breche gern aus, weil ich todtmüde bin, versetzte die alte Dame und gähnte. Und morgen muß ich schon frühzeitig am Brunnen sein!"

Die beiden Damen entfernten sich still und sprachen auch nicht viel auf dem Heimweg. Es war eine schöne Wad)t und der Himmel ganz von Mondenglanz überfluthet. Aus der breiten Straße stlugen noch viele Leute spazieren und ihre Stimmen mischten sich mit dem leisen Rauschen des Teplflusses, der wie ein silberner Bogen den Weg umsäumte. Annie blieb beständig ein paar Schritte hinter der Mutter zurück, um noch immer dkr bezaubernden Musik zu lauschen, die allmähtig w der Ferne verklang. Ihre Blicke folgten träumerisch dem schäumenden Wasser und hafteten auf den nassen Steinen, die seinen Lauf hemmten ^'d immer langsamer, zögernder wurden ihre Schritte, als könne sie sich nicht entschließen, Leiter zu gehen.

Hersfeld, den 7. November 1893.

Unter Hinweis auf die im Kreisblatt Nr. 128 veröffentlichte Polizei-Verordnung, betreffend das Verbot des öffentlichen Anpreisens von Heil- und Geheimmitteln, mache ich die Herren Ortsvorstände darauf aufmerksam, daß auch der Verkauf und das zum Verkaufe Anbieten sogenannter Geheim- mittel nach § 2 der noch in Kraft stehenden Verordnung vom 25. Juni 1857 (Kurh. Ges. S. S. 15) unter Strafe gestellt ist.

Dem weitverbreiteten Geheimmittelunfug ist fortab besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden und die Bestrafung aller Zuwiderhandelnden herbeizu- führen.

Etwa ergehende gerichrliche Urtheile sind mir abschriftlich einzureichen.

I. 6416. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 7. November 1893.

Unter Bezugnahme auf das Ausschreiben vom 27. Oktober d. J. I. 6134, Kreisblatt Nr. 128, erhalten die Herren Ortsvorstände des Kreises die Weisung, zunächst die Formulare zu den Quittungs­karten nach dem bisherigen Muster nach wie vor zu verwenden und nach vollständigem Verbrauch derselben erst die Karten nach dem neuen Muster, welche demnächst geliefert werben, zu benutzen.

J. I. 6427. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Nichtamtliches.

^ Die Aufgaben des Reichstags.

Der $um 16. November einberufene Reichstag wird sich vor große und bedeutende Aufgaben ge­stellt sehen, deren Lösung einen hohen Grad von

Annie!" rief jetzt die Mutter, die sich um- schaute und bemerkte, wie weit ihr Kind zurück war.Annie, wo bleibst Du?"

DaS Mädchen erwachte wie aus einem Traum und eilte der Mutter hastig und mit errölhenden Wangen nach. Sie wußte ganz bestimmt, daß die Mutter ihre Gedanken nicht errathen konnte und doch fürchtete sie, daß es geschehen sein könnte.

Oberlieutenant Bernthal hatte gleichfalls den Tanzsaal verlassen und begab sich in ein neben- anliegendeS Gesellschaftszimmer, wo er sofort von einer Anzahl seiner Kameraden umringt wurde.

Sie Glücksmensch, wir haben Sie vorhin beneidet!" rief ein junger Offizier mit gelblichem Gesicht und einer dünnen Stimme. Wahrhaftig, Ihre Tänzerin war bezaubernd!"

Fesches Mäderl ist's zum Anbeißen hübsch!" meinte ein Anderer.

Bernthal lächelte still vor sich hin und zuckte mit den Achseln.

Die Kleine ist Ihnen wohl noch nicht schön genug, Sie anspruchsvoller Mensch?" sagte der erste Sprecher wieder.Sie ist ein Engel, ein holdes Gottesgeschöpf und im Tanz schwebte sie unter den andern Damen wie eine Elfe dahin!"

Sie werden ja ganz warm und schwärmerisch, ! wie ein Verliebter, Kamerad!" spottete jetzt Bern­thal.Sie sind vielleicht in die Kleine verliebt?"

Einsicht und Thatkraft erfordert. Von der Be­rathung des Reichshaushaltsetats für 1894/95 abgesehen, wird er sich demnächst mit den Handels­verträgen zu beschäftigen haben, die mit Rumänien, Spanien und Serbien abgeschlossen sind und eine Ergänzung zu den Verträgen bilden, die mit dem 1. Februar 1892 in Kraft getreten sind. Die Versuche, diese letzteren als für Deutschland nach- theilig darzustellen, haben noch immer nicht nach­gelassen. Aber an wirklichen und echten Beweisen fehlt es.

Den Schwerpunkt der parlamentarischen Thätig­keit werden die Ordnung des Finanzwesens des Reichs und die damit in Verbindung stehenden Steuergesetze bilden. Das Reich als solches braucht keine neuen Einnahmen; sein Bedürfniß wird aus den bestehenden Steuern und den Matricularbei- trägen der Einzelstaaten gedeckt. Letztere sind aber in hohem Maße dabei interessirt, daß das Reich ihnen nicht allzu große Lasten auferlegt, die sie aus den eigenen Steuereinnahmen nicht zu decken vermögen, und erwarten vom Reich in dieser Beziehung nicht nur eine augenblickliche Entlastung, sondern auch Bürgschaften dafür, daß diese Ent­lastung fortdauern werde, während bisher die Be­lastung außerordentlich schwankte und in letzter Zeit fortwährend gewachsen ist. Um die Ent­lastung herbeizuführen, bedarf es nicht nur der Uebernahme von g^gen 60 Millionen Mark auf die Schultern des Reichs, die durch die Mehraus­gabe des letzten Militärgesetzes erforderlich sind, sondern außerdem noch 40 Millionen Mark, welche zunächst für eine Zeit von fünf Jahren als jährliche Rente von dem Reiche an die Ge­sammtheit der Einzelstaaten gezahlt werden soll. Das Geld herbeizuschaffen, ist der Zweck des Tabacksabrikatsteuergesetzes, des Weinsteuergesetzes und des neuen Reichsstempelabgabengesetzes, bei

Nun, wenn ich's noch nicht bin, kann ich es doch noch werden," fuhr jener unbeirrt fort. Und wenn die junge Dame von Honnelter Familie ist und das nothwendige Vermögen be­sitzt, dann kann man nicht wissen, was geschieht. Ich heirathe sie gleich vom Fleck weg, denn sie ist wirklich reizend, die Kleine! Freilich, ich bin nur ein armer unansehnlicher Kerl, während Sie heute schon colossales Glück bei ihr hatten," fügte er kleinlaut hinzu.

Wieso ich?" fragte Bernthal betroffen.

Nein, das konnte ein Blinder sehen! Sie haben die schöne Fremde im Sturm erobert! Thun Sie nur nicht so unschuldig das ist ja schauderhaft, wirklich schauderhaft!"

Der junge Offizier wechselte lebhaft die Farbe, dann lachte er kurz und spöttisch auf. Er ging aber auf das Gespräch gar nicht weiter ein und sprang gewandt auf ein anderes Thema über.

* *

*

Annie bewohnte mit ihrer Mutter, der ver- wittweten Gerichtsräthin Göhren, zwei kleine freundliche Logirzimmer im Oberstock einer Villa in der Parkstraße. Die Wohnung war verhält- nißmäßig billig zu nennen, aber die Wirthin des Hauses, eine wohlhabende alte Jungfer, die sich nicht veranlaßt sah, Zinsen zum Capital zu schlagen, vermiehtete ihr Zimmer nur an vor­nehme Damen, nnd es kam ihr dabei auf hohen Gewinn nicht an.