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Hklsstl-kl Sreishlntt.
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Nr. 136^ Sonnabend den 18. November 1893»
Amtliches.
Hersfeld, den 14. November 1893.
Um die Einwirkungen des diesjährigen Futtermangels auf den Viehstand ersehen zu können, ist eine außerordentliche, jedoch auf den Rindvieh- und Schweinebestand beschränkte Viehzählung nothwendig.
Dieselbe ist, um ihr Ergebniß mit der vorjährigen entsprechenden Aufnahme vergleichen zu können, an demselben Kalendertage miß diese, also am 1. Dezember d. I s. vorzunehmen.
Während bei den Schweinen die Zählung sich auf die Gesammtzahl aller vorhandenen Thiere beschränken kann, ist bei dem Rindvieh eine Trennung zwischen denjenigen Thieren im Alter bis zu zwei Jahren und denjenigen im Alter von zwei und mehr Jahren und zwar in der zweiten Klasse — wegen der Nachzucht — mit besonderer Ermittelung der Zahl der Kühe erforderlich.
Die Herren Ortsvorstände erhalten, bie Weisung, den Rindvieh- und Schweinebestand am 1. Dezember b. I s. genau feststellen zu lassen und mir über das Ergebniß bestimmt bis zum 4. R. Ms. eine Uebersicht nach dem hierunter abgedruckten Muster (aufgerechnet) einzureichen. I. 6546. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Uebersicht
über die Ergebnisse der Viehzählung am 1. Dezember 1893 im Kreise Hersfeld.
Gemeinde.
Stückzahl
des Rindviehs
ber Schweine
bis 2
2 und mehr Jahre alt
Jahre alt.
überhaupt.
barunter Kühe.
(einschließl. Ferkel).
Die Reichstags-EröffnMls.
Der Reichstag wurde am Donnerstag von Sr.
M a j e st ä t dem Kaiser mit nachstehender Thronrede eröffnet:
Geehrte Herren!
. Als Ich Sie im Juli d. Js. um Mich ver- famnielte hatte, gab Ich dem Vertrauen Ausdruck, daß toie Mir und Meinen hohen Verbündeten Jbre Mitwirkung zu der im Interesse der Sicherheit des Reichs gebotenen Fortbildung unserer Heereseinrichtungen nicht versagen würden. Ich freue Mich, daß Meine Zuversicht nicht getäuscht worden ist, und indem Ich Sie heute bei Ihrem Zusammentritt begrüße, ist es Mir Bedürfniß, dem Reichstag für seine patriotische Bereitwillig- Weinen kaiserlichen Dank auSzusprechen.
ie mannigfachen Beweise w armer S y m - polhie, deren Ich Mich während der letzten Monate in den verschiedenen Theilen des Reichs zu erfreuen gehabt habe, sind Mir eine Bürgschaft dafür, mit welcher Genugthuung die Nation es empfindet, daß dem deutschen Heere eine Organisation gesichert worden ist, in welcher die Gewähr
für den Schutz des Vaterlandes und für die Erhaltung des Friedens beruht.
Es wird nunmehr Ihre vornehmste Aufgabe sein, in gemeinsamer Arbeit mit den verbündeten Regierungen für die Beschaffung der Mittel Sorge zu tragen, welche zur Deckung des durch die erhöhte Friedenspräsenzstärke des Heeres entstandenen Mehrbedarfs erforderlich sind. Die Vorschläge, welche Ihnen in dieser Beziehung zugehen werden, bewegen sich auf einer breiten, zugleich die finanziellen Beziehungen des Reichs zu seinen Gliedern neu regelnden Grundlage.
Die Finanzverwaltung des Reichs hat eine endgültige Ordnung im Sinne der Reichsverfassung noch nicht gefunden. Die bisherigen Erfahrungen haben bewiesen, daß ohne Schädigung des Reichs und der Einzelstaaten eine Auseinandersetzung zwischen denselben nicht länger hinausgeschoben werden kann. Das Finanzwesen des Reichs wird dergestalt aufzubauen sein, daß unter Beseitigung der bisherigen Schwankungen die Anforderungen desselben an die Einzelstaaten in ein festes Verhältniß zu den Ueberweisungen gestellt werden und ein gesetzlich festgelegter Antheil an den eigenen Einnahmen des Reichs für einen vorher bestimmten längeren Zeitraum den Einzelstaaten zugesichert wird. Eine solche Ordnung wird im Einklang mit der föderativen Gestaltung unseres Staatswesens ein ungestörtes Zusammenwirken des Reichs und der Einzelstaaten gewährleisten und ohne Schmälerung der Rechte des Reichstags die Finanzverwaltung in hohem Grade fördern. Zu diesen! Behuf wird dem Reichstag ein Gesetzentwurf, betreffend die anderweite Ordnung des Finanzwesens des Reichs, vorgelegt werden.
Zur Beschaffung der hiernach erforderlichen Mittel werden dem Reichstag Gesetzentwürfe, betreffend die Besteuerung oes Tabacks und Weins, sowie die Erhebung von Reichsstempelabgaben, zugehen.
Ich bezweifle nicht, daß die Lösung dieser bedeutsamen Aufgabe Ihrer hingebenden Mitwirkung gelingen wird. Unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Finanzlage des Reiches ist der Reichshanshalt mit äußerster Sparsamkeit aufgestellt.
Die beim Abschlüsse der Handelsverträge des Reiches mit Oesterreich-Ungarn, Italien, Belgien und der Schweiz gehegte Erwartung, daß dieselben zugleich den Anknüpfungspunkt für die vertragsmäßige Regelung unserer Handelsbeziehungen zu anderen Staaten bilden würden, hat sich inzwischen insoweit erfüllt, als es gelungen ist, auf der durch jene Verträge geschaffenen Grundlage auch mit Spanien, Rumänien und Serbien neue Handelsverträge zu vereinbaren. Die Verträge, durch welche unserem Güteraustausch mit diesen Ländern । die wünschenswertste Stetigkeit und die Möglich- : keit gedeihlicher Entwickelung geboten wird, werden । Ihnen zur verfassungsmäßigen Beschlußnahme zugehen.
Im Einverständnisse mit Meinen hohen Verbündeten habe ich Mich veranlaßt gesehen, Rußland gegenüber von der Befugnis einer außer- ordentlichen Erhöhung der Einfuhrzölle Gebrauch zu machen. Die von mir erlassenen Verordnungen werden Ihnen sofort mitgetheilt werden. Ich gebe Mich der Hoffnung hin, daß der Verlauf der schwebenden Handelsvertragsverhandlungen
mit Rußland zur Beseitigung dieser Maßnahmen führen wird.
Dank den energischen Bemühungen, welche die verbündeten Regierungen aufgewendet haben, ist es gelungen, die verheerende Epidemie, welche im vergangenen Jahre schwere und schmerzliche Opfer gefordert hatte, seitdem fernzuhalten, und wo sich vereinzelte Krankheitsfälle zeigten, ihrer Verbreitung erfolgreich entgegenzutreten.
Die gewonnenen Erfahrungen noch wirksamer zu verwerthen, und die Abwehrmaßregeln zu dauernden und einheitlichen zu gestalten, ist der Zweck eines Gesetzentwurfs, welcher Ihnen vorgelegt werden wird.
Um die mit der pflichtmäßigen Strenge jener Abwehrmaßregeln vereinbare Schonung des internationalen Verkehrs thunlichst sicherzustellen, hat unter Betheiligung des Reichs im Frühjahr in Dresden eine von der Mehrzahl der europäischen Staaten beschickte Konferenz stattgefunden, deren Beschlüsse Ihnen zur Genehmigung zugehen werden.
Die Erledigung der Ihnen auf finanziellem und handelspolitischem Gebiet gestellten Aufgaben wird Ihre Arbeitskraft in so hohem Maße in Anspruch nehmen, daß die verbündeten Regierungen es für ratsam erachtet haben, den Kreis der Vorlagen im klebrigen thunlichst ein- zuschränken.
In dem Verhältnisse Deutschlands zum Auslande ist eine Aenderung nicht eingetreten. Bei Fortdauer der engen Freundschaft mit den zur Verfolgung gemeinsamer friedlicher Zwecke uns verbündeten Reichen, stehen wir zu allen Mächten in guten und freundlichen Beziehungen. Ich gebe Mich daher der Zuversicht hin, daß uns mit Gottes Hülfe die Segnungen des Friedens auch fernerhin werden erhalten bleiben.
Aus dem Reichstag.
Berlin, 16. November. Die heutige 1. Plenarsitzung desReichStagS wurde um ^/,2 Uhr von dem Präsidenten der vorigen Session von Levetzow auf Grund des § 1, Absatz 2 der Geschäftsordnung eröffnet. Derselbe ernannte zu provisorischen Schriftführern die Abgg. Mcrbach, Krebs, Dr. Kro- patscheck und Dr. Pieschel. — An Vorlagen sind bereits eingegangen: die Handelsverträge mit Spanien, Serbien und ; Rumänien; die Novelle zum Gesetz, betr. die Verwaltung deS Reichsinvalidenfonds, ein NachtragSetat für 1893/94; ein I Entwurf, betr. die Abänderung der Konkursordnung; die Novelle zum Viehseuchengesetz, der Etat für 1894/95; daS i Anleihegesetz, sowie verschiedene RechnungSsachen. — Der I Namensaufruf ergiebt die Anwesenbeit von 215 Mitgliedern; das HauS ist also beschlußfähig. Schluß der Sitzung 31/« Uhr. | — Nächste Sitzung morgen Mittag 12 Uhr. (Wahl der Präsidenten und Schriftführer und schleunige Anträge, betr. die Sistirung der gegen die Abgg. Ahlwardt, Förster und Frhr. v. Hammerstcin schwebenden Strafverfahren.)
Politische Nachrichten.
Se. Majestät der Kaiser traf am Mittwoch mittels Sonderzuges um 8 Uhr 10 Min. aus Schlesien auf der Station Wildpark wieder ein. Der Großfürst Wladimir von Rußland, in der Uniform des Thüringischen Husaren-Regiments Dir. 12, erwartete Seine Majestät auf dem Bahnhöfe. Se. Majestät der Kaiser und der Großfürst begrüßten sich aufs Herzlichste durch Umarmung und Kuß und begaben sich alsdann in offenem Zweispänner nach dem Neuen Palais. Abends fand bei den Kaiserlichen und König-