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HersselStr Kreisbliltt.

Mit wöchentlicher Gratis-VeilageJllustrirtes Sonntaasblatt".

Ur. 139. Dienstag den 28. November

1893.

Bestellungen

auf das Kersseider Mßlall

mit der wöchentlichen Gratis-Beilage Jllustrirtes Sonntagsblatt" für den Monat Dezember werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Gefunden: ein Tuchrock. Meldung des Eigen- thümers bei dem Ortsvorstand zu Kirchheim.

Zugelaufen: ein Hund, scheckig, männlichen Geschlechts. Der Eigenthümer kann denselben gegen Erstattung der Futterkosten bei dem Orts- vorstand zu Friedcwald in Empfang nehmen.

Nichtamtliches.

t lieber eine Millisn.

In der Thronrede vom 16. November d. I. war die Genugthuung der Nation über die glück­liche Erledigung der Militärfrage ermähnt worden. Sofort waren socialdemokratische und volkspartei- liche Blätter bei der Hand mit der Behauptung, daß bei der Wahl am 15. Juni angeblichüber eine Million" Stimmen mehr gegen als für die Militärvorlage abgegeben worden seien.

Diese Rechnung beruht darauf, daß man einer­seits die Stimmen der Konservativen, der Reichs-

(Nachdruck verboten.)

Geläuterte Herzen.

Novelle von Johanna Berger.

(Fortsetzung.)

In tiefes Sinnen verloren, schritt er weiter, planlos aus einsamen Waldwegen. An einer Bergwand blieb er stehen unb blickte hinab ins Thal. Dort unten grüßte Villa Violetta herauf, das Haus, in dem sie wohnte. Die Mittagssonne brütete darüber hin, die grünen Jalousien waren geschlossen und kein Mensch zu sehen.

®öö sie wohl in diesem Augenblick that? bb sie an ihn dachte, oder von ihm träumte? Ob sie doch vielleicht die Seinige werden konnte. " ^.och war es ja gar nicht entschieden, daß i>e kein reiches Mädchen war. Durch sein Hirn wirbelten tausend Gedanken und mit der Hart- nörfigteit der Liebe klammerte er sich an jeden Hoffnungsstrahl. Zuletzt wurde er ganz Freude und Zuversicht.

Annie kam athemlos angelaufen und traf die Scania recht verdrießlich an. Sie stand schon wartend am Wege, den Pompadour mit den Bettungen am Arm und den großen Sounen- Ichirin aufgespannt.

Wo hast Du denn so lange gesteckt, Mädchen?" Mute sie.Es ist bald Mittagszeit!"

Sei nicht bös, Mamachen," schmeichelte Annie

partei, der Nationalliberalen, der freisinnigen Vereinigung, der Polen und der Antisemiten und andererseits die Stimmen der freisinnigen Volks­partei, der süddeutschen Volkspartei, des Centrums, der Socialdemokraten, der Dänen, Welsen und Elsässer zusammengezählt hat. Aber die Rechnung stimmt nicht. Wie viele Wähler der freisinnigen Volkspartei für die Militärvorlage waren und nur aus alter Gewohnheit, um der Fahne treu zu bleiben, so gewählt haben, läßt sich nicht er­mitteln und nicht schätzen Ausgesprochenermaßen aber sind viele Centrumswähler für die Militär­vorlage eingetreten, zunächst die Wähler der Ab­geordneten Prinz Arenberg und Decan Lender, die am 6. Mai und am 15. Juli für die Militär- vorlage stimmten, dann aber auch die Wähler für unterlegene militärfreundliche Kandidaten des Centrums, wie den Frhrn. v. Huene, die Kandi­daten des westfälischen Bauernbundes rc. Dieser militärfreundlichen Stimmen des Centrums sind es nach der Statistik rund 159 000. So viel müssen in der Rechnung von der militärfeindlichen Seite abgezogen und der anderen zugezählt werden, woraus sich eine Differenz von mehr als 300 000 Stimmen ergiebt.

Schon deshalb ist es mit der Millionenlegende nichts. Ferner aber kommt in Betracht, daß 3 Millionen Wahlberechtigte überhaupt nicht gewählt haben. Eine Theilung dieser 3 Millionen je zur Hälfte in Anhänger und Gegner der Reform verbietet sich deshalb, weil die Opposition im Allgemeinen viel intensiver gewählt hat, das will sagen, daß die Oppositionsparteien einen größeren Procentsatz ihrer Anhänger an die Wahlurne ge­bracht haben, als die anderen Parteien. Das gilt besonders von der größten aller Parteien, der socialdemokratischen, nie in 386 Wahlkreisen von 397 Kandidaten auf stellte und so ziemlich ihren ganzen bewußten und unbewußten Anhang

und strich sich die verwehten Locken aus der er­hitzten Stirn.

Wo bist Du eigentlich gewesen?"

Die Kleine blickte mit lieblichen Erröthen in die Ferne, ein unendlich glücklicher Ausdruck lag auf ihrem Gesicht.Auf einem Zauberberg, Mama!" antwortete sie verschämt.

Sprich doch keinen Unsinn! Und nun rasch nach Hause, unser Weg ist weit!"

Aber Annie rührte sich nicht vom Fleck.

Ich muß Dich erst etwas fragen, liebste Mama! Du bist so klug und wirst das Rechte wissen. Darf ein junges Mädchen Freundschaft treue Kameradschaft schließen mit einem jungen Manne?"

Aber warum nicht? Es kommt auf die Charaktere beider an!"

Ach, er hat sicher einen guten Charakter, denn er ist furchtbar nett!"

Wer denn? Welcher er?"

Ich sprach nur so im Allgemeinen, weißt Du, Mama!" stotterte Annie. Dann redete sie herz­haft weiter.Du hattest auch einen Jugend­freund, den Oberförster Hiller in Tangermünde?"

Gewiß und meine schönsten Erinnerungen knüpfen sich an diese Freundschaft!"

So hattest Du ihn wohl sehr lieb?"

Natürlich, Kind! Aber warum interessirt Dich das?"

auf die Beine brächte. Sie hat also jedenfalls an den 3 Millionen Wahlberechtigten, die nicht gewählt haben, den allergeringsten Antheil Auch Centrum und Volkspartei hatten von Zählkandi- daturen einen reichlichen Gebrauch gemacht, während hie militärfreundlichen Parteien fast ganz darauf verzichteten, in aussichtslosen Wahl­kreisen ihre Anhänger zu zählen.

Endlich aber spricht die Thronrede nicht von der Stimmung, wie sie im Juni und Juli d. I. war, sondern wie sich nach der Annahme der Militärvorlage gezeigt hat. Und da ist es ganz unbestreitbar, daß nicht nur die große Mehrzahl der Gleichgültigen unter den 3 Millionen, die von ihrem Wahlrecht keinen Gebrauch gemacht hatten, sondern auch viele ehemalige Gegner der Militärreform heute herzlich froh über die Ver­stärkung unserer Wehrkraft sind. Die Gefahren für den Frieden und das Reich sind mittlerweile gewiß nicht größer geworden, haben sich aber manchem Auge klarer gezeigt.

Das Rechenkunststück von der Million ist daher nur ein trauriger Nothbehelf verbissener Gegner der verstärkten Wehrkraft, der die von der Thron­rede erwähnte Genugthuung der Nation nicht erschüttern kann und darf.

Politische Nachrichten.

Se. Majestät der Kaiser begab sich nach Beendigung seines jüngsten Besuches in Kiel direct nach Jagdschloß G ö h r d e in Hannover und hielt daselbst am Freitag und Sonnabend größere Hofjagden ab. An denselben nahmen eine größere Anzahl fürstlicher Gäste Theil, der Großherzog von Oldenburg, die Prinzen Heinrich, Albrecht und Friedrich Leopold von Preußen, ferner die Prinzen Christian, Friedrich, Ferdinand

Weil weil" sie stockte und schlug die Augen nieder.Bitte liebste Mama," fing sie ; aber gleich wieder an,bitte, beantworte mir noch eine Frage!"

Ach, Da brauchst nicht Alles zu wissen. Komm, laß uns endlich gehen!"

Beste Mama, bitte, sage mir nur noch das Eine. Es ist durchaus nothwendig für mich, daß ich's erfahre. Hast Du mit Deinem Jugend- ' freunde Deinem guten Kameraden Zusammen- ! fünfte gehabt?"

Naseweis! wie kommst Du auf solche Ideen?" | warf entrüstet die Räthin hin.Zusammenkünfte I mit mit Oberförster Hiller? Das wäre : ja schrecklich gewesen, höchst schrecklich! Du lieber Gott, was denkst Du eigentlich von mir?"

Ein zorniges Roth schoß der alten Frau in die Stirn.

Annie war nahe daran zu weinen.

Ach verzeih, liebstes Mamachen, ich wollte Dich nicht verletzen Ich dachte garnicht, daß es so schlimm sei, wenn man ab und zu mit einem lieben Freunde zusammenkommt, um ein Stündchen mit ihm zu verplaudern."

Es ist besser, man unterlaßt es, man muß stets den Gesetzen des Anstand's, der guten Sitte folgen," erwiderte kurz die Räthin und wandle sich zum Gehen.

Annie senkte schuldbewußt ihr Köpfchen und