Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
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Die JusertionSgebühren betragen für den Raum einer Svaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
Hkisstl-kl Kreisbliltt.
Mit wöchentlicher Gratis-Beilage „Jttustrirtes Sonntagsblatt".
Ur. 153. Sonnabend den 30. Dezember 1893.
DmlMck-MMllg.
Mit dem 1. Januar beginnt ein neues Abonnement auf das wöchentlich 3 Mal erscheinende Hersfelder Äreisblatt
mit der wöchentlichen Gratis-Beilage „Jllustrirtcs Sonntagsblatt".
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Der vierteljährliche Abonnementspreis für das „Kreisblatt" mit der wöchentlichen Gratis-Beilage „Jlluftrirtes Sonntagsblatt" beträgt 1 Mark 40 Pfg.
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Die Expedition^
Amtliches.
I. Bedingungen
zur Aufnahme von Kranken in des Hessische DiakonissenhauS.
1) Kranke, ohne Unterschied der Religion und Consession werden ausgenommen, ärztlicb behandelt und treu verpflegt.
2) Von der Aufnahme sind ausgeschlossen: Krätz-, Geschlechts-, Pocken-, Cholera-, Flecktyphus und Geisteskranke, sowie Sieche. Etwaige Ausnahmen bestimmt der Vorstand.
3) Die Pflege in der Anstalt soll in der Regel die Dauer von 3 Monaten nicht vbersteige».
4) Der Aufnahme muß, dringende Fälle ausgenommen, eine schriftliche oder mündliche Anmeldung vorausgehen, widngenfallS der Kranke wegen Mangels an Raum oder auS anderen Gründen zurückgewiesen werden könnte.
5) Die Aufnahmcgcsuche sind an die Frau Oberin des DiakonissenhauseS zu richten und sind zu begleiten:
a. von einem Zeugnisse des bisherigen Arztes des Kranken;
5. von einem Garantieschein über die Zahlung der Pflege- kosten.
6) Für ärztliche Behandlung durch den Anstaltsarzt, Arznei und Verpflegung werden für jeden unbefangenen Tag berechnet.
III. Cl. Pflege in den Kraukensälcu
pro Tag.....1,25 Mark.
II- Cl. 2 Kranke in einem Zimmer. pro Tag.....2,50 „
I. Cl. Einzelzimmer pro Tag . . 4 „
Wein und natürliche Brunnen sind bei den Kranken I. und II. Classe in obige Pflegesäpc nicht einbegriffen. Für giößere Operationen haben die Kranken dieser beiden ersten Classen den Hausarzt besonders zu honoriren.
Die Ausnahmen von obigen Pflegesätzen bestimmt der Vorstand.
7) Kinder unter 10 Jahren zahlen für den angefangenen Tag 50 Pf., resp, die Hälfte der Sätze I. u II. Cl.
8j Für die Mitglieder der Krankenkasse des Diakonisseu- hauseS und des Dienstboten-Abonnement treten die in dem Reglement angegebenen Ermäßigungen der Pflegesätze ein.
II. B e d i n g u n g e n für die Dienstboten-Abonnenten in dem Hessischen Diakonissenhause bei Cassel.
Das Hessische DiakonissenhauS eröffnet zur Pflege erkrankte! Dienstboten ein Abonnement unter folgenden Bedingungen:
1) DaS Abonnement lautet auf den Namen der versicherten Dienstboten und geht bei Dienstwechsel auf die nachfolgenden Dienstboten über
2) Der Pre'S beträgt 3 Mark jährlich für eine Person, für jeden weiteren Dienstboten derselben Herrschaft 2 M. mehr
3) Dafür wird im ErkrankungSfalle der Versicherte in daS
DiakonissenhauS ausgenommen und bekommt alles was er während der Dauer der Krankheit bedarf.
4) Doch darf die freie Pflege nicht länger als 10 Wochen beansprucht werden. Nach dieser Zeit ist das gewöhnliche Pflegegeld von 1,20 Mark pro Tag zu entrichten.
5) Die Aufnahme erfolgt nur auf Grund eines ärztlichen Zeugnisses, sei es des Hausarztes der betreffenden Familie oder des ArzteS des DiakonissenhauseS.
6) Von der Aufnahme sind ausgeschlossen: Krätz-, Geschlechts-, Pocken-, Cholera-, Flecktyphus- und Geisteskranke, sowie Sieche.
7) Das Abonnement nimmt seinen Anfang am 1. April. Im März wird die Bezahlung, die praenumerando geschieht, mit Quittungen eingeholt.
8) Es kann auch schon außer der Zeit abonnirt werden, । doch so, daß für das laufende Quartal voll bezahlt wird. | 9) Ein neu gemachtes Abonnement tritt erst einen halben ; Monat, nachdem es gemacht ist, in Äraft, Also wer am 1. Juli das Abonnement abgeschlossen hat, kann erst vom 15. Juli an einen Patienten in die Anstalt bringen. Kommt vor der Zeit ein Krankheitsfall vor, so muß das gewöhnliche i Kostgeld bezahlt werden.
Abänderung.
Auf Antrag der Heien v. Baumbach zu Kirchheim und mit Zustimmung der Gemeindebehörde wird die Polizei-Verordnung vom 3. Juli ; d. I., im Kreisblatt Nr. 77, dahin abgeändert, ! daß zu allen Fahrten des Holzes aus der v. Baum- bach'schen Waldung in dieser Richtung auf genanntem Wege nichts entgegen steht.
Willingshain, den 27. Dezember 1893.
Die Polizeibehörde. Scheidemantel.
Sm Jahreswechsel.
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Für immer ist im flückt'gen Strom der Zeit Das lebensmüde alte Jahr entschwunden, Nur der Erinnerung ist jetzt noch geweiht, Was wir an Saft und Weh in ihm empfunden; Noch einmal gleitet unser Blick zurück Auf des aerfloffneu Jahres Wechselwogen, Was sie an Seid gebracht, an Freud' und Glück —, Noch einmal kommt's dem Geist vorbeigezogen!
Ein neues Jahr gebar der Zeiten Scboo§, Wie winkt es, mit der Hoffnung Kranz umwunden — Was bringt es uns, was ist wohl unser Loos In seinem Kreise leicht beschwingter Stunden? Doch fremd noch schaut das junge Jahr uns an, Noch grüßt die Wenschen es mit ernstem öchweigen; 0b Glück, ob Schmer 5 uns nun wird fürder nah n — Nicht künden dies der Zukunft Runenzeichen!
Doch was das neue Jahr auch spenden mag, Wir wollen muthig ihm entgegenschauen, Im frommen Glauben, daß ein schön'rer Tag Erglänze einst auf unsern Lebensauen — Es fei die Hoffnung unser froh' panier, Wir pflanzen's auf des neuen Jahres Echwelle, Vertrauend, daß gewißlich für und für Ein guter Stern nun unsern Pfad erhelle!
Bcnno Walther.
f Neujahr §894.
Ein Jahr, reich an inneren Kämpfen, liegt hinter uns; die Frage schwebt auf Aller Lippen: wie wird sich das neue Jahr für uns gestalten? Sorgen und Hoffnungen drängen sich, wie für Jeden im Kreise der Familie oder des Berufs
lebens, so für die Gesammtheit an dem Tage des Jahreswechsels zusammen, und pochenden Herzens sucht man den Schleier zu lüften, der uns das kommende Jahr verhüllt.
Sind aber auch die Zeiten, die mit dem Jahreswechsel ihren Abschluß finden, bewegt gewesen, so berechtigen die Erfahrungen der Vergangenheit doch in keiner Weise zur Schwarzseherei; ja im Gegentheil, wir dürfen aus ihnen mancherlei Hoffnungen für eine günstige Gestaltung der Dinge und für eine Ueberwindung der Unebenheiten schöpfen, die jetzt noch den Blick in die Zukunft zu versperren scheinen.
Auf dem Gebiete der auswärtigen Politik ist uns der Friede erhalten geblieben. Begegnungen unseres Kaisers mit dem König von Italien und dem Kaiser von Oesterreich-Ungarn haben nicht nur uns, sondern aller Welt den ungeschmälerten Fortbestand des Dreibundes vor Angen geführt, und der Friedensgedanke scheint auch in den anderen Nationen rmmer festeren Fuß gefaßt M haben. So dürfen wir auch in das neue Jahr die Hoffnung auf eine weitere friedliche Entwicklung um so sicherer mit hinüber nehmen, als genügende Anzeichen für das Bedürfniß auch der fremden Staaten, sich mit der Lösung der ihnen auf dein Gebiete der inneren Politik erwachfenen Aufgaben zu beschäftigen, vorhanden sind.
In der inneren Entwicklung Deutschlands sind Lichtpunkte zu bemerken gewesen, die auf eine Erstarkung des nationalen Geistes schließen lassen. Wir wollen an dieser Stelle nicht auf die parlamentarischen Kämpfe um die Militärvorlage, die zu einer Auflösung des Reichstags führten, Hinweisen, wohl aber darf das Wahlergebniß und die von dem neuen Reichstage beschlossene Annahme des Militärgesetzes als ein erfreulicher Beweis von dem nationalen Sinne des Volks und der Entschlossenheit, für das Vaterland zu jedem Opfer bereit zu sein, mit dankbarer Genugthuung hier verzeichnet werden. Nicht minder erfreulich waren die unanfechtbaren Beweise der Fortschritte in der nationalen Gesinnung der Reichslande, von denen unser Kaiser bei den dortigen Manövern Zeuge gewesen ist. Wie die Reichslande, so haben auch Baden und Württemberg deutlich Kunde gegeben von dem Bewußtsein der unauflöslichen Zusammengehörigkeit der verschiedenen Theile unseres deutschen Vaterlands, so daß man auch nach dieser Richtung mit Ruhe der weiteren Entwicklung entgegengehen kann.
So sehr aber auch der nationale Gedanke alle Theile beseelt, so wenig kann geleugnet werden, daß die Parteikämpfe, die sich hauptsächlich auf wirth- schaftlichem Gebiete abspielen, in dem verflossenen Jahre an Schärfe zugenommen haben. Die Politik der Handelsverträge wird vielfach zu Angriffen benutzt, welche sich auch durch die berechtigte Sorge um die Interessen der Landwirthschaft sachlich nicht rechtfertigen lassen: denn das Gedeihen dieser hängt nicht von den Handelsverträgen, wie sie sich gestaltet haben, ab, und die Landwirthschaft kann am allerwenigsten durch Erzeugung von Mißtrauen gegen die wohlmeinenden Absichten der Kaiserlichen und Königlichen Regierung gefördert werden. Für das neue Jahr können wir nur dem Wunsch Ausdruck geben daß die leitenden Geister bei Zeiten die Gefährlichkeit der schiefen Ebene erkennen, auf die sie