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Mit wöchentlicher Gratis-Beilage „Jlluftrirtes Sonntagsblatt".
Ur. 10.Donnerstag den 25. Januar 1894.
Amtliches.
Hersfeld, den 22. Januar 1894.
Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche mit der Erledigung der Verfügung vom 14. Dezember 1893 A. Nr. 1989, im Kreisblatt Nr. 147, betreffend die Erhebung der Hundesteuer noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 28. -. Mts. erinnert bei Meidung von 3 Mk. Strafe.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
I. A. Nr. 1989/93.
Fulda, am 22. Januar 1894.
Der im Januar l. Js. hierselbst abzuhaltende Rindviehmarkt findet am 25. Januar d. Js. statt, wovon ich dem Königl. Landrathsamte mit dem ergebensten Ersuchen, um gefällige Bekanntmachung Nachricht gebe.
Der Königliche Landrath J. V.: Negenborn.
An das Königl. Landrathsamt zu Hersfeld. I. 1117.
* *
*
Hersfeld, den 23. Januar 1894.
Wird veröffentlicht.
I. 357. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Berlin, den 8. Juli 1882.
Warnung.
In Läden und Geschäfien, welche als Loltcrie-Komtv', Lotterie-Einnahme oder Lotterie-Kollekte bezeichnet sind und deren Inhaber sich als Lolterie-Einnehmer resp. Kollekteur bezeichnen, werden Loose der Preußischen Klassen-Lotterie und Antheilscheine auf solche Loose, oft unter Benennung al» An- theilloose, für Preise angeboten, welche die im Lotterieplan bestimmten Preise sehr weit übersteigen und ferner noch dadurch
(Nachdruck verboten.)
Gottes Finger.
Erzählung von C. von Falkenberg.
(Fortsetzung und Schluß.)
Da stürzte jammernd der alte Bult herbei.
„Jutta," schrie er wie wahnsinnig. „Jutta, mein Kind!"
Erdmann hörte den Ruf und war schon an seiner Seite:
„Wo ist Jutta, Herr Bult?" frug Erdmann.
„Da drinnen!" jammerte der Alte ganz gebrochen. „Wenn sie noch lebt!"
„Barmherziger Gott!" rief er und stürzte zurück:
„Reimers, Rammer, Lüders" — 'es waren drei riesige Steinmetzen, die im Hofe hantirten — „ruft alle Mann herbei und bringt Brechstangen mit! Schnell, schnell!"
Sie waren in der Minute am Platze, Jan van der Bult aber lag halb ohnmächtig auf dem oben hervorsprießenden Rasen.
„Nun hört," schrie Erdmann seinen Steinmetzen zu, „wenn Ihr sie rettet, bekommt Ihr hundert Thaler!"
„Wer ist denn da drinn?" fragten die Männer.
„Wer? Jutta van der Bult, meine Braut, Eure zukünftige Meisterin!"
„Ei, da arbeiten wir schon umsonst," ent-
erhöht werden, baß in den Aniheilscheinen selbst die Verkäufer derselben hohe Gewinn-Abzüge für sich ausbedingen.
Die Antheilscheine begründen niemals Ansprüche an die Lotterie-Verwaltung auf Looseerneuerung und auf Gewinn- zahlung.
Vielfache gerichtliche Verurtheilungen von LooSantheilschein- Verkäusern haben herauSgestellt, daß solche Verkäufer häufig betrügerisch verfahren, indem sie die Loose, auf welche sie Antheile verkaufen, nicht besitzen oder aus wirklich besessene Loose viel mehr Antheilscheine anSgebcn, als der Umfang ihres LoofebesitzeS erlaubt, ober endlich indem sie ihrerseits erhobene größere Gewinne unterschlagen und mit denselben verschwinden.
Zur Unterscheidung der Loosantheilscheine von den ächten Loosen machen wir darauf aufmerksam, daß die letzteren stets einen Stempel mit der inneren Umschrift „Koen. Pr. Gen. Lotteric-Direkt." und die gedruckte Unterschrift „Königl. Preuß. General-Lotteric-Direktion" tragen.
Zur Unterscheidung zwischen den sich als „Lotterie-Einnehmer benennenden und ihr Geschäft als „Lotterie-Einnahme" oder „Lotterie-Komtor" bezeichnenden Privat-Verkäusern von Loosen einerseits und den Königlichen Lotterie-Einnehmern andererseits aber machen wir darauf aufmerksam, daß die letzteren allein als „Königliche Lottcric-Einnabmen" oder „Königliche Lotterie-Einnehmer" sich namhaft machen.
Königliche e^eneral-Lotterie-Direktion
DammaS. Lilienthal.
Nichtamtliches.
f Die Berathung der Weinsteuer.
Der Reichstag hat sich drei Tage lang mit der ersten Lesung der Weinsteuervorlage beschäftigt. Viele Gegner und wenig Freunde kamen zum Wort. Man sollte glauben, daß gerade diese Steuer, wodurch nun auch das Luxusgetränk Wein belastet werden soll, wie es schon längst die Massengetränke Bier und Branntwein, und zwar in viel höherem Grade, sind, als gerechtfertigt anerkannt werden müßte. Allein davon war in den Reichstagsverhandlungen sehr wenig zu merken. Die meisten Redner machten vielmehr, abgesehen
gegneten die kräftigen Männer. „Ausgepaßt,
Damit setzten zehn Mann
eins, zwei, drei!"
ihre Brechstangen ein und der Werkmeister kommandirte. Nach einer Viertelstunde war der Baum noch keinen Zoll gerückt. Da hieß Erdmann zwölf Pferde holen. Sie wurden an Ketten gespannt und angetrieben; die Steinmetzen halfen nach und der Baum war beseitigt.
Indeß hatte sich das halbe Städtchen an der Unglücksstätte versammelt; der alte Pastor Gesenius stand neben Jan und sprach ihm Trost ein, Mutter Gertrud aber sagte zu ihm:
„Jan van der Bult, sehen Sie nun, wohin der Haß führt? Gott selbst giebt Ihnen heute ein Zeichen: der Baum, bei dem Sie geschworen, ist nicht mehr! Er erschlug Euch fast Euer Kind, denn ich will um Erdmanns willen, Euretwillen und auch zuletzt um meinetwillen wünschen, daß es noch lebt! Wollen Sie nun endlich verzeihen, wie ich längst verziehen habe?"
Da brach endlich die Angst um Jutta die Eisrinde dieses starren Herzens und Jan van der Bult reichte weinend Mutter Gertrud die Hand.
„Unsere Kinder," wandte sich diese erklärend an den Pastor, „lieben sich schon lange, gerade wie wir uns haßten?"
„So wird Gott das liebe Mädchen anch be-
wahrt haben!" antwortete der Geistliche und i Staube gemacht, denn später stellte sich ein großer drängte näher an den Schauplatz, denn jetzt Defizit
von den Einwänden gegen die Steuergrenze und gegen die Kontrollmaßregeln besonders geltend, daß im Unterschiede von der Bier- und Branntweinerzeugung die des Weines auf gewisse Gegenden im Süden und Südwesten beschränkt sei, daß es sich ferner um meist sehr kleine Betriebe in ohnedies schwieriger Lage handele, und daß die Steuer doch auf die Winzer werde abgewälzt werden.
Vom Regierungstische wurde dagegen nachgewiesen, daß die große Mehrzahl der kleinen Winzer von der Steuer unberührt bleibt, da sie entweder ihren Wein nicht verkaufen oder nur Wein von einem unter der Steuergrenze (50 Mark für das Hektoliter) bleibenden Werthe erzeugen, und daß ferner eine Abwälzung der vom Verbraucher oder vom Händler zu zahlenden Steuer kaum zu befürchten sei. Trotzdem scheint sich die Mehrheit des Reichstags nur aus eine Besteuerung des bei uns in unbedeutenden Mengen erzeugten Kunstweins und außerdem des Schaumweins einlassen zu wollen, der dad: "ch gegenüber anderen, zum Theil viel theurern Lurusweinen ungerecht belastet würde.
Ehe der Entwurf an die Stempelsteuerkommission verwiesen wurde, ereignete sich noch ein Zwischen- fall. Um die Vertretung württembergischer Winzerinteressen nicht allein einem demokratischen Redner zu überlassen, ergriff der württembergische Ministerpräsident v. Mittnacht das Wort und legte den bekannten Widerspruch Württembergs gegen die Weinsteuer dar. Ein geringer Theil des Reichstags zeigte nicht übel Lust, von dem Vorgänge ein besonderes Aufsehen zu machen, gleich als ob im Bundesrathe zerfahrene Zustände herrschten. Allein es liegt in der Natur der Dinge, daß nicht alle Beschlüsse des Bundesraths einstimmig gefaßt werden. Nach Artikel 9 der Bundesverfassung steht jedem Mitgliede des Bundesraths das Recht zu, die Ansichten feiner
waren die Trümmer des Brunnenhauses fortgeräumt. Erdmann war der Erste, welcher sich dem Brunnen näherte und — da hing Jutta, zwar ganz durchnäßt und vor Frost klappernd im Bassin, einer Ohnmacht nahe, aber sonst unverletzt. In das Bassin geschleudert, war sie der schmetternden Wucht der Balken glücklich entgangen.
Erdmann nahm sie in seine Arme und trug sie in der Mutter nahes Haus.
Hier spielte sich nun auch die letzte rührende Scene des ganzen Familienstreit-DramaS ab, denn der .alte zitternde Bult küßte zuerst sein Kind, dann Erdmann und legte die Hände der Beiden in einander, indem er sagte:
„Laß mich Du zu Dir sagen, wie in der Jugend, Du braver Erdmann. — Werdet glücklich, meine Kinder! — Und nun, Mutter Gertrud, nun, Herr Pastor, sind Sie zufrieden?"
Den braven Arbeitern und Knechten, die die Pferde so rasch gebracht, schenkte Bult 100 blanke Thaler, gerade so, wie Erdmann Wort hielt.
Und was that um diese Zeit der Herr Rent- meister Hähnel?
- Bei der Nachricht von der Verlobung, welche blitzschnell die Stadt durcheilte, hatte sich der arg- ' listige Mensch noch znr rechten Zeit aus dem
in der ihm anvertrauten Kasse heraus.