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Herssel-rr Kreisblutt.
Mit wöchentlicher Gratis-Veilage „Muftrirtes Sonntagsblatt".
Nr. 16. Donnerstag den 8. Februar
1894.
Amtliches.
Hersfeld, den 5. Februar 1894.
Diesseits ist in letzter Zeit mehrfach wahrgenommen worden, daß von verschiedenen Herren Lokalschulinspektoren und auch seitens mehrerer Herren Bürgermeister des hiesigen Kreises Briefe, welche dienstliche Angelegenheiten enthielten, an mich gesandt worden sind, welche nicht a n s - drücklich als „portopflichtige Dienstsache" bezeichnet, vielmehr nur mit dem Vermerke „P. D. S." und verschiedentlich auch nicht mit dem Dienstsiegel versehen waren.
Dieses Verfahren führt dahin, daß diese Sendungen von der betreffenden Postanstalt in den meisten Fällen gar nicht als „dienstliche Angelegenheiten" betrachtet und deshalb außer dem gewöhnlichenPorto noch obendrein mit dem vorgeschriebenen Strafporto austaxirt werden; auch wird dem diesseitigen Büreaupersonal sowohl als auch dem betreffenden Postpersonal hierdurch unnöthige Arbeit verursacht, indem das * im diesseitigen Conto dieferhalb eingetragene Mehr-Porto, soweit dasselbe diesseits nicht entrichtet zu werden braucht, selbstverständlich wieder gelöscht und dem b e t r e f s e n d e n A b - sender znr Last gelegt werden muß.
Aehnliche Fälle sind auch schon bei Sendungen, welche rein militärischeAngelegen - heilen betrafen, vorgekommen.
Um nup dem betr. Beamtenpersonal in Zukunft diese Mehrarbeit und das durch das besagte vorschriftswidrige Verfahren entstehende unnöthige Porto thunlichst zu ersparen, sehe ich mich .veranlaßt, die Königlichen Herren Lokalschul- inspektoren und die Herren Bürgermeister der ländlichen Gemeinden des hiesigen Kreises hierdurch ergebenst zu ersuchen, gefälligst in Zukunft
(Nachdruck verboten.) In den Fcssclil der Schuld.
Criminalnovelle von C. Ttttrm.
(Fortsetzung.)
Bald wandelten in den sauberen Wegen des in der Pracht des Lenzes so entzückenden Gartens vier glückliche Menschen, Carola am Arme ihres Verlobten und Frau Direktor Pohlmann am Arme des Sohnes, auf und ab, und freuten sich nicht minder über die blühenden Blumen und Bäume als über das eigene Herzensglück.
„Noch einmal dürfen wir aber nun doch nicht an diesem einladenden Pavillon vorbeigehen," meinte dann scherzhaft Frau Direktor Pohlmann und vertrat den Verlobten den Weg, welche in ihrem Glücke die ganze Welt um sich herum sammt den wiederholten Einladungen zum zweiten Frühstück im Pavillon vergessen zu haben schienen.
Nun traten sie ein, und Ernst Pohlmann trank als Vertreter des Vaters das erste Glas Sekt auf das Wohl der Verlobten, worauf Professor Galen mit einem herzlichen Trinkspruche auf die Eltern seiner Braut und seinen lieben Freund und Schwager, den Referendar antwortete.
Dann schritt Galen an Ernst heran, gab ihm den Bruderknß und sagte:
„Dir, mein lieber Ernst, haben wir, wenn ich es mir so recht überlege, doch unser ganzes Glück
' alle dienstliche Sendungen an mich auf dem Couvert als „Portopflichtige Dienstsache" oder „Militaria" und stets mit demDienst sieget versehen zu wollen. Die Worte „Portopflichtige Dienstsache" oder „Militaria" müssen stets vollständig ausgeschrieben und dürfen niemals abgekürzt werden.
I. 1. Nr. 579. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersseld, den 2. Februar 1894.
Es ist in letzter Zeit häufiger vorgekommen, daß Personen, welche zum ersten Male um Ausfertigung eines Jagdscheins dahier nachsuchen, eine von dem Bürgermeister ihres Wohnortes ausgestellte Bescheinigung darüber, daß der Er- theilung eines Jagdscheines an jene Personen in ortspolizeilicher Hinsicht keine Bedenken entgegen- stehen, vorlegen.
Derartige Bescheinigungen sind nach oen die Ausstellung der Jagdscheine betreffenden Bestimmungen nicht erforderlich und deshalb von dem Provinzialstempelfiskal im Einverständniß mit dem Provinzialsteuerdirektor für st e m p e l - p f l i ch t i g erklärt worden.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des hiesigen Kreises werden daher hierdurch angewiesen, in jedem Falle, wo die Ausstellung derartiger Bescheinigungen verlangt wird, die Antragsteller auf die Stempelpflichtigkeit dieser Bescheinigungen aufmerksam zu machen und alsdann, wenn dieselben trotzdem auf der Ausstellung dieser Bescheinigung beharren sollten, den erforderlichen Stempel mit 1,50 Mk. einzuziehen und vorschriftsmäßig zu kassiren.
Uebrigeus empfiehlt es sich s o w o h l derartige Bescheinigungen als auch
zu danken, denn wenn Du nicht mein Freund wärest, so wäre ich auch nicht in Euer Haus gekommen und hätte noch keine Braut."
Lächelnd währte der junge Referendar ab und meinte, „daß der Liebesgott Amor schon Gelegenheit gefunden haben würde, diese zu einander gehörenden Herzen zu vereinigen."
Von Wonne erfüllt und mit der zuversichtlichen Hoffnung auf ein glückliches Leben saßen die vier guten und arglosen Diensten in dem Pavillon, ohne Ahnung, daß des Unglücks rauhe Hand bald in ihre Lebenspfade greifen und sie traurig verwirren würde.
Wie weise war es doch für sie wie für alle Sterblichen von der Vorsehung eingerichtet, daß sie auch keinen Tag in die Zukunft schauen und das Nahen des Unglückes nicht sehen konnten, denn dann wären Ihnen auch diese wenigen glücklichen Stunden nicht beschieden gewesen.
Frau Direktor Pohlmann verließ jetzt den Pavillon und den Garten, um nach den Vorbereitungen für das Festmahl und nach der Rückkehr des in Direktor Rustan'r Wohnung gesandten Boten zu sehen.
Der Bote war zurück und meldete niedergeschlagen, daß ein Feldarbeiter Herrn Rustan's Pferd zurückgebracht habe, und daß derselbe wahrscheinlich von einem schweren Unglück betroffen worden sei, auch schiene man ihn noch nicht auf
solche von den Königlichen Herren Oberförstern überhaupt nicht porzu- legen sondern nur den Antrag (entweder mündlich oder schriftlich) dahier zu stellen, woraufhin das Weitere diesseits veranlaßt werden wird.
J. I. Nr. 407. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Cassel, den 26. Januar 1894.
Die Buchhandlung von W. Moeser in Schwetz hat ein anscheinend recht brauchbares Quiltungs- kartenregister für die Invalidität?- und Altersversicherung herausgegeben, das den Karten-AuS- gabestellen die Uebersicht über die ausgegebenen Karten und die darin eingetragenen Daten wesentlich erleichtert. Muster stellt die Firma auf Wunsch zur Verfügung.
Der Regierungs-Präsident. I. V.: von Pawel. An sämmtliche Herrn Landrälhe des Bezirks rc.
A. II. 781. . * * *
H.sSfeld, den 6. Februar 1894.
Wird den Herren Ortsvorständen zur Kennt- nißnahme mitgetheilt.
1. 580. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Berlin, den 12. Januar 1894.
Obwohl den inländischen Behörden wiederholt zur Pflicht gemacht worden ist, jeden unmittelbaren Schriftwechsel mit französischen Behörden zu vermeiden, sind neuerdings in einzelnen Fällen dicffeitige Standesbeamte in Angelegenheiten des Personenstandes mit französischen Behörden in unmittelbaren Geschäftsverkehr getreten und haben Ersuchen an dieselben gerichtet, wie umgekehrt unmittelbare Ersuchen französischer Behörden erledigt. Ew. Hochgeboren ersuche ich ergebenst, gefälligst den Ihnen unterstellten Standesbeamten
gefunden zu haben, denn Niemand wisse, wo er sei.
Händeringend nahm die von großem Mitgefühle für Direktor Rustan und dessen Familie erfüllte Frau Pohlmann diese Hiobspost entgegen, und sie brauchte einige Zeit, ehe sie sich soweit wieder beherrschte, um die letzten Vorbereitungen für das kleine, zu Ehren des verlobten Paares zu gebende Festesien zu prüfen.
„Da mein Mann noch nicht zurückgekehrt ist, so muß das Diner noch verschoben werden," befahl sie dann der Köchin und dem Diener. „Ich hoffe aber, daß es spätestens in einer Stunde stattsinden kann."
Der Unglücksfall des Direktors Rustan und die nothwendige Antheilnahme an demselben durch ihren Galten und sie selbst machten der guten Frau das Herz sehr schwer, und das geradezu unheimliche Zusammentreffen dieses Unglückes mit der Verlobung der geliebten Tochter verdarb fast die ganze schöne Freude an diesem Ehrentage wenigstens für Frau Direktor Pohl- mann und voraussichtlich auch für beten Gatten.
Frau Pohlmann ging in ihr einsamstes Zimmer und flehte inbrünstig zu Gott um Beistand für den unglücklichen Rustan, und sammelte ihre Seeleukräfte, um in dieser peinlichen Situation sich zu beherrschen. Dann blickte sie aus dem Fenster, um zu sehen, ob ihr Gatte noch nicht