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zHerssel-er Kreisliliitt.

Mit wöchentlicher Gratis-BeilageJllustrirtes Sonntagsblatt".

Ilr. 30. Sonnabend den 17. Februar

1894.

Erstes Blatt.

Amtliches.

T

l.

Hersfeld, den 10. Februar 1894.

In letzterer Zeit soll es häufiger vorkommen, daß ungeachtet der Vorschrift im §. 3 der Polizei- Verordnung vom 20. August 1875 die Führer von Hundesuhrwerken während der Fahrt auf­sitzen und dann im Galopp, nicht selten zur Be­lästigung Anderer, davon jagen.

Die Ortspolizeibehörden sowie die Gendarmerie haben hierauf ein besonderes Augenmerk zu rich­ten und weise ich die ersteren hierbei noch beson­ders an, Personen, welche wegen dieser Z n w i d e r h a n d l u n g wiederholt zur Anzeige gebracht werden, mit entsprechend höherer Strafe zu belegen.

1. 654. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungsrath.

Gefunden: eine Taschenuhr. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Sieglos.

Gefunden: ein gegerbtes Rehfell. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Geth- femane.

Nichtamtliches.

t Sirb unsere MmrWast durch den nissigen Handelsvertrag geschädigt?

Wer mit Berufung auf unsere landwirthschaft- lichen Interessen gegen den deutsch-russischen Handelsvertrag auftreten will, muß den Nachweis führen, daß es der deutschen Landwirthschaft zum Nachtheil gereiche, wenn an der russischen Grenze dieselben Getreidezölle wie an allen übrigen deutschen Grenzen erhoben würden. Für Roggen und Weizen ist der Satz des allgemeinen Tarifs 5 Mark für den Doppelzentner (100 kg); gegen Rußland ist seit dem Sommer 1893 ein Kampf- zoll von 7,50 Mark in Kraft, während der Ver­tragszoll 3,50 Mark beträgt. Rußland war also seit Abschluß der Verträge mit Oesterreich-Ungarn 2C. um 1,50 Mark und seit dem Ausbruch des deutsch- russischen Zollkampfes um 4,0 Mark mit seinem Getreide schlechter behandelt, als die Staaten, die mit Deutschland Handelsverträge abgeschlossen hatten.

Auf den ersten Blick mag es wohl ganz ein­leuchtend erscheinen, wenn es heißt: die Er­mäßigung der Zollschranke gegen Rußland erleichtert den Absatz russischen Getreides in Deutschland, folglich wird der Wettbewerb für das einheimische Getreide größer und müssen die ohnehin schlechten Preise noch mehr gedrückt werden. Aber der erste Blick genügt zur Be­urtheilung solcher wirthschaftlichen Fragen nicht. Wie mancher hat z. B. im Sommer v. I. nach der Absperrung der Grenze gegen Rußland ge­dacht: Nun kann kein russisches Getreide mehr herein, folglich kommen jetzt bessere Zeiten für den deutschen Kornbauer; und was geschah?

Wirklich kam kein russisches Getreide mehr herein, und doch fiel just mit der Einführung der Kampfzölle ein weiterer Rückgang unserer Inlandspreise zu­sammen, der das ganze Jahr über angehalten hat.

Der Hauptirrthum, der dem Glauben an eine Schädigung unserer Landwirthschaft zu Grunde liegt, besteht darin, daß man so thut, als ob mit der Erschwerung oder Absperrung der Einfuhr russischen Getreides nach Deutschland dieses Ge­treide aus der Welt geschafft werde. Aber der große Getreideüberschuß Rußlands bleibt vor­handen, er sucht Verwerthung auf dem Weltmärkte und drückt hier die Preise, und da der deutsche Inlandspreis für Roggen wie für Weizen in erster Linie vom Weltmarktpreise abhängig bleibt, so wird er durch die russische Getreideangebote unter allen Umständen gedrückt.

Die Jahre 1891/93, in denen erst Rußland | wegen seiner Mißernten Ausfuhrverbote erlassen hatte und dann der deutsche Markt durch Er­mäßigung der Zölle für Vertragsstaaten dem russischen Getreide erschwert und verschlossen j wurde, haben den Beweis geliefert, daß die Konkurrenzländer Rußlands Nordamerika, Argentinien, die Donaustaaten den Getreide- bedarf der europäischen Staaten, namentlich Deutschlands, mit Leichtigkeit decken. In Folge dessen konnte die differentielle Behandlung des russischen Getreides in Deutschland unserer Land­wirthschaft nichts nützen, und ebenso kann die Beseitigung der Differentialzölle ihr nicht schaden. Deutschland wurde eben während der Absperrung des russischen Getreides von seinem Hauptabsatz­markte statt mit russischem mit amerikanischem, rumänischem und sonst bei uns meistbegünstigtem Getreide versorgt, und es würde fernerhin bei Aufrechterhaltung der Differentialzölle in gleicher Weise versorgt werden, und zwar zu den Welt­marktpreisen, die fortgesetzt unter dem Drucke des anderweit Absatz suchenden russischen Ge­treides stehen. Zu dem Weltmarktspreise kommt dann im Inlands noch der Vertragszoll hinzu, aber nicht der höhere Differentialzoll gegen Ruß­land, eben weil andere Länder als Rußland mit Leichtigkeit unseren Bedarf decken können. Die Gesammteinfuhr von Weizen, Roggen, Gerste, Mais und Hafer nach Deutschland hat in den Jahren 1891,93 30, 32 und 27 Millionen Doppelzentner betragen. Davon erhielten mir noch 1891 aus Rußland 16,3 Millionen Doppel­zentner, dagegen die beiden folgenden Jahre bloß 5,9 und 3,8 Millionen Doppelzentner.

Das sind einfache mirthschaktliche Thatsachen, die ebenso wenig, wie das russische Getreide durch einen deutschen Absperrungszoll, durch allgemeine Klagen über angebliche Schädigung der Land­wirthschaft in Folge des deutsch-russischen Handels­vertrages aus der Welt zu schaffen sind. Wenn die Meistbegünstigung für ^bie russischen Boden- ' erzeugnisse ohne Schädigung der Interessen der Landwirthschaft gewährt werden kann, so wäre es verkehrt, einen Handelsvertrag ablehnen zu wollen, der für jene Meistbegünstigung sehr werthvolle Vortheile für die Industrie, die Schifffahrt und den Handel Deutschlands gewährt.

Politische Nachrichten.

Berlin, 15. Februar.

Heute Vormittag besichtigten JhreMajestäten der Kaiser und bie *T - ; ferin bie auch bezüglich ihrer inneren Ausstattung der Vollendung entgegengehende Luther-Kirche am Dennewitzplatz und besuchten anschließend daran das Atelier des Bildhauers Professor Herter in der Buchenstraße 3, um die Skizzen der für dieLange Brücke" in Potsdam bestimmten Soldatenfiguren daselbst in Augenschein zu nehmen. Nach dem Schlosse zurückgekehrt, hörte Se. Majestät der Kaiser den Vortrag des Kriegsministers, welcher in Begleitung des Geheimen Kriegsraths Lehmann erschienen war, und arbeitete sodann längere Zeit mit dem Chef des Militairkabinets. Um 1 Uhr 10 Min. fuhr Se. Majestät nach Potsdam, um in der Offiziers-SpeiseanKalt des Leib-Garde-Husaren- regimentS das Frühstück einzunehmen. Nach der Rückkehr au« Potsdam gedachte Se. Majestät heute Abend der Vorstellung im Deutschen Theater beizuwohnen.

Der Verband deutscher Leinenindustrieller läßt es sich angelegen sein, den Flachsbau in Deutschland auf alle mögliche Weise zu fördern. Neuerdings hat er beschlossen, für die hauptsächlich beim Flachsbau in Betracht kom­menden Gegenden besondere Komites einzurichten, welche die Agitation unter den Landwirthen über­nehmen sollen. Solche Komitss sind gebildet worden für Schlesien, für Sachsen, für Rheinland, für Süddentschland und für Westfalen, Hannover und Hessen. Dieselben sollen aus den interesstrten Industriellen und Landwirthen bestehen. Der Provinz Schlesien, als derjenigen, in welcher der Flachsbau noch von größerer Bedeutung ist, wurden 1500 Mk., den anderen Komitss je 300 Mark zur Verwendung im Interesse der Agitation überwiesen.

Im Reichstage wurde die Spezialdebatte über den Postetat amMittwoch durch den üblichen Schwerinslag" unterbrochen. Das Haus nahm am gedachten Tage' die kürzlich begonnene Be­rathung der von Seiten des Centrums und der freisinnigen Bereinigung beantragten Novelle zum Wahlgesetz, betr. die Sicherung des Wahlgeheim­nisses, wieder auf und führte sie unter Ge­nehmigung der Einzelheiten der betreffenden An­träge zu Ende. Alsdann erledigte der Reichstag in erster Lesung noch den Antrag Schröder auf Abänderung des Handelsgesetzbuches (Gleichstellung der Kündigungsfristen, Zeugnißausstellung u s.w.); am Donnerstag wurde die Spezialdiscussion über den Postelat fortgesetzt.

Das preußische Abgeordnetenhaus setzte am Mittwoch die in voriger Woche abge­brochene zweite Lesung des Etats fort. Erledigt und genehmigt wurden am genannten Tage die Sozialetats des Ministeriums des Auswärtigen, der Münzverwaltung letzterer nach einer stundenlangen Währungsdebatte und der Staatsarchive. Auch das preußische Herrenhaus ist wieder auf dem parlamen­tarischen Plan erschienen; es befaßte sich am Mittwoch und Donnerstag mit mehreren kleineren Vorlagen.

Nach der im Reichs-Eisenbahnamt aufgestellten,