Erscheint wöchentlich drei Mnl Dienstaq, SFonnrrstaa und SonnabrnD. Aboiiiikineniepieis vierteljährlich 1 Mark 40 Ps^ excl. Posiausschlag.
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gnsfditr InmHntt.
Mit wöchentlicher Gratis-Beilage „Muftrirtes Sonntagsblatt".
Mr. 33. Donnerstag den 33. Februar 1894.
Bestellungen
auf das Kersselder ZreisöNt
mit der wöchentlichen Gratis-Beilage „Muftrirtes Sonntagsblatt" für den Monat März werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 20. Februar 1894.
Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 7. Februar 1893 I. I. Nr. 834, betreffend die chemische Untersuchung von Nahrungs- und Genußmilteln rc., noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 26. d. Mts. bet Meidung von 3 Mk. Strafe erinnert.
I. I. Nr. 834/93. Der Königliche Landrath Freiherr von Schlei n i tz , Geheimer Regierungs-Rath
Vekanntmachnng.
Auf Grund des Gesetzes, betreffend die Gewährung von Unterstützungen an Invalide aus den Kriegen vor 1870 und an deren Hinterbliebene, vom 14. Januar 1894, nach dessen § 1
„Denjenigen Personen des Soldatenstandes des Heeres und der Marine, welche in Folge ihrer Theilnahme an den von deutschen Staaten vor 1870 geführten Kriegen invalide geworden, zu den zuständigen Gebührnissen fort
(Nachdruck »erboten.) In den gcffthi her Schuld.
Crimiiialnovelle von C. TtttkM.
(Fortsetzung.)
Inzwischen setzten Professor Galen, Carola unb Ernst ihre Unterhaltung im Pavillon des Gartens fort und kamen dabei naturgemäß auch auf den neuen Collegen des Vaters zu sprechen.
„Bitte, lieber Freund," sagte Ernst Pohlmann während dieses Gespräches mit sehr ernstem Tone zu Galen, „sage mir jetzt ohne jede gesellschaftliche Rücksichten einmal welchen Eindruck Herr Hillessen auf Dich gemacht hat?"
Professor Galen antwortete nicht gleich, sondern blickte den Frager verwundert an.
„Wir sind ja unter uns," begann er dann halblaut, „und da kann ich mein Urtheil genau so aussprechen, wie ich es in meinem Denken und Empfinden für richtig halte. Herr Hillessen gefüllt mir nicht, sein ganzes Wesen berührt mich trotz seiner großen gesellschaftlichen Gewandtheit und Liebenswürdigkeit sehr unsympathisch. Er mag ja ein großes Finanzgenie sein und Euer Vater mag Ursache haben, große Stücke auf seinen neuen Collegen zu halten, auf mich macht er aber den Eindruck wie eine in glänzenden Farben strahlende Schlange, die verlockt und an ziehend erscheint, aber im richtigen Augenblicke ihr Opfer packt und erwürgt. Hillessen kommt
laufende Zuschüsse behufs Erreichung derjenigen Beträge zu gewähren sind, welche ihnen nach dem Gesetze vom 27. Juni 1871 bezw. nach dem Gesetze vom 31. März 1873 zustehen würden"
werden hiermit alle in Betracht kommenden I n - v a l i d e n ausgefordert, sich alsbald unter Beibringung ihrer Militärpapiere und Pensions- Quittungsbücher persönlich oder schriftlich bei dem zuständigen Bezirksfeldwebel zu melden.
Vorstehende Bekanntmachung findet auch auf die früheren Angehörigen der schleswig-holsteinschen Armee Anwendung.
Es wird noch besonders darauf aufmerksam gemacht, daß sich vorstehender Aufruf z u r M e l - dung nur auf bereits anerkannteJn- v a l i d e n bezieht.
Hersfeld, am 22. Februar 1894.
Königliches Bezirkskommando.
Politische Nachrichten.
Die Ankunft S r. M a j e st ä t des Kaisers in Friedrichsruh erfolgte am Montag Nachmittag 5 Uhr 57 Minuten; der kaiserliche Zug war direkt bis vor das Schloßportal gefahren. Hier empfing Fürst Bismarck in seiner Kürassier- Uniform, über welcher er den ihm vom Kaiser übersandlen grauen Mantel trug, im Beisein Prof. Schweningers und Dr. Chrysanders seinen erlauchten Gast. Der Kaiser, welcher Marine- Uniform trug und von kleinem militairischen Gefolge begleitet war, trat rasch auf den Alt- Reichskanzler zu, schüttelte ihm lebhaft und wieder- bolt die Hände und begab sich mit ihm unter den Hochrufen des angesammelten Publikums ins Schloß. Hier begrüßte der Kaiser die Frau
mir vor wie ein Mensch, dem zur Erreichung seiner Zwecke jedes Mittel recht ist, wenn er nur dabei seinen Vortheil ersieht."
Der junge Referendar Ernst Pohlmann war bei diesem vernichtenden Urtheil des Freundes über den neuen Collegen des Vaters leichenblaß geworden, und mit leise zitternden Lippen sagte er:
„Es ist dieses derselbe Eindruck, den Hilleffen auch auf mich macht. Doch brechen wir jetzt das Thema ab, denn dort kommt der Vater."
Die jungen Leute verweilten dann noch einige Zeit mit Direktor Pohlmann im Garten, bis sich dann auch Professor Galen herzlich verabschiedete.
„Ich begleite Dich ein Stück," bemerkte Ernst, als der Professor gehen wollte, und wenige Minuten später schritten die beiden Freunde nebeneinander auf der Straße, ein leise geflüstertes Gespräch führend.
„Mich beunruhigt Dein Urtheil über Hillessen außerordentlich," sagte Ernst zu Galen, „denn ich habe selbst ein großes Mißtrauen gegen diesen Mann und werde ganz von dem Gedanken beherrscht, daß er großes Unheil in unser Haus bringen kann."
„Da gehst Du in Deinen Befürchtungen wohl zu weit, lieber Ernst," entgegnete Professor Galen, „denn Menschen mit gefährlichen Eigenschaften brauchen ja nicht nothwendiger Weise auch uns gefährlich zu werden. Was haben wir überhaupt viel mit ihm zu schaffen? Dein Vater wird ihn
Fürstin im Vorsaal und geleitete sie in den Speisesaal, wo sofort das Diner stattfand, zu welchem zwölf Gedecke aufgelegt waren. Der Kaiser saß zwischen dem Fürsten und der Fürstin, außerdem nahmen an dem Diner noch Pros. Schweninger und die Offiziere des kaiserlichen Gefolges Theil. Nach Aufhebung der Tafel verweilte der Kaiser in lebhafter Unterhaltung mit dem Fürsten, der Fürstin und den anderen anwesenden Persönlichkeiten. Im Verlaufe der Unterredung stellte Se. Majestät seinem Gastgeber zwei Soldaten verschiedener Waffengattungen in der neuen leichten Feldausrüstung vor. Punkt 9 Uhr erhob sich der Monarch und begab sich nach Verabschiedung von der Frau Fürstin mit dem Fürsten Bismarck nach dem prächtig geschmückten Bahnhof. Die Friedrichs- riiher Feuerwehr bildete mit Fackeln Spalier, der Bahnhof und seine nächste Umgebung halten glänzend illuminirt. Auf dem Bahnhöfe verabschiedete sich der Kaiser durch wiederholtes Hände- schülteln vom Fürsten-BiSmlÜA und bestieg darauf den Salonwagen, wo Se. Majestät am Fenster sieben blieb und dem Fürsten mit der Hand den Abschiedsgruß zuwinkte; um 9 Uhr 8 Minuten reiste der Kaiser über Hamburg und Bremen nach Wilbelmshaven weiter. Nach der Abfahrt des kaiserlichen Zuges durchbrach das begeisterte Publikum die Absperrung und umringte jubelnd den Wagen, in welchem Fürst Bismarck nach dem Schlosse zurückfahren wollte; erst mit Hilfe der Feuerwehrleute gelang es, den Weg nach dem Schlöffe frei zu machen. Das Aussehen des Altreichskanzlers wird von allen Seiten übereinstimmend als vortrefflich geschildert.
S e. Majestät d e r K a i s e r stattete auf der Weiterreise von Friedrichsruh nach Wil - h e l in s h a v e n dem großherzoglichen Hofe in Oldenburg am Dienstag Vormittag einen
zuweilen allerdings einladen müssen, aber dabei kann uns doch Hilleffen nicht geradezu gefährlich werden?"
„Du urtheilst bezüglich schlimmer Eigenschaften , eines Menschen doch wohl zu sehr nach Deinem edeln und idealen Herzen", antwortete der Referendar dem Professor, „und Du wirst daher ge- j Hatten, daß ich als Jurist, der in mancher : Gerichtsverhandlung schon Gelegenheit gehabt ; hat, die Natur böser Menschen zu studiren, an ; meinem Argwohn gegen Hillesen festhalte. Trotz Strafgesetzbuch und Zuchthaus besitzen viele Menschen die Fähigkeit unendlich viel Böses zu stiften, und der Richter kann sie oft gar nicht einmal dafür strafen. Wie vermögen Ränkespiel, Verleumdung, Liebedienerei, Ausnutzung gewiffer Zwangslagen und andere Dinge nicht Schaden und Unheil zu stiften, ohne daß man es rechtzeitig verhüten kann! Und dieser Hilleffen, an welchem ich mehr fatale Eigenschaften beobachtet zu haben glaube, als ich jetzt auszusprechen für gut halte, könnte sehr wohl ein solcher gefährlicher Mensch sein. Wir wollen daher ganz besonders auf der Hut fein und uns förmlich gegen seine schlimmen Machenschaften verbinden. Sehr gut wäre es auch, wenn mein Vater sobald als möglich vor Hilleffen gewarnt wurde! Barmherziger Gott, wenn ich daran denke, in welcher hohen verantwortungsvollen Stellung sich mein Vater als । Leiter der Central-Commerzbank befindet und daß