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Htlsfel-el Kreistlitt.
Mit wöchentlicher Gratis-Beilage „JLustrirtes Loantagsblatt".
Ur. 23. Sonnabend den 24. Februar
1894.
Erstes Blatt.
Bestellungen auf das MfMr Zreisölalt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage „JllnstrirLes Sonntagsblatt" für den Monat März werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 22. Februar 1894.
Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche mit der Einreichung des Erhebungssormulareö über die Ermittelung des Erndteertrages pro 1893 noch rückständig sind, werden hieran mit Frist bis spätestens zum 27. d. Mts. bei Meidung von 3 Mk. Strafe erinnert.
J. I. Nr. 6983. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Rath.
Bekanntmachung.
Auf Grund des Gesetzes, betreffend die Gewährung von Unterstützungen an Invalide aus den Kriegen vor 1870 und an deren Hinterbliebene, vom 14. Januar 1894, nach dessen § 1
„Denjenigen Personen des Soldatenstandes des Heeres und der Marine, welche in Folge ihrer Theilnahme an den von deutschen Staaten vor 1870 geführten Kriegen invalide ge- morden, zu den zuständigen Gebührnissen fortlaufende Zuschüsse behuss Erreichung derjenigen Beträge zu gewähren sind, welche ihnen nach dem Gesetze vom 27. Juni 1871 bezw. nach dem Gesetze vom 31. März 1873 zustehen würden"
werden hiermit alle in Betracht kommenden I n - v a l i d e n ausgefordert, sich alsbald unter Beibringung ihrer Militärpapiere und Pensions- Quittungsbücher persönlich oder schriftlich bei dem zuständigen Bezirksfeldwebel zu melden.
Vorstehende Bekanntmachung findet auch auf die früheren Angehörigen der schleswig-holsteinschen Armee Anwendung.
Es wird noch besonders darauf aufmerksam gemacht, daß sich vorstehender Aufruf z u r M e l - dung nur auf bereits a n e r k a n n t e Invaliden bezieht.
Hersfeld, am 22. Februar 1894.
Königliches Bczirkskommaiido.
Bekanntmachung.
Jeder Landbriefträger führt auf seinen Bestell- gängen ein Annahmebuch, in welches er die angenommenen Sendungen mit Werthaugabe, die Einschreibsendungen, die Postanweisungen und gewöhnlichen Packete, sowie die Nachnahmesendungen und die für Zeitungen vorausbezahlten Beträge einzutragen hat. Wünscht der Absender
die Eintragung selbst zu bewirken, so ist diesem das Annahmebuch vorzulegen. Auch kann der Absender die Vorlegung des Buches verlangen, um von der seine Sendung betreffenden Eintragung des Landbriefträgers Kenntniß zu nehmen.
Cassel, den 15. Februar 1894.
Der Kaiserliche Ober-Postdirektoc. Frank.
Gefunden: eine Axt und eine Kette. Meldung der Eigenthümer bei dem Ortsvorstand zu Unterbaun.
Nichtamtliches.
f Ginwanös gegen den russischen Handelsvertrag.
Unter den mancherlei Irrthümern, die bei der Beurtheilung des russischen Handelsvertrages hervortreten, ist nicht der geringste der: der russische Zolltaris von 1891, der die Grundlage der Verhandlungen bildete, sei so hoch, daß die deutsche Ausfuhr nach Nußland vollständig erlahmt sei und sich nur noch aus Artikel beschränkt habe, die Rußland unter allen Umständen brauche; habe doch sogar die Anwendung des russischen Maximaltarifs von 1893 und dann der noch höheren Kampszölle gegen Deutschland keinen Rückgang unserer Ausfuhr bewirkt, eben weil schon nach dem Tarif von 1891 nur noch die für Rußland absolut unentbehrlichen Waaren von uns hätten ausgeführt werden können. Die Schlußfolgerung geht dann natürlich dahin, daß uns der Zollkrieg nicht geschadet habe und daß uns die Ermäßigung der russischen Sätze vor 1891 nicht viel nützen werden.
Eine solche Beweisführung ist grundverkehrt. Richtig an ihr ist nur, daß unser Waarenhandel unter den fortgesetzten russischen Zollerhöhungen bis 1891 immer mehr zurückgedrängt worden war. Wie sehr aber auch Deutschland unter dem Zollkampse zu leiden halte und wie werthvoll für uns die Herabminderung der Zolimauer von 1891 sein muß, geht u. A. aus folgenden der neuesten Statistik entnommenen Zahlen hervor.
In roher Baumwolle sank die deutsche Ausfuhr nach Rußland von 1892 — 1893 von 31000 Doppelzentner auf 17 000, und zwar wurden von diesen 17 000 bis zum 1. August 1893 (Ausdruch des Zollkrieges) 14000 Doppelzentner ausgeführt. Die Aussuhr in Eck- und Winkeleisen stieg von 46 000 Doppeltzentnern (1892) auf 85 000 (1893), aber aus die fünf Monate An- gust—Dezember 1893 kamen nur 4600 Doppelzentner. Aehnlich ist das Verhältniß bei schmiedbarem Eisen in Stäben; für die 7 ersten Monate des vorigen Jahres sind 254 000 Doppelzentner, für die 5 letzten dagegen nur 43 000 Doppelzentner verzeichnet. Rohe Eisenplatten und Bleche kamen in den ersten 7 Monaten auf 101000 Doppelzentner, in den 5 letzten nur auf 21 000 Doppelzentner, für grobe Eisenwaaren sind die entsprechenden Zahlen 58 000 und 21000, für Maschinen und Maschinentheile 78 000 und 39 000, für rohes Kupfer 30 000 und 2 000, für Cement 16 7 000 und 45 000. Ebenso läßt sich auch bei zahlreichen Chemikalien, bei Kleesaat, Sämereien, Pelzhäuten, Klavieren und Instru
menten, Bernstein- und Elfenbeinwaaren, Uhren, Lederwaaren, Koks, Zink, Schafwolle, gekämmter Wolle 2C. ein bedeutender Rückgang in der Ausfuhr als Folge der Kampszölle nachweisen.
Kaum gelitten hat die Ausfuhr von Steinkohlen; diese stieg von 1,17 Millionen Doppelzentner (1892) auf 1,3 Millionen Doppelzentner (1893); letztere Summe vertheilt sich mit 754 000 Doppelzentner auf die Monate Januar bis Juli, mit 546 000 auf die Monate August bis Dezember. Dies mag sich daraus erklären, daß es sich bei der Kohlenausfuhr nach Rußland um bestimmte Arten von Kohlen, namentlich Fettkohlen, handelt, welche die russisch-polnischen Gruben nicht hervorbringen. Damit erledigt sich aber auch der Ein- wand, daß die Ermäßigung des Kohlenzolles von 2 Kopeken für das Pud (16*/3 kg) nach dem Tarif von 1891 auf 1 Kopeke in dem neuen Vertragstarif nicht viel Werth habe, weil der niedrige Satz nur bis 1898 gebunden sei, dann aber von Rußland erhöht werden könne. Woran uns vor Allem liegen mußte, das ist die Beseitigung des Differentialzolles, der bisher zu Gunsten des Eingangs zur See und zuni Nachtheil des Eingangs über die trockene Grenze bestand, und diese Bedingung erfüllt der Vertrag, da im Schlußprotokolle festgesetzt ist, daß für die ganze Vertragsdauer die Zölle für die westliche Landesgrenze und für die Ostseehäfen dieselbe Höhe haben sollen.
Politischc Nachrichten.
Berlin, 22. Februar.
S e. Maje st ä t her Kaiser traf gestern Abend um 11 Uhr 5 Minuten von seiner Kieler Reise hier auf dem Lehrter Bahnhöfe wieder ein. — Heute Vormittag fuhr S e. Majestät der K a i s e r nach dem Palais des Reichskanzlers und nahm daselbst dessen Vortrag entgegen. Um 11 Uhr empfing Se. Majestät den Kriegsminister zum Vortrage und arbeitete sodann längere Zeit mit dem Chef des Militairkabinets. Um 1 Uhr hatte der Landgerichts-Direktor Heinroth anS Hannover die Ehre des Empfangs Abends 9 Uhr findet bei den Majestäten im Pfeiler-Saale des königlichen Schlosses eine musikalische Abend- unterhaltung statt, bei welcher die Damen Frl. Aldani und Frau Dory Burmeister-Petersen, sowie der Kammersänger Herr Betz mitwirken werden.
Zu dem Besuche S r. Majestät d e ö K a i s e r s in F r i e d r i ch s r u h bringen die „Hamb. Nachr." nachstehende Mittheilungen: Der K a i s e r hatte die Gnade, den F ü r st e n B i s m a r ck über die wichtige Frage der Gewichtsverminderung des feldmarschmäßig bepackten Infanterie-Soldaten näher zu infermiren durch Vorstellung von zwei Grenadieren, von denen der eine die alte Uniform und das alle Gepäck trug, der andere die beabsichtigten Verbesserungen beider. Aus der Prüfung im Detail ergab sich, daß die neue Einrichtung den unschätzbaren Vortheil haben würde, das zu tragende Gewicht bedeutend zu erleichtern. Jeder Soldat und jeder Arzt wird leicht ermessen, welche große Verbesserung in dieser Maßnahme liegen würde. Ein weiteres Ergebniß in dieser Richtung wird durch die Aenderung im Tragen des Tornisters und der äußeren Belastung desselben be-