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irrsftlitr Kreishlitt.
Mit wöchentlicher Gratis-Beilage „Jllnstrirtes Sonntagsblatt".
Nr. 24. Dienstag den 27. Februar 1894.
Amtliches.
HerSfeld, den 22. Februar 1894.
Zufolge Bekanntmachung des Reichs-Versiche- rungs-Amts vom 1. Februar d. Js. ist an Stelle des z. Zt. bestehenden Formulars für die „Unfall-Anzeigen", welche gemäß § 55 Abs. 1 bis 3 des Ges. vom 5. Mai 1886 von dem Betriebsunternehmer an die Ortspolizeibehörde zu erstatten sind, ein anderweitiges, für alle Berufsgenossenschaften einheitliches Formular mit der Maßgabe festgesetzt worden, daß die Benutzung des alten Formulars behufs Verbrauchs der vorhandenen Bestände noch bis zum 1. Januar 1 8 9 6 zugelassen wird.
Die Ortspolizeibehörden des Kreises mache ich schon jetzt hierauf aufmerksam, damit dieselben in der Lage sind, mit dem Vorrath des jetzt noch gültigen Formulars zu räumen und das Formular nach der neuen Vorschrift demnächst rechtzeitig zu beschaffen.
Die Funk'sche Buchdruckerei dahier hält Formulare zu Unfall-Anzeigen .nach dem neuen Muster vorräthig.
Die Ortspolizeibehörden haben die Formulare zu beschaffen und an die Betriebsunternehmer zum Selbstkostenpreis abzugeben.
Der Sections-Vorstand:
A. 567. Freiherr von Schleinitz,
__________Geheimer Regierungs-Rath.
Hersseld, den 24. Februar 1894.
Behufs Ausstellung der Nachmessung über den Bedarf an Standesregistern für die nächsten Jahre haben mir die Herren Standesbeamten des Kreises bis zum 3. März d. I. berichtlich auznzeigen, ob die für die Jahre 1892, 1893 u. 1894 eingerichteten Hauptregister für die im laufenden
In dcn Fesseln der Schuld.
Criminalnovelle von C. 2turm» (Fortsetzung.)
„Bester Hillessen quälen Sie mich nicht zu Tode mit dieser Angelegenheit und verlangen Sie von mir nichts Unmögliches!" erklärte Pohlmann in höchster Erregung in die Höhe fahrend.
„Aber lieber Herr Pohlmann, ich verlange von Ihnen ja gar nichts Unmögliches," antwortete Hillessen. „Sie brauchen nur aus irgend einem Grunde die heimliche Verlobung Ihrer Tochter mit dem Professor Galen wieder aufzu- heben und mir zu gestatten, daß ich mich um Carolas Hand bewerbe, dann bin ich sehr zufrieden."
„Aber wenn meine Tochter dadurch unglücklich und elend wird, wenn 4ie aus Gram über ihre zertretene Liebe vor unseren Augen dahinsiecht?"
„Sie befürchten gleich das Schlimmste ohne jeden Grund," entgegnete Hillessen schlagfertig. „Wie manche stille Verlobung ist schon wieder aufgelöst worden, ohne daß die Betreffenden todtunglücklich geworden sind."
„Dann bestand zwischen dem verlobten Paare eben keine wahre, echte Liebe, wie es bei meiner Tochter und Professor Galen der Fall ist."
„O, zweifeln Sie vielleicht daran, daß ich Ihre Tochter nicht auch glücklich machen könnte, wenn sie meine Frau würde?"
Jahre noch vorkommenden Einträge voraussichtlich ausreichen werden, oder nicht eventl. auch, ob eine größere Zahl von Vordrucksformularen in den Registern unbenutzt bleiben wird. Eine möglichst genaue Angabe hierüber ist erforderlich, um bemessen zu können, welche Aenderung in der Stärke der anzulegenden neuen Hauptregister etwa einzutreten haben wird.
A Nr. 593. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Rotenburg a F., den 21. Februar 1894.
Das Königliche Landrathsamt benachrichtige ich hierdurch ergebenst, daß in Gilfershausen hiesigen Kreises unter dem Rindvieh des Land- mirths Conrad Fernau die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen ist.
Der Königliche Landrath von Trott.
An das Königliche Landrathsamt zu Hersfeld.
I Nr. 1808.
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Hersfeld, den 23. Februar 1894.
Wird veröffentlicht.
I. 915. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Witzenhausen, den 22. Februar 1894.
Der Kreisansschuß-Secretär Ernst Kahle von hier ist seit Freitag, den 16. d. Mls. spurlos verschwunden. Derselbe ist am gedachten Tage von hier nach Gültingen gefahren und hat dort zu dem Abends von Göttingen nach Münden fahrenden Zuge eine Fahrkarte gelöst; nachher ist er nicht mehr gesehen worden. Es wird er- gebenst ersucht, nach dem Verbleibe des rc Kahle Ermittelungen anzustelle» und, falls irgend etwas über den Verbleib desselben bekannt werden sollte,
„Unter den jetzigen Umständen allerdings, denn Carola würde Sie nicht aus Liebe heirathen können. Bitte, Herr Hilleffen, geben Sie diesen unglückseligen Gedanken, meine Tochter zur Frau zu begehren, auf, es ist nicht daran zu denken, daß er verwirklicht werden kann."
„Ich bin aber nicht im Stande, diese große, übermächtige Liebe aus meinem Herzen zu reißen, und wenn Sie mich muthig und zufrieden bei meiner schweren Aufgabe hier, bei der Rettung der Bank vor dem Zusammenbruch sehen wollen, wenn Sie überhaupt auf meine unermüdliche Arbeit in dieser Richtung rechnen wollen, so erhören Sie meine Bitte und machen Sie mich zu Ihrem Schwiegersöhne. Unsere Schicksale sind ohnedies jetzt durch den Zustand der Bank derartig zusammengekettet, daß Sie auch einmal an die große Lichtseite denken sollten, die der Ilm- stand gewähren würde, daß ich Ihr Schwiegersohn wäre. Ich besitze ein großes Privatvermögen, mein werther Herr Direktor, und würde es zur Rettung der Bank mit auf das Spiel setzen, wenn Sie mir Ihre Tochter zur Frau geben. Verweigern Sie mir aber diese Bitte, so liegt es in meinem Interesse, daß ich sobald als möglich meinen Posten als Direktor der Central- Commerzbank niederlege, denn für die Ehre dieses Amtes ist mir die Mühe und Sorge und auch das Risiko jetzt, nachdem ich den wirklichen, von mir nicht verschuldeten Zustand der Ceutral-
dem Unterzeichneten auf kürzestem Wege Nachricht zu geben.
Beschreibung. Alter: 37 Jahre, Größe: etwa 1,70 m, Haar: schwarz Augen: braun, Nase und Mund: gewöhnlich, Zähne: gelb, Bart: schwarzes Schnurbärlchen, Gesicht: gewöhnlich, Farbe: blaß, besondere Kennzeichen: Narbe am rechten Unterkiefer, Kleidung: braun-karrirter Anzug, graubrauner Ueberzieher, schwarzer steifer Filzhut, trägt eine goldene Brille.
Der Königliche Landrath, v S ch e n ck. * *
*
Hersfeld, den 23. Februar 1894.
Wird den Ortspolizeibehörden und der Gendarmerie des Kreises zur Nachforschung nach dem Aufenthalt des rc. Kahle mitgetheilt.
1. 916. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, __Geheimer Regierungs-Rath.
Ausschreiben.
In der Zeit vom 16. bis 19. d. Mts. hat sich ein Unbekannter bei hiesigen Privatleuten unter dem Vorgehen einlogirt, er ertheile den Herrn Offizieren der hiesigen Garnison Reitunterricht und habe außerdem Pferde zum Zureiten für den Herrn Obersten des Ulanen-Regt. Nr. 6, welches am nächsten Herbst nach Hanau in Garnison kommen soll, nach hier verbracht. Derselbe nannte sich Ad o lf T öl le r auch Paul Schönnerr aus B e r l i n. Durch seine schwindelhaften Angaben, sowie daß er demnächst bei einem Fürsten in Dessau als Reitmeister in Stelle trete, hat er es verstanden, sich bei hiesigen Gewerbetreibenden v rschiedene Geldbeträge, ein Paar graue englischlederne Reithosen u. ein Paar hohe fast neue Reitstiefel im Werthe von etwa 35 Mk. zu erschwindeln. Nach den angestellten Ermittelungen beruhen die von dem Unbekannten
Commerzbank kenne, doch zu groß."
„Sie dürfen, Sie können Ihren Posten nicht mehr niederlegen," erklärte darauf Pohlmann ganz erregt.
„Wer will mich daran hindern, wenn ich es für nöthig erachte?" frug Hillessen schars. „Den Schein habe ich jetzt, wo ich weiß, wie der Herr Direktor Pohlmann mit dem Vermögen der Cen- tral-Commerzbank gewirthschaflet hat, nicht mehr zu fürchten. Oder glauben Sie, daß ich Sie schonen würde, wenn Sie wagen würden, den Inhalt dieses Scheines der Welt bekannt zu machen? Sie können es aber auch gar nicht wagen, mich zu compromittiren, denn Sie haben mich ja zu Ihrem Mitarbeiter gewählt, trotzdem Sie diesen dunkeln Punkt in meinem Leben bereits kannten."
Pohlmann fühlte, daß er das verwegene Spiel mit diesem schlauen und gefährlichen Manne verloren hatte und ganz in seine Hände gerathen war, und sein kühl rechnender Verstand sagte ihm auch, daß er nun mit Hillessen entweder brechen oder ihm Alles bewilligen und ihn gewinnen mußte.
Der Bruch mit Hilleffen wäre aber für Pohlmann gleichbedeutend mit einer sofortigen Katastrophe gewesen, denn Hilleffen halte dann höchst wahrscheinlich doch Rache genommen, und die bedenklichen Finanzverhältnisse der Central-Com- merzbank in versteckter Weise bekannt gemacht.