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Herssel-er KreisAatt.
Mit Wöchentlicher Gratis-Beilage „Jllnftrirtes Sonntagsblatt".
Ur. 33.
Dienstag den 20. Mae;
1894.
Amtliches.
Hersfeld, den 16. März 1894.
Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche mit Erledigung meiner Verfügung vom 19. Juni 1878 Nr. 6053, im Kreisblatt Nr. 49, betreffend die Revision der geistlichen Gebäude, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 22. d. Mts. erinnert bei Meidung von 3 Mk. Strafe.
I. Nr. 6053/78. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Nath.
Nichtamtliches.
Für die Lharmoch«.
Wie ernst und feierlich ertönen die Glocken der Charwoche! Wie ergreift ihr Klang alljährlich die Herzen von Unzähligen! Da giebt es keinen Unterschied der Konfessionen. Eines ist doch Allen das Höchste: das Versöhnungsopfer auf Golgatha.
Durch manche Länderstrecke Trug ich den Wanderstab,
Von mancher Felseuecke Echaut' ich ins Thal hinab;
Doch über alle Berge,
Die ich aus Erden sab,
Geht mir ein stiller Hügel,
Der Hügel Golgatha.
Ein langer Trauerzug schließt sich jeder Jahr aus's Reue dem stillen Dulder an, der sein Kreuz hinaufträgt nach Golgatha. Du könntest dort Manchen gewahren, von dem du es nicht vermuthetest. Es hat noch Keinen gereut, sich in den Anblick göttlicher Hoheit zu vertiefen. Er verschmäht es, um Mitleid zu bitten. „Weinet nicht über mich, weinet über euch und eure Kinder!" Er klagt die unglücklichen Opfer jahrhundertelanger Verblendung nicht an, sondern bittet für sie. „Vater vergieb ihnen, sie wissen nicht, was sie thun." Er trägt sein Todesleid in stiller Ergebung, aber legt zugleich in heiliger Geistesarbeit den Grundstein zu dem geistigen Tempel, dessen Hallen nun weithin die Erde überschatten. O wie mancher fremde Gast hat hier zu Füßen des Kreuzes wieder Himmelslust geathmet; wie mancher müde Pilger wieder Frieden gefunden; wie mancher edle Kämpfer für Recht und Wahrheit sich dort wieder gestärkt zu der freudigen Gewißheit, es geht durch Kampf zum Sieg.
So sei uns denn gegrüßt, ernste heilige Char- woche! Dein Friede lagere sich über den Gotteshäusern, er begleite all die Schaaren, die in diesen Tagen dorthin wallen, und sei auch bei denen, die dem Glockenklang nicht folgen können! Deine Himmelsbotschaft schenke Vielen neue Freudigkeit des Glaubens, neue Kraft der Liebe und der Geduld! Einst war das Kreuz ein Zeichen der Schmach unb des Fluches, nun ist es das Zeichen des Sieges und des Segen« geworden, unb auf den Gräber» unserer Lieben, mag Winterschnee sie decken, mag Frühlingsgrün sie schmücken, schimmert dies Kreuz als Zeichen der Himmelshoffnung und der Liebe, die stärker ist als der Tod.
Politische Nachrichten.
Berlin, 18. März.
Gestern Vormittag unternahm S e. Majestät d e r- K a i s e r eine Ausfahrt nach dem Thiergarten und eine Promenade daselbst, und begab Allerhöchstsich auf der Rückfahrt nach dem Auswärtigen Amt, um daselbst den Vortrag des Staatssekretairs Frhrn. v. Marschall entgegenzunehmen, sowie von dort nach dem Palais des Reichskanzlers, um mit demselben zu konseriren. Ins königliche Schloß zurückgekehrt, hörte der Kaiser den Vortrag des Chefs des Generalstabes, und arbeitete anschließend daran längere Zeit mit dem Chef des Militairkabinets. Um l'/4 Uhr fand im königlichen Schlosse eine Frühstückstafel statt. Abends um 7 Uhr begab sich Se. Majestät nach dem russischen Botschaftspalais, um einer Einladung des Grafen Schuwalow zu einem größeren Diner zu entsprechen.
Nach einer Mittheilung des „W. T. B." aus Abbazia, 17. März, verlautet dort aus zuverlässiger Quelle, bafr Se. Majestät der Kaiser Wilhelm die Abreise von Berlin um 24 Stunden verschoben hat, demnach erst am Dienstag früh Berlin verläßt und am Mittwoch Nachmittag hierselbst eintrifft.
Aus Abbazia, 15. März, berichtet man dem „N. W. Tgbl.:" Nachmittags machte Erzherzog Joses mit Gemahlin Erzherzogin K l o t i l d e und Tochter Erzherzogin Maria Dorothea einen längeren Besuch bei der deutschen Kaiserin. Erzherzog Josef erschien in der Paradeuniform eines Honvedgenerals. Der Erzherzog, der bereits seit Jahren im Besitze der reizenden „Villa Giuseppe" ist und jährlich fünf Monate hier verbringt, tröstete die Kaiserin und meinte: „Das Wetter muß sich binnen zweimal vierundzwanzig Stunden ändern, denn ich kenne das Klima genau! Schon heitert sich der Himmel aus und jeder Jahr giebt es im Monat März zwei bis drei Tage Regen. Dann ist aber sofort schönes Wetter, wie im Sommer, und nach dem Regen, da springen die Knospen auf unb der Frühling in seinem vollen Glänze und seiner Pracht ist da!" Beim Abschieds versprach die Kaiserin, baldigst die erzherzogliche Familie in Fiume zu besuchen.
Die Kaiserin Friedrich wird Montag England verlassen und ihre Rückreise nach Deutschland antreten. Zunächst wird sich Ihre Majestät über Vlissingen nach Bonn begehen und daselbst zum Besuch bei dem Prinzen und der Prinzessin Adolf zu Schaumburg-Lippe mehrere Wochen verweilen. Von dort wird sich dann die Kaiserin Friedrich nach Schloß Friedrichshof bei Kronberg begehen.
Seine Majestät der K a i f e r hat dem Reichskanzler Grafen v. C a p r i v i die Kette zum Hausorden von Hohenzollern, dem Staatssekretair Freiherr« v. M a r s ch a l l das Großkreuz des Rothen Adlerordens und dem Gesandten Frei- Herrn von T h i e l m a n n den Kronenorden 2. Klasse mit dem Stern verliehen. — Wie die „Nordd. Allg. Ztg " weiter erfährt, war Se. Majestät der K a i s e r am Freitag Nachmittag beim Reichst a n zler vorgefahren, um für die
| Durchführung des Handelsvertrags feinen Allerhöchsten Dank auszusprechen. Da jedoch der Reichskanzler nicht anwesend war, kündigte Se. Majestät in einem Telegramm dem Grafen Caprivi unter herzlichen Worten für dessen aufopfernde unb durchgreifende Thätigkeit, der der Handelsvertrag zu verdanken fei, die Verleihung der Kette zum Hausorden von Hohenzollern an. ~
Der Reichstag ist am Freilag in seine O st e r f e r i e n gegangen, nachdem er zuvor den deutsch -russischenHandelsvertrag endgiltig und hierauf den Etat in der Ge- sammtabstimmung genehmigt hatte. Die nächste Sitzung des Hauses findet am Donnerstag, den 5. April statt.
Auch das preußischeAbgeordneten- h a u s hat am Freitag seine Ofterferien angetreten, nach vorheriger definitiver Genehmigung einer ganzen Reihe von Vorlagen.
Der „R e i ch s - u n d S l a a t s - A n z e i g e r" schreibt: „Durch die Tagespreise läuft die Mittheilung einer Lotalkorrespondenz, die Uniform i r u n g der Armee solle von Grund auf umgeändert werden. Es seien in Aussicht genommen kurze Waffenröcke von graugrüner Farbe, Käppis an Stelle des Helms, Gürtel an Stelle der Offizierschärpen u. a. m. Alle diese Nachrichten sind, wie uns von zuständiger Seite mitgetheilt wird, erfunden."
Der Vertrag zwischen Deutschland und Frankreich über die Abgrenzung der beiderseitigen Interessensphären imHinter- lande v o n K a m e r u n ist am vergangenen Freitag zur Veröffentlichung gelangt.
Ueber die s o z i a l d e mo k r a t i s ch e „Heeresreform" bringt das „Militairwochen- blatt" (Nr. 72) einen bemerkenswerthen Artikel. Die Sozialdemokratie, so etwa ist der Kern der Darlegungen, sümpft gegen den Militarismus, und dennoch will sie 8*/., Millionen Streiter aus der Volksmehr aufbringen. Diese Volkswehr aber braucht für ihre Massen doch Train, Geschütze, Kavallerie, was einen Mehrbedarf von 1 197 994 Pferden, b. h. einen jährlichen Mehraufwand von I 100 Millionen Mark erfordert. Diese Masse muß doch besoldet und verpflegt, die Pferde müssen gefüttert werden, was, ohne Stäbe, einen monat- : lichen Mehraufwand von 419 227 960 Mark herbei- führt. Bewaffnet und bekleidet, mit Munition versehen sollen diese Haufen doch auch werden, das kostet 1 829 873 030 Mark nach Berechnungen eines Fachmannes. Wenn diese Massen auch möglichst roh in den Krieg gehen, so müssen sie doch einigermaßen lernen, mit bem Gewehr um« zugehen, zu schießen u. s. w. Das würde ein dreifaches Mehr an Ausbildungspersonal erheischen, i Das Aufgebot — auch minder Tauglicher — wird das Sanitätspersonal um das Dreifache, die Bezirks-Kommandos um ebensoviel erhöhen. Die Ausbildung in den Schulen vom 10. Jahre an muß doch von Jemanden geleitet werden. Die Schullehrer können und sollen es nach bemo« statischen Grundsätzen nicht, folglich müßten reisende Unteroffizierkorps eingeführt werden. Wer will schließlich die Mobilmachnngsarbeiteu für diese Heereskolosse bewältigen, wer sie vorbereiten? WaS wollen diese Rekrutenhaufen kriegSgeübten Heeren bet Nachbarn gegenüber? Die Sozial- bemotratie wird ebenso wie die Schweiz gezwungen