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Ittsftlitr Kreisblutt.
Mit wöchentlicher Gratis-Beilage „Jllustrirtes Sonntagsblatt".
Nr. 38.
Dienstag den 3. April
1894.
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Amtliches.
Berlin, den 8. März 1894.
Der Knabe Anton T h i ß e n aus der holländischen Grenzgemeinde Siebengewald hat sich vor etwa einem Jahre aus den, Hause seiner Eltern entfernt und soll sich seitdem in Preußen aufhalten. Auf Antrag seiner Mutter sind im Regierungsbezirke Düsseldorf Nachforschungen nach dem Gesuchten angestellt worden, die jedoch erfolglos geblieben sind.
Da es nicht ausgeschlossen ist, daß der Vermißte sich nach anderen Gegenden der Monarchie gewandt hat, ersuche ich Euer Hochgeboren ergebenst, gefälligst auch im dortigen Bezirke Ermittelungen anstellen und den Knaben im Betretungsfalle dem Landrathe zu Eleve vorsühren zu lassen.
Der Entlaufene ist 14'/, Jahr alt, von mittlerer Größe, hat ovales Gesicht, blondes Haar, graue Augen, gewöhnliches Kinn und ist ohne besondere Kennzeichen.
Der Minister des Innern.
Im Auftrage: (gez.) H a a s e.
An den Königlichen Regierungs-Präsidenten Herrn Grafen Clairon d'Haustonville Hochgeboren zu Cassel. II. 1626.
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Im Strome des Lebens.
Roman von Jenny Piorkowska.
(Fortsetzung.)
„Ich gebe Ihnen etwas Beruhigendes, dann werden Sie schlafen können," entgegnete er. Darauf nahm er ein Glas Wasser, schüttete ein weißes Pulver hinein und reichte es mir. Ich trank und ließ dann, seinem Rathe folgend, meinen heißen Kopf in die Kisten zurücksinken, während er sich wieder niedersetzte und in freundlichem Tone fortfuhr, mir zuzureden, als wäre ich ein Kind von acht Jahren.
„Morgen werden Sie auch umgebettet in das blaue Zimmer," tröstete er mid); „da wird es Ihnen bester gefallen; es ist an und für sich freundlicher und behaglicher als hier und hat die Fenster nach dem Park. Und wenn es Ihnen allein zu einsam ist, soll Frau Altener in Ihrem Zimmer schlafen."
Der Ausdruck auf meinem Gesicht war wohl nicht mißzuverstehen, denn schnell fuhr er fort: „Vielleicht ist es auch bester, ich gebe Ihnen Lisette, Fran AltenerS Nichte, zur Bedienung; das ist ein frisches munteres Mädchen, die Ihnen gewiß bester gefallen wird als die ernste Frau Altener."
Cassel, den 22. März 1894.
_ Hochgeboren Abschrift erhalten Euer . , ,,—E--mit Hochwohlgeboren dem Ersuchen ergebenst, nach dem rc. Thißen gefälligst fahnden und ihn im Betretungsfalle dem Landrathe zu Eleve vorführen zu lassen, mir auch über das Ergebnis der angestellten Ermittelungen gefälligst zu berichten.
Der Negierungs-Präsident. I. V.: von Pawel. An die sämmtlichen Herren Landräthe des Bezirks.
A. IL 2884.
Hersfeld, den 31. März 1894.
Wird den Ortspolizeibehörden und der Königlichen Gendarmerie des Kreises zur Fahndung nach dem Entlaufenen mitgetheilt.
Im Betretungsfalle ist mir unverzüglich Anzeige zu erstatten.
I. 2057. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 28. März 1894.
Die Gewährung von Unterstützungen zum Wiederaufbau abgebrannter Schulgebäude findet fortab nur dann statt, wenn diese Gebäude auch hinlänglich gegen Feuersgefahr versichert gewesen sind.
Die Herren Bürgermeister der Schulgemeinden des hiesigen Kreises haben mir daher bis zum 15. April d s. I s. berichtlich anzuzeigen, ob die vorhandenen Schulgebäude gegen Feuersgefahr versichert sind und die Versicherungssumme dem wirklichen Werthe entspricht.
I. I. Nr. 1949. Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i tz , Geheimer Regierungs-Rath.
Am 17. d. Mts., Abends gegen 7 Uhr, hat sich die unten näher beschriebene Portefeuillearbeiterin M a g d a l e n e P r e s b e r von Fechenheim ohne irgend welche Angabe aus
Dieses freundliche Zureden that mir so wohl, daß der böse Schmerz in meinem Kopse bald ganz erträglich ward und ich allmählich in einen leichten Schlaf verfiel.
2.
Das freundliche blaue Zimmer und Lisettes munteres Geplauder wirkten Wunder. Am drillen Tage konnte ich schon aufstehen und, in einen bequemen Armstuhl gebettet, eine Stunde am Fenster sitzen und Hinausschauen auf den schönen Park.
Ich glaube, Lisette hatte strengen Befehl von ihrem Herrn, mir so viel als thunlichst Gesellschaft zu leisten. Sie ging selten von mir und erzählte mir allerhand über Rodegg unb seine Familie. Er war der einzige noch Lebende von drei Geschwistern. Er hatte noch einen älteren Bruder und eine Schwester gehabt.
„Die sind beide so früh gestorben?" fragte ich mitleidig.
Lisette, offenbar nicht recht wissend, was sie antworten sollte, wurde sehr verlegen, aber so wenig wie ihre treuherzigen Augen lügen konnten, so wenig vermochten ihre frischen rothen Lippen eine Unwahrheit zu sagen.
„Nein," entgegnete sie endlich zaghaft; „viel
ihrer elterlichen Wohnung entfernt und ist bis jetzt noch nicht zurückgekehrt.
Es ist nicht ausgeschlossen, daß sich dieselbe ein Leid angethan, oder auch, daß ihr ein Unglück zugestoßen sein kann.
Die 2c. Presber wird beschrieben wie folgt: 17 Jahre alt, dunkelblonde Haare, braune Augen, volles rundes Gesicht, ist von kleiner kräftiger Statur und trägt braune Taille mit weiß und gelben Punktirstrichen, braun und grau gestreiften Lamarock, blau und weiß gestreifte Druckschürze, Zugstiefel und ist ohne Kopfbedeckung.
Um Anstellung der eingehendsten Nachforschungen nach der 2c. Presber, Anhaltung derselben im Betretungsfalle und umgehende Nachricht wird ergebenst ersucht.
Hanau, am 24. März 1894.
J. Nr.?. 2740. Königliche Polizei-Direktion.
Ausschreiben.
Am 17. d. Mts. logirte sich in einem hiesigen Hotel ein Fremder unter dem Namen Ernst Ahrens oder auch AhauS, Reisender aus Trier, ein und weiter angab er sei von Wächtersbach gebürtig. Nachdem er daselbst eine Zeche von Mk. 19/20 contrahirt, auch dem Kutscher des Hotels unter falschen Angaben noch 6 Mk. abgeschwindelt hatte, ging derselbe am 19. d. MtS. unter Zurücklassung eines fast noch neuen weißleinenen Stehkragens mit nmgebogenen Ecken und eines schwarzen Schlipses von hier flüchtig. Nach den näheren Feststellungen ist der Schwindler am letztgenannten Tage, Abends 925 Uhr mit einer Fahrkarte II. Klasse nach Frankfurt a/M. abgereist.
Der Schwindler, dessen Kleidung nicht näher angegeben werden kann, ist nngefähr 30 Jahre alt, ca. 1,70 m groß, hat dunkle Haare, langen dunklen Schnurrbart und auffallend große, stark gebogene Nase, derselbe sprach hiesigen Dialect und zeigte seine Manieren.
Es wird ergebenst ersucht, nach dem Flüchtigen die eingehendsten Nachforschungen anzustellen, denselben
leicht wäre es bester gewesen, Fräulein Marianne von Rodegg wäre gestorben, ehe sie Sünde und Schande über dieses Haus brächte."
Und wie ich in meiner Neugier weiter in sie drang, erzählte sie mir, soviel sie selbst von dem traurigen Ereigniß wußte, das sich lange vor ihrer Zeit auf bem Schlosse zugetragen hatte. Marianne von Rodegg mit ihrer schönen Gestalt, ihrem aschblonden Haar, ihren rehbraunen Augen war nicht nur der Vorzug ihres Vaters gewesen, sondern auch der Liebling Aller, die sie kannten, und als sie erwachsen war, fanden die Gesellschaften, die Diners und Soupers, die Bälle und Festlichkeiten, aus dem Schlöffe kein Ende. Die Damen bewunderten, die alten Herren verwöhnten und die jungen Herren vergötterten sie. Unter letzteren befand sich auch ein junger Franzose, dem es mit seinem schönen Gesicht, mit seinen schwarzen Augen und seiner bestrickenden Liebenswürdigkeit nicht schwer ward, der schönen Marianne ganzes Herz zu gewinnen. Er warb um sie bei dem Vater, und als dieser ihm als Antwort für immer verbot, sein Hans je wieder zu betreten, war der junge Mann am andern Tage verschwunden, aber mit ihm auch Marianne. Seitdem ist das Schloß hier wie umgewandelt; dem Vater brach bald darauf vor Kummer und