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Die Jusertiondgebühren betragen für den Raum einer Svalt,eile 10 Pigg im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Psg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

Hersfelüer greisblatt.

Mit wöchentlicher Gratis-VeilageJllnstrirtes SonntagsblaLL".

Mr. 81.

Dounerstagde»3. Mai

1894.

Amtliches.

Das Preußische Staatsschuldbuch ist auch in dem soeben abgelaufenen Geschäftsjahre seitens der Besitzer von Schuldverschreibungen der konsoli- birten Staatsanleihen lebhaft in Anspruch ge- nommen worden.

Die Zahl der eingetragenen Konten betrug am 31. März

1892: 12 039 über 687 645 700 Mk. Kapital, 1893: 14 295 - 848 777 050 Mk. sie ist bis zum 31. März 1894 auf

15 897 über 949 412 450 Mk. Kapital gestiegen.

Von den letztgedachten Konten entfallen 84,3 p/n auf Kapitalien bis zu 50 000 Mk. und 15,7 °/0 aus größere Kapitalsanlagen.

Für physische Personen waren am 31. März b. I. 10594 Konten über 457590400 Mk., für juristische Personen 2599 Konten über 312 969 000 Mk ein­getragen. Die Zahl der Konten über bevor­mundete oder in Pflegschaft stehende Personen ist im letzten Jahre von 946 auf 1022 gestiegen.

Von den Zinsen ließen sich die Empfangsbe- rechtigten halbjährlich 8637 Posten von der Staats- schulden-Tilgungskasse in Berlin durch Werthbrief oder Postanweisung direkt zusenden, 2173 Posten wurden durch Gutschrift auf Neichsbank-Girokonto berichtigt und 8096 Posten wurden bei den mit der Auszahlung beauftragten Königlichen Kassen ab­gehoben.

Von den Konteninhabern wohnen 13 545 in Preußen, 2161 in anderen Staaten Deutschlands, 147 in den übrigen Staaten Europas, 16 in Asien, 8 in Afrika und 20 in Amerika.

Das Staatsschuldbuch ist allen denjenigen Be­sitzern Preußischer Kousols zu empfehlen, für

hRacbdinck verboten.)

Im Strome des Lebens.

Roman von Jenny Piorkowska.

(Fortsetzung.)

Als ich endlich wieder zur Besinnung kam, drangen die Stimmen der Anderen wie durch dicke Gefängnißmauern zu mir. Ich hörte meinen Namen rufen und versuchte zu antworten, aber ein schwerer Alp erstickte meine Stimme.

Nach einiger Zeit hörte das Rufen nach mir auf, verschiedene Thüren gingen auf und zu, dann war alles still.

So schnell hatten sie es aufgegeben, mich zu suchen sie hatten mich vergessen! Aber sie sollten, sie mußten mich hören; und gewaltsam richtete ich mich auf; in demselben Augenblicke wurde auf die Thürklinke gedrückt, und ein Licht­schein siel in das Zimmer

Nodegg trat ein, aber sein bleiches, angstvolles Gesicht erstickte den Freudensausruf, mit dem ich ihm entgegeneilte.

Ich schaute um mich und ahlmete freier, als ich sah, daß wir zwei allein waren.

»Ich wußte, ich würde Sie hier finden," Hub Nodegg mit vor Aufregung bebender Stimme an, »was führte Sie hierher? Sind Sie allein?"

»Ja," stammelte ich,ach, bringen Sie mich fort von hier! Ich habe mich halb todt ge­ängstigt Victor ist nicht hier ich hatte ihn . ."

welche diese Papiere eine dauernde Anlage bilden und welche Kapital und Zinsen gegen den Schaden unbedingt sichern wollen, der ihnen, so lange ihr Recht von dein jeweiligen Besitze der Schuldverschreibungen und Zinsscheine ab­hängig ist, durch Diebstahl, Verbrennen oder sonstiges Abhandenkommen dieser Effekten nicht selten entsteht.

Laufende Vermaltnugskosteu werden von den Konteninhabern nicht erhoben. Für jede Einschrift ist ein einmaliger Betrag von 25 Pfennig für jede angefangene 1000 Mk. des Kapitalbetrages, über welchen verfügt wird, (min­destens 1 Mk.) zu zahlen.

Die von uns veröffentlichtenA in t l i ch e n Nachrichten über das Preußische S t a a t S s ch u l d b n ch", welche über Zweck und Einrichtung des Sckuldbuchs Genaueres ergeben, können durch jede Buchhandlung oder direkt von dem Verleger I. G u t t e n t a g, Berlin, für den Preis von 40 Pf. ober durch die Post franko 45 Pf. bezogen werden.

Berlin am 11. April 1894.

Hauptverwaltung der Staatsschulden.

Wchtamklichrs.

Aus Fest im Httiimkifghrt

Jesu Christi ist ein hohes Freuden- und Sieges- fest der Christenheit; in ihm werden Himmel und Erde, die durch die Sünde so lange und so weit auseinander gerissen, wieder eins. Der Himmel neigt sich zur Erde nieder, und die Erde verbindet sich mit dem Himmel zu unauf­löslicher Gemeinschaft. Seitdem der auferstandene Heiland in den Himmel eingegangen, ist die Brücke

Plötzlich erstarb mir das Wort auf den Lippen ich hatte mein Geheimniß verrathen!

Besser er ist fort," entgegnete Nodegg ohne irgend ein Zeichen der Ueberraschung,er hätte hier nicht langer verborgen bleiben können. Um Ihretwillen will ich wünschen, daß er in Sicher­heit ist. Bester er wäre früher geflohen, ich hätte Ihnen behilflich sein können, aber Sie wollten mir ja nicht vertrauen. Glauben Sie wirklich," fuhr er mit halb bitterem, halb innigem, halb melancholischem Ausdruck fort,glauben Sie wirklich, ich hätte nicht gewußt, daß Sie ihn in meinem Hause bergen und inmitten sorgloser lustiger Menschen, mehr als Todesqualen litten? O, Kind, sprach er weiter, indem er seine Hand auf meine Schulter legte und mir in die Augen sah,ich kenne den Ausdruck dieses Gesichtes besser als mein eigenes. Hätte ich nicht von der ersten Stunde von Doktor Feudlers Ermordung au auf Blanchard Verdacht gehabt, Ihre Züge hätten es mir verrathen. Und Tag und Nacht habe ich seitdem gearbeitet, um jedwede Spur von ihm opulenten.Beruhigen Sie fürchten Sie nicht für ihn; jetzt wird er bereits die Grenze, wo ihm noch Gefahr drohen könnte, hinter sich haben."

Ich brach in bittre Thränen aus; als ob ich-, nun Victor gerettet war, keinen Kummer mehr hätte; war es doch erst der Anfang eines Lebens voll tausend solcher Stunden wie diese!

von der Erde zum Himmel geschlagen, die Bahn zum Himmel uns frei gemacht, die Jakobsleiter wieder aufgerichtet, die Himmel und Erde ver­bindet und auf der die Engel Gottes auf- und niedersteigen. Darum finget die Gemeinde fröhlich: Auf Christi Himmelfahrt allein ich meine Nach- fahrt gründe".

Siegreich war der gekreuzigte, gestorbene und begrabene Heiland der Welt am Ostermorgen hervorgegangen aus dem Dunkel des Grabes, denn es war unmöglich, daß der sollte vom Tode gehalten werden, der das Leben hat in ihm selber. 40 Tage noch wandelt er in verklärtem Leibe mit den Seinen, sie lehrend, ermahnend, strafend, tröstend. Dann aber erschien der herrliche Tag, an welchem er auffahren sollte zu seinem Gott und zu unserm Gott, zu seinem Vater und zu unserem Vater.

Gen Bethanien hin, nach dem Gipfel des Oelbergs führt er seine Jünger. Das war der Berg, an dessen Fuße er vor wenigen Wochen erst im stillen Sart^u von Gethsemane in tiefster Erniedrigung auf sein Antlitz niedersank und den Kelch des Leidens trank. Welch eine Wendung! Aus der Höhe desselben Berges spricht er jetzt in königlicher Majestät zu den Seinen:Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden", verheißt ihnen die Kraft des heiligen Geistes nicht lange nach diesen Tagen, segnet sie mit ausgebreiteten Händen und fährt auf vor ihren staunenden Augen zum Throne seiner Herrlichkeit.

Zu seinen Boten und Zeugen an die Welt und vor der Welt macht er seine Jünger in dieser bedeutungsvollen Scheidestunde, giebt ihnen ein heiliges, hohes Vermächtniß, sendet sie aus an die große, schwere, aber auch selige Arbeit der Verkündigung des Evangeliums bis an das

Armes Kind, es ist ein hartes Loos! Wie gern hätte ich Sie davor bewahrt, wenn ich ver­mocht hätte."

Ach, ein mehr als hartes Loos!" schluchzte ich,ach, wenn Sie nur wüßten . . ."

Ich weiß, ich weiß, daß Sie sich in dem Mann, den Sie lieben, getäuscht haben; ich weiß aber auch, daß Sie eben deshalb ihr Ideal, nun es herabgesunken ist von seinem Piedestal, wenn möglich noch inniger lieben als zuvor. Glauben Sie mir, ich fühle mit Ihnen; solchen Kummer heilt die Zeit, weit mehr ist der Mensch zu be­klagen, der ungeliebt und »»beglückt dahinleben und zusehen muß, wie eine unwürdige Hand nach dem Juwel greift, daß Jenem den Himmel auf Erden bereiten würde."

Vielleicht weiß ich das ebenso gut wie Sie." schwebte mir als Antwort auf den Lippen, aber schweigend verbarg ich mein Gesicht in den Händen und wandle mich ab.

Er verstand mich nicht.

Warum wollen Sie es so schwer nehmen?" suhr Nodegg fort;ein, zwei Jahre der Trennung sind schnell verflogen, oder waren Sie nicht auf seine Flucht vorbereitet ? Hat er Ihnen nicht Lebewohl gesagt?"

Nein," sagte ich, froh, für meine Thränen eine Entschuldigung zu haben,ich ahnte ja nichts von seiner Flucht."

IAber vielleicht hat er Ihnen einen Bries,