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7 if Jiisertionegebähreu belragrn für den Raum einer Spaltzeile 10 Psg., im amtlichen Theile 15 Psg. R> klamen die Zeile 20 Psg.

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11 r. 58.

Dienstag den 22. Mai

1894.

Amilichrs.

Hersfeld, den 18. Mai 1894.

Die Herren Ortsvorstände erhalten die Auflage, dafür Sorge zu tragen, daß die auf den Wege­zügen lagernden Rollsteine abgelesen werden und die noch nicht vollständig gedeckten Steinbahndecken, vollständig mit Sand ic. nachgedeckt werden, da­mit auf diese Weise das Einsahren der Sterne bewirkt wird.

Die fraglichen Arbeiten müssen bis zum 3 0. d M l s. ausgeführt sein.

I. I. Nr. 2859. Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i ^ , Geheimer Regierungs Rath.

Hersfeld, den 11. Mai 1894.

Aus Anlaß eines Spezialfalles werden die l a n d w i r t h s ch a f t l i ch e u B e t r i e b s n n t e r - nehm er hierdurch besonders darauf aufmerksam gemacht, daß die Hessen-Rassauifche landwirth- schaftliche Berufsgenossenschaft auf Grund des § 117 des landwirthschaftlichen Unsall-Ver- sicherungsgesetzes vorn 5. Mai 1886 künftig alle Aufwendungen von demjenigen BetriebSnnter- nehmrr zurückfordert, welcher einen Unglücksfall durch die N i ch t a n b r i 11 gung v 0 nS ch u tz - v a r r i ch t u n g e n bezw. unter AußeraUlassung der ihm in Ansehung seines Berufes obliegenden besonderen Anfmerksämkeit schuldhafler- und fahr- ,lässigerweise herbeiführt und verursacht. Unter diesen Aufwendungen sind nicht nur alle K 0 st e n des Heilverfahrens, welche durch einen derartigen Unfall entstehen, verstanden, sondern auch die dem Beschädigten auf Grund des Ge­setzes zu gewährende R e n t e wird znrückgefordert, soweit es die Vermögensverhältnisse des Schuldners gestatten. Zur Geltendmachung dieses Regreß-

(Nachdruck »erboten.) In dev ^^imelfteren

Vaterländische Erzählung von

3 o e von R eu H. (Fortsetzung.)

Es galt nun, dem Vater Mittheilung zu machen, welche Pflicht Friedrich zufiel. Das war schwer genug. Der Vater machte große, verwunderte Augen, als ihn der Sohn um eine Unterredung unter vier Augen bat, schickte aber die zitternde Gattin hinaus, um den Sohn anzuhören. Dann war er gewaltig aufgefahren über denStotterer" fo daß Friedrich bald am Ende feiner Bered­samkeit stand. Endlich war die Sache aber doch aus Licht gekommen, denn Mißtrauen und Arg­wohn hatten den Verstand des Majors geschärft. Er war überzeugt, daß die Sache desDuck­mäusers" auf eineInfamie" oder einendummen Streich" heranslief, undhatte sich nicht getäuscht." Nach einem großen Zornansbruck hatte er sich aber beruhigen lassen von dem Sohne und der berbeipeeillen Gattin. Er besaß einen stillen Respekt vor der Nichte, die aus untadliger Familie, und einewohlanständige junge Dame" nr' Dazu besaß sie neben manchem hübschen Schmuckstück auch ein Kapital, das eine anständige Aussteuer ermöglichte, als Erbtheil ihrer Eltern. Im Grunde genommen machte derDuckmäuser"

rechtes ist der Genossenschaftsvorstand nach einer Entscheidung des Reichsversicherungsamts zu Berlin sogar verpflichtet.

Den Genossenschaftsmitgliedern wird hiernach in ihrem eigenen Interesse dringend angerathen, fortab insbesondere bei Arbeiten, mit welchen be­sondere Gefahren verbunden sind, z. B. an Scheunen- luken, bei Fuhrwerk u. s. w. die größte Vor­sicht und Aufmerksamkeit malten zu lassen.

Die Herren Ortsvorstände haben Vorstehendes in den Gemeinden bekannt machen zu lassen.

A. 1351. Der Sektioiis-Borstüiid:

Freiherr von S ch l e i n i tz, Geheimer Regierungs Rath.

Nichtamtliches.

t Agrarische Asnferenz.

Der Landwirthschaftsminister hat auf Montag, den 28. Mai dieses Jahres und die folgenden Tage nach Berlin eine Konferenz einberufen, die über Maßregeln zur Abhilfe der Roth der Laud- wirlhschaft berathen soll. Eine Anzahl von Parla­mentariern, Hökern Beamten, Professoren u. s. w., die zn den hervorragendsten Sachverständigen gehören, hat hierzu Einladungen erhalten. Wie das Einladungsschreiben besagt, legt die weit verbreitete Nothlage der Landwirthschaft der StaalS- regierung die Verpflichtung aus, alle Diejenigen Maßnahmen in Erwägung zu nehmen, welche znr Erhaltung und Kräftigung des ländlichen Grund­besitzes und der heimischen Landwirthschaft zu dienen geeignet sind. Die Vorarbeiten für die gesetzgeberische Verfolgung dieses Zieles sind im Landwirlhfchaftsministerium in Angriff genommen. Bei der Tragweite dieser Arbeiten ist es erwünscht,

ein ganz unverschämtes Glück. Darum begrüßte er Lotte mit wohlgesetzten Worten als Tochter, indem er sie in seinem Hause auf immer will­kommen hieß .... Ja, er wäre am liebsten selbst in den Keller hinabgestiegen, um eine der in der Mauernische lagernden, spinnwebumzogenen Flaschen heranfzuhole», welche er nicht als zu gut fand, um die Gesundheit des Brautpaares darin zu trinken. Leider gestattete es aber die Lahmheit nicht. Doch ließ er das Brautpaar am Familientische hoch leben, indem er, die Verhand­lungen abschließend sagte:

Es versteht sich ganz von selbst, daß gegen­wärtig kein Gerede gemacht wird in der Stadt von der Verlobung. Die Leute würden mit Recht die Köpfe schütteln über die Heirathsgedanken jetzt, wo die Franzosen im Lande sind, und der Krieg wieder vor der Thüre steht!"

Heiratheu ist kein Vergnügen," seufzte die Majorin.

Ich meine, daß die Kriegszeiten vor jeder anderen Zeit geeignet sind, das Weib nach Schutz verlangen zu lassen," sagte Friedrich und sah nach Charlotte hinüber, die neben der Majorin und ihm gegenüber saß, an bem Platze, an welchem sie immer gesessen hatte. Auch nickte sie ihm freundlich zu . . . Darum setzte er hinzu: Wir hoffen Dich noch zu überzeugen, daß es so das beste ist, lieber Vater!"

Heirathet Euch! meinetwegen! Aber es

zunächst einzelne Fragen vorzugsweise aus dem Gebiete des Erbrechts und des Kredit­wesens, von Männern der Wissenschaft und Praxis in einer Konferenz erörtert zu sehen. Das Berathungsprogramm erstreckt sich demgemäß haupt­sächlich auf die Maßregeln gegen die Ueber- schuldung des ländlichen Grundbesitzes, so daß insbesondere folgende Fragen erörtert werden sollen: a) Bekämpfung der fortwirkenden Ursachen der Verschuldung (1. Belastung des Grundbesitzes mit Erbaniheileu, 2. übermäßige Belastung des Grundbesitzes mit Kaufrestgeldern und Schulden anderer Art in Folge unbeschränkter Verschuldbar- teit); b) Beseitigung der vorhandenen Ueber- schuldung. Das ArbeitSprogramm zur Klärung verschiedener Agrarfragen umfaßt folgende Fragen: 1. die landwirthschaftliche Krisis in ihren Haupt- erscheinungsformen; 2. die Hauptursachen der Krisis (Sinken der Reinerträge, zu starke Inan­spruchnahme fremden Kredits); 3. Schuld und Ge- sahren dieser Entwickelung (wirthschastliche und soziale); 4. Mittel zur Abhilfe. Auch der Finanz­minister wird sich an den Berathungen betheiligen.

In den Kreisen der Landwirthe ist die Nachricht von dem Vorgehen der Regierung mit Genug­thuung begrüßt worden, und auch die sogenannte agrarische Presse, die der Handelsvertragspolitik abhold war, kann sich nicht mehr der Erkenntniß verschließen, daß es die Regierung mit der Land- wirthschaft treu meint und ihren berechtigten Klagen Verständniß uno Berücksichtigung entgegen- bringt; sie hat die dargebotene Friedenshand freudig angenommen und erkennt, daß sie am ehrlichen Willen der Regierung nicht länger zweifeln dürfe.

ist die Pflicht des Unterthanen, in dieser Zeit alles Gepränge zn meiden. Ich habe nichts dagegen, wenn Ihr bald Hochzeit macht eine lange Brautschaft taugt nicht!"

Friedrichs Augen leuchteten hell aus.

Aber natürlich geschieht das Hochzeitmachen in aller L-tille. Vier Wochen vorher können es die Leute erfahren, daß Ihr ein Paar seid, und wenn der Ansstattnugströdel fertig ist, kannS losgehen. Ein langer Brautstand zerstreut und macht üble Gedanken!"

Das Gesprächsthema wechselte und behandelte wie gewöhnlich die Tagesereignisse, über die Friedrich Rapport erstattete. Um zehn Uhr trennte man sich, wie immer, nachdem das Paar feierlich den Brautkuß ausgetauscht hatte. Als Lotte in ihr Kämmerchen kam, in welchem sie während der letztvergaugenen Tage manche stille Thräne geweint, war sie ruhig und fast heiter. Ueber der Kommode, welche ihre Habseligkeiten enthielt, hingen in ziemlich großem Format die Schattenrisse der Eltern. Dieschwarze Kunst", selbst wenn sie mit Kunst und Geschicklichkeit aus­geübt ward, gab nur eine sehr unvollkommene Vorstellung der dargestellten Personen. Dennoch hatte Lotte ein Gefühl, als ob sie in Wahrheit zu Vater und Mutter aufblickte, und als ob sie ihr ;uftimmeub zulächelten.

Friedrichs bisherige Wohnung lag über den Stallgebäuden, und bestand aus einer Stube für