(^scheint wöchriiNich brei M.il Tifiinafl, Toiuictilnfl nnb Sonimbntb.
AbonnemcnteprciS
vic> teljährlich 1 Mark 40 Psg. exel.
Postaiifschtaft.
Die JiiscrtionSgebühren briraßen für den Raum einer Spaltzeile 10 Psg., im amtlichen Theile 15 Psg. Reklamen die Zeile 20 Psg.
Bei größeren Austragen entsprechender Rabatt.
Hersseliiel Kleisbiiltt.
Mit wöchentlicher Gratis-Beilage „Jlluftrirtes Sonntagsblatt".
Mr. «8.
Donnerstag den 14. Juni
1894.
Amtliches.
Hersfeld, den 12. Juni 1894.
Nachstehend werden die Vorschriften des Ministerialausschreibens vom 24. Dezember 1828 (Kurhess. G. S. S. 59) durch theilweisen Neu- abdruck veröffentlicht bezw. in Erinnerung gebracht.
Die Ortspolizeibehörden und die Gendarmerie des Kreises haben für gehörige Beachtung dieser Vorschriften Sorge zu tragen, damit Unglücksfälle, für welche nach dem Ausschreiben vom 11. Mai b. I. A. I. Nr. 1351 (Kreisblatt Nr. 58) landwirth- schaftliche Betriebsunternehmer haftbar gemacht werden können, möglichst vermieden werden.
A. 1582. Der Königliche Laudrath
Freiherr von S ch l e i n i tz , Geheimer Regierungs-Rath.
* *
*
Ausschreiben des Staatsministeriums, vom 24. Dezember 1828, über die Verwahrung der Scheunen- luken sowie gewisser Bodenlöcher.
Nach einem Negierungs - Ausschreiben vom 24. Februar 1821 sollen die Luken, welche in den Scheunen zum Aufziehen und Hinabwersen der Früchte und des Viehfutters dienen, mit einem drei Fuß hohen Geländer nebst einer Klappe versehen sein. Diese Vorschrift verfehlt aber besonders dann leicht ihren Zweck, wenn jene Gegenstände höher als das Geländer reicht, aufgebanzt sind; auch veranlaßt dieselbe dem Landmanne Kosten, welche durch einfachere Vorrichtungen großentheils erspart werden können. Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben daher allergnädigst beschlossen, daß statt der gedachten Verwahrung der im Innern der Scheunen befind- l i ch e n L u k e n jede die bezweckte Sicherung wider U n g l ü ck s f ä l l e herbeiführende Ein
(Nachdruck verboten.) In der pdftmeifierei.
Vaterländische Erzählung von
3 o e von Neust.
(Fortsetzung.)
„Und diese Politik, die alles verdirbt," forschte Gräfin Eulalia weiter. „Was giebts Neues?"
„Wenig, nichts!" sagte Baron Falkenhansen, „'s ist halt unheimlich still. Aber 's wird los- brechön!"
„Vielleicht — weiß ich etwas," sagte Gräfin Eulalia und zog ihren Brief hervor.
„Wieso?"
„Ich empfing heute einen Brief aus Warschau. Es steht mancherlei barin — sehr Verschiedenartiges . . ."
„O, geben Sie!"
Gräfin Enlalia verzog noch etwas. Aber die lachenden Augen des Jagdjunkers hatten sie zum Entschluß gebracht, Graf PoninSki'S Heiraths- antrag abzulehneu: so reichte sie dem Baron das Schreiben.
Dieser über flog den Brief, überging die vorstehende Werbung fast mit Gleichgültigkeit, um den Schluß mit gespanntester Aufmerksamkeit zu lesen. Er lautete in französischer Sprache:
„Ich kann dies Bekenntniß meiner respektvollen Verehrung nicht schließen, theuere Gräfin, ohne 1
richtung zugelassen werden solle, namentlich mittelst Latten oder gerader Reitel, welche nach beut Bedürfnisse bald höher, bald niedriger eingesteckt werden in eiserne Krampen oder in eingestemmte Fugen oder sonst in zweckmäßige, z. B. durch nusgenagelte Holzstücke gebildete, Löcher an Standoder Rüstbäumen oder Stollen von genügender Stärke.
Ferner soll dem lebensgefährlichen Herab fallen aus Bodenlöchern oder Luken nach Außen der Scheunen, Frucht-, H e u -, F u t t e r - u n d d e r g l e i ch e u Böden, welche mit keiner gehörigen Fensterbank oder Schalter, oder nur mit einer sehr niedrigen Schutzwehr versehen sind, dadurch besser vorge- beugt werden, daß dieselben mit einem eingefugten oder sonst gehörig zu befestigenden und nach Erfordern herauszunehmenden Querbalken (Riegeln) oder starken Reitel in einer Höhe von mindestens 21 /.2 Fuß über dem Fußboden befriedigt werden sollen.
(2C. 20.)
Castel, am 24. Dezember 1828.
Kurfürstliches Staatsministerium. (Unterschriften.)
Hersfelo, den 11. Juni 1894.
Am Donnerstag den 28. Juni d. Js. Vormittags to tthr findet im Saale des hiesigen städtischen Rathhauses eine Kreistagssitzung statt.
Tagesordnung:
1. Wahl von Mitgliedern der Einkommensteuer- Veranlagungs-Eommission infolge Ausscheidung der Hälfte der Mitglieder derselben nach Maßgabe des § 34 des Einkommensteuergesetzes vom 24. Juni 1891.
2. Beschlußfassung über eine etwaige Bewilligung von Verpflegungskosten (^/^ von 360
der Befürchtung zu gedenke», welche alle Patrioten um die geheiligte Person des Kaisers Napoleon erfüllt. Die Niedertracht der Rüsten, welche Moskau zu einem Trümmerhaufen gemacht haben, und die Strenge des Winters bereiten dem Kaiser große Schwierigkeiten. Man erwartet ihn in Warschau, auf der ätüdreife nach Frankreich, wo er ein neues Heer bilden will, er rechnet darauf, daß ihm die Völker Sachsens, voran der König, sein Bundesgenosse, dazu behülflich sein werden. Sicher dürfe» Sie ihn bald in Dresden erwarten . . . ."
„Die Reise ist eine Flucht!" triumphirte Baron Falkenhausen und ließ den Brief sinken. „Wie ich'ö auch überlege — nein, 's ist halt nichts anderes!" schloß er scharfsichtig.
„Und was ist dabei zu thun?"
Der Jagdjunker verzog etwas mit der Antwort, dann sagte er lächelnd:
„Erlauben Sie, Gräfin, daß ich Ihnen das Spiel aus der Hand nehme, das man Ihren schönen Händen anvertrauen möchte?"
„Ich verstehe Sie nicht vollkommen!"
„Glauben Sie, daß Ihr polnischer Graf am Schlüsse seines Heirathsantrages mit seiner „zufälligen" Mittheilung etwas anderes bezweckte, als Sie halt zu einem reizenden Werkzeug seiner Politik zu machen?"
„Wieso?"
„Durch Ihren schönen Mund soll die Nach
bis 400 M.) für die in einer Anstalt behufs ihrer Ausbildung unterzubringende blinde Magdalena G r e b e zu Frielingen.
3. Clafsifizirung einiger für den hiesigen Kreis in Anregung gebrachter Landwege- 2c. Projekte nach ihrer Dringlichkeit.
4. Begutachtung des Projekts über den Bau einer neuen Brücke über die Fulda bei Kerspenhausen und Beschlußfassung über die Aufbringung rc. der Hälfte der auf 32000 M. veranschlagten Kosten durch die Interessenten rc. (Kreis und Gemeinde).
I A. 92r. 1560. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Politische Nachrichten.
Berlin, 12. Juni.
Heute früh um 73/, Uhr empfing Se. Majestät der Kaiser den Geheimen Kommerzienrath Krupp aus Essen und nahm darauf den Vortrag des Kriegsministers, General der Infanterie Bronsart von Schellendorff, entgegen. Von 9 Uhr ab besichtigte Allerhöchstderselbe auf dem Bornstedter Felde das erste und dritte Garde- Ulanenregiment. Nach dem Schlüsse der Besichtigung nahm Se. Majestät auf dem Bornstedter Felde eine Reihe militairischer Meldungen entgegen und folgte sodann einer Einladung des Offizierskorps des dritten Garde-Ulanenregiments zur Frühstückstafel im Kasino desselben zu Potsdam.
Se. Majestät der König von Schweden und Norwegen trifft, den bisherigen Be- stimmungen gemäß, am Donnerstag den 14. b. M. Nachmittags auf der Station Drewitz bei Potsdam ein und wird sich von dort zunächst nach
richt von der Ankunft des Kaisers zuerst ver- I breitet werden, als ein interessantes und freudiges । Ereigniß. Als solches gelaugt sie zu den Ohren seiner durch Ehrenbezeugungen und Geschenke bestochenen Kreaturen, welche sie dem König unterbreite» — in ihrem Sinne. Damit ist das Feld gepflügt und die Saat ausgestreut. Wenn der Kaiser Napoleon kommt, ist die Ernte reif!"
„Wär's möglich? O, Sie haben Recht!" bewunderte die Gräfin.
„Die Politik des Königs ist halt erklärlich," fuhr der Jagdjunker fort. „Durch die französische Bundesgenossenschaft rettete er das Land! . . . Drüben in Preußen ward das Beispiel schimpflichster Feigheit und Rathlosigkeit gegeben, und von Oesterreich war halt auch nicht viel zu erwarten! Aber man hat sich besonnen, hauptsächlich durch die Sieger selbst ist die Einsicht gekommen! Der König darf nicht weiter gehen —"
„Was soll ich machen, Baron? Sprechen Sie!" Wieder sann Baron Falkenhause» nach, dann sagte er mit schelmischem Lächeln:
„Sie haben Talent zu allem Möglichen, Gräfin, aber ich zweifle, daß Sie Talent zur Politik besitzen, reizende Schwärmerin! Sie bereiten neu Musen ein Heim, arrangire» reizende Siebenten, spielen selbst die Phadrä herrlich, und helfen Amor allerliebste Herzensbündnisse stiften. Ist das nicht genug? Ich überlasse Ihnen das Theater — das Welttheater, wo die Politik ge-