Erschcmt wöchentlich drei Mal Dienstaq, Donnerstaq und Sonnabend.
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Herssel-el Kreishlitt.
Mit wöchentlicher Gratis-Beilage „Jlluftrirtes Sonntagsblatt".
Mr. 76. Dienstag den 3. Juli 1894.
Ifoiiiinrt-jinl^
Bestellungen auf das Hersfelder Kreisdlatt
mit der wöchentlichen Gratis-Beilage
,,Jllnstrirtes Sonntags-Blatt^ pro III. Hnartak werden noch von allen Kaiserlichen Postaustalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 30. Juni 1894.
Gemäß Artikel 40 1 2 der AusführungS- anweisung zum Einkommensteuergesetz scheiden die sämmtlichen Mitglieder und stellvertretenden Mitglieder der E i n k o m m e n st e n e r v o r e i n s ch ä tz u n g S - k o in m i s s i o n e n des V e r a n l a g u n g s - bezirkes Hersfeld in diesem Jahre aus diesen Kommissionen aus.
Die Herrn Orts- (Guts-) Vorstände des Kreises haben daher sofort wegen der Wahlen das Erforderliche zu veranlassen und mir die Wahlverhandlungen bis spätestens einschl. zum 14. Juli -. Js. bei Meldung der Zusendung eines Warteboten vorzulegen.
Bezüglich der Zusammensetzung und Bildung der N o r e i n s ch ä tz u n g S kommt s s i o n e n u. s. w. verweise ich auf meine Bekanntmachung vom 29. August 1891 I. Nr. 8861 (Kreisblatt Nr. 104/1891).
Der Vorsitzende der Einkommensteuerveran- lligungskommission des Kreises Hersfeld:
Freiherr von S ch l e i n i tz , Geheimer Regierungs-Rath.
I. 111. Nr. 2061.
In der Oostmeisterei.
Vaterländische Erzählung voll
' Z o 6 v o n R e ll ß.
(Fortsetzung.)
„Ein — Mädel? Ist die Möglichkeit!" klingt es im Chor zurück, neugierig, anzweifelud.
Die Umstehenden drängen sich näher heran, voran die Handfeste Cordel, die sich mit dem Suppenlöffel, mit dem sie die Milchsuppe ausgetheilt, Bahn bricht. „Jesus Maria, 's ist ja die Muihel, die ihrer Mutter davon gelaufen ist!" ruft sie überlaut und stürzt ins Haus zurück, um die unglaubliche Neuigkeit zu melden.
„Die - Muthel?" fragt Anton Kalnik, der Herdeigekommeu ist, um zu helfen. „Sie ist wirklich in den Krieg hineingeraunt? — Die Zigeunerin! Bist Du's wirklich, Herzchen?" drängte er sich heran. „Sie ist — todt!" klagte er heulend.
In diesem Augenblicke schlägt Muthel die Augen aus und sieht sich um, zuerst geistesabwesend, dann aber' scheint sie ihre Umgebung zu erkennen, denn ein leises Lächeln gleitet über ihr blasses Gesicht.
I , Des Königs Majestät haben mittelst Allerhöchster Ordre vom 4ten d. M. dem Verbände der Oberbadischen Zuchtgenossenschaften die Erlaubniß zu ertheilen geruht, zu der öffentlichen Ausspielung von Zuchtvieh, die bei Gelegenheit des am 15. September d. Js. in Radotszell stattfindenden Zentralzuchtviehmarktes mit Genehmigung der Grobherzoglich Badischen Regierung veranstaltet werden soll, auch im diesseitigen Staatsgebiete, und zwar im Regierungsbezirke Sigmaringen, in der Rheinprovinz und in den Provinzen Hessen-Nassau und Sachsen, Loose zu vertreiben.
Indem ich dies hiermit zur öffentlichen Kenntniß bringe, ersuche ich die Polizeibehörden, den Vertrieb der Loose im diesseitigen Regierungsbezirke nicht zu beanstanden.
Cassel am 21. Juni 1894.
Der Negierungs-Präsident. J. V.: v. Pawel.
Gesunden: eine Kette. Meldung des Eigen- thümers bei dem Ortsvorstand zu Oberhaun.
Politische Nachrichten.
Berlin, 1. Juli.
S e. Majestät der Kaiser nahm gestern in Kiel den Vortrag des Chefs des Geheimen Civilkabiuets, Wirklichen Geheimen Raths Dr. v. Lucauus entgegen.
Aus Lübeck, 30. Juui, meldet „W. T. B.": Bei der gestrigen Seeregatta Kiel - Travemünde erhielt die von Sr. Majestät dem Kaiser geführte Jacht als schnellstes Boot den Kaiserpreis. Se. königl. Hoheit Prinz Heinrich errang mit seiner Jacht „Irene" in Abtheilung 1 b den zweiten Preis. Die Regatta, an welcher sich 31 Jachten betheiligten, nahm bei sonnigem Wetter einen prächtigen Verlauf.
Aus Kiel, 30. Juni, liegt folgendes Telegramm des „W. T. B." vor: Se. Majestät der
„Willst zur Mutter?" fragt Anton Kalnik.
Sie nickt stumm.---—----—
Zwei volle Tage schon lag die schwerver- wundete Muthel in der zum Wohnraum eingerichteten Abtheilung des Wagenschuppens, nach welchem man sie transportirt hatte. Er bildete noch immer die Wohnung der blinden, von einer gutmüthigen Nachbarin und Anton Kalnik verpflegte Mutter.
Auch Charlotte kam zuweilen, um sich nach der Verlassene» unizusehen. Augenblicklich war die Hülfübedürftige nothgedrungen die einzige Pflegerin der Tochter, auch ließen Gewohnheit, Nothwendigkeit, und ein mehr und mehr sich entwickelnder Tastsinn die Alte ganz geschickt in dem gewohnten Raume hautiren.
Sie hob den Hirsebrei von der Feuerstelle, b(ieö hinein, um ihn abzukühlen, und trat damit an Muthels zerwühltes, blutgetränktes Strohlager heran. „Willst ein Brei?" frug sie, „Brei und Ziegenmilch? hier hast ein Löffel!"
Die kranke Tochter richtete sich mit großer Anstrengung etwas in die Höhe, und aß wirklich ein paar Löffel voll. Es war eigentlich die erste | Nahrung, die Muthel zu sich nahm. Wiederholte
Kaiser ist an Bord der „Hohenzollern" Nachts 21 /a Uhr von Travemünde hierher zurückgekehrt und empfing um 8 Uhr den Reichskanzler Grafen Caprivi.
S e Majestät der Kaiser hat den Botschafter, Grafen Münster, mit Allerhöchstseiner Vertretung bei dem Leichenbegängniß des Präfi- denten Carnot beauftragt und denselben angewiesen, in Allerhöchstseiuem Namen einen Kranz auf den Sarg des verstorbenen Präsidenten niederzulegen.
Wie aus Kiel gemeldet wird, lud Se. Majestät der K a i s e r am Freitag den hier anwesenden französischen Botschafter Her bette bei 'dem Diner an Bord der „Hohenzollern" zu einer Besichtigung der Anlage und Bauten des Nordostseekanals in huldvollster Weise ein. Der Botschafter begab sich zu diesem Zweck in Begleitung des Geheimen Negierungsraths Löwe, Vorsitzenden der Kanalkommission, auf einem Regierungsdampfer bis jur großen Schleuse, besichtigte mit großem Interesse die dortigen Bauten, zu denen Geheimrath Löwe die erforderlichen Informationen gab, und kehrte nach 3'/., staubiger Fahrt nach Kiel zurück, um sodann die Rückreise nach Berlin anzutreten.
Am Sonntag, 1. Juli, Mittags 1 Uhr, fand in der St. Hedwigs-Kirche eine Gedächtniß- feiet für den verewigten Präsidenten der französischen Republik, Herrn Sadi Carnot, statt. Zu dieser Feier waren Einladungen ergangen an die Reichs- und Staatsbehörden, die Obersten und Oberen Hofchargen, das diplomatische Korps, die Vertreter der städtischen Behörden und Körperschaften, so wie an die Mitglieder der hiesigen französischen Kolonie, und die Personen, welche aus Anlaß des Trauerfalles ihre Karten auf der Botschaft abgegeben oder ihre Namen in die daselbst ausgelegten Listen eingetragen haben.
Im „Reichs- und Staatö-Anzeiger" wird der Entwurf eines Gesetzes zur R e v i s i o n des Strafprozesses nach den vom Bundesrath
Ohnmachten, als Folge eines starken Blutverlustes, ließen für ihr Leben fürchten. Augenblicklich war sie etwas gestärkt, und ließ sich von der Mutter allerlei berichten. Aber bald schien sie doch nicht mehr zuzuhören, und frug unvermittelt: „Mutter, ist der junge, gnädige Herr zurückgekehrt ?"
„Welcher, Mädel?"
„Friedrich! — Wer sonst? Nach dem andern frag ich nicht —"
„Nein! Was willst mit ihm?"
„Dann - - ist er todt!" rief Muthel mit schmerzlichem Aufschrei, und ließ den Löffel fallen
— „todt! Ich will auch sterben!"
„Schändliche Dirne, willst mich wieder allein lassen im Ofenloche?" klagte die Mutter.
„Um ihn ging ich davon — auch in den Krieg! daß Du's endlich weißt!"
„Und nun bist eine Soldatendirne geworden — ja, so heißen sie dich! Einerlei ob'S wahr ist-----Wie bist nur hineingekommen in den Krieg?"
„Ich war Magd beim Marketender und seiner Frau. Ich hatt'S auch nicht arg schlimm bei thuen, besser als daheim, Und als die Soldaten merkten, daß ich mit wehren konnte, mit den