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Hersfeliler Krtishlitt.
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Ur. 77.
Donnerstag den 5. Inli
1894.
DsllNtiiltülsLillaiiWg.
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Politische Nachrichten.
AnS Kiel, 2. Juli, wird gemeldet: S e. M a j e st ä t der Kaiser und Ihre M a -- je st ä t d i e Kaiserin haben heute Vormittag um l03/4 Uhr an Bord S. M. Pacht „Hohen- zollern" unter dem Salnt der Kriegsschiffe die Nordlandreise angetreten. Die „Hohenzollern" war heule Morgen von Travemünde hierher zu- ruckgekehrt. Vor der Abfahrt stattete Se. Majestät der Kaiser dem Admiral Montagu auf dessen Dampfyacht „Mirage" einen Besuch ab; auch Ihre königl. Hoheiten Prinz und Prinzessin Heinrich verabschiedeten sich auf der „Mirage" und der „Viking". Die Rennyachten „Meteor" und „Irene" waren eingeschleppt worden und zeigten die Zahl ihrer Siege durch Raceflaggen an.
Die vor Kurzem verbreitete Zeitungsnachricht, daß Ihre Majestät die Kaiserin die Nordlandreise bereits in Malmö abbrechen werde unb schon von dort aus die Rückreise anzutreten gedenke, ist unzutreffend. An der ursprünglichen Bestimmung, daß Ihre Majestät Se Majestät den Kaiser bis nach Trondhjem auf der 9iorb=
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Vaterländische Erzählung von
Zo 6 von N e u ß.
(Schluß.)
Nach der Vermählung des jungen Paares wollte der Graf dann nach Frankreich und anf eins der wiedererlangten Familiengüter znrück- kehren, das er als Knabe verlassen hatte.
„Hub haben Sie immer noch keine Nachricht von Wilhelm, liebe Lotte," frug Gräfin Enlalia die Freundin, mit welcher sie im Garten pro- meuirte.
„Nein, liebe Gräfin," sagte Lotte beklemmt.
„Sonderbar! Alle Zeitungen melden den geschlossenen Frieden!"
Lotte zwang eine vorwitzige Thräne zurück, welche sich in ihr blanes Auge drängte. Wie Blei lag es seit Wochen auf ihrer Seele. Trotz- dem im Herbst die Kasse aufgefunden und abgeliefert war, hatte der Oheim nicht erlaubt, daß man Wilhelm benachrichtige. Wilhelm war der Schuldige und blieb es, der Tod des Bruders mußte das eigene Schuldbewußtsein nur erhöhen. Denn von der Hinterlist, mit welcher Friedrich gegen den arglosen Bruder vorgegangen war, ahnte niemand etwas — außer Lotten. Dein scharfsichtigen, liebenden Mädchen war gleich nach
landreise begleitet, ist bis jetzt nichts geändert, und dürfte es voraussichtlich auch bei dieser Bestimmung bleiben.
S e. M a j e st ä t bei Kaiser hat geruht, die im vorigen Jahre zu mehrjähriger Festungshaft vom Reichsgericht verurtheilten, in Glatz interuirten beiden französischen Offiziere Degony und D e l g u ey zu begnadigen, dieselben wurden, wie aus Glatz gemeldet wird, bereits am Sonntag aus der Haft entlassen. — Nach einer Pariser Meldung des Wolff'schen Bureaus setzte der deutsche Botschafter Graf Münster bei der Trauerseierlichkeit für den Präsidenten Carnot den Ministerpräsidenten Dupuy und den Minister des Auswärtigen Hanotanx davon in Kenntniß, daß Se. Majestät der Deutsche Kaiser die beiden Offiziere begnadigt hat. Der Ministerpräsident Dupuy übermittelte die Nachricht dem Präsidenten der Republik, sobald derselbe im Elysse eingetroffen war. Der Präsident der Republik ersuchte den Ministerpräsidenten, Sr. Majestät dem Deutschen Kaiser zu danken für das hochsinnige Gedenken eines Tages wie des heutigen, welches beiden großen Nationen zu Herzen gehen würde. Die Nachricht von der Begnadigung verbreitete sich schnell unter den Theilnehmern der Feier und rief tiefe Bewegung hervor. — Nach einer weiteren Pariser Meldung rief dort die Nachricht von der Begnadigung der beiden Offiziere im Publikum eine tiefgehende frohe Ueberraschung hervor; allerorten konnte man Bemerkungen vernehmen, welche Freude und Genugthuung über den Akt Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm aus- drückten. Die Blätter brachten die Nachricht an erster Stelle. Eine Extraansgabe des Journals „Le Jour" sagt: Jedermann wird davon durchdrungen sein, daß Se. Majestät der Kaiser Wilhelm edel gehandelt, und selbst Diejenigen, welche nichts vergessen können, werden sich vor
Wilhelms Mittheilung des Ereignisses der Gedanke gekommen, daß Friedrich nicht aufrichtig gehandelt habe. Was aber half alles Grübeln? Es vermehrte nur den Schmerz, den Kummer, die Sehnsucht!
Daheim, in ihrem einsamen Mädchenstübchen, zog sie den Brief Wilhelms hervor, den derselbe nach dem Einzug in Paris an die Schwester geschrieben hatte. Er lautete: Bivouak Barriere Fontainebleau, im April 1814. „Endlich ist das Ziel erreicht — von hier aus sollen meine Worte Dich finden, theuere Schwester! Das Ende des Dramas ist gekommen, seit zwei Tagen sind wir in der französischen Hanptstadt angelangt. Wir sind am Ziel, aber unser Weg hierher ging über Trümmer und Leichen. O, der Krieg ist furchtbar, Geliebte! Am Montmartre ist das letzte Blut geflossen, Marschall Marmont und Mortier machten uns das Ziel streitig, sie befehligten das Korps, das Paris zn vertheidigen bestimmt war. Es war umsonst — um elf Uhr Morgens fand der Einzug statt. Von den Steinbrüchen des Montmartre sahen wir die ungeheuere Stadt zuerst vor uns liegen. Wir gebrauchten acht volle Stunden, um die Riesenstadt zu passiven unb unser Bivouak zu beziehen, welches einen Büchsenschuß von der südlichen Barriere entfernt war. Als wir an dem herrlichen Tuillerien schlösse vorüberzogen, erblickten wir den zurück-
der hochherzigen Initiative des Souverains verneigen. —^„La Presse" schreibt über die Freilassung: Se. Majestät der Deutsche Kaiser hat eine besonders ergreifende Form gefunden, um feine Werthschätzung und Bewunderung für Carnot zu bezeigen; diese einem große» Andenken gewordene Huldigung bedarf keines Kommentars. Der Akt Kaiser Wilhelm's wird ebenso gerechtfertigten als nachhaltigen Widerhall erwecken.
Wie „Hirsch's T.-B." mittheilt, haben sich der Marineminister und Admiral Gervais nach der deutschen Botschaft begeben, um anläßlich der Begnadigung der französischen Offiziere den Dank auszusprechen. —-
Das unter dein 18. Juni Allerhöchst vollzogene preußische Gesetz zur Ausführung des Reichsgesetzes, betreffend Abänderung des Gesetzes über die A b w e h r und Unterdrückung von Viehseuchen, vom 1. Mai 1894, ist publizirt worden.
(Cholera) Ja K r o n st a d t ist die Choleraepidemie aufgetreten; vom 20. bis 29. Juni sind 12 Personen erkrankt und 6 gestorben. Vom 29. bis 30. Juni sind nach amtlicher Feststellung 7 Personen erkrankt und 3 gestorben. Der Militairgouvcrnenr von Kronstadt, Vizeadmiral Kasnakow, hat weitgehende Maßregeln zur Unterdrückung der Epidemie getroffen. — Das Gouvernement Kielce ist auf Verfügung des Ministers des Innern für choleraverdächtig erklärt worden.
Auch in Italien hat eine anarchistische Mordthat, Die bezüglich des äußeren Hergangs mit der Ermordung Carnot's große Aehnlichkeit aufroeift, lebhafte Erregung hervorgerufen. Schon feit einiger Zeit erhielt der Chefredakteur der „Gazetta Livoruese", Giuseppi B a n d i, Drohbriefe, in welchen er ausgefordert wurde, seine heftigen Angriffe gegen den Anarchismus zu unterlassen. Bandi hat unerschrocken seine Artikel
I gekehrten Bourbonenkönig Ludwig den Achtzehnten, I der auf dein großen Balkon des Schlosses stand.
Er warf den Befreiern Kußhände zu. Das französische Volk rief vive Louis dix-huit, was unsere braven märkischen Jungen mit Vivat Louis Bisguit! beantworteten. Todtermüdet langten wir endlich im Bivouak an. Während rings auf den Höhen um Paris Freudenfeuer bräunten zur Feier der Beilegung des Usurpators, von den Franzosen selbst entzündet, und in der großen Oper Jerusalem deliberee von Glnck als Bewillkommung der Verbündeten aufgeführt ward, nahm die Gewohnheit des Feldlebens bei uns wieder wie sonst ihren Fortgang. Eine Stunde nach unserm Eintreffen waren wir vollständig eingerichtet, die Wachtfeuer flammten, und wir sprachen wie gewöhnlich von der Heimath. O, treuere Schwester, wer noch eine solche sein eigen nennen könnte! .... Bis hierher hatte Charlotte den Brudergruß von neuem gelesen, dann verdunkelte ein ausbrechender Thränenstrom ihre Blicke. Unglücklich, verzweifelnd schloß sie den Brief wieder in ihr Allerheiligstes.
Die Rosen knospeten und verblühten, der September, der Mai des Herbstes, kam wieder heran, ohne daß die Zeit neue Kunde von Wilhelm gebracht hätte. Der Major hatte an der Stelle, woselbst die Kasse verborgen gewesen war, einen Gedenkstein errichten lassen für den in