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irrsfditr Klkishlitt.

Mit wöchentlicher Gratis-BeilageMnftrirtes Sonntagsblatt".

Mr. 83.

Donnerstag den 19. Kult

1894.

Amtliches.

Hersfeld, den 11. Juli 1894.

An Stelle des auf Antrag von dem Amte eines Ortsschätzers entbundenen vorhinnigen Bürger- meifter Adam Wolf zu Schenklengsfeld ist der Bürgermeister Christian Rüg er daselbst als Orts- schätzer widerruflich bestellt und heute eidlich ver­pflichtet worden.

I. I. Nr. 3731. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleiuitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 14. Juli 1894.

Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 8. April 1879 Nr. 4257, im Kreisblatt Nr. 29, das Reinigen und Weißen der Schulräume betreffend, noch rückständig sind, werden hieran mit Frist bis zum 20. d. Mts. bei Meidung von 3 Mark Strafe erinnert.

3. Dir. 4257/79. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz , Geheimer Regierungs-Rath.

Politische Nachrichten.

Die Kaiserlichen Majestäten sind am 16. Juli früh in bestem Wohlbefinden in Dr 0 ntheim eingetroffen; der Vormittag war der Besichtigung der Stadt gewidmet. Von Drontheim aus gedachte der Kaiser die Weiter­reise nach dem Geiranger Fjord anzutreten. Die Kaiserin beabsichtigte, sich über Kristiania nach Kiel zu begehen und von dort am Freitag Abend die Reise nach Wilhelmshöhe fortzusetzen. Gegenüber der von verschiedenen Blättern

^Nachdruck verboten.) In Hnrde nnd Moov.

Erzählung von HanS Wa rrin g. (Fortsetzung.)

Zwar konnte sie wie die meisten der Grenzbewoh­ner ihrer Bildungsstufe, darin nicht gar ein so großes Unrecht sehen, im Gegentheil, der Muth, die Kühnheit und Gewandtheit, die zu dem Wagniß gehören, umgeben es mit einer Art von kriegerischem Glorienschein, aber es steht doch eine harte Strafe darauf, und sie weiß, daß Mancher dadurch ins Gefängniß gekommen, daß feine Wirthschaft zu Grunde gegangen und er darüber zum Bettler geworden ist. Ach, wenn er doch einen guten Freund hätte, der ihn warnte und auf dem rechten Wege hielt!

Das ist eine Feine!" sagte unterdeß der alte Kristup, als die beiden Männer ihr nachsahen, wie sie zierlich und flink mit den weißen Milch- eimern über den Hof schritt.Wie ein Bach- stelzchen ist sie! Freilich, schwere Arbeit wird sie nicht verrichten können, so eine, wie die Grita vom Sabber Hof, die beim Kornstaken wie ein Mann schafft, so eine ist die nicht."

Dazu ist sie ja auch nicht gedungen," sagte Endrick kurz.

In die Grita geht diese dreimal hinein."

I gebrachten Mittheilung, daß die Heeresver- I waltung die Absicht habe, eine eigene Alu - miniumfabrik für den Armeebedarf anzulegen, ist derStaatsAnz." in der Lage, zu erklären, daß diese Mittheilung auf Erfindung beruht.

Aus Berlin, 16. Juli wird gemeldet: Fürst BiSmarck traf um 3 Uhr 50 Min. in seinem Salonwagen am Stettiner Bahnhof ein und wurde bei der Einfahrt von Studenten in Wichs mit einer Ansprache und Hoch begrüßt, in welches alle Anwesenden einstimmten. Fürst Bismarck hielt zum Fenster seines Waggons hinaus eine kurze Erwiderungsrede mit Bezug auf seinen langjährigen Aufenthalt in Berlin und schloß mit einem Hoch auf Berlin. Während des i/^stün- digen Aufenthalts war der Fürst Gegenstand unausgesetzter Ovationen; auch der Fürstin wurde ein Hoch gebracht. Die Fürstin mußte den Fürsten schließlich vom Fenster megbringen, weil Alle mit den Händen nach ihm langten und der Fürst jeden Händedruck c^vidern wollte. Zahl­reiche Blumensträuße wurden dem Fürsten zuge­reicht. Um 4 Uhr 6 Min. erfolgte die Weiter­fahrt. Der Fürst sah sehr wohl aus.

Aus sicherer Quelle geht uns die Nachricht zu, daß der zum Bischof von F u l d a erwählte Domkapitular und Seminar-Regens, Professor Georg K 0 m p landesherrlich anerkannt ist. Die Vereidigung und Aushändigung der Anerkennungs­urkunde wird voraussichtlich durch den Ober­präsidenten der Provinz Hessen-Nassau erfolgen.

Betreffs der Wirkungen, welche die in anderen Säubern gegen die Anarchi st e 11 ergriffenen Maßnahmen haben können, äußert dieKöln. Ztg.": Wenn seitens der am meisten bei dem Vor­gehen gegen Anarchisten interessieren Staaten dem­nächst die Ausweis ung aller ausländischen A n a r ch i st e n erfolgen wird, entsteht die Frage,

Das ist kein schaden! Einen Unteroffizier im Unterrock hab' ich auch nicht ins Haus nehmen wollen."

Na, na, verrus's nicht! Tausend Thaler hat die Grita von der Mutter her, und wenn der alte Jankillis die Augen zumacht, bekommt sie noch ebensoviel herausgezahlt. DaS Geld kannst brauchen!"

Laß mich in Ruhe!" sagte Endrick unge­duldig.

Der Alte sah ihn listig von der Seite an. Ueber die neue Magd wird's im Dorf Spek­takel genug geben. Was doch die Grita dazu sagen wird?"

Laß sie doch Alle schreien, soviel sie wollen." Und die Kuralene wird dem armen Ding den Tag auch nicht leicht machen."

Laß sie sich wehren."

Lieber Gott, danach sieht sie nicht aus."

O, das versteh» sie Alle."

Diese nicht! Ja, die Grita, die möcht' die Alte schon 'runterkriegen, die ist handfest eine Natur wie ein Kürassier. Das gefällt Dir jetzt nicht, aber wirst Dich schon besinnen!"

Endrick pfiff einen Marsch und antwortete nicht. Dann gab er seinem Rappen einen schallenden Schlag, zog den Thieren wieder die wollene Decke über ihr glänzendes Fell und trat auf den Hof hinaus.

Nein, die Anna hatte keinen leichten Tag auf

ob die Staaten auch zur Uebernahme solcher An­archisten verpflichtet sind, welche vormals ihre Unterthanen waren, die Unterthanenschaft aber verloren haben, ohne in den Besitz einer anderen gelangt zu sein. Die Frage hat auch für Deutsch­land eine praktische Bedeutung, da sich unter den von Frankreich und Italien auszuweisenden Anar­chisten vermuthlich auch solche befinden, welche ehemals deutsche Staatsangehörige waren. Deutsch­land wird die Aufnahme derselben nicht verwei­gern können. Was die Uebernahme der von Ita­lien auszuweisenden Personen betrifft, so bestimmt das Uebereinkommen zwischen dem Deutschen Reiche und Italien vom 8. August 1873 in Artikel 4, daß jeder der vertragschließenden Theile sich verpflichtet, auf Verlangen des andern seine Angehörigen wieder zu übernehmen, auch wenn dieselben die Staatsangehörigkeit nach der in­ländischen Gesetzgebung verloren haben, sofern sie nicht dem anderen Lande nach dessen eigener Gesetzgebung ungehörig geworden sind. Gegenüber Frankreich ist das Reich eine solche ausdrückliche Verpflichtung zwar nicht eingegangen, jedoch sind Bundesstaaten fast ausnahmslos bisher nach dem­selben Grundsätze verfahren; was Preußen be­trifft, so hat durch Erlaß vom 31. Oktober 1880 der Minister des Innern den Regierungen mit­getheilt, daß nach Ansicht der Staatsregierung die Uebernahme eines ehemaligen preußischen Staats­angehörigen nicht zu versagen sei, sofern derselbe nicht inzwischen eine andere, bezw. die französische Staatsangehörigkeit erworben habe. Dieser Grund­satz ist seitens Deutschlands noch verschiedenen an­deren Staaten gegenüber anerkannt worden, nämlich Dänemark, Oesterreich-Ungarn, Schweiz, Belgien und neuestens auch Rußland. Es ergiebt sich daraus die allerdings nicht besonders angenehme Aussicht, daß Deutschland feine ehemaligen Staats-

dem Hofe, dafür trug die Kuralene redlich Sorge. Sie bespähte und beobachtete sie von früh bis spät mit mißtrauischen Augen. Oft fuhr die junge Magd vor Schreck zusammen, wenn bei irgend einer Berrichtung in Stall oder Diele ganz plötzlich die lauge hagere Gestalt neben ihr auftauchte. Auf etwas Unrechtem aber hatte sie sie noch nie betroffen. Höchstens hatte während des Milchens der Endrick neben ihr auf einem der Verschlüge gesessen und hatte ihr zugesehen. Hin und wieder hatten sie auch zusammen ge­plaudert und gelacht. Das war doch gewiß nichts Unrechtes, aber trotzdem war die Kuralene darüber in großen Zorn gerathen und hatte beide junge Leute hart angelassen. Tagediebe seien sie, die dem lieben Gott die Zeit stehlen, marsch an die Arbeit! solches Herumlungern leide sie nicht!

Dazu hatte der Endrick ein lustiges Lied ge­pfiffen und war gleichmüthig fitzen geblieben. Der Anna aber war das Blut ins Gesicht ge­stiegen ob der ungerechten Vorwürfe, zuweilen waren auch ein paar Thränen geflossen. Sie arbeitete von früh bis spät und doch konnte sie immer nicht genug schaffen. Seit sie ihr erstes Gespinnst der Wirthin abgeliefert, und diese ge­sehen hatte, was für einen feinen, runden und gleichen Faden das Mädchen spann, war sie immer hinter ihr her, sie solle machen, daß sie an den Spinnrocken komme, ihr Haus sei