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IrrsftlüH litisilott.

Mit Wöchentlicher Gratis-BeilageJAustrirtes Sonntagsblatt".

Mr. 84. Sonnabend den 21. Juli 1894.

Amtliches.

Hersfeld, den 18. Juli 1894.

Die Herren Orts- (Guts-) Vorstände des Kreises werden darauf .aufmerksam gemacht, daß in der Ertrabeilage zum Amtsblatt Nr. 28 vom 11. Juli d/J. u. A.

1. die Zusatzbestimmungen vom 5. März d. J. zur Ausführungsanweisung des Herrn Finanz- ministers vom 10. April 1892, betreffend die Veranlagung und Verwaltung der Gewerbe­steuer,

2. die Anweisung des Herrn Finanzministers vom 5. März d. I. zur Veranlagung der Betriebssteuer,

3. die Anweisung des Herrn Finanzministers vom 3. April d. I. zur Ausführung des Er- gänzungssteuergesetzes vom 14. Juli 1893 zur öffentlichen Kenntnis gebracht worden sind.

Die Herren Orts- (Guts-) Vorstände haben ge­nannte Vorschriften sofort für sich besonders ein­binden zu lassen und in das Jnventarienver- zeichuis einzutragen.

I. III. Nr. 2290. Der Königliche Landrath Freiherr von 'S ch l e i n i tz, _____________Geheimer Negierungs-Rath.

Hersfeld, den 20. Juli 1894.

Im Anschlüsse an mein Ausschreiben vom 4. Juni d. Js. I. I. Nr. 3164, im Kreisblatt Nr. 65, Abhaltung von Sprechstunden für Arbeiter seitens des Königlichen Gewerbe-Inspektors aus Fulda betreffend, wird hierdurch zur öffentlichen Kenut- uiß gebracht, daß der genannte Beamte am nächsten M o u t a g den 2 3. d. M t s. und Dienstag den 2 4. d. Mt s. jedesmal von 6 bis 8 Uhr Abends derartige Sprechstunden im hiesigen städtischen Rathhause, Zimmer Nr. 4, abhalten wird und haben die Herren Ortsvor­stände der Stadt- und Landgemeinden des hiesigen Kreises solches auf ortsübliche Weise zur Kennt­niß der Arbeiter zu bringen.

I. I. Nr. 3864. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz , __________________Geheimer Negierungs-Rath.

Hersfeld, den 18. Juli 1894.

Für den am 27. Juni 1880 geborenen Johann Adam Thomas zu Malkomes ist um Entlassung aus dem preußischen StaatSverbande behufs Aus­wanderung nach Amerika nachgesucht worden.

I. I. Nr. 3841. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz, Geheimer Negierungs-Rath.

Von beachleuswerther Seite ist darauf hinge- wiesen worden, daß die auf den Straßen feil ge­haltenen Mineral-Wässer, wie Selterser, Soda- Wasser u. a. m, an die Abnehmer stets eiskalt verabfolgt werden und daß der Genuß so falten Wassers, welcher schon in normalen Zeiten leicht ernste Verdauungsstörungen von längerer Dauer nach sich ziehe, beim Drohen der Cholera die Neigung zu ähnlichen Erkrankungen befördere.

Im Auftrage des Herrn Ministers der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten werden daher die Verkäufer von Mineral-Wässern im Ausschanke hiermit angewiesen, das Getränk ferner­hin, gleichviel, ob die Cholera droht oder nicht, nur in einem der Trinkwasser-Temperatur ent­

sprechenden Wärmegrad von etwa 10° Gels. ab- zugeben. Gleichzeitig wird das Publikum vor dem Genusse eiskalter Getränke überhaupt, also auch des zu kalten Biers, insbesondere aber der Mineral-Wässer gewarnt.

Cassel, am 17. Oktober 1892.

Der Regierungs-Präsident. J. V.: v. Pawel.

Nichtamtliches.

Der Ssmmerfelözirg der Sszialdemokratie.

Eine Landagitation im großen Stil hatte die Sozialdemokratie auf ihren Arbeitsplan für den gegenwärtigen Sommer gesetzt. Was ist ihr Erfolg? Noch stehen wir mitten im Sommer drin, aber das Ende läßt sich schon absehen.

Wir machen die erfreuliche Beobachtung, daß die ländliche Bevölkerung st > den Andrängungs- versuchen der Sozialdemokratie weniger zugänglich erweist, als diese gehofft hatte. Wenn sie auch unter Entstellung und Uebertreibung von That­sachen jeden kleinen Erfolg, den die Partei irgendwie errungen, zu einem großen Siege aufbauscht, so ist das die alte Taktik jedes unter­liegenden Angreifers, der frivoler Weise den Streit vom Zaune gebrochen: die wankelmüthigen Genossen sollen nicht entmuthigt, diezielbe­wußten" zu neuen Thaten angespornt werden. Aber unter diese Siegesdepeschen läuft häufig genug die Klage mit unter, daß es mit bem ganzen Werk doch nicht recht flecken wolle. Der Vorwärts" stimmt seine Sieger stets auf einen elegischen Ton, so oft er auf den deutschen Landmann und Bauern zu sprechen kommt: der Sozialdemokrat, der hinausziehe, seinen Brüdern im Bauernkittel das Evangelium der Erlösung (!) zu bringen, habe aus Niemauds Beistand zu rechnen; er müsse gegen eine Welt voll Unver­stand, Bosheit und brutaler Gewalt ankämpfen.

Unverstand, Bosheit und brutale Gewalt damit sind die zahlreichen Fälle gemeint, in denen das Landvolk den Wanderrednern und Flug- blattvertheilern kurzweg die Thüre vor der Nase zuschließt, weil es mit den unsichern Gesellen und ihrem unsicherenEvangelium der Erlösung" nichts zu schaffen haben will. Und je aufdring­licher die Agitatoren auftreten, um so derber fällt auch die Abweisung aus. Ein Sozialdemo- krat plaudert in seinem Parteiorgan aus, worin er den Grund dieier Mißerfolge zu erkennen glaubt. Die Sozialdemokraten, meint er, wären zu gebildete Leute; sie sprächen die Sprache der Gelehrten, und die verstünde der Bauer nicht; wer den Bauern bekehren wolle, müsse vor Allem seinen Dialekt sprechen und in derben, saftigen Bildern zu reden verstehen.

Nein, am Dialekt allein liegt es keineswegs. Es giebt und das wird jeder bestätigen, der mit dem Landvolke lebt und zu thun hat heutzutage wohl kein einziges Dorf in Deutsch­land mehr, wo eine wohlgesetzte, schlichte und verständige hochdeutsche Rede nicht verstanden würde, wo ein gutes, verständiges Schriftdeutsch nicht gelesen werden könnte. Nicht, w i e die sozialdemokratischen Agitatoren schreiben und sprechen, sondern vor Allem, w a s sie schreiben

und sprechen, versteht der deutsche Landmann nicht. Nicht das Ohr allein widersteht dem sozial­demokratischenErlösungswerke", sondern der Kopf und das Herz des Landmannes. Das Leben in und mit der Natur, die gesunden Lebens- und Familieuverhältnisse, unter denen er schlecht und recht sein Tagewerk vollbringt, erhalten seine Sinne und seine Empfindung gesund und darum kann und will er das krause, überspannte Zeug nicht verstehen, das ihm die Weltverbesserer in derSprache der Gelehrten" will sagen, in Kauderwälsch falscher und mißverstandener Theorien darbieten. Der Landmann weiß, was eine eigene Scholle, ein eigener Heerd, eine tüchtige Frau und wohlgedeihende Kinder ihm werth sind. Diese handgreiflichen Schätze will er nicht hergeben für das Phantom einesZu- kunstsstaates", der das Eigenthum und die Familie zerstört und das ganze Land zu einer weiten Zwangsarbeitsstätte machen möchte, wo der Fleißige für den Trägen nutsch äffen, der Besitzende mit dem Habenichts und Schaffeuichts theilen soll. Daher kommts, daß wie derVorwärts" klagt der Agitator, der nach Schluß der Ver­sammlung mit den größten Hoffnungen sich heim­wärts wandte, beim nächsten Besuche finden muß, all seine frühere Arbeit und Mühe sei umsonst gewesen.

Steht hiernach die Sozialdemokratie in ihrer Landagitation vor einer Niederlage, so darf das doch nicht die bürgerlichen politischen Parteien lässig machen. Die Sozialdemokraten haben diesen Sommer bei zwei Reichstagswahlen obge­siegt, weil die bürgerlichen Parteien sich zer­splitterten, anstatt einmüthig einen einzigen autisozialistischen Kandidaten auszustellen. Es hat den Anschein, als wenn demnächst in dem einzigen industriellen Wahlkreise Mecklenburgs, in Rostock, wiederum eine Nachwahl stattfinden wird. Die Sozialdemokratie hatte es bei der letzten Wahl daselbst auf 9184 Stimmen gebracht, gegen 10805 bürgerliche, und sie hält nicht für ausgeschloffen, bei einer Neuwahl sich ihr 47. Mandat zu erobern. Die jüngsten Erfah­rungen in Sachsen und Schleswig-Holstein mögen die bürgerlichen Parteien warnen, bei Zeilen auf der Hut und von vornherein einmüthig zu sein.

Politische Nachrichten.

S e. Majestät der Kaiser hat am Mittwoch früh bei schönem Wetter die Weiter­reise von Droutheim nach Merok im Geiranger Fjord angetreten. Von Merok aus war ein Aus­flug nach Griotlid beabsichtigt. Am Donnerstag gedachte Se. Majestät die Reise nach dem Nord- Fjord fortzusetzem

Ihre Majestät die Kaiserin hat am Mittwoch Mittag an Bord S. M. S.Stein" Christiania verlassen, um sich nach Kiel zu be- geben.

Nachdem das L a u d e s - O e k o n o m i e - Kollegium in seiner Sitzung vom 1. März d. J. beschlossen hatte, daß die verstärkte Vertretung der landwirthschaftlichen Centralvereine von West- preußen, Posen, Schleswig-Holstein, Hannover, Westfalen und Hessen-Nassau, wie sie für den Deutschen Landwirthschaftsrath besteht, in Zukunft