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Hnsseirel Kreisblitt.

Mit wöchentlicher Gratis-BeilageMustrirtes Sonntagsblatt".

Nr. 95.

Donnerstag den 16. August

1894.

t Auch ein Jubiläum.

Die deutsche Sozialdemokratie rühmt sich dessen, ! daß sie dieser Tage ihr 25jähriges Bestehen als offizielle Partei, nämlich der am 8. August 1869 zu Eisenach gegründetensozialdemokratischen Arbeiterpartei" feiern konnte. Sie brüstet sich die größte kulturfördernde Macht des neunzehnten Jahrhunderts zu sein, welche das im Elend dahin- leidende Proletariat aufgerüttelt, mit Kampfes­muth, Bildungsdurst und Lebensfreude erfüllt habe".

Traurig, daß man es wagt, dem deutschen Volke dies zu bieten, und noch trauriger, daß es von so und so viel taufenden irregeleiteter Menschen geglaubt wird! Was hat denn die Sozialdemo­kratie bisher für die arbeitende Bevölkerung ge­leistet? Nichts. Sie hat nur Unzufriedenheit gesät und geschürt, und Verachtung jeder göttlichen und menschlichen Autorität zu verbreiten gesucht. Gewiß hat sich die wirthschaftliche und sittliche Lage des deutschen HanoarbePt-standes gehoben, aber an der sozialen Gesetzgebung, der das zu danken ist, hat Sie Sozialdemokratie keinen An­theil; sie hat sich im Gegentheil jeglichem Fort­schritt des großen Werkes, das auf Grund des sozialpolitischen Programms weiland Kaiser Wil­helms I. in Angriff genommen wurde, auf das Heftigste widersetzt, weil damit ihren umstürzlerischen Bestrebungen entgegengearbeitet wurde. Wenn heute das Kind des Arbeiters unentgeltlich guten Unterricht genießt, wenn die jugendlichen Arbeiter bei ihrem Eintritt in den Lebensberuf vor Ueber- bürdung bewahrt werden, wenn dem Arbeiter überhaupt an der Arbeitsstätte jede mögliche Für­sorge zur Erhaltung von Gesundheit und Leben zu Theil wird, wenn er für- den Fall der In­validität und der Arbeitsunfähigkeit vor Mangel bewahrt wird und auch seinen alten Tagen ohne bittere Sorge entgegensehen kann, so ist das der

herrschenden staatlichen Ordnung und dem willigen Entgegenkommen gerade auch der besitzenden Stände 1 zu danken, und nicht der Sozialdemokratie, die mit ihren Hirngespinsten von der Verstaatlichung aller Gewerbe, von der Enteignung der Güter, vom allgemeinen Achtstundentage u. s. w. nur unklare Köpfe noch verwirrter macht.

Heißt das den Arbeiter mit Kampfesmuth er­füllen, wenn man ihn zu Ausständen und zu gewaltthätiger Auflehnung ausreizt? Den wahren Kampfesmuth fürs Leben besitzt allein derjenige, dessen Grundsätze einer religiösen und sittlichen Unterlage nicht entbehren, der sich bewußt ist, nicht blos Ansprüche, sondern auch Pflichten gegen Staat, Gesellschaft und Familie zu haben. Vom Pflichtgefühl aber steht im sozialdemokratischen Katechismus kein Wort zu lesen. Ebenso stehts mit dem Bildungsdurst, den die Sozialdemokratie nur solchen Leuten zuerkennt, die ihren Auf­hetzereien und dem gottesleugnerischen Materialis­mus ihrer Weltanschauung zugänglich sind. Und Lebensfreude kann auf dem Boden der Sozial­demokratie nicht erwachsen, die die Herzen nur mit Verbitterung und Haß zu erfüllen trachtet und, wenn sie von ihrem Reiche der Gleichheit und Freiheit spricht, nur an die Zwangs- und Schreckensherrschaft denkt, welche die Führer über das unmündige Volk ausüben möchten. Die Sozialdemokratie ist und bleibt der heftigste Feind der staatlichen Ordnung, der Gesittung und der Kultur. Wenn sie sich berühmen darf, seitdem sie in das deutsche Volk wie eine Seuche eiuge- drungen ist, Millionen von Wahlstimmen auf ihre Reichstagskandidaten vereinigt zu haben, so muß das eine ernste Mahnung für die Ord­nungsparteien sein, Alles aufzubieten, um ihr entgegenzuarbeiten. Die Verschärfung der Energie, die sie zu ihrem Jubiläumstage wahrlich kein Ehrentag für das deutsche Volk und die deutsche

Kultur ihren Anhängern predigt, muß auch bei allen Patrioten und guten Bürgern Platz greifen, damit der stärkste und gefährlichste Feind unseres Volkslebens überwunden und unschädlich gemacht werde.

Politische Mchrichten.

Berlin, 14. August.

Se. Majestät der Kaiser, Allerhöchst- welcher sich fortdauernd des besten Wohlseins erfreut, gedachte bis heute Nachmittag noch im Truppenlager zu Aldershot zu verweilen, sich gegen Abend mit dem Allerhöchsten Gefolge nad) Gravesend zu begeben und von dort an Bord der kaiserlichen JachtHohenzollern" die Rück­reise nach Deutschland anzutreten.

Se. Majestät der Kaiser stattete am Montag Nachmittag der Kaiserin Eugenie in Farnborough einen Besuch ab.

Es verlautet, daß im Reichsjustizamt schon für die nächste Reichstagssession ein Gesetzentwurf be­treffend Abänderung der Bestimmungen über die Strafbarkeit Jugendlicher ausgearbeitet wird, der im Wesentlichen den jüngst in einer Eingabe an den preußischen Justizminister ge­äußerten Wünschen des Landesvereins preu­ßischer Volksschullehrer entspricht.

Eine parlamentarische Korrespondenz bestätigt, daß bis vor wenigen Tagen die Absicht der maßgebenden Stellen dahin feststand, den Reichs­tag zum 18. Oktober einzuberufen und zwar in das neue Reichstagsgebäude. Diese Absicht sei allerneuestens aufgegeben, weil bis Mitte Oktober die Arbeiten am Reichstags - Neubau nicht so weit vollendet werden könnten, daß mit der Eröffnung der Session auch die Eröffnung des neuen Reichstagsgebäudes sich ermöglichen

(Nachdruck verboten.)

In Hnide nnd 211$ $v>

Erzählung von Hans Wa rring.

(Fortsetzung.)

Als aber zu Ende des März ein Witterungs­wechsel eintrat, als die Sonne sich hinter grauen tiefhängenden Wolken versteckte und ein hohler Wind über die Ebene ging, da wußte man, daß jetzt der Winter sein Ende erreicht hatte, daß in der Niederung am Strom und seinen Nebenflüssen der Schaklorp begann, daß die Wege grundlos werden und die Verbindungen mit dem jenseitigen Ufer für längere Zeit unterbrochen sein würden.

Es ist ein Glück für den Endrick, daß die Wege in diesem Jahr so früh aufgehen," sagte Urte eines Morgens, als sie von draußen herein- fam, wo eben aus den grauen Wolken ein stetiger, gleichmäßiger Regen zu fallen begann.

Warum gerade für ihn?" fragte Anna.

Wenn Du jetzt nicht auf der anderen Seite des Hauses bei der Kuralene schlafen thätst, dann könntst jede Nacht das Hofthor knarren und die Pferde trappeln hören. Seit er zu den End- rokatis nach Tauerischken geht, treibt er es ganz toll. Der alte Spitzbub' läßt ihn die Kastanien aus dem Feuer holen, und die Töchter verdrehen

ihm den Kopf. Das kann kein gutes End' nehmen, denk' an mein Wort."

Das Mädchen saß eine Weile still und bleich da.

Urte," flehte sie dann leise,red' doch mit ihm, warn' ihn doch! Auf Dich wird er hören, Du kennst Hn doch schon von seiner Kindheit an, Dich hat er lieb!"

Der hört auf Keinen, ich kenne das. Ge­schlecht. Der Ansas war ebenso. Wenn sie klug werden sollen, müssen sie es an ihrem eigenen Leibe erfahren. Er wird es so lange treiben, bis sie ihn auch zu schänden schießen. Na, dann können mir ja einen zweiten Lehnstuhl neben den der Kuralene in die Stube stellen!"

O Urte, Urte!"

Ja, traurig ist's, aber paß' auf, so geht die Sache aus!"

In den nächsten Tagen entfaltete sich auf dem Hofe ein so lebhafter Verkehr, wie Anna ihn noch nicht kennen gelernt halte. Es war ein unauf­hörliches Gehen und Kommen. Nicht allein, daß der Endrokatis auf einem schönen, großen Pferde dahergeritten kam und ein langes geheimes Ge­spräch mit Endrick im Wohnzimmer hatte, auch andere Gäste suchten den Hof heim. Leichte ein­sitzige Wägelchen, mit kleinen zottigen Pferdchen bespannt, darin Männer mit schwarzen Bärten und schlauen Gesichtern saßen, kamen die Straße von Osten her herangefahren. Sie lenkten alle

auf den Hof ein, und während ihre Thiere ein Futter verzehrten, pflogen die Männer lebhafte Verhandlungen mit Endrick, der ihnen im Pferde­stall Audienz ertheilte. Vom Dielenfenster aus konnte man beobachten, wie sie mit leidenschaft­lichen Geberden auf ihn einsprachen, die Hände rangen und die Arme wie in höchster Verzweiflung in die Luft warfen. Endrick schien aber unge­rührt von ihrem Schmerz, er schüttelte nur lachend den Kopf. Dann ging ihr Kummer in Entrüstung über. Sie schritten stolz zu ihren Wägelchen, ordneten umständlich ihr Zaumzeug und fuhren, da Endrick sich zu keinem anderen Zugeständnisse als zu dem Wunsche: glückliche Reise! herbeiließ, von bannen. Aber nach Verlauf von kaum zehn Minuten waren sie wieder da. Dann wieder­holten sich die eben beschriebenen Scenen, bis endlich nach einer mehrmaligen Abreise und Wiederkehr ein Einvernehmen zu Stande kam. Von Seiten der schwarzbärtigen Männer geschah dies nicht ohne großes Jammergeschrei, wobei ein paar Thränen nicht fehlten, während Endrick sich seine lachende Gleichmüthigkeit bis zum Ende be­wahrte.

Wie sie hinter ihm her sind!" sagte drinnen Urte zu Anna,sie wissen, was sie an ihm haben!"

Sie kommen wieder wegen des Reitens?" Natürlich, weshalb sonst! Der Winter geht ihnen zu früh ab sie haben in ihren Schlupf-