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Herssel-tl Klkisdlitt.
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Ur. 96. Sonnabend den 18. August 1894.
Amtliches.
Die unter der Firma Equitable Lebens- Versicher u n gs-Gesell schaft in New- Jork domicilirte Äktien-Gesellschaft hat ihren Geschäftsbetrieb in Preussen aufgegeben.
Die der Gesellschaft unter dem 4. Januar 1877 ertheilte Concession zu diesem Geschäftsbetriebe
* wird deshalb hierdurch für erloschen erklärt.
Die „Equitable“ Lebens-Versicherungs-Gesell- schaft ist demnach von heute ab, bei Vermeidung der im § 360 Ziffer 9 des Deutschen Reichs- H Strafgesetzbuches bezw. im § 1 des Preußischen Gesetzes, betreffend den Geschäftsverkehr der Versicherungsanstalten, vom 17ten Mai 1853 vorgesehenen Strafen, gehalten, durch Agenten in Preußen neue Versicherungsverträge nicht abzu- schließen und dergleichen Anträge nicht mehr entgegen zu nehmen.
Die Rechtsbeständigkeit der doil der Gesellschaft bisher in Preußen abgeschlossenen Verträge wird- durch Vorstehendes nicht berührt und es können die Agenten der Gesellschaft zur Erledigung dieser Verträge auch fernerhin in Funktion bleiben.
Berlin am 1. August 1894.
Der Minister des Innern. J.V.: Braunbehrens.
Vorstehende Bekanntmachung wird unter Hinweis auf Nr. 13 des Amtsblatts von 1877, in welcher die der genannten Gesellschaft ertheilte Concession veröffentlicht worden ist, zur allgemeinen Kenntniß gebracht.
Cassel am 13. August 1894.
Der Negierungs-Präsident. I. A.: A l t h a u s.
UichkamMchcs.
P 5ttm jf8. Anglist.
Die Erinnerungstage au unsere großen Siege bei Metz, die am 18. August mit der Schlacht bei Gravelotte ihren glänzenden Abschluß fanden, sind abermals — nun schon vierundzwanzig Mal — wiedergekehrr. Wer immer im Geiste in jene Zeit sich wieder zurückversetzt, wo alle deutschen Stämme sich einmüthig erhoben und das deutsche Volk in Waffen mit Begeisterung dem Rufe des großen Königs und späteren Kaisers Wilhelm folgte, wo Vaterlandsliebe und Opferbereitschaft, wo Hingebung und Pflichtgefühl, wo militärischer Gehorsam und Kriegstüchtigkeit mit ihren Thaten die Welt in Staunen setzten, der wird von dem erhebenden Bewußtsein der Dankbarkeit und der Bewunderung für das erfüllt, was Gottes Gnade das deutsche Volk in jenen großen Tagen erringen ließ.
Diese Gefühle von Neuem zu erwecken und zu beleben, dazu soll uns die Wiederkehr dieser Tage dienen. Und wir haben die Erneuerung dieser Gefühle wahrlich recht nöthig. Wie viel kleinlicher Unverstand, wie viel engherzige Auffassung, wie viel Voreingenommenheit und Urtheilslosigkeit hat nicht schon oft versucht, uns die Freude an dem, um6 uns geworden, zu vergällen! Da will der Eine einen Rückgang des Ansehens des deutschen Reichs nach außen hin beobachtet, der Andere ein Nachlassen des nationalen Gedankens
bemerkt, der Dritte eine Verschlechterung aller unserer öffentlichen und politischen Verhältnisse wahrgenommen haben, und Jeder ist nur noch ein Lobredner der Vergangenheit. Aber wir brauchen wahrlich nicht beschämt die Augen nicder- zuschlagen, wenn wir uns die Gegenwart ansehen. Ein Reich des Friedens ist Deutschland nach des großen Kaisers Wort geworden; mehr als dreiundzwanzig Jahre ist der Friede in Ehren erhalten geblieben, und ungemindert steht das Ansehen des Reichs im Rathe der Völker da. Enge Bande der Freundschaft umschließen es mit Oesterreich - Ungarn und Italien, mit unserem Nachbarn Rußland haben wir zur Begleichung mancher wirthschaftlichen Gegensätze noch in diesem Jahr einen Handelsvertrag abgeschlossen; Frankreich hat in seiner Trauer dankbar die Zeichen der Theilnahme empfunden, die Deutschland, hochherzig ihm entgegenbrachte ; England hat uns erst noch jüngst durch Verzicht auf eine Vereinbarung, die das Interesse Deutschlands in Afrika geschädigt hätte, bewiesen, welchen hohen Werth es aus unsere Freundschaft legt.
Und im Innern? Nün, unsere Heereseiu- richtungen sind den fortschreitenden Bedürfnissen entsprechend verbessert und vervollkommt worden, mit einer umfassenden Sozialreform ist Deutschland allen Staaten als Beispiel vorangegangen. Unsere wirthschaftlichen Verhältnisse freilich lassen noch zu wünschen übrig. Aber diese Verhältnisse beschränken sich nicht allein auf Deutschland; alle Staaten leiden in gleicher Weise. Unausgesetzt ist bei uns das Streben, die wirthschaftliche Lage zu fördern und zu heben. Alles was an Verstimmung vorhanden sein mag, hat schließlich in wirthschaftlichen Dingen seinen Ursprung. Dieser Verstimmung, die nur zu sehr durch Elemente der Unzufriedenheit geschärt und zur Verhetzung der Massen ausgebeutet wird, Herr zu werden, haben wir dringende Veranlassung, und in der gedeihlichen Entwicklung, die sich sonst in den letzten zwanzig Jahren allenthalben offenbart hat, finden wir auch allen Grund, gegen alle jene Versuche, die uns die Freude an dem, was wir geworden, in kurzsichtiger Weise verkümmern wollen, entschieden Front zu machen.
Möchte die Erinnerung an die Wiedergeburt des Reiches diese wahrhaft patriotischen Gefühle und Gesinnungen stärken; möchte sie eine Quelle der Kraft werden, mit der wir nicht nur unsere staatliche und gesellschaftliche Ordnung vertheidigen gegen die Angriffe der zügellosen Gegner, sondern diese selbst auch allmählich zum Besseren lenken und bekehren. Den Kopf hoch und die Augen offen, mit frohem Muth und ernster Zuversicht mögen wir uns in vollem Vertrauen auf unseren Kaiserlichen Herrn, der mit kräftiger Hand und kundigem Auge das Steuer des Staatsschiffs lenkt, den Ausgaben der Gegenwart zuwenden, stets in Erinnerung dessen, welche große Verantwortung auf unseren Schultern ruht, damit wir das Reich Kaiser Wilhelms I. seiner Verheißung gemäß unseren Nachkommen hinterlassen als ein „Reich des Friedens auf dem Gebiete nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung!"
Politische ~ .
Beruft, 16. August.
Se. Majestät d e r Ka i s e r , Allerhöchst- weicher, morgen, Freitag, früh an Bord der kaiserlichen Nacht „Hohenzollern" in Kiel einzu- treffen gedenkt, wird sich nach erfolgter Ankunft ohne längeren Aufenthalt daselbst zum Bahnhöfe begeben und mittels des inzwischen von Wilhelms- Haven in Kiel eingetroffenen Hofzuges die Rückreise nach der Wildparkstation antreten.
In einem Artikel „Deutschland und Frankreich" weist die „K ö l n i s ch e Zeit» n g" darauf hin, wie eine Aenderung in der Temperatur zwischen Deutschland und Frankreich in jüngster Zeit deutlich erkennbar sei. In wichtigen diplomatischen Fragen, in dem Vorgehen gegen das schuldnerische Portugal, in der Kongo-Angelegenheit und neuerdings in dem Schutz der griechischen Gläubiger, hätten Frankreich und Deutschland Schulter an Schulter gestanden; die Förderung gemeinsamer Interessen scheine den nationalen Gegensatz überwunden zu haben .... Wer erinnere sich nicht, wie unter Kaiser Wilhelm I. dieser in Frankreich als der einzige und beste Hort des Friedens geschildert wurde, wie nach seinem Tode Kaiser Friedrich und selbst Fürst Bismarck dieselbe Rolle zugetheilt wurde, wie Wilhelm II. in den ersten Jahren seiner Regierung geschmäht, verleumdet und verdächtigt wurde, bis sich dann unter dem zwingenden Druck der Thatsachen selbst in Frankreich die Ueberzeugung Bahn brach, daß auch er entschlossen sei, die friedliche Politik weiter zu führen. Es bedurfte einer langen Kette ursächlich zusammenhängender Ereignisse, in deren Strahlpunkt als fester Pol Kaiser Wilhelm stand, um dieser Ueberzeugung zum Siege zu verhelfe», und wenn heute eine Aenderung des Verhältnisses in die Erscheinung tritt, so ist das thatsächlich das Werk unseres Kaisers, eine nicht zu unterschätzende Errungenschaft des neuen Kurses.
Die Landrathsämter und die Amtsgerichte sind, der „Schles. Ztg." zufolge, ersucht worden, zu berichten, inwieweit die bei der ländlichen Bevölkerung vorkommenden Vererbungsarten hinsichtlich der Form wie des Inhalts mit bem geltenden Jntestal-Erbrecht übereinstimmen oder von demselben abweichen. Insbesondere soll klargestellt werden, inwieweit von der bestehenden Verfügungsfreiheit Gebrauch gemacht wird.
^Hinrichtung C a s e r i o' s.j L y o n, l 6. August. Caserio wurde heute früh 4 Uhr 55 Minuten hingerichtet. Ein Zwischenfall ist nicht vorgekommen. — Ueber die näheren Umstände wird Nachfolgendes mitgetheilt: Der Gefängnißdirektor weckte heute früh um 41 /.2 Uhr Caserio und sagte ihm: „Muth, die Stunde ist gekommen." Caserio setzte sich auf das Bett; erwürbe leichenblaß und ein konvulsivisches Zittern ergriff ihn, das ihn nicht mehr verließ. Caserio kleidete sich hierauf langsam an; eine Erfrischung, die ihm angeboten wurde, wies er zurück, ebenso wies er die Tröstungen des Priesters von sich, denn er erklärte, daß er ihm nichts zu sagen hätte. Dagegen bat er den Priester, seiner Mutter einen Brief, den er an sie geschrieben hätte, zukommen zu lassen. Als während der Toilette der Gefängnißdirektor ihm von seiner Mutter sprach,