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Hersseldel Kreisblitt.
Mit wöchentlicher Gratis-Beilage „Mustrirtes Sonntagsblatt".
Nr. 97^.Dienstag den 2L August 1894.
Amtliches.
Hersfeld, den 17. August 1894.
Im Hinblick auf den Umstand, daß die Gefahr eines Brandunglücks um so größer ist, je mehr Nahrung dem ausgebrochenen Feuer sich bietet, veranlasse ich die Herren Ortsvorstände des Kreises, thunlichst darauf hinzuwirken, daß jetzt, wo nach beendeter Ernte, die Scheuern mit brennbaren Stoffen angesüllt sind, soweit möglich cin Jeder seine Vorräthe gegen F e u e r s g e f a h r versichert, damit im Falle eines Unglücks eine thunlichst erreichbare Ausgleichung des erlittenen Schadens stattfinden möge.
Ich mache hierbei ausdrücklich darauf aufmerksam, daß nach dem Erlaß des Herrn Ober- Präsidenten vom 28. Februar 1878 (cfr. Kreisblatt Nr. 20) die Abhaltung von Haus- k o l l e k t e n aus Anlaß von Beschädigungen durch Brand ebensowenig wie bei Hagel- schlag genehmigt werden wird.
Gleichzeitig richte ich an die Kreisbewohner die dringende Mahnung, ein besonderes Augenmerk auf die sichere Aufbewahrung der Streich zünd Hölzer zu richten, bamit namentlich unverständige Kinder nicht in deren Besitz gelangen und durch Spielen damit, wie schon oft geschehen, Feuerschaden verursachen. Die Herren Ortsvorstände wollen für thunlichste Bekanntwerdung des Gesagten Sorge tragen, und auch die Herren Lehrer hieraus Anlaß nehmen, in entsprechender Weise auf die Schulkinder ein- zuwirken.
I. I. Nr. 4350. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
(Nachdruck verboten.) In Haide nnd Mssr
Erzählung von Hans Warring. (Fortsetzung.)
_ „Was sagst Du? Gott im Himmel was für ein Elend!" jammerte Urte.
„Anspannen will ich und fahren auch," sagte Kristup, der. mit blassem, verstörtem Gesicht da- stand, „aber zur rechten Zeit komm' ich nicht mehr hin! Die Pferd' sind Tag für Tag in der Forst gewesen zum Holzrücken. Unter zwei Stunden mache ich den Weg mit den müden, eben aus den Sielen gekommenen Pferden nicht!"
„Zwei Stunden! dann ist Alles vorbei!" rief Grita.
„Erzähl' doch, von wem hast die Nachricht?" fragte Urte, die selbst in diesem Augenblicke ihrer Neugierde nicht Herr werden konnte.
„Der Löbb Hirsch kam eben angefahren — naß bis auf die Haut und vor Angst zitternd, daß er kaum sprechen konnte. Sie sollen um Gottes Willen heut nicht reiten — die Sach fei verrathen. Drüben an der Grenz' steht Posten an Posten — von Suwalki, von Androwo, von Postieten sind große Kommandos Ulanen und Kosaken an die Grenze gezogen worden. Einen starken Kordon haben sie gebildet, daß keiner
Politische Nachrichten.
Berlin, 18. August.
Se. Majestät der Kaiser traf am Freitag Abend 7'/+ Uhr auf dem Dampfer „Alexandria" in der Matrosenstation bei Potsdam ein und wurde von Ihrer Majestät der Kaiserin und den vier ältesten kaiserlichen Prinzen empfangen. Ihre Majestäten begaben sich alsbald zu Wageu nach dem Neuen Palais.
Am Sonnabend früh fuhren Ihre Majestälen der K a i s e r und die Kaiserin bald nach 8 Uhr von der Wildparkstation mittels Sonder- zuges bis zum Bahnhöfe Großgörschenstraße, stiegen hier zu Pferde und begaben Allerhöchstsich, umgeben von den Herren des Allerhöchsten Hauptquartiers und dem Allerhöchsten Gefolge, nach dem Paradefelde, woselbst Se. Majestät der Kaiser die Parade über das Gardekorps abhielt. — Das heutige Paradediner im Neuen Palais fand um 6 Uhr zu ca. 300 Gedecken statt. Ihre Majestäten hatten in der Mitte der Tafel Platz genommen, Ihre Majestät die Kaiserin links von Sr. Majestät dem Kaiser. Rechts von Seiner Majestät hatten ihre Plätze Ihre königl. Hoheiten Prinzessin Friedrich Leopold und Prinz Friedrich Heinrich, links von Ihrer Majestät der Kaiserin Se. königl. Hoheit Prinz Friedrich Leopold. Sr. Majestät gegenüber saß der Kriegsminister General der Infanterie Bronsart v. Schellendorff, Ihrer Majestät gegenüber der Reichskanzler Graf Caprivi, und diesem zur Rechten der österreichischungarische Botschafter v. Szögyeny. Während der Paradetafel erhob Sich Se. Majestät und trank auf das Wohl des Kaisers von Oesterreich mit folgenden Worten: „Ich trinke auf das Wohl des Kaisers Franz Josef, Meines treuen
hindurch kann. — Er hat Angst um seine Waare, der Löbb, die gerade heute aus Seidenzeug, Handschuhen und Spitzen besteht, viele hundert Rubel an Werth. Aber er jammerte auch um die Leute, die dabei zu Grund' gehen werden. Er hat den Vater und den Mikelis angefleht, sie sollten anspannen und nach Tauerischken fahren, den Endrick zu warnen. Aber sie haben sich geweigert, weil der Löbb das Geschäft dem Endrick und nicht ihnen zugewendet hat. Da hab' ich mich ausgemacht und bin hergelaufen, denn ich weiß, der Endrick — ich hab' keinen Grund gerade viel von ihm zu halten — aber das weiß ich doch, der Endrick hätt' uns nicht im Stich gelassen, wenn wir in solcher Noth gewesen wären!"
„Nein, das hätt' er nicht gethan, — der gewiß nicht!" sagte Kristup.
„Und um seinetwillen kommst hergelaufen in dem Wetter? Und er hat es doch um Dich gewiß nicht verdient," meinte Urte.
Dem Mädchen schoß eine dunkele Blutwelle ins Gesicht.
„Seinetwegen bin ich nicht gekommen," sagte sie rasch und herb, „allein der Anna wegen bin ich gekommen — ich weiß ja, daß sie das Herz an ihn gehängt hat, das arme Ding! — Also zwei Stunden meinst zu brauchen, Kristup? O mein Gott, dann können wir ihm nicht helfen!"
„Versuchen müssen wir es doch," entgegnete
Freundes und Bundesgenossen; Se. Majestät Hurrah!" Die Tafelmusik stellten die Musikkorps des 1. Garderegiments zu Fuß und des Regiments der Gardes du Corps.
Die preußischenKriegsartikel, mit denen jeder Preuße, der des Königs Rock getragen hat, bei seinem Eintritt in das Heer vertraut gemacht wird, konnten am 14. August ihr SOjähriges „Jubiläum" begehen. Das „Militairwochenblatt" vom 12. August 1844 brächte die Verordnung über die Anwendung der von einer besonderen „Kommission zur Revision der Militairgesetze aus- gearbeiteten Kriegsartikel" für die Unteroffiziere und Soldaten der Armee.
Am Sonnabend Nachmittag fand bei Mogador die militairische Weihe des von dem Großherzog von Baden gestifteten Denksteins statt, eines 280 Zentner schweren Granitblocks, welcher an der Stelle errichtet worden ist, von wo aus weiland Se. Majestät König Wilhelm 1. die Schlacht von Gravelotte leitete. An der Feier nahmen der kommandirende General Graf Häseker, Deputationen sämmtlicher Truppentheile von Metz und eine Anzahl patriotischer Vereine theil.
In Metz hat sich ein Ausschuß gebildet, welcher Beiträge sammelt, um auf der Höhe des Point- du-jour einen.Thurm zu errichten, der auf die Schlachtfelder vom August 1870 einen vollkommenen Rundblick gewährt. Die Gemeinde Rozsrieulles hat das zum Bau nöthige Grundstück unentgeltlich hergegeben. Das Unternehmen wird durch den Kaiserlichen Statthalter Fürsten von Hohenlohe, den kommandirenden General des 16. Armeekorps Grafen von Häseler und den Gouverneur von Metz, Generallieutenant von Arndt, der Vorsitzender des Ausschusses ist, gefördert.
Die deutsche überseeische Auswanderung hat auch im Juli gegen das Vor-
dieser, sich zum Gehen wendend. Auf halbem Wege aber rief Anna ihn zurück. Das Mädchen hatte seit Gritas Eintritt kein Wort gesprochen. Still hatte sie da gestanden, mit angstvollen Augen von Einem zum Anderen blickend. Seit einigen Minuten hatte sie sich, von Allen unbeachtet, leise und rasch in der anstoßenden Kammer hin und her bewegt. Jetzt trat sie heraus, den schlanken Leib in eine warme Jacke geknöpft, ein dunkeles Tuch über den Kopf gebunden. Aus den Falten desselben blickte ihr blasses, entschlossenes Gesicht heraus.
„Laß das Anspannen, Kristup, es ist unnöthig, ich will nach Tauerischken!" sagte sie.
„Da möcht' ich mit den Pferden, auch wenn sie müd' sind, doch noch rascher hinkommen," meinte Kristup.
„Ich will nicht die Landstraße, ich will den kürzeren Weg nehmen — über das Moor."
„Du!" Wie ein Schreckensschrei kam es über die Lippen der drei Anwesenden.
„Ja, ich! Ich bin leicht und kann gut laufen. Er hat ja auch gesagt, daß das Grundeis noch hält."
„Kann er das wissen, ich glaub' vielmehr, daß es nicht mehr hält."
„Laßt mid), — ich kann nicht stille sitzen, wenn Menschenleben auf dem Spiele stehen! Ich setze gegen mehrere doch nur eins ein, und noch dazu eins —" Das Mädchen vollendete nicht, die