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Hersstl-tl Kkristlitt.
Mit wöchentlicher Gratis-Veilage „Muftrirtes Sonntagsblatt".
Ur. 103. Sonnabend den 1. September
1894.
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„Jllustrirtes Sonntags-Blatt"
für den Monat September werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 29. August 1894.
Am Sonnabend den 15. September d. Js.
Vormittags 10 Uhr findet im Saale des hiesigen Rathhauses eine Kreistagssitzung statt.
Tagesordnung.
1. Prüfung der Verhandlungen über die Wahl des Bürgermeisters Groscurth in Hatten- bach als Ersatzmann an Stelle des mit Tod abgegangenen Kreistagsabgeordneten Gast- wirths Heinrich E i ch m a n n in Niederaula, Beschlußfassung über die Gültigkeit dieser Wahl und Einführung des neu Gewählteu in sein Amt. (§71 der Kreisordnung und § 2 der Geschäftsordnung).
2. Begutachtung des Landwegebau-Etats für 1895.
3. Beschlußfassung über die Verwendung des dem hiesigen Kreise aus den landwirthschast- lichen Zöllen des Etatsjahres 1893/94 über- wiesenen Betrages mit 27581 Mark.
4. Beschlußfassung über die vorliegenden Unterstützungsgesuche.
5. Prüfung und Feststellung der von dem Kreisausschusse revidirten und von der seitens, des Kreistages in dessen Sitzung am 15. März d. Js. beauftragten Kommission geprüften Kreiskassen-Rechnung für 1893/94 (§ 87 der Kreisordnung vom 7. Juni 1885).
6. Berathung über die Petition des Bürgermeisters Rössing in Kerspenhausen und Genossen um Uebernahme der Landwegebaupflicht auf den Kreis.
7. Wahl von Sachverständigen und Stellvertretern zur Abschätzung der Kriegsleistungen im Falle einer Mobilmachung gemäß § 33 des Reichsgesetzes vom 13. Juni 1873 (für die Kalenderjahre 1895, 1896 und 1897).
8. Wahl der Körungs-Kommission (Polizeiverordnung vom 17. Januar 1879, Amtsblatt Seite 40) für die Jahre 1895,1896 und 1897).
9. Wahl von SchiedSmännern und deren Stellvertretern für die aus mehreren Gemeinden zusammengesetzten Schiedsmannsbezirke (§ 3 Abs. 2 und § 11 der Schiedsmannsordnung vom 29. März 1879) nach vorgängiger Beschlußfassung über die etwa vorzunehmende anderweite Abgrenzung der Schiedsmannsbezirke (§ 1 Ziffer 2 der Schiedsmannsord- nung) für die Jahre 1895, 1896 und 1897.
J> A. Nr. 2203. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Rath.
Hersfeld, den 27. August 1894.
Der Gastwirth Heinrich W i e g a n d und der Maurer Johannes Kranbau zu Eitra sind
als Ortsschätzer für die dasige Gemeinde widerruflich bestellt und eidlich verpflichtet worden.
J. I. Nr. 4423. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 28. August 1894.
Für die am 12. Januar 1878 geborene Minna Wetterhahn dahier ist um Ertheilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.
I. I. Nr. 4491. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.
Nichtamtliches.
t Der Tag von Seban.
Das deutsche Volk feiet'. gm 2. September zum 24. Male den Tag von Sedan. Entsprungen aus dem gewaltigen Eindruck, den die glänzende Waffenthat des geeinten deutschen Heeres bei ihrer Kunde auf alle Deutschen wie auf alle Welt ausübte, sollte die Feier doch nicht den blutigen Sieg als solchen verherrlichen, sie sollte nicht den zu Boden geworfenen Gegner verletze», sie sollte vielmehr für alle Zeiten ein Wahrzeichen sein für die nationale Einheit und Kraft, welche in dem Siege von Sedan zu ihrer höchsten Entfaltung gelangt waren, und eine Mahnung sowohl zur Dankbarkeit für das, was Gott uns hat erringen helfe», wie auch eine Mahnung, stets den nationalen Gedanken und die opferbereite Gesinnung hochzuhalten, welche ihn hat verwirklichen helfen.
Das deutsche Volk hatte sich für die Verwirk- lichung seines seit lange erstrebten Ideals erhoben und seine ganze Kraft eingesetzt für dessen Erreichung. Das ist und das wird in der Völkergeschichte für alle Zeiten ein Beispiel sein. Wir dürfen uns dessen rühmen, um so mehr, als die That einer geschichtlichen Vergangenheit angehört, die wir heute völlig unbefangen und gerecht zu würdigen in der Lage sind.
An diesem großen Beispiel patriotischer Gesinnung und nationaler Thatkraft wollen wir uns auch heute wieder erheben und dessen eingedenk sein, daß mir unsere nationalen Güter pflegen, daß wir unsere Ideale stets hoch halten sollen. Diese Mahnung erscheint um so dringender geboten, wenn wir umherblicken auf die Arbeit der zersetzenden Elemente, die alles, was Vaterland, Staat, Gesellschaft heißt, zerstören und nicht nur aus unserem Herzen reißen, sondern auch aus unserem Verstände beseitigen möchte» als angeblich unfruchtbare, veraltete, einer höheren Kultur widerstrebende Begriffe. Ein Volk würde zu einer regellosen, sich selbst zerfleischenden, milden Horde werden, wenn es nicht zusammengehalten würde durch die Macht des ordnenden Gedankens, die in den Idealen lebt, sei es daß diese sich auf das Glück in der Familie beschränken, sei es daß sie darüber hinausgehen auf den Zusammenhang der Gesellschaft, des Staates, des Vaterlandes, aus die Liebe zum Nächsten wie zu dem Lande, welches die Kinder einer in Sitte und Sprache geeinten Gemeinschaft umschlingt, sei es daß es
die Ziele der Kunst und Wissenschaft, der Sitte und Religion sind.
Wer es unternimmt, an diesen Idealen auch nur in der Gedankenarbeit zu rütteln, untergräbt den Grund und Boden, auf welchem sich die geistigen und wirthschaftlichen Kräfte eines Volks entwickeln, auf dem sich solche Kräfte entfalten können, wie sie sich in der großen Erhebung des deutschen Volks im Jahre 1870 bethätigt haben.
Das ist es, was uns die diesjährige Feier des Tages von Sedan dringlich vor die Seele führen soll. Fort mit den unheimlichen Kräften, die an unserem Marke nagen; aber auch fort mit der Schwäche, die so vielfach auch bei sonst besonnenen Leuten zu beobachten ist, die Methode jener nach- zuahmen, indem man Kritik an alles Bestehende legt und sich mehr und mehr in Unzufriedenheit hineinzureden sucht. Eine solche Methode raubt uns die Freude an den großen Gütern unserer nationalen Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung, dir ihre Lebenskraft bis zu dem heutige» Tage erhalten haben und sicherlich die Zeiten überdauern werden, wenn wir uns stets gegenwärtig halten, durch welche siegbelohnte Opfer wir sie errungen haben. Möge die Feier des Tages von Sedan zur Belebung dieser Gesinnung und zu dem Entschluß beitragen, sie gegen alle Anfechtungen innerer und äußerer Art alle Zeit und ohne Unterlaß zu wahren und zu pflegen!
Holitische Nachrichten.
Berlin, 30. August.
Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin unternahmen heute früh wiederum einen gemeinsamen Spazierritt in die Umgebung des Neuen Palais. Von demselben zurückgekehrt, hörte Se. Majestät zunächst den Vortrag des Kriegsministers Generals der Infanterie Bronsart v. Schellendorff und arbeitete sodann längere Zeit mit dem Chef des Militair- kabinets General der Infanterie Generaladjutanten von Hahnke.
Auf Grund der amtlichen Berichte über die Heeresergänzung im Jahre 1893 machen einzelne Zeitungen die Angabe, daß in dem genannten Jahre ca. 11000 Mann mehr eingestellt worden sind, als bei Berathung des Gesetzes, betreffend die Friedenspräsenzstärke vom 3. August 1893, als Rekrutenbedarf in Aussicht genommen war. Diese Angabe ist, wie der Reichsanzeiger schreibt, zutreffend. Das Mehr von 11000 Mann erklärt sich durch folgende Verhältnisse: 1. Die Zahl der 1893 thatsächlich eingetretenen Einjährigfreiwilligen ist wesentlich höher gewesen als nach dem Durchschnitt früherer Jahre veranschlagt war. 2. Bei dem Rekrutenbedarf waren die über die Friedenspräsenzstärke hinaus zur zehnwöchigen Dienstzeit zur Aushebung gelangenden Volksschullehrer naturgemäß außer Ansatz geblieben. Ihre Zahl ist in dem Mehr von 11000 mit enthalten. 3. Bei der Rekrutenbedarfsberechnung war angenommen, daß die durch den Etat neu geschaffenen Kapitulantenstellen durch solche Mannschaften gedeckt würden, die ausgedient haben ober im dritten Jahre bie- nen. Da aber dem Reichstag das Zugeständnis; gemacht wurde, daß im Herbst 1893 aus Anlaß