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Hersstliter Kmsblitt.

Mit wöchentlicher Gratis-BeilageMnstrirtes Sonntagsblatt".

Ur. 107. Donnerstag den 13. September 1894.

Amtliches.

Hersfcld, den 4. September 1894.

Die diesjährige Generalstabsreise des 10. Armee- Korps wird in der Zeit vorn 21. September bis 4. Oktober Theile des diesseitigen Regierungs­bezirks berühren. Das gesammte Kommando wird voraussichtlich aus 19 Offizieren, 2 Unteroffizieren, 26 Mann und 44 Pferden bestehen.

Welche Orte in dem angegebenen Zeitraum an einzelnen Tagen bequartirt werden müssen, läßt sich vorläufig nicht übersehen; das Königliche General-Kommando wird jedoch rechtzeitig mit den betreffenden Ortsvorständen in Verbindung treten.

Den Herren Ortsvorständen des diesseitigen Kreises wird Vorstehendes zur Kenntnißnahme mitgetheilt.

J. II. Nr. 2643. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Gefunden: eine Peitsche. Meldung des Eigen- thümers bei dem Ortsvorstand zu Eitra.

Nichtamtliches.

f Reservisten.

Die Manöverzeit, in der wir uns befinden, bildet für einen Theil der Mannschaften die Zeit des Abschieds von dein schönen Soldatenleben. Noch einmal lernen sie die Pflichten und An­strengungen kennen, denen sich der Soldat zu unterwerfen hat; aber sie nehmen auch viele nütz­liche und freundliche Eindrücke gerade aus der Manöverzeit in das bürgerliche Leben mit.

Wenn dann die Zeit gekommen, wo sie ans

Jas Melkind von Mnhkim.

Von F. P.

(Fortsetzung.)

Die älteren Frauen saßen auf den rings um den Platz herum angebrachten Bänken, vor denen Tische mit dampfenden Kaffeetöpfen standen, strickten und plauderten, während die Männer, die für Spiel und Tanz zu alt waren, sich hier und dort zn einer gemüthlichen Unterhaltung rauchend und Kaffee trinkend zusammengesetzt hatten. DerHerr Inspektor" war natürlich bei der Jugend, denn, wenn er auch alt genug für dieHauchecken" gewesen wäre, er gehörte ein mal zur Jugend, wie immer, so besonders an diesem Fest, und davon durfte nicht abgewichen werden. Und daß er zu der Jugend gehörte, das bewies er auch an diesem Nachmittag. Beim Greifen und Laufen, beim Verstecken und Suchen, er war immer voran. Aber auch jeder wollte gerade mit ihm greifen, zu ihm laufen, vor ihm sich verstecken und ihn suchen.Herr Inspektor! Herr Inspektor!" so schwirrte es fortwährend durch die Luft. Kurz, er war der Mittelpunkt der ganzen jugendlichen Fröhlichkeit und fühlte sich, trotzdem ihm der Schweiß von der Stirne rann, wohl, herzlich wohl dabei, wie er auch dem Pastor antwortete, der ihn fragte, ob ihm das nicht auch zu viel würde:Nein, Herr Pastor, Sie wissen ja:

dem aktiven Militärdienst als Reservisten scheiden, wird für Viele auch die Sorge eintreten, ob und wo sie nun in bürgerlichen Verhältnissen unter­kommen. Es ist daher anzuerkennen, daß in neuerer Zeit mehrfach, so auch von Kriegerver­einen versucht worden ist, den eben entlaffenen Reservisten Arbeit nachzuweisen, und es ist zu hoffen, daß diese Bestrebungen sich immer weiter ausbreiten mögen. Unnöthigerweise hat man nun kürzlich in mehreren Blättern die Sorgen des Reservisten noch dadurch zu mehren gesucht, daß man verbreitete, auf Anordnung des Kriegs- ministeriums würden diese Reservisten künftig keine Entlassungsanzüge mehr bekommen. Indeß hierüber können sie vollständig beruhigt sein. Die Sache verhält sich vielmehr so:

Nach den bisher geltenden Bestimmungen wurde der Anspruch auf einen Entlassungsanzug nur durch eine Dienstzeit von mindestens zwei vollen Jahren, d. h. also überhaupt erst im dritten D i e n stj a h r e erworben. Alle früher Ausscheidenden, auch die sogenannten Dis- positions-Urlauber, waren sonach ausgeschlossen, auch wenn sie eines Anzuges bedürftig waren. Nach Einführung der zweijährigen Dienstzeit hätte mithin bei den Fußtruppen der Anspruch auf einen Entlassungsanzug überhaupt nicht mehr er­worben werden können. Hieraus mag nun ge­folgert worden sein, daß keine Reservisten-Anzüge mehr abgegeben werden. In Wahrheit hat aber das Kriegsministerium diesen Schluß seinerseits nicht gezogen, vielmehr geglaubt, den wirklichen Bedürfnissen der Mannschaften und den wirth- -schaftlichen Rücksichten durch folgende Bestimmung Rechnung tragen zn sollen.

Fortan wird, ganz abgesehen von der Länge der Dienstzeit, jedem Manne, der bei seiner Ent­lassung eigene Civilkleider oder die Mittel zu

Bon der Stirne heiß

Rinnen muß der Schweiß,

Soll das Werk den Meister loben." und dann war er wieder mitten in seiner fröh­lichen Schaar. Endlich stellte sich aber bei den Umherspielenden der Durst ein, und auf des Inspektors Befehl wurde eins der auf gemeinschaft­liche Kosten mitgebrachten Bierfäffer geöffnet und nun jedem das Seine zugeschenkt. Da kam auch in die still rauchenden und sich unterhaltenden Gruppen der älteren Männer mehr Leben. Sie gingen hin, sich ihr Theil des kühlenden Getränkes verabfolgen zu lassen. Während aber der kleine Inspektor bei der Jugend sehr genau acht gab, wie oft ein jeder kam, zu trinken, ließ er den Aelteren mehr Spielraum in dieser Beziehung. Und das benutzten diese auch gern, obwohl stets in sehr ordentlicher Weise, denn sie wußten, daß, wer das Fest irgendwie störte, auf lange Zeit Ansehen und Einfluß in Schönheim verlor.

Nur einer bekümmerte sich wenig um die An­sichten der übrigen. Das war der Bauer Borg­mann. Er saß mit dem jungen Wirthschaftet vom Hof, dem Untergebenen des Inspektors, zu­sammen, und die beiden redeten sehr angelegent­lich mit einander. Der junge Mann rechnete es sich zur Ehre, dem reichen Dauer, so oft er ausgetrunken hatte, ein neues Glas zu holen, | was dem sehr gefiel. Ein Trinker war Borg- j man» nicht, aber, wenn sich die Gelegenheit bot,

deren Beschaffung nicht besitzt, ein Entlaffungs- anzug gegeben. Mannschaften, welche zwar Civil­kleider oder die nöthigen Geldmittel haben, die Kleider aber bei der Entlassung nicht rechtzeitig zur Stelle schaffen können, wird die Uniform leihweise für den Marsch nach der Heimath mitgegeben. Ganz fort fällt der Entlassungs- anzug nur bei solchen Leuten, die Civilkleider besitzen und die, wie die Erfahrung lehrt, bis­her vielfach den Entlaffungsanzug nur dazu be­nutzten, um ihn baldmöglichst bei einem Kleider­händler in Geld umzusetzen.

Die letztere Kategorie von dem Empfang des Entlassungsanzugs auszuschließen, war nach Ein­führung der zweijährigen Dienstzeit bei den Fuß­truppen auch aus wirthschaftlichen Rücksichten nothwendig. Diese Truppentheile erhalten etats- mäßig immer erst nach 2*^ Jahren einen neuen Waffenrock für jeden Mann der Etatsstärke. Eine Kompagnie von 150 Köpfen erhält danach jährlich 60 Waffenröcke, sie -Müßt aber jährlich mindestens 75 Mann.

Diese Neuregelung dürfte allen berechtigten Ansprüchen und Bedürfnissen entsprechen. Die Reservisten brauchen sich daher in dieser Beziehung keiner unnöthigen Sorge hinzugeben. Alle aber, ob sie nun einen Reservistenanzug erhalten oder nicht, mögen noch die letzten Wochen ihrer Dienst­zeit ihre Uniform mit Stolz und Genugthuung tragen; sie werden noch lange an die schöne Zeit zurückdenken, in der es ihnen vergönnt war, unter der Fahne zu stehen mit gehobenem Herzen, ge­horsam den Vorgesetzten, kameradschaftlich mit Ihresgleichen und in Treue gegen ihren Kaiser­lichen Herrn. Mögen sie stets deffen eingedenk bleiben, daß sie des K ö n i g s R o ck getragen haben.

schmeckte es ihm trotz seines Alters doch sehr gut. Nun war's am Nachmittag etwas schwül gewesen, Staub gab's bei dem vielen Umherspringen und -jagen auch genug zu schlucken, was Wunder, daß es ihm auch heute gut schmeckte. So kam er denn bald in eine neckische Laune hinein, und sagte zu seinem jungen Gefährten:

Nun, Herr Döring, haben Sie sich denn auch schon eine Schöne ausgesucht unter den Mädchen Schönheims, oder leidet etwa ihr gestrenger Herr Nevermann das nicht?"

Herr Nevermann hat gar nichts zu leiden; ich bin in meiner oder vielmehr seiner Wirth­schaft auf dem Posten, dann geht ihn das übrige gar nichts an."

Nun, nun, nur ruhig, lieber Herr, ihre Vor­gänger haben da doch manchmal Wunderdinge von väterlicher Autorität und Vormundschaft erlebt. Sollte der Alte sich geändert haben?"

Mir hat er wenigstens nie etwas zu sagen gewagt. Hub es würd' ihm auch nicht viel helfen. Ich bin nicht hier bei ihm, um Mores zu lernen, sondern um zu wirthschaften,"

Na,sagte der Bauer,das wird sich ja über kurz oder lang herausstellen. So haben sie zuerst alle geredet und sind nachher doch sanftpfötig geworden. Aber wie ist's mit der Schönen? Welche haben Sie sich denn ausge­sucht? Blicken Sie mal um sich; heut sind sie alle zu Häuf!".