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Amsel-er IrrisHitt

Mit wöchentlicher Gratis-BeilageMuftrirtes Sonntagsblatt".

Ar. 110. Donnerstag den 20. September 1894.

Amtliches.

Hersfeld, den 19. September 1894.

Von den im vorigen Winter Seitens des Kreises bezogenen Futtermitteln sind noch 244 Centner Sesamkuchen vorhanden. Diese sollen vor dem 1. Oktober d. Js. unter dem Tages­preise bei Stundung desKaufpreises bis 1. Januar 1 89 5 abgegeben werden.

Die Herren Bürgermeister wollen dies unver­züglich in Ihren Gemeinden bekannt geben und Kauflustige an Herrn Kaufmann J. H- Otto hier verweisen.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Freiherr von Schleinitz, Königlicher Landrath, Geheimer Negierungs-Rath.

I. A. Nr. 2254. ___________

Hersfeld, den 15. September 1894.

Für die am 4. Januar 1881 geborene WUhel- mine Messer dahier ist um Ertheilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.

J. I. Nr. 4750. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Rath.

Nichtamtliches.

t Der Kampf gegen die Karteien des Amstnrzes.

In der Rede, die unser Kaiser am 6. September in Königsberg gehalten, hat er am Schluß die Mahnung ausgesprochen, ihn im Kampfe für Religion, Sitte und Ordnung gegen die Parteien

Jas 3inMM von Mnhkim.

Von F. P.

(Fortsetzung.)

Thät's am liebsten, denn dann hätte ich doch sicher etwas für meine Mühe, jedoch dazu bist Du im Auszahlen zu zähe. Aber ich bin auch zufrieden mit dem Schriftstück. Sieh her, ich hab' hier so ein Ding aufgesetzt, wenn Du mir das abschreibst, unterschreibst und untersiegelst, dann sollst Du darnach auch meine handgreiflichen Beweise haben."

Der Bauer nahm die ihm hingereichte Schrift und las, dann und wann ärgerlich anflachend, und zum Schluß bemerkend:Du hättest eigent­lich Advokat werden sollen, würdest großes ge­leistet haben. Und unverschämt bist Du auch gar nicht:Dreißig Prozent, sieh, damit bist Du den Advokaten doch noch über."

Und warum sollte ich weniger nehmen, als dreißig Prozent? antwortete der Kaufmann,ohne mich bekommst Du gar nichts, ich kann aber auch ohne Dich zu den dreißig Prozent kommen, brauche nur zu der andern Partei zu gehen; ja, die geben mir auch noch mehr."

Warum gehst Du denn nicht zu ihnen?"

Nun, Bauer, daß ich's aus Freundschaft für Dich nicht thue, wirst Du selbst nicht glauben; nein, sondern ich fürchte, daß, wenn die andere Partei auf noch so rechtlichem Wege die Geschichte

des Umsturzes zu unterstützen. Hiermit ist die Lösung einer Hauptaufgabe für die nächste Zu­kunft in den Vordergrund gestellt, und hierzu Stellung zu nehmen ist Pflicht aller Parteien wie jedes Einzelnen.

Die Bestrebungen der Umsturzparteien sind die größte Gefahr, von der das Vaterland bedroht ist. Der Einzelne in dem engen Kreise seines Berufs, in den Nöthen und Sorgen des täglichen Lebens empfindet vielleicht nicht immer die ganze Größe der Gefahr; oft auch wird er sich in Sicherheit und Hoffnung wiegen, daß an der Stärke und Macht des Maates die Bestrebungen des Umsturzes abprallen und zerschellen werden. Vielleicht hält er auch die eigenen Schwierigkeiten des Lebens für so groß, daß er übersieht, wie der Grund und Boden, auf 'dem er steht und von dessen Bestand auch sein Gedeihen abhängt, unter= wühlt wird. Manche Warnungsrufe sind schon ergangen; aber man hält die Sache für nicht so schlimm, man stumpft gamal wenn sich solche Warnungen wiederholen dagegen allmählig ab. Nun aber ist es der Kaiser, der den Finger auf die Wunde legt und mit dem ganzen Gewicht seiner Königlichen Würde auf die Gefahr hinweist, die dem Staats- und Gesellschaftsleben droht; er wendet sich an sein Volk und fordert zum Kampf gegen die Gefahr aus!

Wer könnte da taub und unthätig bleiben? Wer könnte da noch sich seiner alten Gewohnheit hingeben, die Hände in den Schoß zu legen und Anderen die Sorge zu überlassen? Wer wollte da sagen, daß er sich nach wie vor nur den Kopf über die wirthschaftlichen Verhältnisse zerbrechen, lediglich seinen Grundsätzen Geltung verschaffen und vor Allem danach sehen müsse, wo ihn der Schuh drücke?

Wolle Gott, daß die große Zeit, in der wir

eingenommen hat, Du es ihnen doch wieder ab- jagst, und dabei könnte auch mein Profil mit draufgehen. Man hat ja schon dergleichen erlebt." Nun, wenn Du Dich vor mir fürchtest, dann mußt Du auch von Deinen dreißig Prozent noch ablaffen können."

Nein, das thu' ich auf keinen Fall, lieber kann die ehrcuwerthe Bürgerschaft von Neustadt die schöne Erbschaft einstreichen. Nicht wahr, Borgmann, das wäre so was für Dich?"

Ha, die Kerls! Daß die dabei was schlucken könnten, ist das Einzige, was mir die Geschichte immer wieder in den Kopf bringt. Gib Deinen Wisch her! Wahr ist ja all Dein Gerede heute ebenso wenig, wie sonst, ich riskire also höchstens die Mühe, Dir den Schein auszustellen." Damit setzte er sich und schrieb das von Müller aufge­setzte Schriftstück mit großen, markigen Zügen ab. Müller ging derweilen wieder im Zimmer auf und ab, bis ihn eine dastehende Flasche mit Branntwein anzog, der er anfing zuzusprechen.

Als Borgmann mit seinem Schreiben fertig war, las der Kaufmann dasselbe sorgsam durch, prüfte die Unterschrift und das Siegel und legte schließlich das Ganze behutsam in seine Brief­tasche. Darauf erklärte er, erst irgend etwas effen zu müssen, er sei seit Mittag völlig ohne Nahrung. Auch darin willfahrte ihm Borgmann; und, nachdem er schweigend seinen Hunger ge­stillt hatte, begann Müller endlich seine Erzählung.

leben, und in der es sich um die Erhaltung und Vertheidigung unserer größten Güter handelt, nicht ein kleines Geschlecht finde! Wem Thron und Vaterland, Religion, Sitte und Ordnung theuer sind, der lasse seine Sorgen, die ihn bisher gequält und vielleicht in eine schief Lage gebracht haben, daheim und wappne fich mit seiner ganzen Königstreue und Vaterlandsliebe, um in dem Kampf, zu dem er gerufen, seinen Mann zu stehen. Fort mit den Streitigkeiten und Zänkereien zwischen den Parteien, die doch im Grunde einig sind in der Ueberzeugung von der Nothwendigkeit, die Grundlagen unseres Staatslebens zu vertheidigen und zu erhalten! Fort mit dem Schmollen und Grollen über diese oder jene Maßnahme, die vielleicht nicht ganz unserer Ansicht oder unserem Jntereffe entsprach! Jetzt giebt es für Patrioten keine andere Pflicht, als dem Kaiser zu folgen, der sie gerufen hat, alles Trennende bei Seite zu lassen, und in gemeinsamer Arbeit auf Abwehr bedacht zu sein. Für Patrioten, welcher Partei sie auch angehören, gilt jetzt nur ein Ruf: Mit Gott, für König und Vaterland!

Politische Nachrichten.

Berlin, 18. September.

S e. M a j e st ä t der Kaiser ging am Montag früh um 2 Uhr auf Seiner Jacht Hohenzollern" von Hela aus in See und traf um 7'/2 Uhr Vormittags vor Rositten ein.

Wie dieFrankfurter Zeitung" aus Belgrad meldet, wird König Alexander von Serbien nach dem festgesetzten Programm am 17. Oktober in Berlin als Gast Sr. Majestät des Kaisers'ein­treffen. Der König wird von dem Minister­präsidenten und dem Kriegsminister begleitet sein.

Du weißt, daß Deine Tochter, als sie mit dem Eberhard durchgegangen war, in Amerika wohnte. Das hat aber nicht lange gedauert, nämlich nur, bis der Krieg mit Frankreich aus- brach, denn damals kehrte Eberhard, der noch militärpflichtig war, nach Hause zurück und zog mit gegen den Feind. Seine Frau hatte er bei Verwandten untergebracht. Wie es nun ge­kommen ist, daß sie diese Verwandten verließ, weiß ich nicht, gewiß ist aber, daß sie im Januar 1871 in Neustadt bei Deinem alten Freund, dem Schmiedemeister Roß, angenommen ist, sich nach Dir zu erkundigen. Roß hat sie damals mehrere Tage bei sich im Hause behalten, weil sie völlig von Kräften gewesen ist, ja, hat sie eigentlich nicht eher wieder von sich lassen wollen, als bis sie die nahe bevorstehende Geburt eines Kindes überstanden haben würde. Gertrud aber, als sie nur erst wußte, wo Du seist, hat sich nach einer kleinen Erholungszeit sofort wieder aufgemacht, und zwar hierher. Hier ist ste aber nie ange- kommen, wie Dir bekannt sein dürfte. Aber Du weißt auch, daß gegen Ende Januar 1871 hier eine Frau im Holze gefunden ist, die nachher bei der alten Scharfenberg nach Geburt einer Tochter gestorben ist. Diese Frau war Deine Gertrud, und die Margarethe ist Deine Enkelin. Brauchst Du noch mehr Beweise?"

Und woher weißt Du das alles?" fragte der Bauer, dem es anzumerken war, daß er von der