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Herssel-tl Kreistlitt.

Mit wSchentlicher GraLLs-BsttageMuftrirtes Sonntagsblatt".

Nr. 119. Donnerstag den 11. Oktober 1894.

Bestellungen

auf das Hersfelder Kreisblatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage Jllustrirtes Sonntagsblatt" für das IV. Quartal 1894 werden noch von allen Kaiserlichen Postaustalten, Land- briefträgern unb von der Expedition ange­nommen.

Amtliches.

Hersfeld, den 6, Oktober 1894.

Die Nummerliste der verloosten und zum 1. Januar 1895 gekündigten Schuldverschreibungen der 3H.,prozentigen Staatsschuldscheine von 1842 liegt im Geschäftslokale des Unterzeichneten sowie in denjenigen der Königlichen Steuerkassen des Kreises zur Einsicht der Interessenten offen.

Hierbei wird zugleich auf die diese Nummerliste betreffende Bekanntmachung der Königlichen Hauptverwaltung der Staatsschulden vom 3. September d. Js., abgedruckt im Regierungs- Amtsblatte für 1894 Seite 207, und auf die Einlösung der bereits früher gekündigten Staats­schuldscheine von 1842, der Neumärkischen Schuld­verschreibungen und einer Stammaktie der Münster-Hammer Eisenbahn besonders aufmerk­sam gemacht.

I. I. Nr. 5085; Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i tz , Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 9. Oktober 1894.

Für den am 20. Oktober 1879 geborenen Sohn des Handelsmanns Leiser Wallach zu Scheukleugsfeld, Namens Jonas, ist um Ent­lassung aus dem preußischen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.

I. 5134. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Oeffentliche Auffsvöevnng.

Der Rekrut George Karl Gottlieb C a l l e n i u s, geboren am 9. Juni 1874 zu Eschwege, Kreis Eschwege, von Prosession Arbeiter, welcher sich zuletzt in Hersfeld, Kreis Hersfeld, aufgehalten hat, dessen gegenwärtiger Aufenthaltsort unbe­kannt und dem daher ein Gestellungsbefehl nicht behändigt werden kann, wird ausgefordert, sich am

Montag den 15. Oktober 1894, Nachmittags 2 Uhr, auf dem Büreau des unterzeichneten Bezirks - kommandos obere FrauenstraßeU99 zwecks Einstellung in den Militairdienst zu melden.

Hersfeld, den 8. Oktober 1894.

Königliches Bezirkskommando.

Gefunden: mehrere Mark Geld. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Unter­weisenborn.

Nichtamtliches.

Handelspolitisches.

Nach dem großen wirthschaftlichen Aufschwung in den Jahren 18881890 war eine Periodei des Rückganges und Stillstandes eingetreten. :

Die Geschäfte gingen schlecht, nicht blos bei uns, sondern in allen großen Staaten, die unter den­selben Ursachen Ueberproduktion, Welthandels­stockung zu leiden hatten. Die Politik der einzelnen Staaten, insbesondere die Zollpolitik, kann je nachdem helfend und fördernd oder hindernd eingreifen, aber eine so allgemeine Er­scheinung beseitigen kann sie nicht, da deren Ursachen im Wesentlichen von den Hülfsmitteln des Staates unabhängig sind. In Folge dessen durfte auch nicht erwartet werden, daß die Handelsverträge sofort einen allgemeinen Auf­schwung des wirthschaftlichen Lebens, eine neue Blüthe der Geschäfte hervorrufen würden. Kein verständiger Anhänger der Handelsverträge hat solche übertriebenen Hoffnungen gehegt, vielmehr wurde immer nur behauptet, daß die Handels­verträge, abgesehen von der werthvollen Sicherheit der Zollverhältnisse auf Jahre hinaus, unseren Absatz nach dem Auslande wahren und ver­mehren und dadurch- den wirthschaftlichen Druck milderen würden, während ohne sie eine Ver­schärfung desselben hätte eintreten müssen.

Das gilt insbesondere auch von dem russischen Handelsvertrag, und in der That hat er nach den bisherigen Erfahrungen die berechtigten Er­wartungen erfüllt. Man erinnert sich, daß die hauptsächlichen Zugeständnisse Rußlands in der Herabsetzung seiner Zölle für Waaren der Eisen- und Maschinenindustrie bestanden, während für die Textilindustrie mit Rücksicht auf die Moskauer Fabrikation von Webmaaren nur geringere Zuge­ständnisse zu erlangen waren. Nach den statistischen Ergebnissen für die fünf -ersten Monate unter der Gültigkeit des Vertrags­tarifs (AprilAugust d. I.) ist ein ganz be­trächtlicher Aufschwung in der deutschen Eisen- und i Maschinenausfuhr nach Rußland zu verzeichnen. ' In den gleichen Zeiträumen der Vorjahre

(Unbefugter Nachdruck verboten.) Grinn«vni»g

Eine Erzählung von

E. von bet Decken.

(Fortsetzung.)

Der junge Vilborg wußte das, und wußte auch, wie liebenswürdig man es finden würde, wenn er sich herabließe, an dem Kinderbälle Theil zu nehmen. Außerdem tanzte er gern, und selbstredend müßte ja die Tochter des Hauses seine Partnerin für alle größeren Tänze werden. So sagte er zu und empfing dafür einen herz­lichen Dank von der Frau von Hohenhaus.

Der große Tag kam. Die Räume waren fest­lich erleuchtet, die Mädchen drängten sich wichtig flüsternd in der einen Ecke des Saales zusammen, die Knaben in der anderen, die Väter und Mütter füllten die Stühle und Sophas au den Wänden. Herr Pollinger stand in der Mitte, pomadisirt, parsümirt, tadellos vom Scheitel bis zur Sohle. Man begann mit einer Polonaise, dann folgten Rundtäuzp, Contretänze, Menuett, Quadrille 11 Ja cour, alles klappte vortrefflich und die heitere Stimmung auf Seiten der Zuschauenden und her Ausführenden nahm stetig zu. Der junge Vilborg tanzte viel mit Hertha, und die

kleine Stolze trug den ganzen Abend ein Lächeln äußerster Genugthuung zur Schau.

Es thut mir fast leid, daß ich ihrer Eitelkeit einen solchen Vorschub geleistet habe," meinte Frau von Hohenhaus, aber der Hausherr er­widerte lachend:Ach laß sie doch, das sind Kindereien, und die Tanzstunden sind ja nun zu Ende." Als nach einer Pause, während welcher man einige Erfrischungen nahm, die Musik von neuem begann, öffnete sich die Thür, und Thilo trat ein. Sein braunes Kraushaar war durch unzählige Bürstenstriche so gut gebändigt, wie es eben gehen wollte, in Anzug und Haltung war er ganz der junge Kavalier comme il faut.

Du hättest sehen sollen, wie er zitterte, als ich ihm die Schleife seiner Kravatte band," hatte nachher Friederike der Kutschersfrau anvertraut, und immer mußte ich seinen« Rock noch einen Bürsteustrich geben und noch einen; er konnte gar nicht glauben, daß nun alles ordentlich und gut an ihm sei."

Er warf einen ängstlich fragenden Blick durch den Saal, als wolle er sehen, ob auch keiner über fein Erscheinen lächeln würde. Das freudig überraschteAh" mit dem sein Eintritt be­grüßt wurde, schien er nicht zu hören. Er schritt auf die schüchterne kleine Veronika von Scheiden zu und forderte sie zum Tanze auf. Und er i

tanzte gut, er tanzte mit allen Mädchen, aber mit Hertha tanzte er nicht, er kehrte immer wieder 511 Veronika zurück, und die Kleine war glücklich über seine Aufmerksamkeiten. Der letzte Tanz, der Kotillon, kam. Hertha tanzte ihn mit dem Grafen Vilborg. Da trat Thilo vor sie hin und bat sie mit einer stummen Ver­beugung um eine Extratour.

Fräulein von Burlach wird ermüdet sein," sagte ihr Tänzer, in der Absicht mit diesem dar­gebotenen Vorwande seiner Dame einen Gefallen zu erweisen.

Bist Du müde, Hertha?" fragte Thilo so ernst, daß es fast traurig klang. Hertha hätte ihrem liebenswürdigen Ritter seine Hülfsbereit- schaft gern dadurch gedankt, daß sie auf den dargebotenen Vorwand einging, aber ein Etwas in Thilo's Stimme benahm ihr den Muth.

Rein," sagte sie einfach und folgte ihm. In dieser Tour mürbe Rheinländer getanzt. Ohne Anstoß machte <hi;0 mit seiner Dame zweimal die Runde in dem Saale. Hertha war so über­rascht dadurch,, daß, als Thilo sie zu ihrem Platze zurückführte, sie ihm mit einem leisenBravo Thilo", freundlich in die Augen sah. Eine dunkle Rothe überflog Thilo's Antlitz. Graf Vilborg maß ihn von oben bis unten mit einem spöttelnden Bkick. Thilo mußte diesen Blick wohl