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Hersfel-er Krelsblitt

Mit wöchentlicher GratLs-BeLlageJAnftrirtes SsnnLagsblatL".

Ur. 135

Konuabend den 17. November

1894

Amtliches.

Hersfeld, den 16. November 1894.

Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 19. Okto­ber d. Js. J. I. Nr. 5319, im Kreisblatt Nr. 126, betreffend den Bedarf an Formularen zu Quit- tungsknrten pro 1895, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 22. d. Mts. erinnert.

J. I. Nr. 5319. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Nichtamtliches.

f Agrarische Kslitik.

Die Ernennung des Freiherrn von Hammerstein- Loxten zum Landwirthschaftsminister wird von der konservativen und mittelparteilichen Presse mit Genugthuung aufgenommen, während die freisinnigen und freihändlerischen Blätter schon eifrig bei der Opposition waren, ehe noch der neue Minister sein Amt angetreten hatte. Sie wenden ihr beliebtes Mittel an, in seiner persön­lichen und politischen Vergangenheit zu suchen, um irgend welches Material als Anhalt zu finden, das ihn von vorneweg bei ihren Anhängern zu diskreditiren vermöchte.

Daß ein hervorragender Landwirth zum Minister ernannt wird, der als Vorsitzender des Deutschen Landwirthschaftsrathes naturgemäß die Interessen der deutschen Landwirthschaft auf wirthschafts- polilischem Gebiete vertrat, giebt dieser Presse Anlaß zu den willkürlichsten Vermuthungen. Die parlamentarische Session liegt noch einige Zeit voraus; noch ist nichts über die Vorlagen bekannt, mit denen die neuen Männer, die das Vertrauen des Kaisers in die ersten Stellen berufen hat, vor Reichstag und Landtag treten werden; darum wird der Besonnene gut thun, mit Meinung und Urtheil zurückzuhalten, bis Gegenständliches und Greifbares vorliegt. Daß wir in einer Periode wirthschaftspolitischer Reformen begriffen sind, die namentlich der heimischen Landwirthschaft zu Gute kommen soll, damit ihre wichtige Stellung im Gesammtorganismus des Staates zu dessen und ihrem eigenen Wohl erhalten bleibe, ist keine Neuigkeit; seit über Jahresfrist wird diesen Re­formen vorgearbeitet, und bereits im Sommer hat die Agrarkonferenz, welche der seitherige Landwirthschaftsminister einberief, getagt, um die Wünsche und Forderungen der Landwirthe in ein übersichtliches System zusammenfassen zu lassen. Es handelt sich also einfach darum, die Folgerungen aus dem zu ziehen, was in längerer und sorgsamer Ueberlegung vorgearbeitet worden.

Wie von allen Seiten und auch von den Or­ganen desBundes der Landwirthe" anerkannt wird, muß mit der Thatsache der Handelsverträge gerechnet werden. Die freikonservativePost" dringt einen Artikel, der nach rechts und links Zur Besonnenheit mahnt. Das Blatt geht davon nus, daß die Behauptung, die Handelsverträge bedeuteten einen grundsätzlichen Bruch mit der bis dahin befolgten Politik des Schutzes der nationalen Arbeit, jeder thatsächlichen Unterlage entbehre.

Bei den Freihändlern sei zwar der lebhafte Wunsch, daß damit der erste Schritt auf dem Wege der Umkehr zum Freihandel gethan sei, gehegt und auch ausgesprochen worden. Allein die Regierung habe niemals einen Zweifel darüber gelassen, daß es bei dem Abschluß der Handelsverträge sich um die Beseitigung der Gefahr heftiger Zollkriege, die mit dem Ablauf aller Handelsverträge am 1. Februar 1892 drohte, handelte und zwar gerade im Jntereffe der Stetigkeit des Schutzzollsystems selbst. Auf der durch die Handelsverträge ge­gebenen wirthschaftlichen Grundlage werde die Politik des Schutzes der nationalen Arbeit plan­mäßig und mit vollem 9iad)bru(f zu betreiben sein. Daß es dabei, wenn auch keineswegs allein, so doch vorzugsweise um den Schutz der heimischen Landwirthschaft sich handle, sei durch wiederholte feierliche Kundgebungen der Regierung längst dar­gethan.

Insbesondere so heißt es weiter in dem Artikel hat schon die Thronrede bei Eröffnung des preußischen Landtages diesen Gesichtspunkt energisch betont, und in der Königsberger Rede ist gleichfalls darauf zurückgekommen worden. Eine energische und planmäßige Agrarpolitik zum Schutze der heimischen Landwirthschaft und des mit derselben nahezu identischen ländlichen Grund­besitzes ist daher die nothwendige Konsequenz jener Handelsvertragspolitik. Denn wenn durch jene Politik der deutschen, insbesondere der preußischen Landwirthschaft in einer Zeit, in der sie ohnehin hart um die Existenz zu kämpfen hat, Opfer zu- gemuthet sind, so erwächst dem Staate die Auf­gabe ganz besonderer Fürsorge für diesen wirth- schaftlich und sozial so wichtigen Zweig unseres Erwerbslebens.

Daß der neue Minister das Vertrauen der deutschen Landwirthe in hohem Maße besitzt und demgemäß vorzüglich geeignet ist, bei diesen die noch vom russischen Handelsverträge herrührende Spannung zu überwinden, hält das freikonservative Organ auch unter dem Gesichtspunkte der L>amm- l u n g der st a a t s e r h a l t e n d e n Elemente für besonders ersprießlich.

Politische Nachrichten.

Berlin, 15. November.

Auf dem großen Platze zwischen dem königl. Schlöffe und dem Lustgarten fand heute Mittag 12 Uhr in Gegenwart S r. Majestät des Kaisers die feierliche Vereidigung der Rekruten der Garnisonen Berlin, Spandau, Charlotten- burg und Gr. Lichterfelde statt. Dem Schloß­portal IV gegenüber war der Feldaltar errichtet und von einer Gruppe hoher Blattpflanzen um­geben, aus denen Flaggenmasten mit Bannern in den preußischen und deutschen Farben empor- ragten. Rechts und links vom Altar war je ein Geschütz aufgefahren, neben denen sich Trommel- pyramiden erhoben, während mancherlei Waffen die Ausschmückung des Altars vervollständigten, auf dem das Kruzifix mit den Altargerüthen sichtbar war. Die Truppen standen in einem länglichen Karroe auf dem Terrain des Schloß­platzes, die Aufstellung wurde kommandirt von Major v. B e l o w. Nach den Ansprachen des evangelischen und des katholischen Geistlicheil

fand die Vereidigung der Truppen statt. Nach beendeter Feier hielt der Kaiser die folgende Ansprache:

So habt Ihr denn geschworen vor Gottes Angesicht, und das Kreuz auf jenem Altar sei Euch ein Zeichen, daß Ihr christlich e Soldaten sein sollt. Ihr seid in meine Garde berufen und tragt ihren schönen Rock und sollt dienen unter Meinen Augen. So macht denn diesem Kleide Ehre und leistet die heiligste Pflicht, die der Mann hat, sein Vaterland zu vertheidigen. Aber auch nach Innen sollt Ihr dasselbe schirmen, seine Religion, Ordnung und gute Sitte. So geht denn hin und thut Euren Dienst, der Euch in Meinem Namen und nach Meinem Willen gelehrt wird."

Nach dieser Ansprache brächte der kommandirende General des Gardekorps, Generallieutenant von Winterfeld, ein dreimaliges Hurrah auf den Kaiser aus, in das die Offiziere und Mann­schaften mit BegbDeryug einstimmten. Den beiden Geistlichen sprach der Kaiser unter Hand­reichung seine ganz besondere Anerkennung und seinen Dank aus.

Se. M a j e st ä t der Kaiser hat dem Justiz- minister Dr. v. S ch e l l i n g unter Verleihung der Brillanten zum Großkreuz des Rothen Adler­ordens die erbetene Enthebung aus dem Amte ertheilt und den Präsidenten des Ober-Landes­gerichts in Celle S ch ö n st e d t zum Justiz­minister ernannt.

Die Gerüchte über weitere bevorstehende Ver­änderungen im Staatsministerium sind sämmtlich unbegründet.

Wie dieN. A. Z." hört, ist Se. königl. Hoheit Prinz Friedrich Leopold, welcher am Mittwoch seinen 29. Geburtstag feierte, zum Generalmajor befördert worden.

Für die Vorlage, betreffend die Abwehr v o n U m st u r z b e st r e b u n g e n , ist die Aller­höchste Ermächtigung zur Einbringung beim Bundesrathe ertheilt worden.

GegendiezehnOberfeuerwerker, die seiner Zeit zuerst in der Oberfeuerwerkerschule festgenommen und in dem Militair-Arresthause in der Lindenstraße untergebracht wurden, sollte, wie gemeldet, am 16. ds. Mts. verhandelt werden. Der Termin, ist aber wie verlautet, hinaus- geschoben worden.

DemBerliner Tagebl." wird aus Hannover gemeldet, daß der Reichstagsabgeordnete Leuß wegen des dringenden Verdachtes, in der Ehe- scheidungssache Schnutz einen Meineid begangen zu haben, verhaftet worden ist.

Mit Bezug auf die chinesisch-japani­schen Friedensverhandlungen wird demTelegraphen-Bureau Hirsch" von japanischer Seite mitgetheilt, daß Japan keineswegs gewillt sei, sich mit der chinesischen Anerkennung der Selbstständigkeit Koreas und mit einer Kriegs­entschädigung zufrieden zu geben. Falls es zu einem Friedensschlüsse kommt, wolle die japanische Regierung einige weitergehende Forderungen stellen, die bereits von den japanischen Heer­führern stipulirt sind. Im Uebrigen halte es die japanische Regierung für das Richtigste, wenn China sich wegen des Friedensschlusses direkt an Japan wenden würde.

Ueber die Zustände bei C a s a b l a n c a in