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Dr. 141.

Dienstag den 4. Drzemver

1894.

Amtliches.

Berlin, den 15. August 1894.

Bekanntmachung wegen Ausreichung der Zinsscheine Reihe II zu den Schuldverschreibungen der Preußischen konsoli- dirten 4°/oigen Staatsanleihe von 1885.

Die Zinsscheine Reihe II Nr. 1 bis 20 zu den Schuldverschreibungen der Preußischen konsolidirten 4prozentigen Staatsanleihe von 1885 über die Zinsen für die Zeit vom 1. Oktober 1894 bis 30. September 1904 nebst den Anweisungen zur Abhebung der folgenden Reihe werden vom 1. Sep­tember 1894 ab von der Kontrolle der Staats- papiere hierselbst, Oranienstraße 92-94 unten links, Vormittags von 9 bis 1 Uhr, mit Aus­nahme der Sonn- unb Festtage und der letzten drei Geschäftslage jeden Monats ausgereicht werden.

Die Zinsscheine können bei der Kontrolle selbst in Empfang genommen oder durch die RegierungS- Hauptkassen, sowie in Frankfurt a/M. durch die Kreiskasse bezogen werden. Wer die Empfang­nahme bei der Kontrolle selbst wünscht, hat der­selben persönlich oder durch einen Beauftragten die zur Abhebung der neuen Reihe berechtigenden Zinsscheinanweisungen mit einem Verzeichnisse zu übergeben, zu welchem Formulare ebenda und in Hamburg bei dem Kaiserlichen Postamte Nr. 1 unentgeltlich zu haben sind.

Genügt dem Einreicher eine nummerirte Marke als Empfangsbescheinigung, so ist das Verzeichnis; einfach, wünscht er eine ausdrückliche Bescheinigung, so ist es doppelt vorzulegen. Im letzteren Falle erhalten die Einreicher das eine Exemplar, mit einer Empfangsbescheinigung versehen, sofort zu­rück. Die Marke oder Empfangsbescheinigung ist bei der Ausreichung der neuen Zinsscheine zu- rückzugeben.

In Schriftwechsel kann die Kon­trolle der Staatspapiere sich mit d e n Inhabern der Zinsscheinan- Weisungen nicht e i n l a s s e n.

Wer die Zinsscheine durch eine der oben ge­nannten Provinzialkassen beziehen will, hat der­selben die Anweisungen mit einem doppelten Ver­zeichnisse einzureichen. Das eine Verzeichniß wird, mit einer.Empfangsbescheinigung versehen, sogleich zurückgegeben und ist bei Aushändigung der Zins­scheine wieder abzuliefern. Formulare zu diesen Verzeichnissen sind bei den gedachten Prvviuzial- kassen und den von den Königlichen Regierungen in den Amtsblättern zu bezeichnenden sonstigen Kassen unentgeltlich zu haben. Der Einreichung der Schuldverschreibungen bedarf es zur Er­langung der neuen Zinsscheine nur dann, wenn die Zinsscheinanweisungen abhanden gekommen find; in diesem Falle sind die Schnldverschrei- dungen an die Kontrolle der Staatspapiere oder an eine der genannten Provinzialkassen mittels besonderer Eingabe einzureichen.

Hauptverwaltung der Staatsschulden.

1979. gez. M erlese r. ' * *

Cassel, den 21. August 1894.

Die vorstehende Bekanntmachung wird hierdurch '9 dem Bemerken veröffentlicht, daß die in derselben bezeichneten Formulare von der hiesigen

Regierungs - Hauptkasse und den Steuerkaffen unseres Bezirks verabreicht werden.

Königliche Regierung. S ch ö n i a n.

Gefunden: eine Axt. Meldung des Eigen- thümers bei dein Ortsvorstand zu Tann.

Politische Nachrichten.

Berlin, 2. Dezember.

Nach den getroffenen Anordnungen wird S e. Majestät der Kaiser am Montag den 3. Dezember, Vormittags 9 Uhr, mittelst Sonderzug bei Levensa u eintreffen, um die neue Hoch­brücke über den Nord-Ostsec-Kanal zu eröffnen. Hierzu sind der Chef der Marinestation der Ost­see, Kontre-Admiral v. Reiche, in Vertretung des beurlaubten Admirals Knorr, und der Flügel­adjutant Sr. Majestät, Kapitän zur See und Kommandant der PachtHohenzollern," von A r n i m befohlen. Nach beendeter Eröffnung der Brücke wird der Kaiser sich auf dem Wasser­wege mittelst eines Dampfers der Kanalbau- Kommission nach Kiel begeben, wo die Ankunft gegen 11 Uhr erfolgen wird. Die im Hafen liegenden salutfähigen Schiffe feuern nach Vor­gang des Wachtschiffes beim Sichtbarwerden der Kaiserstandarte den vorgeschriebenen Kaisersalut. Von der Barbarossa-Brücke, wo die Ausschiffung stattfindet, begiebt sich der Kaiser in das königl. Schloß, wo derselbe Wohnung nehmen wird. Um 12 Uhr findet im Exerzierhause der 1. Matrosendivision die V e r e i d i g u n g der im November eingetretenen Rekruten der 1. Werft­division, 1. Matrosen - Artillerieabtheilung, 1. Torpedoabtheilung und des 1. Seebataillons in Summa 860 Mann im Beisein Seiner Majestät statt.

Die Eröffnung des Reichstags findet laut Bekanntmachung des Reichskanzlers am 5. Dezember d. I um 11 '/i Uhr Mittags im Rittersaale des Berliner Residenzschlosses statt. Zuvor wird Gottesdienst abgehalten, und zwar für die evangelischen Mitglieder in der Dom- Juterimskirche (Monvijou um 10'/) Uhr, für die katholischen in der St. HedwigSkirche um 11 Uhr). Das Programm für die Feier der S ch l u ß st e i n l e g u n g des Reichstags- gebäudes ist jetzt amtlich milgetheilt worden. Danach versammeln sich die Theilnehmer der Feier im Kuppelsaale der großen Halle des Reichslags- gebäudes. Nachdem der Kaiser auf Bitte des Reichskanzlers den Befehl zum Beginne her Feier ertheilt hat, verliest der Reichskanzler die in den Schlußstein zu legende Urkunde. Der königlich bayerische stimmführende Bevollmächtigte überreicht unter Ansprache dem Kaiser die Kelle, der damit den bereit gehaltenen Mörtel in die Vertiefung wirft, die mit dem Schlußsteine durch die Meister des Mauer- und Steinmetzgewerks versetzt wird. Hierauf überreicht der Präsident des Reichstags dem Kaiser den Hammer zur Vollziehung der drei Schläge, und es folgen nach dem Kaiser die Kaiserin, der Kronprinz, die Prinzen und bie Prinzessinnen des königlichen Hauses, der Fürst von Bismarck, der Reichskanzler, die befohlenen Ritter des Schwarzen Adlerordens und die kom- mandirenden Generale, die stimmführenden Be­vollmächtigten zum Bundesrathe, die Präsidenten,

Vizepräsidenten, Schriftführer und Quästoren des Reichstags, die Mitglieder des preußischen Staats­ministeriums, die inaktiven Staatsminister, die Chefs der Reichsämter, die Mitglieder der Reichs­tagsbaukommission, der Oberpräsident des Stadt­kreises Berlin, der Polizeipräsident und Ober­bürgermeister von Berlin und zum Schluß die Mitglieder der Reichstagsbauverwaltung. Nach­dem die Hammerschläge vollzogen sind, bringt der Präsident des Reichstags das Hoch auf den Kaiser aus und mit demHeil Dir im Siegerkranz" schließt die Feier. Aus diesem Programm ist ersichtlich, daß auch Fürst Bismarck vom Kaiser zur Feier eingeladen worden ist. Es verlautet aber, daß der Fürst mit Rücksicht auf den Tod seiner Gemahlin von der Theilnahme entbunden werden wird.

Nach den vorläufigen Ergebnissen der Spar- kassenstatistik für 1893 beziv. 1893/94 wuchsen die Einlagebestände der p r e u ß i s ch e n Spar­kassen durch Zuschreibung von Zinsen um 100,66 Millionen, und durch neue Einlagen um 911,79 Millionen Mark; da andererseits 813,91 Millionen an Einlagen abgehoben wurden, ergab sich ein Gesammtzuwachs von 198,54 Millionen Mark. An Sparkassenbüchern wurden 954 980 (im Vorjahre 897 176) neu ausgegeben und 671 238 (691 426) zurückgenommen; es ist also die Zahl der neu ausgegebenen Bücher erheblich gestiegen, während diejenige der zurückgenommenen sich vermindert hat.

Auch in die st u d e n t i s ch e n Kreise trachtet die S o z i a l d e in o k r a t i e einzu- dringen. Man plant die Herausgabe eines Blattes, dasDer sozialistische Akademiker" heißen soll, und in einem Aufruf werden die mannigfaltigen Beziehungen betont, die zwischen den geistigen und körperlichen Arbeitern bestanden. Wer die Ver­handlungen des Frankfurter Parteitags im Ge­dächtniß hat, weiß, wie dieorganisirten Arbeiter" auf dieAkademiker" schelten, die aus der sozial­demokratischen Lehre und Agitation einen Brot­erwerb machen und sich mit Arbeitergroschen honoriren lassen. Wenn ferner versprochen wird, das neue Blatt soll bei den Studentenimmer mehr den Sinn wecken für eine unbefangene Be­trachtung der sozialen und politischen Zustände, für ein vorurtheilsloses Studium des Sozialismus", so werden diese, die deutschen Studenten, wohl andere und zuverlässigere Quellen für ein solches Studium wissen. Immerhin wird mit diesem Unternehmen, wenn es zu Stande kommt, unserer studirenden Jugend die Gefahr einer Verführung näher gerückt, die dringliche und ernste Abwehr herausfordert.

Wie aus Petersburg gemeldet wird, sind die be­unruhigenden Nachrichten über das Befinden des Großfür st en-Thronfolgers unbegründet.

Die Meldungen vom o st a s i a t i s ch e n Kriegsschauplatz lassen erkennen, daß keine der kriegführenden Parteien mit dem Fall Port Arthurs den Feldzug für beendet betrachtet. Der Kaiser von Japan fordert in einem Tagesbefehl an Heer und Marine unter Anerkennung der bisherigen Leistungen mit Rücksicht auf den her­ein brechenden Winter noch größere Opfer, und vom Hoflager in Peking wird bestätigt, daß man dort weder die militärische noch die politische Tragweite des Falles von Port Arthur zu würdigen