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nsftlün greisblatt
Mit wöchentlicher Gratis-Beilage „Mnftrirtes Sonntagsblatt".
Mr. 143.Donnerstag den 6. Dezember 1894.
Amtliches.
Hersfeld, den 3. Dezember 1894.
Es ist wiederholt dahier zur Kenntniß gekommen, daß seitens einzelner Ortsvorstände des Kreises für Beglaubigung von Renten quittungen eine „Beglaubigungsgebühr" von je 20 Pfg. erhoben worden ist.
Ich mache dieserhalb darauf aufmerksam, daß die Erhebung einer Gebühr für die Beglaubigung derartiger Quittungen gesetzwidrig und deshalb unstatthaft ist. Wo bisher solche Gebühren unrechtmäßiger Weise erhoben worden sind, ist die alsbaldige Rückzahlung zu bewirken. Eine etwaige Nichtbeachtung dieses Ausschreibens würde ich unnachsichtlich mit Ordnungsstrafen ahnden müssen.
J. I. Nr. 5975. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Politische Nachrichten.
Berlin, 4. Dezember.
Bei der gestrigen Eröffnungsfeier der Hochbrücke über den N o r d - O st s e e k a n a l bei L e v e n s a u hielt der Staatsminister Dr. v. B o e t t i ch e r eine Ausprache, die mit einem Hoch auf Se. Majestät den Kaiser schloß. S e. M a j e st ä t der Kaiser erinnerte in seiner Erwiderung an seinen Großvater, den Kaiser Wilhelm I., der den Ban des Kanals begonnen, sprach Allen, die am Werke mitgearbeitet hätten, seinen Dank aus, und pries die Bauleiter und Arbeiter glücklich, denen es vergönnt gewesen, das Werk ihrer Hände vollendet
Aus bitnfkr Bahn.
Novelle von Carl Caffau. (Fortsetzung.)
Hans steuerte mit einem Miethboote durch das Gewirr hindurch und legte bei dem benannten Fahrzeuge an: „Ahoi, Kapitän Lynkström am Bord?"
„Ja! Was ist Euer Begehr?"
„Meldet Kapitän Tyndal!"
Die Wache verschwand, um die Meldung zn machen.
Zwei Minuten später ward die Treppe sammt Fallweg herabgelassen; Haus befestigte sein Boot an der nächsten Oese und stieg gemach hinauf.
Er fand Capitän Lynkström am Vordersteven, wo er Hans derb die Hand schüttelte, so daß dieser eine Grimasse zog. Doch verwand er's und meinte:
„Ich bringe Grüße vom Vater!"
„Ei, dank' schön! Ihr wolltet gewiß mein Schiff vor der Abreise besehen? Kommt eben recht! Ein schmucker Bursche! Kommt!"
Hans ging mit, denn bei diesem Gange durch'S Schiff, mußte er ja auf Cornelie stoßen und dann sollte das Gewitter loSbrechen. Natürlich begleitete sie ihren Gatten auf der Reise. Haha —- und Hans lachte laut auf.
zu sehen. Hierauf vertheilte Se. Majestät Ordensauszeichnungen an den Bauinspektor Sympfer, an den Bauamtsasseffor H a r t m a n n , Eisenbahndirektor Kley b o eck e r, Baumeister Schulz, Maurerpoliere Jeschke, Schmid, Ulbrich und Schachtmeister R e i n i ch. Alsdann folgte die Besichtigung der Hochbrücke, worauf Se. Majestät der Kaiser, wie schon gemeldet, mittels Salonpinasse die Fahrt nach Kiel auf dem Kanal antrat.
Wie aus Kiel gemeldet wird, traf Seine M a j e st ä t der Kaiser, welcher heute Vormittag 8'/^ Uhr hatte Generalmarsch schlagen lassen, mit Sr. königl. Hoheit dem Prinzen H e i n r i ch um 8^/4 Uhr auf dem Hofe der Marinekaserne ein und nahm die Parade über die Matrosendivision, das Seebataillon und die in Kiel garnisonirende Infanterie ab. Se. Majestät begab sich hierauf unter dem Salut des Manövergeschwaders an Bord des Panzerschiffs „Kurfürst Friedrich Wilhelm". Das Manövergeschwader ging um 10 Uhr in See.
Se. Majestät der König Christian IX. von Dänemark ist mit seinem Sohne, Sr. königl. Hoheit dem Prinzen Waldemar, in Begleitung des Kammerherrn v. Oxholm heute früh 6 Uhr 30 Minuten mittelst Exirazuges aus Petersburg im strengsten Inkognito unter dem Namen Graf v. Falster hier eingetroffen. Auf dem Bahnhof Frieorichstraße wurde Se. Majestät von dem dänischen Gesandten am hiesigen Hofe Exzellenz v. Bind empfangen und nach dem Hotel Continental geleitet. Um 11' /.2 Uhr starteten Ihre Majestät die Kaiserin Friedrich und Ihre königliche Hoheiten der Prinz von Wales und der Herzog von Dork den König von Dänemark einen Besuch ab und verweilten daselbst ungefähr eine halbe Stunde. Mittags begab sich Se.
„Ihr seid ja sehr lustig!" meinte Lynkström. „Vögel, die so früh singen, holt die Katz'!"
„Ist Galgenhumor, Freund, Galgenhumor!"
„So? Nun, mir ist's recht!"
Sie haben nun alles auf dem Schiffe besehen, vom Deck bis zum Kiel, die kostbare Ladung in Ladenwaaren und Tuchen, Droguen und Farben, die Vorräthe, das Trinkwaffer, Küche und Pulverkammer, die Privatkajüten — aber überall von Cornelie keine Spur.
„Eins wollte ich noch fragen!" meinte Hans.
„Wenn das Mittagbrod fertig ist, nicht wahr? Habe auch einen guten Appetit! „Haak," rief er durchs Sprachrohr dem Schiffsdiener zu, anrichten für mid) und meinen Gast! Kommt, Freund!"
Hans nickte nur. Das war ihm auch recht, und so saß er denn bei Lynkström in der Kajüte und that der guten Küche des Schiffes alle Ehre an. Der schwere spanische Wein aber verwirrte ihm den Kopf, und böse Gedanken schwirrten durch denselben.
„Wann wollt Ihr zurück?" fragte plötzlich Lynkström, „wir reisen recht bald ab mit FolknigS Schipp!"
„O, ich will Euch nicht länger inkommodiren! Beantwortet mir nur eine Frage!"
„Fragt junger Mann!"
„Wo habt Ihr Cornelie gelassen?" fuhr Hans da heraus und ward gluthroth.
Majestät, sowie der Prinz Waldemar nach dem Lehrter Bahnhof, um mit dem Zuge 12 Uhr 50 Minuten ihre Reise über Hamburg und Lübeck nach Kopenhagen fortzusetzen.
Wie die „Nordd. Allg. Ztg." hört, besteht der Wunsch, mit Beginn des nächsten Etatsjahres die Einbeziehung der Post- und Telegraphenbeamten in das Dienstaltersstufen- S y st e m herbeizuführen.
Seit Jahren ist die Heeresverwaltung bemüht, die einheimische landwirthschast- liche Produktion nach besten Kräften zu unterstützen, und es sind demgemäß die Proviantämter angewiesen, nach Möglichkeit von deutschen Produzenten zu beziehen. Selbstverständlich müssen die Letzteren bei ihren Lieferungen sich an die vorgeschriebenen Bedingungen halten. Daß hierin zuweilen gefehlt wird, ist ebenso Thatsache, wie, daß auch von Subalternen Verstöße begangen werden. Die Falle, in denen dies vorkommt, stehen aber ganz vereinzelt da. Insbesondere hat auch der jetzige Chef der Heeresverwaltung von Beginn seiner Amtswaltung an darauf gesehen, daß der obigen Bestimmung gemäß verfahren werde.
Ueber den Entwurf des neuen TabackS- s a b r i k a t st e u e r g e s e tz e s erfährt die „Post", es sei in demselben für Cigarren und Cigaretten eine Steuer von 25 pCt., für Kau- und Schnupf- taback von 40 pCt. und für Rauchtaback von 50 pCt. in Aussicht genommen. Der Zoll für ausländischen Taback, auf 100 Kilogr. 40 Mk., sei derselbe geblieben wie im vorigen Entwurf.
Fürst B i S m a r ck hat in einem freundlichen Dankschreiben an den Reichstagspräsidenten sein Fernbleiben von den E i n w e i h u n g S f e i e r - l i ch k e i t e n entschuldigt.
Der Gesetzentwurf, betr. die Reform der
„Dachte ich's doch!" meinte Lynkström. „Erlaubt, daß ich mit aller Hochachtung vor Euch die Antwort verschweige. Cornelie ist nicht hier im Schiffe, aber sie ist gut aufgehoben."
Nun war Hansens Ruhe dahin, dennoch that er sich Gewalt an.
„Habt Ihr sie geehelicht?"
Lynkström lachte hell auf und brächte unter Lachen endlich heraus:
„Ihr fragt noch?"
„Dann steht mir Rechenschaft!"
Jetzt stand LynkstrÄn auf:
„Haake — bringt schnell ein Glas Wasser für Kapitän Tyndal!"
Dabei klopfte er ihm so auf die Schulter, daß er beinahe mit dem Stuhle zusammengebrochen wäre und brummte:
„Seht, Hans Tyndal! Habt Ihr je gehört, daß Adler und Maulwurf sich paaren? — Eure Pflegeschwester Cornelie ist ein Adler, hochstrebend, feinfühlig, tief gebildet, und Ihr, mit Verlaub, Ihr seid der — Maulwurs. Seit Ihr die 2'/, Jahre Kapitän seid, klebt Ihr mehr als je am Erdenschmutz und die Wirthshäuser in Hamburg, Lissabon, New-Mrk und Rio können von Hans Tyndal« Streichen erzählen. Ist's nicht so? Die Rose war nicht für Euch! Und dann, ein Kapitän wie Ihr, und der Vorfall auf der
Fjalds-Haide, Holzschläger als Publikum! Ich bitt' Euch, geht in Euch, sonst seid Ihr mein