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Gratisbeilagen r „Illustrirtes Sonntagsblatt" n. „Zllustrirte landwirthschaftliche Beilage".
Nr. 2.
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Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt, mit den Gratisbeilagen „Jllustrirtes Sonntags- blatt" und „Jllustrirte landwtrthschaftliche Beilage" für das I Quartal j8l)5 werden noch von allen kaiserlichen ßoftanftalten, ^andbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 3. Januar 1895.
Den Herren Standesbeamten des hiesigen Kreises werden in den nächsten Tagen die Formulare zu den in Gemäsheit des § 46 Abs. 7 der Deutschen Wehrordnung vom 22. November 1888 anzufertigenden Auszüge zugehen. Die betreffenden Auszüge sind alsbald anzu- fertigen und die unter a bezeichneten an die Vorstände der einzelnen Gemeinden und Gutsbezirke zu übersenden. Die unter b des erwähnten Paragraphen bezeichneten Auszüge sind dagegen alsbald dahier einzureichen.
J. II. Nr. 8. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Politische Nachrichten.
Berlin, 3. Januar.
Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin begaben sich am Dienstag früh um 8 Uhr 55 Minuten von der Wildparkstation mittels Sonder- zuges nach Berlin und fuhren vom Bahnhof nach dem königlichen Schlöffe. Um 10 Uhr fand in der Schloß- kapelle ein feierlicher Gottesdienst statt, an den sich unmittelbar die Neujahrs - Gratulations - Cour bei den Majestäten im Weißen Saale anschloß. Während der Cour wurden von einer im Lustgarten aufgestellten Batterie 101 Kanonenschüsse gelöst. Um 12 Uhr begab sich Se. Majestät der Kaiser vom königlichen Schlöffe
(Unberechtigter Nachdruck verboten.) Willenlos.
Kriminalerzählung von Ernst Kronberg. (Fortsetzung.)
. Im selben Augenblicke aber zerrte Garnett auch schon die Beiden wieder in das Dunkel des eben verlassenen Ganges zurück.
„Nicht athmen!" flüsterte er rasch. „Der Bursch' ist schon im Bau — eben kommt er herein —"
Da hörten die athemlos Lauschenden auch schon das rasch näher kommende Geräusch wuchtiger Schritte. Gleich darauf tauchte, aus einem der Gänge hervor- tretend, in der Rotunde die Gestalt eines Mannes, mäßig vom Laternenlicht bestrahlt, auf.
Es war Bigg, der Flüchtling.
Jetzig mäßigte dieser seine Schritte; in der „nassen Sieben" schien er sich völlig sicher zu fühlen, das bewies das kurze, heisere Auflachen, das sich zuweilen seinen Lippen entrang, sowie die hin und wieder von ihm ausgestoßenen unverständlichen Ausrufe.
Bigg durchquerte den runden Platz und trat in einen Gang ein; eine Sekunde später setzten sich die Männer, auf GarnettS stummes Kommando, in Bewegung und folgten dem ahnungslosen Verbrecher. Ihre Lage war die denkbar gefahrvollste, denn vor ihnen brütete im Gange schaurige Nacht. Hinter ihnen aber fiel das in der Rotunde brennende Laternenlicht matt in den
zu Fuß nach dem Zeughause zur Parole-Ausgabe. Die Frühstückstafel fand im königlichen Schlöffe um l‘/+ Uhr statt. Im Laufe des Nachmittags fuhr der Kaiser bei den hier akkreditirten Botschaftern vor. Abends 6 Uhr war Familientafel bei den kaiserlichen Majestäten im königlichen Schlöffe; später besuchten dieselben die Vorstellung im königlichen Opernhause, nach deren Beendigung die Rückkehr nach Wildpark bezw. dem Neuen Palais um 11 Uhr 5 Minuten vom hiesigen Potsdamer Bahnhöfe aus erfolgte.
Im Neuen Palais fand gestern Abend um 7 Uhr, wie alljährlich, ein größeres Diner bei den K a i f e r l i ch e n Majestäten statt, zu welchem die zur Neujahrsfeier hier eingetroffenen kommandirenden Generale Einladungen erhalten hatten.
Heute Vormittag hörte Se. Majestät der Kaiser den Vortrag des Kriegsministers, Generals der Infanterie Bronsart v. Schellendorff, und später jenen des Ministers für Landwirthschaft rc., Freiherrn v. Hammerstein.
Wie der „StaatS-Anzeiger für Württemberg" meldet, richtete der König anläßlich des Jahreswechsels folgendes Telegramm an Se. Majestät den Kaiser: „Beim JahreS- ' Wechsel, zu dem Ich Dir die innigsten, herzlichsten Glückwünsche sende, ist es Mir Bedürfniß, Dir nochmals den wärmsten Dank auszusprechen für die unvergeßlich schönen Tage, welche Ich im abgelaufenen Jahr bei den Manövern in Ost- und Westpreußen durch Deine Güte verleben durfte. Möge das anbrechende Jahr Dir und dem gesammten Vaterlande gute und segensreiche Tage bescheiden und die Freude einer erneuten persönlichen Begegnung bringen. Wilhelm." Hierauf traf folgende Antwort Sr. Majestät des Kaisers ein: „Empfange den aufrichtigsten Dank für Dein freundliches Telegramm, bessert Inhalt Mich mit wahrhafter Freude erfüllt; von ganzem Herzen erwidere Ich Deine guten Wünsche für das kommende Jahr. Unvergeßlich sind auch Mir die Tage, die Uns vergönnt waren, in treuer Kameradschaft zusammen zu verleben; und mit Dir hoffe Ich auf ein Wiedersehen im neuen Jahr, das mit Gottes Hülfe Dir und Deinem schönen Lande einen reichen Segen bringen möchte. Wilhelm "
Die Anwendung des Gesetzes vom 26. Mai 1887, betreffend die Feststellung von Leistungen für Volksschulen, ist, nach einem Erkenntniß des Ober- verwaltungsgerichts vom 19. Oktober 1894 nicht davon abhängig, daß die geforderte Leistung sofort fällig ist.
Gang. Wendete Bigg, durch irgend ein Geräusch argwöhnisch gemacht, auch nur den Kopf, so mußte er nothgedrungen die Umrisse seiner Verfolger wahrnehmen. Was dann geschah, war leicht auszudenken. Weder der Delective noch seine Begleiter vermochten das Geringste von Bigg zu erblicken, wohl aber vermochte dieser sie jeden Augenblick durch einige gutgezielte Revolverschüffe in den Sand zu strecken.
Es waren peinliche Augenblicke äußerster Seelen- spannung.
Endlich indessen machte der Gang eine Biegung und damit traten anch die Verfolger in den Bannkreis lichtloser Finsterniß, so daß jetzt wenigstens die Waffen gleich waren.
Aber Bigg schien nach wie vor nicht zu ahnen, daß er verfolgt wurde. Rüstig schritt er fürbaß. Er verließ den Gang, durchmaß von Neuem einen schmalen, stubenähnlichen Raum, der von einer Oellampe trüb erhellt wurde, und erklomm dann die Stufen einer halsbrechend steil emporführenden Leitertreppe.
Wieder folgten ihm die Freunde auf den Fersen. So behutsam wie nur möglich traten sie auf, um die wackelige Treppe unter ihren Tritten nicht zum Knarren zu bringen.
Vor der Thür am oberen Ende der Stiege hielten sie inne; Bigg hatte die Thür angelehnt gelassen und Garnett versuchte nun, vorsichtig durch den Spalt zu schauen. .
Was er erblickte, mußte ihn geradezu frapptren, denn es ging ruckgleich durch feinen Körper und er streckte
Als „neue oder erhöhte Leistung" im Sinne dieses Gesetzes ist auch jede Steigerung einer den Schulunter- haltungspflichtigen rechtlich obliegenden Leistung über den bisher festgestellten Betrag anzusehen, wenngleich die thatsächliche Erfüllung der höheren Leistung zunächst freiwillig vom Staat oder einem Dritten übernommen werden soll. Die Feststellung der Leistungsfähigkeit eines Schul- verbandes zu einer dauernden Leistung erfolgt unter der stillschweigenden Voraussetzung, daß die zur Zeit obwaltenden Besitz-, Erwerbs- und Schuldverhältniffe auch für die Zukunft fortbestehen.
Wie aus Friedrichsruh der „Hamb. Corresp." meldet, befindet sich Fürst Bismarck wohler als im vergangenen Sommer vor seiner Abreise nach Varzin; er mache täglich Spazierfahrten im Sachsenwalde im offenen Wagen. Der Fürst empfange auch wieder Besuche.
Im Schutzgebiet von Kamerun waren am 30. Juni 1894 231 Europäer ansässig und zwar 153 Deutsche, 37 Engländer, 19 Schweden, 4 Schweizer, 1 Russe und 1 Spanier. Von diesen waren 44 Regierungsbeamte, 90 Kaufleute, 40 Missionare, 9 Pflanzer, 4 Maschinisten, 4 Seeleute, 3 Zimmerleute und 1 Ingenieur. Die übrigen waren Kinder und Frauen. Der Zugang der Weißen in der Zeit "e"'. 1./7. 1893 bis 30. 6. 1894 betrug 123, der Avgung lur, davon ou^ Sierbefälle 17, sodaß sich ein Mehr von 16'gegen das Vorjahr ergiebt. Hauptwohnplätze waren Kamerun mit 92 Weißen, Viktoria mit 14, Kribi mit 27, Klein-Vatanga mit 7, Groß-Vatanga mit 22, Marienberg mit 11 Weißen. Der Gesundheitszustand der Weißen hatte hauptsächlich unter klimatischen Krankheiten zu leiden, doch ist seit mehr als 6 Monaten unter den der ärztlichen Kontrole zugänglichen Weißen nicht ein Todesfall an einer klimatischen Krankheit vorgekommen.
Durch Allerhöchste Verordnung vom 30. Dezember 1894 sind die beiden Häuser des Landtages der Monarchie, das Herrenhaus und das Haus der Abgeordneten, auf den 15. Januar 1895 zusammenberufen.
Der heute erschienene russische „Regierungsbote" veröffentlicht nachstehendes kaiserliches Reskript an den Grafen Schuwalow: „Mein in Gott ruhender Vater hatte Sie in gerechter Würdigung Ihrer glänzenden und hervorragenden militairischen Thaten, sowie der Sie auszeichnenden Fähigkeiten im Jahre 1885 zum außerordentlichen und bevollmächtigten Botschafter bei
den Kopf noch weiter vor, um genauer sehen zu können.
Dann wendete er sich plötzlich nach feinen, beiden Begleitern um, und bei der im Raume herrschenden dürftigen Beleuchtung vermochten diese noch eben den Ausdruck heftiger seelischer Erregung in den Zügen des Detectives wahrzunehmen.
„Wir sind am Ziel," sagte dieser mit einer Stimme, die so leise klang, daß die Beiden seine Worte mehr ahnen mußten, als sie dieselben hören konnten. „Nun gilt's — die Revolver schußbereit und auf mein Kommando gehört — buchstäblich gehorcht, wie ich'S befehle, denn unser Leben hängt an einem Zwirnsfaden —"
Damit öffnete er unhörbar die Thür und machte den Nachfolgenden eine Geste, so leise wie nur möglich auf- zutreten.
Sie traten, wieder einige Stufen abwärts stelzend, in einen höhlenartigen Raum, von dessen rohen Steinwänden die Feuchtigkeit troff.
Der Verbrecher war nicht anwesend, dagegen fiel in den ebenfalls nur von einer triften Oellampe erleuchteten Raum ein greller Lichtstreif durch eine anstoßende, angelehnte Thür. Durch diese drang Geräusch; ein Zeichen, daß der Verbrecher nebenan weilte.
Aber ein anderer, schauerlicher Anblick wurde den Männern, wohl geeignet, das Herzblut auch des wüthigsten und. unerschrockensten Mannes zum Stocken zu bringen. Auf einem Strohlager ruhte der blutüber- gossene Leichnam eines Weibes. Durch ein blutgetränktes Tuch war der Oberkörper verhüllt, während die unteren Extremitäten freilage».