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ersselkr IMlatt.

Gratisbeilagen:Jllustrivtes Sonntagsblatt" n.Jllustvivte landwirthschaftliche Beilage".

Nr. 12.

AeilftW -eil 20. Kimr

1895.

Moniitintiik-JiiiloiiHiig.

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x auf das Hersfelder Kreisblatt.

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Amtliches.

Berlin, den 29. Dezember 1894.

Der Herr Justizminister hat in einer an die Justiz­behörden gerichteten allgemeinen Verfügung vom 14. Dezember d. Js. abgedruckt im Justizministerialblatt S. 340 angeordnet, daß nicht nur die ihrer Natur nach einer besonderen Beschleunigung bedürfenden Haft- und Preßsachen, sondern überhaupt alle Strafsachen mehr oder weniger als Eilsachen zu behandeln sind, da dies die Aufrechterhaltung der staatlichen Autorität, das Interesse aller Betheiligten und der Strafzweck gebietet.

Da einige Wahrnehmungen die Annahme nahe gelegt haben, daß auch von den Polizeibehörden bei der Be­arbeitung dieser Sachen nicht überall mit der wünschens- werthen Schnelligkeit verfahren wird, ersuche ich Euer Hochgeboren ergebensi, die Polizeibehörden des dortigen Regierungsbezirks gefälligst allgemein auf die Nothwendig­keit einer raschen Erledigung der bezeichneten Sachen, insbesondere der von den Staatsanwaltschaften und Strafgerichten an sie gerichteten Ersuchen hinzuweisen.

Der Minister des Innern.

Im Auftrage, gez. H a a s e.

An den Königl. Regierungs-Präsidenten Herrn Grafen Clairon d'Haussonville Hochgeboren zu Cassel. II. 15249.

* *

*

Cassel, den 12. Januar 1895.

Abschrift erhalten Ew. Hochwohlgeboren mit dem er­gebensten Ersuchen, die Polizeibehörden Ihres Kreises mit entsprechender Anweisung zu versehen und gegen

(Unberechtigter Nachdruck verboten.)

Willenlos.

Kriminalerzählung von Ernst Kronberg.

(Fortsetzung.)

Snider, der junge Rechtsanwalt und intime Freund Frank's, schüttelte betrübt den Kopf und sann nach.

Mir ist nur eins nicht recht klar," wendete er sich dann wieder an den Freund.Du berichtetest doch, daß in dem Augenblick, als Ihr den schurkischen Bigg in derNassen Sieben" überraschtet, Du Elly'S Stimme in klagendem Tone vernommen gäbest"

Ganz Recht!" kopfnickte Frank düster.Nicht nur auch der Portier und Garnett vernahmen ganz deutlich die Worte."

Und wie lauteten dieselben?"

Wenn nur ein Funken Menschlichkeit in Ihnen lebt, so seien Sie barmherzig!" entgegnete Frank. Wörtlich kann ich dieselben nicht mehr wiederholen, aber dem Sinne nach waren es genau dieselben o Dieser Stimmenklang sagte Alles, er verkündete, daß die Unglückliche in denkbar schrecklichster Lage sich befand -damals muß sie noch klar und vernünftig gedacht ^den ich kann mir den plötzlichen Umschwung nicht erklären sie muß nothwendiger Weise in jenen unterirdischen, grauenvollen Gängen plötzlich wahnsinnig geworden sein, es hat sich irgend welche fixe Idee bei gebildet"

etwa zu Ihrer Kenntniß gelangende Versäumnisse in dieser Hinsicht strenge einzuschreiten

Der Regierungs-Präsident. H a u s s o n v i l l e. An die Herren Landräthe des Bezirks. A. II. 268.

*

Hersfeld, den 25. Januar 1895.

Der vorstehend abgedruckte Ministerkal-Erlaß wird den Ortspolizeibehörden zur Kenntnißnahme und strengen Nachachtung mitgetheilt.

I. 382. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz , Geheimer Regierungs-Rath.

Nichtamtliches.

Aus dem Reichstag.

Berlin, 26. Januar. Heute wurde zunächst die erste Lesung deS Gesetzentwurfs, betreffend die privatrechttichen Verhältnisse der Binnenschifffahrt, beendet. Abg. Z i m m erm a n n ^dlschsoz. Refmp.) bedauert, daß durch die Vorlage die kleinen Schiff.r benach- theiligt wurden. Abg. W e l l st e i n (Ctr.) betont, daß die Bestimmungen deS Entwurfs über die Haftbarkeit der Stifser zu hart seien. Abg. Dr. Hahn (antis.) beklagt es, daß sich die Vorlage zu sehr an die SecmannSordnung anlehne, die selbst reformbedürftig sei. Darauf wird die Vorlage einer Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen. Der Gesetzentwurf, betreffend die privatrechtlichen Verhältnisse der Flößer, wird nach einer kurzen Ausführung bei Abg. Gerisch (sozd.) über einige Einzelheiten der Vorlage derselben Kommission überwiesen. Hieraus kommt der Gesetzentwurf über die B e r u f S - und Ge­werbe z ä h l u n g zur ersten Berathung. Abg. S ch ö n l a n k (sozd.) hcht bedauernd bemor, daß man bei u « für eine Sozialstatistik so lange Zeit weder Geld noch Lust gehabt habe. Da« liege an der Furcht, festzustellen, daß der Großbetrieb überall um sich greife und das Mass nelend sich stärke; an der Furcht, festzustellen, daß der SozialiSmu« Recht und der Kapitalismus Unrecht hrbe. Seine Partei wolle der Vorlage ihre Zustimmung geben, wenn der RegierungSentwurf so burchgearbeitet werde, daß er einen positiven sozialpolitischen Nutzen bieten könne. UnterstaatSsekretär v. R o tt e n b u r g: Nicht aus Furcht, sondern au« der Erwägung, daß man sich gegenüber den Strömungen in unserem wirthschastlichen Leben zuwartend verhalten müsse, sei die Erhebung der Statistik bi« jetzt verschoben worden. Er, Redner, müsse den BundeSrath dagegen verwahren, daß er aus Furcht etwas thue oder unterlasse. Der BundeSrath palte die Sozialvemokratie weder für eine neue Wahrheit, noch überhaupt für eine Wahrheit. Auf eine Frage deS Abg. Hasse (natlib.) erwidert UnterstaatSsekretär v. Rotten - bürg, e« sei mit Bestimmtheit anzunehmen, daß eine Volkszählung für den Dezember d. J. angeordnet werde. Abg. Schönlank (sozd.t: Er habe nicht gemeint, daß sich der BundeSrath vor der Sozialstatistik fürchte, sondern daß die herrschenden Klassen davor Furcht hätten. Abg. Hitze (Ctr.) spricht sein Wohlwollen für die Vorlage auS; diese wird einer Kommission von 14 Mitgliedern übernrefen.

Mark Snider gab nicht gleich eine Antwort; er stierte nachdenklich vor sich hin. Dann aber sp.rang er plötzlich so heftig in die Höhe, daß der Stuhl hinter ihm umfieL

Hollah, ich hab's, alter Junge!" rief er laut und schlug Frank dabei so derb auf die Schulter, daß die barmherzige Schwester den Kopf durch die Thür des Krankenzimmers, in welchem unser Freund sich immer noch aufhielt, steckte und besorgt nachschaute.

Was hast Du? " forschte Frank und schaute verr stäudnißlos den Anderen an, der bereits eilfertig seinen Hut genommen hatte und sich nun anschickle, ohne Weiteres das Zimmer zu verlasien.

Aber Snider gab keine Antwort mehr; gleich einem Wirbelwind stürmte er davon und überließ es seinem Freunde, in banger Unruhe sich auszumalen, was er eigentlich gefunden hatte.

Es dauerte zwei Stunden, bevor Snider zurückkam; er kehrte nicht allein wieder, sondern in seiner Gesell­schaft befand sich ein älterer, hagerer Herr mit eigen­thümlich geistdurchlebtem Gesicht, welcher Frank merk­würdig bekannt vorkam.

Mister Hardens, der weltberühmte Spiritist!" stellte Snider vor.

Ueberrascht blickte Frank auf; ja, er erkannte jetzt augenblicklich den weltmännisch höflich vor ihm sich Neigenden. Er war demselben noch niemals persönlich gegenübergetreten; aber von allen Anschlagsäulen New- Porks hatte ihm wochenlang das Bild des berühmten Magnetiseurs, der in den vornehmsten Lokalen der

Schließlich wird die Verordnung, betr. die Erhebung eines Zoll- zuschlageS für auS Spanien und den spanischen Kolonien kommende Waaren vom 25. Mai 1894 in erster Lesung erörtert. Abg. v. S a l i s ch (fonf.) kündigt eine Resolution an, nach welcher der BundeSrath allgemein ermächtigt werden soll, im Falle eines Zollkriegs auch auf zollfreie Waaren einen Zoll zu legen. Abg. Graf K a n i tz (fonf.) schließt sich der Resolution an. Abg. Hammacher (natlib.) äußert dagegen auS wirthschastlichen Gründen Bedenken, will aber den jetzigen bflo/g igen Kampfzollzuschlag auf zollpflichtige Waaren erhöht wiss n und beantragt, die zweite Berathung der Verordnung heute noch nicht vorzunehmen. DaS Haus beschließt demgemäß. Nächste Sitzung Dienstag 1 Uhr: Zweite Beratbung der Verordnung über den Zollzuschlag gegenüber Spanien und erste Lesung deS Gesetz­entwurfs, betreffend Abänderung der Gewerbeordnung.

Aus dem Abgeordnetenhaus.

Berlin, 25. Januar, In der heutigen Sitzung kamen die Entwürfe zu einem Preußischen Gerichtskostengesetz und zu einer Ge­bührenordnung für Notare in erster Lesung zur Berathung. Nachdem Justizminister S ch ö n st e d t die Entwürfe erläutert und dargelegt halte, daß eine Neuregelung im Interesse der auSgleichenden Gerechtig­keit, der Einheitlichkeit und Uebersichtlichkeit dringend erforderlich sei, betheiligten sich die Abg. Olzem (natl.), Eckels (natl.), Bran­denburg (Ctr.), S ch e t t l e r (fonf.), Herold (Ctr.), Bros, (fonf.), Knebel (natl.), Jerusalem (Ctr.), Iansen (Ctr.), K r a u s e - Waldenburg (freifonf.) und Schmidt- Marburg (Ctr.) an der Debatte. Die Redner äußerten durchweg zu den Grundge­danken der Entwürfe ihre Zustimmung, machten jedoch Einwände gegen Einzelheiten in den Stufen d-r Kostensätze geltend; dabei trat mehrfach der Wunsch zu Tage, daß der kleine Grundbesitz in VcräußerungS- und namentlich in Erbfällen möglichst berücksichtigt werde. Finanz - minister Miguel wies gegenüber der Forderung, die Gebühren möglichst herabzusetzen, nach, daß in Preußen der StaatSbeitrag zu den Kosten der Gerichtspflege weit höher fei als in anderen Ländern, und daß billiger Weise für besondere Leistungen die Betheiligten einen Theil der Kosten tragen müßten. Der Justizminister theilte mit, daß ein Stempelsteucrgksetz so zeitig vorgelegt werden würde, um noch bei den Berathungen berücksichtigt werden zu können; nach diesem Entwurf solle bei Eibübergang von Grundstücken ein Werthstempel nicht erhoben werden. Sobald daS deutsche bürgerliche Gesetzbuch vollendet sei, werde auch eine einheitliche NotariatSordnung für das deutsche Reich geschaffen werden. Die beiden Vorlagen wurden der um 7 Mit­gliedern zu verstärkenden Justizkommisfion überwiesen. Der Gesetz­entwurf über Ergänzung eer HinterlegungSordnung ging debatteloS an dieselbe Kommission. Nächste Sitzung Dienstag 11 Uhr: Zweite Lesung des Etat«, beginnend mit demjenigen für Landwirthschaft, Domänen und Forsten.

Politische Nachrichten.

Berlin, 27. Januar.

Auch heute, wie immer am Geburtstage des Aller­höchsten Landesherrn, war die nächste Umgebung des

Metropole Vorstellungen aus der vierten Dimension ge­geben, entgegen geblickt.

Aber ich verstehe nicht" murmelte Frank nach der ersten Begrüßung.

Du sollst bald klar sehen!" lachte Snider, der sich in gewaltiger Erregung befand.Höre und staune! Unnatürliche Dinge gab's zu keiner Zeit in derNassen Sieben", ich zweifelte auch von vornherein daran, daß Deine Braut Angesichts der sie umgebenden Schrecknisse wahnsinnig geworben ist, sie müßte sich sonst, das ist auch der übereinstimmende Ausspruch aller Arzte, ganz anders benehmen; aber sie zeigt keine Spur von Wahn­sinn, das ist'S ja eben auch, was dieses verwünschten Bigg Schurkenpläne so gewaltig fördert nun höre, da fiel mir plötzlich unser vortrefflicher Professor Hardens hier ein, dessen spiritistischen Sitzungen ich selbst wieder­holt beigewohnt habe wenn Einer helfen kann, so ist Der's, dachte ich bei mir, ließ Dich sitzen und fuhr spornstreichs nach Mister Hardens Hotel ich traf ihn glücklich zu Hause an, legte^ihm den Fall klar und habe die Freude, Mister Hardens versichern zu hören, daß er an die Richtigkeit meiner Vermuthung glaubt!"

Und worin besteht diese Vermuthung denn eigent­lich ?" forschte Frank in höchster Erregung den Arm des Freundes fassend und diesen empfindlich drückend: Mensch, so spanne mich doch nicht auf die Folter, sprich endlich!"

Wir hegen die Vermuthung, daß Ihr Fräulein Braut in selbstsüchtiger Weise von diesem Bigg einfach hypnotisirt worden ist!" fiel statt des Freundes ihm der