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Amtliches.

Hersseld den 2. Februar 1895.

Die Schulstelle in Unterhaun, deren competenzmäßiges Einkommen neben freier Wohnung und 90 M. Feuerungsvergütung 978,30 M. beträgt, ist infolge Ablebens des seitherigen Inhabers vom 1. April b. Js. ab anderweit zu besetzen.

Bewerber um dieselbe wollen ihre deShalbigen Gesuche nebst den erforderlichen Sitten- und Befähigungszeugiriffen innerhalb 14 Tagen bei dem unterzeichneten Landrathe oder dem Königlichen Lokalschulinspektor Herrn Pfarrer Schafft dahier einreichen.

Der Königliche Schulvorstand von Unterhalt».

Namens desselben:

Freiherr von Schleinitz, Landrath, Geheimer RegierungS-Rath.

3- I. Nr. 526.

Nichtamtliches.

Aus dem Reichstag.

Berlin, 2. Februar. Heute wurde die erste Lesung der den Ge­werbebetrieb im Umherziehen betreffenden Novelle zur Gewerbeordnung und des denselben Gegenstand behandelnden Antrages der Abgg. Gröber (Ctr.) und Genossen fortgesetzt. Abg. Stromb eck (Ctr.) spricht seine Freude darüber au«, daß die Regierung die Initiative zur Regelung dieser Angelegenheit ergriffen habe, und erklärt sich im Namen der Minderheit seiner Partei gegen die strengen Vorschläge des Antrages Gröber, die den Hausirhandel vernichten würden, ohne damit

(Nachdruck verboten.)

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Familienroman von P. Henke«.

Er st es Kapitel.

Schon um die sechste Morgenstunde herrschte in dem inneren Hofraume, welcher zu dem geräumigen Haus­anwesen des Großfuhrherrn und Spediteurs Walter Eichmann in der Kastanienallee gehörte, regelmäßig ein reges betriebsames Leben. Dann kamen die Rollkutscher, deren über fünfzig im Dienste des Fuhrherrn standen und begannen die kraftstrotzenden, wohlgenährten schweren Lastpferde einzuspannen.

Zuvor freilich galt es, die Rosse sauber zu striegeln, denn unerbittlich streng hielt Eichmann darauf, daß die hundert und mehr Pferde, welche er besaß und die seinen ganzen Stolz ausmachten, ordentlich besorgt und schmuck hergerichtet wurden.

Nach altem, guten Brauche erschien Eichmann, her e*u stattlicher Vierziger war, Jahr ein Jahr aus als Erster auf dem Posten; von Natur aus wortkarg ver- anlagt, ging er aus einem Stalle in den anderen, da kine kurze Anordnung ertheilend, dort hilfreich mit Hand anlegend, den klugen, scharfen Blick seiner großen grauen Augen, welchem zu begegnen besonders die Säu­migen ungemein fürchteten, nach allen Seiten hin wachsam und beobachtend wendend.

Auch heute bewegte sich Eichmann in Stall und Hof unermüdlich auf und nieder. Einer regendurchschauerten Nacht war ein müde und fahl dein Licht des Tages

dem Kleingewerbe zu nützen. Abg. Hasse (natlib.) tritt insbesondere für den Colportage-Buchhandel ein, der zum größten Theil nützliche Werke, wie j. B. Conversalions-Lexika, vertreibe, während der Verkauf von Schauerromanen nur 1 Procent des Vertriebes betrage. Abg. Hitze (Ctr.) vertheidigt den Antrag Gröber, daß die Beschränkungen des Hausirhandels zum Schutze des seßhaften Gewerbebetriebe« noth­wendig seien. Preußischer HandelSminister Freiherr v. Berlepsch führt au«. daß die Beseitigung des HanfirhandelS nicht gerechtlertigt sei; der Haustrhandel habe ganz dieselbe Berechtigung wie daS seßhafte Gewerbe. Gegen Auswüchse deS Gewerbebetriebes im Umheiziehen müßten natürlich Bestimmungen getroffen werden. Abg. Schmidt- Berlin ksozd/t wünscht zum Schutze der beim Schauspielgewerbe an­gestellten Personen gegm Ausbeutung durch ihre Prinzipale noch schärfere Bestimmungen, als sie die Regierungsvorlage bietet, und spricht sich gegen jede Beschränkung des Hausirhandels aus. Abg. Gräfe t.dschsoz. Resp.) betont, daß der Regiernngsentwurs nicht weit genug gehe, um dem seßhaften Gewerbe den erforderlichen Schutz zu gewähren. Abg. Meyer (frf. Ver.t bemängelt einzelne BegriffSbe- zeichnungen der Vorlage und bekämpkt die vorgeschlagenen Beschränkungen des HausirhandelS. Nachdem der Abg. Schwarze (@tr.) in seinem Schlußwort den Antrag Gröber befürwortet hatte, wurde die Regie- 1 rungSvorlage sammt dem Anträge Gröber einer Kommission von 21 : Mitgliedern überwiesen. Nächste Sitzung Dienstag 1 Uhr: Münd- ; licher Bericht der GeschäftSordnungskommission über die Priorität der ; Initiativanträge und mehrere Initiativanträge.

Aus dem Abgeordnetenhaus

Berlin, 2. Februar. In der heutigen Sitzung wurde die zweite Berathung des Etats der landwirthschgitlichen Verwaltung fortgesetzt. Fragen von allgemeiner wirthschastspol iischer Bedeutung wurden nicht mehr erörtert, hingegen gaben die einzelnen Kapitel zahlreichen Rednern auS dem Hause Anlaß zu Klagen, Befürwortungen und Anfragen, auf welche der Landwirthschaftsminister und die Regierungskommissarien sofort Antwort gaben. Dabei wurde u. A. die Thätigkeir von Agenten und Güterschlächtern bei den Erwerbungen der Geveralkommissionen erwähnt, von der Rechten getadelt, von freisinnigen Rednern befürwortet. Vom Regierungstische au« wurde u. A. dargelegt, daß auf Vermehrung qualifizirtcr VermessungSbeamten Bedacht genommen sei, damit bei der Herstellung von RentengntSplänen schneller als seither gearbeitet werden könne. Die Schaffung von 3%, igen Rentenbiiesen sei in Vorbereitung. Die ländlichen Fortbildungsschulen, die von jetzt an dem Landwirth- schastsministerium unterstellt sind, fanden lebhafte Befürwortung in dem Sinne, daß durch sie auch die landwirthschaftliche Fachbildung ge­fördert werden möge. Der Klage, daß die Körordnung für die Provinz Brandenburg gegen kaltblütige Hengste zu rigoros gehandhabt werde, trat der Oberlandstallmeister Graf v. Lehndorff entgegen. Der Abg. Knebel (natlib.) wünschte, daß der Ueberschwemmuna Deutschlands mit fremdländischem Obst ju Gunsten der einheimischen Obstbaues durch Tariferhöhungen entgegen getreten werde.

Politische Nachrichten.

Berlin, 2. Februar.

Heute Vorniittag unternahmen Ihre Majestäten

entgegendämmernder Herbstesmorgen gefolgt; die dichten grauen Wolkenmassen wollten es hartnäckig uidjt hell werden lassen.

Plötzlich blieb der Fuhrherr vor einem Rollkutscher, der mit verdrossener, übernächtiger Miene an dem Hand­pferde seines Wagens herumstriegelte, stehen und faßte ihn scharf in's Auge.

Sie sehen wieder 'mal recht verschwiemelt aus, Müller," meinte er nach einer Weile mit unwilligem Kopfschütteln.Sicherlich haben Sie die letzte Nacht wieder recht unsolid verbracht. . . Sie sollten wissen, daß ich das nicht liebe."

Der Zurechtgewiesene brummte etwas Unverständliches vor sich hin, striegelte sein Pferd dann aber mit ver­doppeltem Eifer.

In diesem Augenblicke nahm Eichmann wahr, daß, obwohl die Kirchthurmglocken der Nachbarschaft schon längst die sechste Morgenstunde verkündigt hatten, eben jetzt erst eilfertig einer seiner Kutscher verspätet in den Hof gestürmt kam. Sofort winkte ihn der Fuhrherr zu sich heran.

Was soll das heißen, Kuntze?" frug er in seiner gewohnten ruhigen, strengen Art.Sie kommen eine volle halbe Stunde zu spät . ."

Verzeihen Sie, Herr Eichmann," entgegnete der Kutscher, ein schon bejahrter Mann, dabei respektvoll seine Mütze ziehend.Aber ich bin durch 'was ganz Besonderes aufgehalten worden." _ .

- Der Fuhrherr schüttelte abweisend ben_ Kopf. Ich kenne bei Unpünktlichkeit keine Entschuldigung,

der Kaiser und die Kaiserin einen gemein­samen Spaziergang im Thiergarten. Ins königliche Schloß zurückgekehrt, arbeitete der Kaiser zunächst mit dem Chef des Militairkabinets und hörte dann den Vor- trag des Chefs des Generalstabes der Armee.

Wie aus München gemeldet wird, ist dort am Donnerstag Abend nach nur eintägiger Krankheit Prinz W o lf g a ng Maria Leopold vonBayern gestorben. Am 2. Juli 1879 zu Villa Amsee geboren, war Prinz Wolfgang ein Enkel des Prinz-Regenten L u i t p o l d und der vierte und jüngste Sohn des Prinzen Ludwig und dessen Gemahlin, Prinzessin MariaTheresia, geborenen Erzherzogin von Oesterreich-Este-Modena. Der schmerzliche Verlust, der das bayerische Königshaus durch diesen Todesfall betroffen hat, wird nicht nur beim bayerischen Volke, sondern in ganz Deutschland mitem­pfunden werden, insbesondere auch am preußischen Königshofe.

Betreffend die Herabsetzung der B e s chlußfähig - feit des Reichstages hat der Präsident des Reichstages, v. Levetzow, den Mitgliedern der Geschäfts- ordnungs-Kommisston zwei Anträge vorgelegt. Danach soll bei der Beschlußfassung über Fragen, welche die Geschäftsordnung b'^effen, eine geringere Anzahl von Mitgliedern zur Beschlußfähigkeit genügen. Ferner hat Herr v. Levetzow noch beantragt, daß die Namen der- jenigen Mitglieder, welche bei namentlicher Abstimmung oder beim Namensaufruf ohne Entschuldigung gefehlt oder vor dem Beginne der nächsten Sitzung sich nicht entschuldigt haben, durch den Präsidenten zur Verlesung gebracht werden sollen.

Die Abgeordneten Dr. Hitze und Dr. Lieber haben beim Reichstag eine Interpellation eingebracht, durch die ungefragt wird, welche gesetzlichen Bestimmungen in Aus­sicht genommen seien über die Formen, in denen die Arbeiter durch Vertreter, welche ihr Vertrauen be­sitzen, an der Regelung gemeinsamer Ange­legenheiten betheiligt und zur Wahrnehmung ihrer Interessen bei Verhandlung mit den Arbeitgebern und mit den Organen'der Regierung befähigt werden sollen. Insbesondere wird angefragt, ob die Vorlage eines Ge­setzentwurfs über die gesetzliche Anerkennung der Berufs­vereine und die Errichtung einer geordneten Vertretung der Arbeiter (Arbeiter-Kammer n) bald erwartet werden dürfe.

das sollten Sie wissen," bemerkte er und wollte sich abwenden.

Es kommt nicht wieder vor," betheuerte der Kutscher, der seltsam verstört erschien.Aber denken Sienur, in unserer Nachbarschaft ist ein Mord gescheh'n . ."

Er hatte die Worte so laut hervorgestoßen, daß sie von den Nächsten vernommen worden waren; diese hielten trotz der so gefürchteten Gegenwart ihres Herrn plötzlich in der Arbeit inne und schaarten sich, noch Anderen einen Wink zum Näherkommen gebend, um ihren Kame­raden, den nun auch Eichmann erwartungsvoll und leicht beunruhigt anblickte.

Nur Müller verharrte mit mürrisch verzogenem Ge­sicht bei seinen Pferden und putzte, anscheinend nur mit seiner Arbeit beschäftigt, daraus los; ein unbefan­gener Beobachter aber hätte sicherlich wahrgenommen, wlL 6t bic Obren fpi^tc nnb offenbar von ben in otl)ein- loser Hast den Lippen Kuntze's sich entringenden Worten auch nichts verlor. ,

3a, denken Sie nur," berichtete der Kutscher,es schlug gerade halb sechs, als ich an der Elisabethkirche vorüberkam . . da sah ich in dem kleinen Vorgartenn paar Schutzleute steh'n . . die thaten ganz aufgeregt . . und auch noch andere Leute waren dabei. Als ich näher zutrat, da seh' ichn Wächter an'n Baum hängen . . Herrgott, der war schon ganz mausetodt . . ."

Bestürzung malte sich in aller Gesichtszügen: auch Eichmann trat näher an den Erzählenden heran. Weiß man, wer's war?"

Natürlich berichtete Kuntze weiter's ist ja der