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Nr. 19.
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Amtliches.
Gefunden: 1) am 5. d. Mts. auf dem Viehmarkt in Hersfeld eine Brieftasche, enthaltend 300 Mark. 2) auf der Straße Friedewald-Vacha-Herfa ein Packet mit Kleiderzeug. — Meldung der Eigenthümer bei dem Ortsvorstand zu Friedewald.
Politische Nachrichten.
Berlin, 12. Februar.
Se. Majestät der Kaiser kehrte im Laufe des gestrigen Nachmittags von der Pürsche im Schutzbezirk Mucker nach dem Jagdschlösse Hubertusstock zurück. Heute Vormittag um 11 Uhr belichtete Se. Majestät die Winterfütternng in der Königlichen Oberförsterei Groß-Schönebeck, begab sich Nachmittags nach Eberswalde, um von dort um 6 Uhr Abends nach Berlin zurückzukehren. Nach der Ankunft in Berlin wird sich Se. Majestät direkt nach der Kriegs-Akademie begeben, um daselbst einem Vortrag des Generalmajors Frhrn. von Bissing in der Militairischen Gesellschaft beizu- wohnen.
Der von Seiner Majestät dem Kaiser zur Hebung des Rudersports an den Berliner höheren Lehranstalten gestiftete Wanderpreis für Schülerregatten, eine altgothische silberne Kanne, ist seit einigen Tagen im Königlichen Kunstgewerbe-Museum ausgestellt.
Durch die Blätter macht ein Artikel des „M a t i n" die Runde, den dieses Journal, seiner Angabe zufolge, von einem gelegentlichen Mitarbeiter aus Wien unter der Versicherung vollkommener Zuverlässigkeit erhalten hat. Wir lassen dahingestellt, wie das Urtheil Sr. Majestät des Kaisers über die derzeitige innere Lage in Frankreich lauten würde. Jedenfalls aber beruht der Artikel des „Matin", der angebliche Aeußerungen Sr. Majestät über die französische Präsidentschaftskrisis wieder- giebt, seinem ganzen Inhalte nach auf Erfindung. DieUnter- redung in einem „intimen Kreise", von der das französische Blatt berichtet, hat nicht stattgefunden. (Nordd. Allg. Ztg.)
Dem Abgeordnetenhause ist das neue Stempel- steuergesetz zugegangen. Die Grundlage der bisherigen Stempelsteuer stammt noch aus dem Jahre 1822.
(Nachdruck verboten.)
Zwischen Sottr iinii Buk
Familienroman von P. H c u k e S.
(Fortsetzung.)
Aber die geschwätzige Zungengeläusigkeit der Mutter ließ den Fuhrherrn gar schnell wieder diesen ersten Eindruck vergessen. Frau Schwark wies auf die drei Männer hin, welche sich mit Ausnahme des Aeltesten von ihnen, ein«n hochbetagten Greis mit hartem,^ verknöcherten Gesicht, auf dem die Schatten des Todes schon zu lagern schienen, beim Eintritt des Besuchers von be* schadhaften Strohstühlen erhoben hatten.
Die Wittwe deutete auf den alten Mann, der eben mit einem fürchterlichen Hustenanfall kämpfte und vor Anstrengung ganz blau im Gesicht wurde. — „Mein Onkel Müller," stellte sie vor. „Er ist Eigenthümer in Tepsdorf draußen . . ."
„Sie scheinen leidend zu sein?" frug der Fuhrherr, neben der Wittwe platznehmend.
’n bischen Husten, das hat weiter nichts auf sich," meinte der Alte mit krächzender Stimme.
„Der Onkel ist ’n Lungenpfeifer," meinte der zweite der Männer erläuternd.
Der Greis warf ihm einen grimmigen Blick zu. — „Das könnte Dir wohl passen," brummte er, wurde dann aber durch einen neuen Huftenanfall, der wiederum erschrecklich hohl klang, unterbrochen. Endlich war er wieder leidlich bei Athem und wischte sich nun mit einem Taschentuch den blutigen Schaum vom Mund. —
Der neue Entwurf faßt die zerstreuten Gesetze und Verordnungen auf diesem Gebiete zusammen und setzt an Stelle veralteter Bestimmungen solche, die den Bedürfnissen des heutigen Verkehrs entsprechen. Die weniger bemittelten Klassen sollen weniger getroffen und der Ausfall durch einige Erhöhungen ausgeglichen werden.
Der Centralausschuß zur Förderung der Jugend - und Volks spiele in Deutschland beabsichtigt, an den sämmtlichen Universitäten Kurse in den Jugend- und Volksspielen für die Studirenden ins Leben zu rufen, wie dies im vorigen Jahre mit schönem Erfolge an der Berliner Universität bereits geschehen ist, und wird zu dem Zwecke den Rektoren der Universitäten einen Aufruf an die Studentenschaft übersenden. Der Kultusminister hat in einem an die Universitätskuratoren gerichteten Rundschreiben seine völlige Zustimmung zu den Bestrebungen ausgesprochen und den Universitätsrektoren die Förderung der Kurse anempsohlen.
Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Wir haben wiederholt betont, daß die Regierung es für ihre Pflicht hält, die Durchführbarkeit des Antrages Graf Kanitz sorgfältig zu prüfen. Man wird indessen davor warnen müssen, in den optimistischen Schlüsten, die aus dieser loyalen und wohlwollenden Haltung der Regierung gezogen werden, zu weit zu gehen. Bei aller Sympathie für die Bestrebungen zur Hebung des Getreidepreises lassen sich vielmehr Zweifel an der Möglichkeit einer praktischen Ausführung der Kanitzschen Vorschläge schon jetzt nicht abweisen. Wir erinnern u. A. an den Er- fahrungsbeweis, der den mißlungenen Getreideankaufs- Versuchen der Regierung in Rußland zu entnehmen ist.
Die „Berliner Correspondenz" schreibt: „Die durch die Zeitungen verbreitete Mittheilung, daß S e. M a j e st ä t der Kaiser die Protokolle über die Berathungen der sogenannten U m st u r z k o m m i s s i o n sowie ein Gutachten über die von der Kommission beschlossenen Erweiterungen des Regierungsentwurfs sich habe vorlegen lasten, beruht auf Erfindung."
Dem Abgeordnetenhause ist ein Antrag der Abgg. B a ch e m und R o e r e n (Ctr.) zugegangen, der auf Annahme eines Gesetzentwurfes abzielt, betreffend die Anlage konfessionellerBegräbnißstätten.
Wie der „Weser-Ztg." von Berlin gemeldet wird, hätte der antisemitische Reichstagsabg. Lieberinann v. Sonneberg den antisemitischen Reichstagsabg. B ö ck e l wegen der Behauptung gefordert, daß Lieber
„Wenn das Blutspucken nicht wäre," meinte er erläuternd zu dem Fuhrherrn. „Aber es sieht gefährlicher aus, wie es ist . . . wenn erst das Frühjahr kommt, dann muß es ja beffer werden!"
Ein neuer Hustenanfall unterbrach ihn; die beiden um ihn sitzenden Männer legten ihm zugleich fürsorglich ihre Hände auf die Schultern und dem Fuhrherrn erschien es, als ob sie sich dabei wechselseitig grimmige Blicke zuwarfen.
„Onkel, Sie müssen sich schonen," meinte der eine von ihnen, ein gedrungen gebauter Mann mit finsteren, eckigen Gesichtszügen, die düster glimmenden Augen dnrch dicht zusammengewachsene Brauen halb verdeckt.
„Machen Sie 'm Riedel die Freude nicht, Onkel," ließ sich nun auch der Andere vernehmen, ein hagerer, spindeldürrer Mann mit einem verschmitzten, dummpfiffig dareinblickenden Gesicht. „Sie wissen ja, wie der auf's Erben aus ist."
Der Alte machte während des Hustens heftige Bewegungen mit beiden Händen. — „Zwei Gauner seid Ihr, lehrt mich Euch nicht kennen", krächzte er. „Aber Ihr habt noch nicht geerbt — verstanden?"
Das junge Mädchen, auf dessen lieblicher Erscheinung während des unerquicklichen Wortwechsels unwillkürlich der Blick des Fuhrherrn geweilt hatte, war auf einen Wink der Mutter in die Nebenstube gegangen, um die in dieser immer toller und lauter sich geberdenden jüngeren Geschwister zu beschwichtigen; Frau Schwark aber^ wendete sich jetzt an ihren Besucher. ~
„Das ist nämlich unser Erbonkel, müssen L-ie wissen,"
mann einen Wahlkreis verkauft hätte; am Montag bereits sollte ein Ehrengericht zusammentreten.
Aus dem Reichstag.
Berlin, 11. Februar. In der heutigen Sitzung wurde zunächst die Novelle zu dem Gesetz über die Kosten und Gebühren bei den Reichskonsulaten in dritter Lesung angenommen. ES folgte die zweite Berathung deS ReichShaushaltS-EtatS. Bei dem Etat für den Reichstag spricht der Abg. Richter (frf. VolkSp.) den Wunsch auS, daß das Heim des Reichstages nicht ReichShauS, sondern Reichstagsgebäude genannt werde. Die Annahme, als ob es ein Haus für den Reichstag und den BundeSrath wäre, sei ganz willkürlich. Das sähe so auS, als ob der BundeSrath im Reichstagsgebäude dem Reichstage koordinirt fei; das VeriügungSrecht über das HauS stehe aber allein dem Reichstage beziehungsweise dessen Vorstand zu. Der Redner wünscht ferner, daß bei der Vollendung der künstlerischen Ausschmückung deS Haute« nicht die ReichstagSbaukommisston, sondern der Reichstag selbst die Entscheidung habe, und daß die Beschaffenheit der Journalistentribüne verbessert werde. Staatsminister v. Bötticher: Der BundeSrath nehme kein Condominium an dem Reichstagsgebäude in Anspruch, sondern erkenne an, daß daS HauSrecht der Präsident deS Reicb«tagS auSzuüben habe; aber der BundeSrath sei berechtigt, diejenigen Räume, die für ihn bestimmt seien, ausschließlich für sich in Anspruch zu nehmen. Bezüglich deS ReichStagSbaueS würde eine Reihe von Fragen, wie Rechnungslegungen und dergleichen, zweckmäßiger von der Baukommission erledigt werden, und auch bei der Ausschmückung deS Gebäudes werde der sachgemäße Beirath der Kommission nicht entbehrt werden können; solche Fragen ließen sich in einer,t kleineren Kreise viel besser erledigen, als im Plenum. Den Wünschen des Reichstage« könne dadurch nicht vorgegriffen werden, denn dieser sei bei der EtatSberathung in der Lage, seine Wünsche geltend zu machen. Den Mängeln deS Haufe«, insbesondere auch denjenigen der Journalistentribüne, werde nach Schluß der Session möglichst abgeholfen werden. Abg. Freiherr V. M ante u f f e l (kons.) theilt mit, daß im Waschraum der Abgeordneten ein an ihn gerichteter Brief, der dort auS Versehen liegen gelassen worden, gestohlen und nunmehr in der sozialdemokratischen „Leipziger Volkr- zeitung" veröffentlicht worden sei; er behalte sich Schritte zur strafrechtlichen Verfolgung des Diebes vor. Abg. S ch ö n l a n k (sozd.), Chefredakteur des genannten Blattes, erklärt, der Brief sei in einer anonymen Abschrift in die Hände der Redaktion gekommen und wahrend seiner Abwesenheit veröffentlicht worden. Die Redaktion sei der Ansicht gewesen, daß eS sich um ein politisches Aktenstück handle. Wer die Abschrift an die Reduktion geschickt habe, wisse er nicht, vielleicht wisse eS Jemand von der rechten Seite des HauseS. Abg. Freiherr v. M ante u f f e l (kons.) verwahrt die Rechte gegen die letztere Bemerkung und betont, eS handle sich hier weniger um den Inhalt des Briefes, als um die Thatsache de« Diebstahls. Abg. Bebel tsozd.) bemerkt NamenS seiner Partei, daß eS verwerflich sei, Angelegenheiten der Abgeordneten, die auf diesem Wege in Erfahrung gebracht worden, zu veröffentlichen; er sei aber in bcm Glauben, daß die Redaktion deS genannten Blattes nicht gewußt habe, daß die Abschrift deS Briescs durch einen derartigen Mißbrauch in ihre Hände gelangt sei. — Die Redner der freisinnigen Volkspartei, des Centrum«, der süddeutschen VolkSpartei und der deutschsozialen Reformpartei sprechen sich für die Gewährung von Diäten an die ReichStagsabgeordneten auS. Die Kon-
erläuterte sie ungescheut, mit dem hageren Zeigefinger der Linken auf den hustenden Alten zeigend . . „und die Beiden da sind zwei Neffen von ihm ... da dem Peter Müller sein Vater ist der zweite Bruder vom Onkel gewesen und mein Vater war Onkels jüngster Bruder und die älteste Schwester vom Onkel war die verstorbene Mutter vom alten Riedel hier . ." Dabei wies sie auf den finsterblickenden Mann zur Rechten des Greises.
„Da störe ich Sie vermuthlich in einer Familien- berathung," begann Eichmann.
„Durchaus nicht," fiel Müller ein. „Wir sprechen von der Zukunft . . wo nun Rieke's Mann todt ist, muß sie seh'n, wie sie fertig mit ihren Kindern wird . . . der Onkel kann für sie nichts mehr thun, bei dem ist schon die Luise . ."
„Das ist so 'ne Sache," bestätigte Riedel hastig, „der Onkel ist mit uns allen verwandt . . mein Sohn könnte ’ne Unterstützung auch gut brauchen . ."
„Und mein Robert wohl nicht?" fiel spitz Müller ein. „Jetzt, wo er plötzlich um's Brot gekommen ist . ."
Der Fuhrherr horchte auf. — „Sie heißen Müller?" frug er dann.
Der Angeredete nickte mit dem Kopse und warf dann dem Fragenden keinen freundlichen Blick zu. — „Zu dienen," brummte er. „Der Robert Müller, den Sie so plötzlich weggejagt haben, istUmein Aelt'ster, Herr Eichmann."
Der Fuhrherr zog die Stirn kraus; aber er hatte keine Lust, sich mit dem Vater des Entlassenen in einen